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Microsoft Surface Duo mit Android: Warum?

Microsoft Surface Duo mit Android: Warum?

Das Surface Duo wird Ende 2020 das erste Microsoft-Gerät mit Android sein. Das wirft eine simple und doch hochgradig komplexe Frage auf: Warum tun sie das? Die Antwort darauf ist einerseits komplex, andererseits aber auch sehr simpel.

Wie ich in der ersten Meldung dazu schon schrieb, ist das gleichermaßen sensationell wie logisch-konsequent. Mir war immer klar, dass ein Smartphone-Comeback von Microsoft nur mit Android in Frage kommt, ich hätte allerdings wirklich nicht damit gerechnet, dass es tatsächlich passiert.

Microsoft sieht in Dual Display die Zukunft

Ein richtiges Smartphone-Comeback ist es ja ohnehin nicht, denn dem Surface Duo fehlt das wichtigste Element eines Smartphones: Die Kamera. Es ist allerdings nicht gesagt, dass es so bleibt, es gibt verschiedene Patente von Microsoft für komplexe Kamera-Systeme in „zweilagigen“ Geräten. Vielleicht bewahrt man sich diesen Trumpf noch ein wenig auf.

Die eigentliche Motivation erkennt man, wenn man sieht, wie Microsoft das Surface Duo mit Android und das Surface Neo mit Windows 10 X einträchtig nebeneinander stellt: Microsoft glaubt fest daran, dass den Dual Display Geräten die Zukunft gehört. Diese beiden Geräte werden – da bin ich mir ziemlich sicher – auch ein neues Kapitel in der plattformübergreifenden App-Entwicklung einläuten. Spätestens auf der BUILD 2020 werden wir mehr darüber erfahren, vermutlich sogar schon eher – denn wenn die BUILD im Mai stattfindet, stehen die neuen Geräte ja schon fast vor der Tür.

Surface Duo und Surface Neo

Warum Android?

Die kurze Antwort auf die Frage, warum sich Microsoft beim Surface Duo für Android entschieden hat, ist einfach: Weil das Betriebssystem egal ist und in Zukunft immer unwichtiger wird.

Warum war Windows für Microsoft früher so wichtig? Weil es die Basis ihres gesamten Erfolgs war. Einerseits verdiente man mit den Lizenzen den Großteil seines Geldes, andererseits war Windows die Basis für jede andere Microsoft-Software. Windows war das Fundament, auf dem das gesamte Unternehmen ruhte.

Dieses Fundament bilden künftig Cloud-Dienste wie Azure oder der Microsoft Graph, der das Gehirn verkörpert, in dem alle Fäden der Microsoft-Dienste zusammenlaufen. Weitere Dienste, mit denen die Redmonder künftig viel Geld verdienen wollen, sind plattformübergreifend verfügbar, wie beispielsweise Office 365 oder in Zukunft xCloud. Das Betriebssystem bildet nur noch die notwendige Zwischenschicht, es ist beliebig austauschbar.

Ich halte es für nicht ausgeschlossen, dass Microsoft ähnlich wie beim neuen Edge sogar aktiv in die Android-Entwicklung mit einsteigt. Android ist das erfolgreichste Betriebssystem der Welt und kommt auf immer mehr Geräten zum Einsatz. Selbst zum Android-Hersteller zu werden, eröffnet Microsoft so viele neue Möglichkeiten. Warum sollten sie diese nicht nutzen?

Es bleiben trotzdem viele Fragen

Viele Fragen bleiben derzeit noch offen: Das Surface Duo kommt mit dem Google Play Store und allen anderen Google-Diensten. Für Android-OEMs gelten aber noch viele weitere Vorschriften, wie zum Beispiel die Vorinstallation verschiedener Apps wie Gmail, die auch prominent auf dem Startbildschirm platziert werden müssen. Hat Microsoft hier mit Google einen Deal aushandeln können, der es ihnen erlaubt, Outlook und Co. auf dem Homescreen zu platzieren?

Wird Microsoft einen eigenen Store unter Android eröffnen? Da bin ich mir ziemlich sicher.

Wie wird die Anmeldung geregelt sein? Wird man sich bei der Einrichtung des Surface Duo sowohl mit einem Google- als auch mit einem Microsoft-Konto anmelden müssen? Und wie sieht es mit der langfristigen Versorgung mit Android-Updates aus?

Wenn ich noch länger darüber nachdenke, fällt mir sicher noch mehr ein. Das sind aber alles Details, um die man sich jetzt noch nicht den Kopf zerbrechen muss. Die spannendste Frage bleibt für mich in jedem Fall: Wem und wie will Microsoft das Surface Duo verkaufen? Was wird der, wie der Marketing-Fachmann sagt, „Unique Selling Point“ sein, also jenes Argument, dass die Kunden dazu bewegen soll, zum Surface Duo statt zu einem anderen Smartphone zu greifen?

Das Teil sieht todschick aus, keine Frage. Aber dieser Story fehlt noch mindestens ein Kapitel. Zum endgültigen Launch in etwa einem Jahr muss Microsoft also nochmal ein paar Überraschungen aufbieten.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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