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Microsoft Store: Neue Richtlinie verbietet Abzocke mit Open Source Software – zweites Update

Microsoft Store: Neue Richtlinie verbietet Abzocke mit Open Source Software - zweites Update

Im Microsoft Store tummeln sich immer mal wieder Programme, die eigentlich kostenlos sind, dort aber Geld kosten. Oft handelt es sich dabei um Open Source Software. Mit einer neuen Richtlinie will Microsoft den Leuten, die auf diese Weise Kasse machen, einen Riegel vorschieben.

Siehe Updates am Ende des Beitrags – zunächst die Originalmeldung vom 17. Juni 2022:

Ein eigentlich kostenloses Open Source Programm taucht im Store auf und kostet dort Geld, noch dazu stammt die Store App nicht vom Entwickler selbst. Die moralische Einordung einer solchen Aktion ist leicht, das ist hinterhältige und dreiste Abzocke – nicht nur gegenüber den Nutzern, sondern auch und vor allen Dingen gegenüber den Entwicklern, die auf diese Weise um ihren verdienten Lohn gebracht werden.

Juristisch ist das allerdings nicht immer ganz so eindeutig. Je nachdem, unter welcher Lizenz ein Open Source Programm veröffentlicht wurde, bewegen sich die Macher solcher Store Apps in einer Grauzone, darum konnte Microsoft diese Apps in vielen Fällen nicht einfach rauswerfen. Das berühmteste Beispiel in der jüngeren Vergangenheit ist das Programm Audacity – der Entwickler sah sich durch die vielen Doubletten im Store dazu gezwungen, das Original zu veröffentlichen – selbstverständlich kostenlos.

Mit der Neufassung der Microsoft Store-Richtlinie, die zum 16. Juli 2022 in Kraft tritt, wird nun eine Regel eingeführt, die es Microsoft erlaubt, solche Apps aus dem Store zu entfernen.

Unter Punkt 10.8.7 heißt es:

Es darf nicht versucht werden, von Open-Source-Software oder anderer Software zu profitieren, die sonst allgemein kostenlos verfügbar ist

Unabhängig von rechtlichen Einordnungen wird es Microsoft damit möglich, entsprechende Programme aus dem Store zu werfen. Ganz streng genommen wird damit auch ein Modell „verboten“, das einige Open Source Entwickler in der Vergangenheit eingeführt haben: Sie bieten ihr kostenloses Programm mit identischem Funktionsumfang im Microsoft Store für Geld an und bitten zufriedene Nutzer, die Store-Version zu kaufen, um sie damit zu unterstützen. Das Grafikprogramm Paint.NET wird beispielsweise auf diese Art vertrieben, allerdings weist der Entwickler überall prominent auf diesen Umstand hin. Ich gehe mal nicht davon aus, dass Microsoft aufgrund der neuen Richtlinie dagegen vorgeht.

Der Punkt 10.8.7 enthält außerdem noch eine Klausel, dass Preise für eine App gemessen an deren Funktion „nicht unvernünftig hoch sein“ dürfen.

Alle anstehenden Änderungen an der Store-Richtlinie kann man auf dieser Seite einsehen. Neu ist auch, dass das Zertifikat für die digitale Signatur von Installationsroutinen mit der Endung .exe oder .msi von einem Herausgeber stammen muss, der an Microsofts Trusted Root Program teilnimmt.

Update vom 14. Juli 2022: Punkt 10.8.7 der Richtlinie wird nicht wie geplant am 16. Juli in Kraft treten. Genau der Punkt, den ich oben ausgeführt habe, hat zu Irritationen geführt: Verschiedene Open Source Entwickler hatten befürchtet, Microsoft könnte die Richtlinie dazu missbrauchen, den rechtmäßigen Vertrieb von Open Source Software über den Store zu unterbinden. Das war aber nicht die Intention, es ging darum, den Missbrauch zu verhindern. Um das besser herauszuarbeiten, wird die Richtlinie in diesem Punkt noch einmal überarbeitet und klarer formuliert.

Update vom 18. Juli 2022: Das ging ja fix. Die Richtlinie wurde neu formuliert und soll in dieser Form nunmehr am 18. August 2022 in Kraft treten (via Twitter). Unter Punkt 10.8.7 wurde der Verweis auf Open Source Software komplett entfernt, stattdessen heißt es hier nun ganz allgemein:

‎In Fällen, in denen Sie die Preise für Ihre Produkt- oder In-App-Käufe bestimmen, müssen alle Preise, einschließlich Verkäufe oder Rabatte, für Ihre digitalen Produkte oder Dienstleistungen:‎

  • ‎Sich an alle geltenden Gesetze, Vorschriften und regulatorischen Richtlinien halten, einschließlich, aber nicht beschränkt auf die Federal Trade Commission ‎‎Guides Against Deceptive Pricing‎‎.‎
  • ‎nicht irrational hoch im Verhältnis zu den Merkmalen und Funktionalitäten Ihres Produkts sein.‎

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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