Microsoft: Starkes Quartal krönt Rekordjahr: Cloud wächst, Gaming schwächelt

Microsoft: Starkes Quartal krönt Rekordjahr: Cloud wächst, Gaming schwächelt

Am 30. Juni endete für Microsoft das Geschäftsjahr 2019. Im letzten Quartal liefern die Redmonder einmal mehr ein starkes Quartal ab und krönen damit das bisher erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte. Wachstum gab es in fast allen Bereichen, die Gaming-Sparte muss allerdings einen Dämpfer schlucken.

Zunächst die Nackten Zahlen: 33,7 Milliarden Dollar Umsatz verbuchte Microsoft im vierten Quartal, davon bleiben 10,6 Milliarden als Gewinn in der Kasse. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Zuwachs von 12 bzw. 21 Prozent. Im gesamten Geschäftsjahr 2019 nahm Microsoft 125,8 Milliarden US Dollar  ein (+14%), der Gewinn beträgt 39,2 Milliarden (+22%).

Natürlich posaunt Microsoft in der Überschrift seiner Pressemitteilung, dass die Cloud hauptverantwortlich für die tollen Zahlen ist. Anderswo werdet ihr lesen, dass sich das Wachstum der Cloud abgeschwächt bzw. verlangsamt hat. Beides ist richtig und falsch zugleich.

Das Thema „langsameres Wachstum“ ist ganz einfach erklärt: Wenn man aus einem Euro zwei macht, dann sind das 100 Prozent Wachstum. Legt man jetzt nochmal 1,50 Euro hinzu, wächst der Betrag nur um 75 Prozent. Das Wachstum von Microsofts Azure-Business schwächt sich also deshalb ab und beträgt im letzten Quartal „nur noch“ 64 Prozent, weil die absoluten Zahlen immer größer werden.

Bei der Frage, wie groß der Anteil von Azure am Gesamtumsatz tatsächlich ist, wird es wesentlich komplizierter, das habe ich vor einiger Zeit mal in einem eigenen Beitrag beleuchtet: Wie groß – oder klein – ist Microsofts Cloud-Geschäft wirklich?. Nach wie vor liefert Microsoft keine harten Dollar-Zahlen für Azure, sondern nur Prozentwerte, was für sich genommen schon Beweis genug dafür ist, dass der Anteil am Umsatz nicht so hoch ist, wie Microsoft uns das gerne glauben lassen möchte. Ich komme nach meinem Modell auf etwas mehr als drei Milliarden Dollar, die Microsoft im letzten Quartal mit Azure eingenommen hat, also etwa ein Zehntel des Gesamtumsatzes.

Kommen wir wieder zur etwas leichteren Kost: Bei Office 365 konnte Microsoft bei den kommerziellen Kunden ein Wachstum von 31 Prozent erzielen. Im Consumer-Bereich ging es lediglich um sechs Prozent aufwärts, Microsoft zählt jetzt 34,8 Millionen Privatkunden für Office 365.

Im Bereich Surface ging es um 14 Prozent aufwärts, was durchaus bemerkenswert ist, da es ja keine neuen Produkte gibt, die das Wachstum antreiben könnten. Laut Microsoft basiert der Anstieg hauptsächlich auf der gestiegenen Nachfrage im kommerziellen Bereich.

Auch das gute alte Windows trägt mit einem Wachstum von neun Prozent beim OEM-Absatz zum guten Ergebnis bei, maßgeblich getrieben durch den vermehrten Absatz von Windows 10 Pro. Erstmals ist der Bereich „More Personal Computing“ aber nicht mehr der stärkste Geschäftsbereich bei Microsoft, was allerdings eine andere Ursache hat:

Das Konsolen-Geschäft von Microsoft brach im letzten Quartal um heftige 48 Prozent ein und zog damit die komplette Gaming-Sparte in den Keller, die einen Umsatzrückgang von zehn Prozent ausweisen muss. Auch die Einnahmen im Segment „Xbox Software und Services“ gaben um drei Prozent nach. Angesichts neuer Angebote wie dem Xbox Game Pass verwundert mich Letzteres beinahe noch mehr als der Rückgang beim Konsolenabsatz. Die Zahl der aktiven Xbox Live Nutzer stieg aber dennoch an und beträgt jetzt 65 Millionen.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. "Das Konsolen-Geschäft von Microsoft brach im letzten Quartal um heftige 48 Prozent ein und zog damit die komplette Gaming-Sparte in den Keller, die einen Umsatzrückgang von zehn Prozent ausweisen muss. Auch die Einnahmen im Segment „Xbox Software und Services“ gaben um drei Prozent nach. Angesichts neuer Angebote wie dem Xbox Game Pass verwundert mich Letzteres beinahe noch mehr als der Rückgang beim Konsolenabsatz. Die Zahl der aktiven Xbox Live Nutzer stieg aber dennoch an und beträgt jetzt 65 Millionen."
    Es steht ja die neue Generation in den Startlöchern, insofern wundert mich zumindest der Rückgang im Konsolenabsatz jetzt nicht so sehr.
    Ansonsten kann ich nur wieder sagen: Wie viel wurde doch immer über Microsoft geschwätzt, Windows totgesagt etc. pp. Und nu geht's ihnen so gut wie nie zuvor. Da merkt man dann auch wieder, was für ein Schmarrn in den Mainstreammedien steht.
    Ob sich der Xbox Game Pass (Ultimate) langfristig für Microsoft rechnet? Die pumpen da ja wohl enorm viel Geld rein. Allein schon dieses Umwandeln für nur einen Euro für 36 Monate.
    Da glaube ich eher den Mainstreammedien als der Microsoft-Propaganda.

