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Microsoft Edge: Was ist neu beim Fall Creators Update?

Microsoft Edge: Was ist neu beim Fall Creators Update?

Noch vier Wochen, dann wird Microsoft mit der Verteilung der neuen Version 1709 alias dem Fall Creators Update von Windows 10 beginnen. Während viele neue Features wie OneDrive Files on Demand, MyPeople oder das Fluent Design allgemein bekannt sind, lohnt sich gerade bei Microsoft Edge ein gesonderter Blick, da besonders im Bereich der Browser aktuell viel passiert und diese für sich immer sehr viele Neuerungen mitbringen.

Microsoft Edge hat als Nachfolger des Internet Explorer bisher keinen sonderlich herausragenden Job gemacht. Während sich Konkurrenten wie Firefox oder Chrome gerade unter der Haube aktuell sehr rasant entwickeln und über verschiedene Betriebssysteme verfügbar sind, klammert sich Edge an Windows 10 und kann auch im Funktionsumfang mit seinen Konkurrenten in vielen Punkten bisher nicht mithalten. Ehrlicherweise haben die Entwickler hier in den vergangenen Monaten sehr viel Arbeit investiert und Edge wird mit dem Fall Creators Update eine große Aufwertung erfahren. Mithalten kann er aber nach wie vor nur eingeschränkt.

Die Basics

Mit der kommenden Version holt Edge wieder in einigen grundlegenden Punkten auf. Erstmals verfügt der Browser über einen echten Vollbildmodus, der wie in anderen Browsern auch mit der Taste F11 aufgerufen werden kann. Außerdem können Websites nun auch an die Taskleiste angeheftet werden. Des weiteren haben die Entwickler die Kontrolle über das Schließen von Tabs verbessert. Fortan können diese auch dann über das X in einem Tab geschlossen werden, wenn im Browser aktuell ein JavaScript-Dialog offen ist.

Kleine Verbesserungen bekam außerdem die Lesezeichenverwaltung. Wenn es um den Import dieser sowie Cookies und Einstellungen geht, wird nun auch Google Chrome unterstützt. Zudem können nun die URLs der Lesezeichen in der Favoritenleiste bearbeitet werden. Wird ein neues Lesezeichen erstellt, nähert sich Edge außerdem dem Internet Explorer wieder etwas an. Die entsprechende Ordnerstruktur kann nun wie damals auch geöffnet und geschlossen sowie entsprechend editiert werden.

Zudem gibt es noch kleine Sachen, die nicht direkt mit Edge zu tun haben, in die er aber involviert ist. Über den Soundmixer kann nun auch die Lautstärke von Edge separat geregelt werden. Über die App “Continue to PC” auf iOS und Android können dort angesurfte Seiten über die jeweilige Teilen-Funktion an Microsoft Edge übergeben und dort weiter gelesen werden. Zu guter Letzt gibt es noch einige optische Verfeinerungen, darunter Elemente im neuen Fluent Design sowie ein neues Icon für den Hub.

Der PDF-Reader

Schon immer war Microsoft Edge der standardmäßige PDF-Reader unter Windows 10. Das kommende Update wertet diesen aber deutlich auf und macht ihn, verglichen mit den Varianten von Firefox und Chrome, zum funktionsreichsten Vertreter seiner Zunft. Microsoft führt nicht nur zusätzliche Highlightfarben ein und integriert Cortana nun in den Reader, sondern erlaubt fortan auch, die PDF-Dateien zu annotieren und darin enthaltene Formulare direkt auszufüllen. Annotierungen können dabei mittels Windows Ink bearbeitet, Text hervorgehoben oder die Änderungen auch gelöscht werden. Ein Speichern der Änderungen für das spätere Bearbeiten ist möglich.

Auch an der Navigation und der Handhabung hat Microsoft gearbeitet. Links findet sich nun eine Inhaltsansicht, über die wesentlich leichter durch die PDF navigiert werden kann. PDF-Dateien können nun außerdem rotiert und ggf. auch zwei Seiten nebeneinander dargestellt werden. Weiterhin ist das weiche Scrollen nun auch in PDF-Dokumenten verfügbar.

Der ePub-Reader

Viele der Neuerungen, die Microsoft für den integrierten PDF-Reader umgesetzt hat, kommen auch der Darstellung von eBooks zugute. Dazu gehören die Annotierungen, die Integration von Cortana und die Verwendung von Windows Ink. Was hier aber noch zusätzlich zum Tragen kommt, ist eine neue Sync-Funktion. Notizen, Bookmarks und der jeweilige Lesefortschritt werden dabei abgeglichen und auf allen Geräten mit Windows 10, die mit einem Microsoft-Konto jeweils verbunden sind, zur Verfügung gestellt.

EdgeHTML 16.0 und Entwicklerthemen

Nicht nur an der Oberfläche, sondern auch an der Rendering-Engine haben die Entwickler Hand angelegt. Die ganz wichtige Nachricht dabei ist: Microsoft Edge zieht in allen modernen Punkten, die für die aktuelle Webentwicklung notwendig sind, mit seinen Konkurrenten gleich. Unterstützt werden dabei WebAssembly, CSS Grid Layouts, Service Workers (wichtig für die spätere Umsetzung der Progressive Web Apps) und nicht zuletzt das wichtige Thema WebVR, was sich auch direkt auf das von Microsoft vorangetriebene Windows Mixed Reality auswirken wird.

Neu dabei ist außerdem die Payment Request API, welche Bezahlvorgänge im Web erleichtern soll, sowie die neuen CSS Properties object-fit und object-position. Außerdem hat Microsoft die F12-Entwicklerwerkzeuge überarbeitet und eine ganze Reihe weiterer APIs hinzugefügt. Weitere Details findet ihr in den Release Notes.

Außerdem sei noch angemerkt, dass das Team das Ladeverhalten der Engine gründlich überarbeitet hat. Das Ganze sollte einen deutlichen Performancegewinn sowie kürzere Ladezeiten von Websites ermöglichen.

Fazit

Nein, auf Augenhöhe mit den besten und erfolgreichsten Browsern ist Microsoft Edge mit dem Fall Creators Update immer noch nicht. Das wird für Microsofts neuen Browser ohnehin schwer, da er nur auf Windows 10 verfügbar ist und auch nur alle 6 Monate ein neues Feature-Update bekommt. Dennoch muss man anerkennen, dass die Entwickler hinter Edge diesmal gute Arbeit geleistet haben. EdgeHTML als die zugrunde liegende Rendering-Engine hat seine Pendants Gecko von Mozilla und Blink von Google in den wichtigsten Punkten eingeholt. Dazu verfügt Microsoft Edge zumindest unter Windows ab diesem Zeitpunkt über den besten PDF-Reader, der in die Webbrowser direkt implementiert wurde.

Die Mängelliste wurde weiter abgearbeitet und wichtige Verbesserungen etwa beim Vollbildmodus und der Lesezeichenverwaltung integriert, auch wenn diese in modernen Browser schlicht bereits selbstverständlich sein sollten. Alles in allem macht das Update Microsoft Edge zu einem deutlich besseren Browser, der für viele ab dann sicherlich auch als Zweit- oder zumindest Drittbrowser ausreichen wird (pure Windows-Fans natürlich ausgenommen, die haben hier traditionell etwas andere Ansichten). Damit Edge aber wirklich so stark wird, wie Microsoft das auch gemäß seiner Werbemaßnahmen gerne hätte, muss noch sehr viel mehr passieren.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und der Entwicklerplattform zu berichten hat. Regelmäßige News zu Mozilla und meinem digitalen Alltag sind auch dabei.

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