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Microsoft-Chef Satya Nadella zum neuen Bing: Wir wollen Google zum Tanz bitten

Microsoft-Chef Satya Nadella zum neuen Bing: Wir wollen Google zum Tanz bitten

In dieser Woche hat Microsoft einen Neustart seiner Suchmaschine Bing angekündigt. Mit künstlicher Intelligenz von OpenAI und einem chatbasierten Ansatz will man die Internetsuche neu erfinden und ein ernsthafter Konkurrenz zum Branchenprimus Google werden.

Im Anschluss an die Pressekonferenz war Microsoft-CEO Satya Nadella bei TheVerge zu Gast und hat in einem rund 20minütigen Interview über das neue Bing, dessen Entstehung und die damit verbundenen Ziele gesprochen. Ihr könnt Euch das Interview in voller Länge am Ende des Beitrags anschauen.

Satya Nadella ist im Gegensatz zu seinem Vorgänger Steve Ballmer eher ein Mann der leisen Töne. Wenn es um das neue Bing geht, haut er aber auch mal auf den Putz und sagt: “Wir möchten Google zum Tanz bitten. Wir wollen sehen, ob sie tanzen können. Und wir wollen, dass alle wissen, dass wir es waren, die Google zum Tanzen brachten. Das wäre großartig.”

Die Suche bezeichnet Nadella als “die größte Software-Kategorie der Welt”, und er ist sich bewusst, wie die Rollen derzeit verteilt sind. Google sei der “800-Pfund-Gorilla” in diesem Markt und Bing habe nur einen sehr kleinen Anteil, gibt sich der Microsoft-Boss dann gleich wieder bescheiden. Genau das sieht er aber als einen Vorteil: “Ich will nur jeden Tag ein paar Leute für Bing gewinnen. Wir starten ganz klein und freuen uns über jeden kleinen Fortschritt, während die anderen mit aller Kraft ihren Status verteidigen müssen.

In der Tat: Microsoft macht mehr als 200 Milliarden Dollar Jahresumsatz, Bing trägt nur etwa fünf Prozent dazu bei. Selbst wenn man mit dem neuen Bing gar nichts erreicht, geht nichts kaputt. Kommt es aber zu einem ernsthaften Wettbewerb, hat Google deutlich mehr zu verlieren.

Eine neue Suchmaschinen-Technologie entsteht logischerweise nicht über Nacht, sondern ist das Ergebnis jahrelanger Entwicklungsarbeit. Im Sommer 2022 bekam Nadella die erste Version dessen zu sehen, was Microsoft nun das “Prometheus Model” nennt. Auf die Frage, ob das denn nun ChatGPT-4 sei oder nicht, entgegnete er: “Ich überlasse es Sam Altman (CEO von OpenAI), über Zahlen zu sprechen”.

Schon bei den ersten eigenen Versuchen mit der neuen Engine habe er bemerkt, dass man nun in der Position sei, etwas grundsätzlich Neues im Bereich der Suche auf die Beine zu stellen und Bewegung in einen festgefahrenen Markt zu bringen. “Gelegenheiten wie diese tun sich nur ganz selten auf”, sagt Nadella, und ergänzt: “Auf diesen Moment habe ich seit 20 Jahren gewartet.”

Ob das neue Bing auch weiterhin Bing heißen soll, wurde intern bei Microsoft kontrovers diskutiert. Schließlich steht der Name für die bislang eher erfolglosen Gehversuche im Bereich der Internetsuche und kann daher auch eine Hypothek sein. Es sei letztlich seine Entscheidung gewesen, an diesem Namen festzuhalten, gibt Nadella zu Protokoll.

TheVerge-Chefredakteur Nilay Patel, der das Interview führte, kam auch auf das Thema zu sprechen, das ich in meinem Kommentar: Das neue Bing hat Killerpotential: Es tötet das freie Internet angesprochen habe: Müssen sich Publisher sorgen machen, künftig keine Besucher mehr über Suchmaschinen zu bekommen, weil alle Fragen direkt dort beantwortet werden?

Diese Gefahr sieht Nadella nicht: “Bei der Suche dreht sich alles um Fairness”. Aufgabe der Suche sei es, die Inhalte der Publisher sichtbar zu machen und entsprechenden Traffic auf die Quellen zu generieren. Dies sei für Microsoft eine wichtige Kennzahl, die man aktiv überwache. Wenn man keine Gegenleistung erbringt, müsse man schließlich damit rechnen, dass die Bots von Bing, welche die Webseiten durchsuchen, blockiert werden.

Das Interview in voller Länge:

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 16 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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