    https://app.handelsblatt.com/technik/it-tk/softwarekonzern-microsoft-steigert-umsatz-und-gewinn-kraeftig/24678064.html
    Oder lieber Focus, Spiegel,...
    Alle schreiben im Kern dasselbe das was die Zahlen nun mal hergeben und das was die Analysten für die Zukunft voraussagen.
    Microsoft steht an der Börse vor Google, Amazon und Apple. Sogar recht deutlich. Was die Zukunft bringt kann ich auch nicht sagen aber eines ist sicher. Momentan läuft es sehr gut in Redmond auch ganz ohne Propaganda.
    Als Windows Phone Fan hat man davon am Ende des Tages natürlich trotzdem nichts.
    Da hat sich aber ein Fehler im Artikel eingeschlichen, denn die Zahlen sind schlicht falsch. Scheinbar sind das die Zahlen vom letzten Jahr. Die korrekten Zahlen lauten:
    Umsatz 33,7 Mrd.
    Gewinn 13,2 Mrd.
    Bitte mal prüfen.
    Okay, hab gerade in die Pressemitteilung geschaut und ihr habt tatsächlich die Zahlen aus der Zeile 2018 genommen und nicht die weiter darunterliegende von 2019.
    chakko
    Bloß dass das keine Microsoft-Propaganda ist. Der Aktienwert spricht Bände.

    Gerade der Aktienwert läuft recht schön kurzfristigen Trends und erfolgreichem Marketing hinterher. Immerhin haben Aktionäre, wenn alles legal abläuft, auch nicht viel mehr Information als wir - lediglich von Berufs wegen mehr Zeit die Quellen zu prüfen und vergleichen.
    Und da viel Geld auf den Spiel steht, reagieren Aktienwerte oft sogar noch unverhältnismäßig stark auf Meldungen, zumindest im kurzfristigen Verlauf.
    Richtig. Ist aber jetzt wirklich seit einiger Zeit so, insofern kann man davon schon einen recht positiven Trend ableiten, auch längerfristig.
    Auch die Einnahmen im Segment „Xbox Software und Services“ gaben um drei Prozent nach. Angesichts neuer Angebote wie dem Xbox Game Pass verwundert mich Letzteres beinahe noch mehr
    Das "tolle" am GP ist doch, dass der User nicht mehr 60-70€ für ein Spiel bezahlt, sondern irgendwo zwischen 1 und 10€ für sehr viele Spiele (halt pro Monat). Da kommt doch zwangsweise sehr viel weniger Geld rein, weil gerade bei den Day 1 Käufern, die zum Vollpreis zugreifen, extrem viele Einnahmen wegfallen.
    Zu Crackdown 3 gibt es einen durchaus interessanten Einblick, wie stark die Auswirkungen ggf. sein können. Da kam man in UK gerade einmal auf 10% der Retail-Verkaufszahlen des Vorgängers. Der Rest spielte via GP und digital gab es nun gar keinen Grund für 60+€ zu kaufen.
    So stark kann die GP-Userbase gar nicht ansteigen, um das zu kompensieren.
    Wird interessant, wie sich GP in den nächsten Jahren entwickelt. Aktuell geht es ja wohl primär darum möglichst viele Abokunden zu finden.
    Tja, wie soll man dieses Ergebnis interpretieren? So, dass Microsoft sich locker das Durchhalten und den Ausbau seiner Smartphone-Sparte hätte leisten können und weiters, dass noch nicht aller Tage Abend gekommen ist, da mit Amazon ein schwerer Gegner im Cloud-Business aktiv ist.
    Zu den Verlusten im Gaming-Bereich: Keine Ahnung, Gaming interessiert mich nicht, weder am PC, noch an Xbox oder sonstwo ...
    34,8 Millionen Privatkunden für Office 365. Wie muss ich das verstehen sind das Verkaufte Lizenzen oder Personen da bei der HOME Version können es ja durchaus gleich 6 Personen sein die aber nur ein Packet nutzen?
    AT keinuntertan,
    Wie muss denn deinen Kommentar verstehen? Du hättest dir das Trauerspiel der PhoneReihe weiter gegeben???)immer in Ungewissheit wie es weiter geht??
    Investitionen im Privaten machst du doch auch nur bis zur gewissen Summe?!!!!! Wenn dein Chef sieht, dass du ständig Jahr für Jahr miese erzielst, dann wird er dich mit Sicherheit nicht befördern. Das ist völlig i. O. Das dich die gaming Szene am.... Vorbei geht, nur gibt es hier viele die es interessiert, deswegen kann der Unterton "Sonst wo" weg gelassen werden.
    KeinUntertan
    Tja, wie soll man dieses Ergebnis interpretieren? So, dass Microsoft sich locker das Durchhalten und den Ausbau seiner Smartphone-Sparte hätte leisten können

