Am Puls von Microsoft

Microsoft dokumentiert die Beschränkungen von Windows 10 on ARM – Update

Microsoft dokumentiert die Beschränkungen von Windows 10 on ARM - Update

Bald ist es soweit, im Frühjahr kommen die ersten Notebooks mit Windows 10 on ARM auf den Markt und dann werden wir endlich selbst nachprüfen können, ob die vollmundigen Versprechungen hinsichtlich Performance und Akkulaufzeit tatsächlich eingelöst werden. Auch wird sich dann endlich klären, mit welchen Einschränkungen bei der Software-Kompatibilität man tatsächlich rechnen muss.

Hinsichtlich der Emulation von traditionellen x86-Programmen hat Microsoft bisher stets mitgeteilt: It just works. Zweifel – auch bei mir – konnten sie aber niemals vollständig ausräumen. Nun haben die Redmonder eine Dokumentation für Entwickler veröffentlicht, in der die Einschränkungen der ARM-Plattform aufgeführt werden. Es gibt sie also tatsächlich.

In der Auflistung finden sich bereits bekannte Tatsachen wie jene, dass 64 Bit-Programme nicht emuliert werden können. Ein Umstand, der in dieser Geräteklasse allerdings nicht so wirklich ins Gewicht fällt.

Darüber hinaus gilt der Grundsatz: Je näher an der Hardware ein Prozess läuft, desto größer sind die Einschränkungen bei der Kompatibilität. Spiele, die auf hardwarebeschleunigtes OpenGL setzen oder spezielle Anti-Cheat-Treiber mitbringen, werden unter Windows 10 on ARM nicht laufen (die Wahrscheinlichkeit, dass sie auf einem solchen Gerät überhaupt von jemandem installiert werden, dürfte allerdings gering sein).

Das Fehlen von Hyper-V wird man ebenso verkraften können, kritischer wird es da schon bei Software, die – so steht es geschrieben – in die „Windows Experience“ eingreift. Dazu gehören zum Beispiel verschiedene Programme zur Barrierefreiheit, aber auch Cloudspeicher-Clients, die sich in den Explorer einklinken. Überhaupt sind alle Shell-Funktionen blockiert (also z.B. Kontextmenü-Erweiterungen im Explorer), und wenn dies innerhalb des Programms nicht sauber abgefangen wird, stürzt es ab und kann überhaupt nicht genutzt werden.

Ebenfalls interessant: Bei Apps, die bei einer ARM-CPU automatisch unterstellen, dass es sich um Windows 10 Mobile handelt, kann es zu unerwünschten Effekten wie z.B. falscher Darstellung der Benutzeroberfläche kommen.

Last but not least wird noch darauf hingewiesen, dass Hardware-Treiber unter Windows 10 on ARM nicht emuliert werden können, sondern nativ kompiliert werden müssen. Das sollte nicht überraschen – was das für die Kompatibilität mit gängiger Peripherie mit Druckern und dergleichen bedeutet, lässt sich schwer sagen – ich würde vermuten, dass zumindest ein Großteil der Geräte, die Windows 10 heute schon automatisch erkennt und einrichtet, auch mit Windows 10 on ARM funktionieren werden.

Überraschend ist allerdings, dass auch native ARM64-Programme nicht unterstützt werden, wie aus einer Tabelle hervor geht, die in einem weiteren Artikel veröffentlicht wurde.

Die Kompatibilitäts-Matrix von Windows on ARM

Bei Universal Windows Apps sind dagegen keinerlei Probleme zu erwarten, heißt es. Außerdem wurden die meisten in Windows enthaltenen Programme nativ für Windows on ARM kompiliert, müssen also nicht emuliert werden.

Darüber, was die genannten Einschränkungen in der Praxis tatsächlich bedeuten, lässt sich erstmal nur spekulieren. Gut möglich, dass ein „ahnungsloser “ Kunde einen Windows on ARM-PC kauft und davon gar nichts bemerkt.

Gleichwohl habe ich in einem meiner früheren Artikel zu Windows on ARM geschrieben: Wenn es zu 100 Prozent mit dem klassischen Windows kompatibel ist, dann ist alles gut. Wenn es nur 99,8 Prozent sind, dann kann man es vergessen. Ein einziges nicht kompatibles Programm, ein einziges Stück Hardware, das nicht funktioniert, und sofort sind wir an dem Punkt, wo man sagt: Nimm lieber einen „richtigen“ Windows-PC, dann bist du auf der sicheren Seite. Nach Studium der Dokumentation habe ich die schlimme Befürchtung, dass es genau so kommen wird.

Vielen Dank an Christian aus unserem Telegram-Chat für den Hinweis!

Update: Wie unseren aufmerksamen Lesern aufgefallen ist, hat Microsoft das entsprechende Dokument wieder entfernt bzw. ersetzt. Der ursprüngliche Link führt jetzt zu einer Seite, auf der Fehlerbehebungen erläutert werden, sollte eine x86-Anwendung unter Windows 10 on ARM nicht laufen. Die in diesem Artikel wiedergegeben Informationen sind nicht mehr zugänglich. Ob sie entfernt wurden, weil sie falsch waren, oder ob es sich schlicht um eine versehentliche vorzeitige Veröffentlichung handelte, lässt sich schwer sagen, allerdings erscheint mir Letzteres naheliegend.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige