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Microsoft und Activision spielen Good Cop/Bad Cop mit der FTC

Microsoft und Activision spielen Good Cop/Bad Cop mit der FTC

Die amerikanische Kartellbehörde FTC will den Zusammenschluss von Activision und Microsoft verhindern, notfalls vor Gericht. Sowohl Microsoft als auch Activision haben jetzt offizielle Stellungnahmen bei der FTC eingereicht, der Ton erinnert dabei an das gute alte Good Cop/Bad Cop Spiel.

Microsoft schlägt moderate, versöhnliche Töne an, während Activision voll auf Konfrontationskurs setzt und der FTC einen ausgewachsenen Realitätsverlust bescheinigt.

Die grundsätzlichen Argumente sind logischerweise altbekannt und wir haben sie durch die ausführliche Berichterstattung über diesen Fall schon oft genug gehört. Microsoft verweist in seiner 37seitigen Stellungnahme, die man im Volltext bei TheVerge nachlesen kann, auf die Tatsachen, dass man wesentlich weniger Exklusivtitel besitzt, der kleinste aller Konsolenhersteller ist und zudem im mobilen Gaming quasi nicht existiert. Die folgende Grafik soll das verdeutlichen:

Marktanteile der Konsolenhersteller, Verteilung der Exklusivtitel und Xbox-Anteil am mobilen Gaming

Microsoft vertritt nach wie vor die Auffassung, dass die Übernahme von Activision den Wettbewerb nicht schwächt, sondern im Gegenteil eher fördert.

Die FTC stützt ihre Einwände unter anderem darauf, dass Microsoft auch bei der Übernahme von Zenimax/Bethesda im Vorfeld beteuert hätte, keine Exklusivtitel zu planen, dies aber später nicht eingehalten habe. In der Tat gibt Microsoft in seiner Stellungnahme zu, dass Bethesda an drei Exklusivtiteln für die Xbox arbeitet. Sie werden zwar nicht namentlich erwähnt, es dürfte sich aber um Starfield und The Elder Scrolls VI sowie ein noch nicht offiziell angekündigtes Indiana Jones Spiel handeln. Im Gegenzug verweist man aber darauf, dass seit der Übernahme auch zahlreiche Zenimax-Spiele für die PlayStation veröffentlicht wurden.

Microsofts Brad Smith schiebt in einem Statement nochmals diplomatische Töne nach: Man sei zwar überzeugt, auch vor Gericht die besseren Argumente zu haben, die Tür für kreative Lösungen, mit denen am Ende alle Beteiligten leben können, stehe aber weiterhin offen.

Activision nimmt dagegen in seiner eigenen Antwort an die FTC kein Blatt vor den Mund (via Twitter).

Man wirft der FTC unter anderem vor, die Vorteile dieses Deals für die Verbraucher zu ignorieren und ein falsches Verständnis der Kartellgesetze zu haben. Deren Aufgabe sei es, den Wettbewerb zu schützen, nicht die Wettbewerber.

Mit ihrer Klage würde die FTC das Kartellrecht auf den Kopf stellen, indem sie die ohnehin größten Unternehmen der Spieleindustrie vor ernsthafter Konkurrenz schützen möchte. Vor lauter ideologischer Verblendung gegenüber Technologieunternehmen habe die Behörde nicht nur den Blick für die Realitäten in der Spieleindustrie verloren, sondern auch die Leitprinzipien der Kartellgesetze verraten.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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