    Eine Sparte, die Milliardenverluste bringt, wird kein Wirtschaftsunternehmen der Welt mitziehen wollen. Wozu? Damit man an anderer Stelle das Geld abknapsen muss? Das ist nicht besonders logisch, und auch nicht vernünftig, was das Gesamtbild angeht. Wenn abzusehen ist, dass man auf lange Sicht keine Schnitte gegen Android und iOS hat, dann kann man es auch gleich sein lassen.
    @ niclas, @ chakko: Wir werden es nie erfahren, wie positiv sich W10 Mobile hätte entwickeln können, wenn Microsoft nicht die bekannten gravierenden Fehler gemacht hätte. Mit einem etablierten dritten mobilen System würden wir Consumer besser fahren, als nur mit dem existierenden Duopol. Vielfalt und Konkurrenz sind immer besser.
    Der letzte Satz stimmt nicht so ganz. Die Zahl der aktiven Xbox Live Nutzer ist im Vergleich zum vorhergehenden Quartal um eine Million von 66 auf 65 Mio gesunken. :D
    Die Zahlen zeigen weiterhin das MS in Sachen Cloud im Moment einen großen Teil des Kuchens bekommt und das Office und Windows ebenfalls noch Geld bringen.
    Aber das war es dann eigentlich auch schon. Ich bezweifle immer noch das das für die Zukunft der richtige Weg ist sich nur darauf zu konzentrieren.
    Im Prinzip zerrt MS in den genannten Bereichen weiterhin von einer Monopolstellung in den Unternehmen.
    Im mobilen Sektor finde ich den Konzern weiterhin sehr schlecht aufgestellt und da liegt meiner Meinung nach ein großer Teil der digitalen Zukunft.
    Aber gut wenn MS weiterhin zu einem Cloud Konzern mutiert, muss man sagen das Nadella dort zumindest im Moment noch alles richtig macht.
    KeinUntertan
    @ niclas, @ chakko: Wir werden es nie erfahren, wie positiv sich W10 Mobile hätte entwickeln können, wenn Microsoft nicht die bekannten gravierenden Fehler gemacht hätte. Mit einem etablierten dritten mobilen System würden wir Consumer besser fahren, als nur mit dem existierenden Duopol. Vielfalt und Konkurrenz sind immer besser.

    Tja... das hört sich auf dem Papier ja alles ganz schön an. Wenn man nicht darüber nachdenkt. Denn, eine Zersplitterung der Systeme führt zu einer Zersplitterung der App-Stores, führt zu weniger App-Vielfalt. Logisch - statt für 1 oder 2 Systeme müssen App-Entwickler dann für 5 oder 6 Systeme entwickeln, was dazu führt, dass man manche Systeme, die eh nicht genug Marktanteil haben, einfach links liegen lässt. Genauso bei den Home-PC Betriebssystemen. Da gibt es Windows.... und irgendwann noch Mac OS. Und, selbst für Mac OS gibt es bei weitem nicht alles, das es auch für Windows gibt, besonders bei den Spielen.
    Ne ne, da habe ich lieber einige wenige Systeme, mit der entsprechenden Softwarevielfalt und -Ökosystem. Man hat doch gesehen, dass das App-Angebot auf Windows Mobile/Phone extrem mager war.
    @Knarzi danke für den Hinweis, leider erst jetzt gesehen und korrigiert
    @Rik bei den Quartalszahlen wird immer mit dem Vorjahreswert verglichen, nicht direkt mit dem Quartal davor. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2018 waren es 57 Millionen.
    chakko
    Und, selbst für Mac OS gibt es bei weitem nicht alles, das es auch für Windows gibt, besonders bei den Spielen.

    Bei MacOS ist es eher ausgeglichen. Gerade beim Thema "Software fürs wissenschaftliche Schreiben" habe ich mich oft geärgert, wenn etwas wieder nur für MacOS verfügbar war.
    Ich weiß jetzt nicht, was "Software fürs wissenschaftliche Schreiben" ist, aber... gerade im wissenschaftlichen Bereich wäre es schön doof vorauszusetzen, dass Gott und die Welt Mac OC nutzt. Und, ich wage auch stark zu bezweifeln, dass die meiste Software in dem Bereich rein Mac-basiert ist.
    Selbst im Design- oder Musik-Bereich, wo Mac wirklich einen großen Marktanteil hat, gibt es die Software immer auch für Windows. Und, in anderen Bereichen spielt Mac, wie gesagt, keine große Rolle.
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