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Microsofts neues Cloud-Lizenzmodell: Die Konkurrenz ist weiter unzufrieden

Microsofts neues Cloud-Lizenzmodell: Die Konkurrenz ist weiter unzufrieden

In dieser Woche hat Microsoft Nachbesserungen bei der Lizenzierung seiner Produkte auf konkurrierenden Cloud-Plattformen in Aussicht gestellt. Die Konkurrenz gibt sich mit den angekündigten Änderungen allerdings nicht zufrieden und behauptet sogar, damit würde alles nur noch schlimmer.

In aller Kürze: Derzeit ist muss man Mehrkosten in Kauf nehmen, wenn man Microsoft-Produkte wie Office 365, Windows Server oder SQL-Server auf anderen Cloud-Plattformen als Microsoft Azure betreiben möchte. Das verärgert Kunden wie Wettbewerber gleichermaßen, und nachdem auch die EU auf den Plan getreten ist, hat man angekündigt, für Abhilfe zu sorgen.

(Alle Details und weiterführende Links zu den Hintergründen hier: Für mehr fairen Wettbewerb: Microsoft wird Preise für Software-Lizenzierung in der Cloud anpassen).

Die versprochenen Nachbesserungen lösen allerdings keineswegs Begeisterungsstürme aus. Francisco Mingorance vom Branchenverband für Cloud Provider CISPE äußert sich wiefolgt (via ZDnet):

„Nach dem Eingeständnis unlauterer Praktiken durch Microsoft im vergangenen Mai hatte CISPE gehofft, dass Microsoft tatsächlich Maßnahmen ergreift und Änderungen an seinem Software-Lizenzierungsprogramm auf Basis der allgemein anerkannten Grundsätze für eine faire Software-Lizenzierung durchführt.

Leider ist das, was Microsoft gestern angekündigt hat, nicht nur kein Fortschritt bei der Bekämpfung wettbewerbswidrigen Verhaltens. Es kann sogar neue Abhängigkeiten schaffen, die Kunden noch mehr einschränken und Cloud-Infrastrukturanbieter willkürlich ausschließen.

Alle Änderungen am Microsoft-Lizenzierungsprogramm müssen mit den Grundsätzen einer fairen Software-Lizenzierung übereinstimmen und überprüfbar sein. Nur so kann Europa einen wettbewerbsfähigen und dynamischen Markt für Cloud-Infrastrukturdienste zu schaffen.“

Gegenüber Reuters schlägt ein Amazon-Manager in dieselbe Kerbe:

Microsoft intensiviert seine schädlichen Praktiken, indem es noch mehr Einschränkungen einführt, um den Wettbewerb, dem es ausgesetzt ist, einzuschränken, anstatt auf seine Kunden zu hören und eine faire Softwarelizenzierung in der Cloud für alle wiederherzustellen.

Eine ähnliche Reaktion gibt es auch von Googles Vice President Marcus Jadotte. Er schreibt dazu auf Twitter:

„Das Versprechen der Cloud ist flexibles, elastisches Computing ohne vertragliche Lock-Ins. Kunden sollten in der Lage sein, sich frei über Plattformen hinweg zu bewegen und die Technologie zu wählen, die für sie am besten geeignet ist, und nicht das, was für Microsoft am besten funktioniert.“

Microsofts öffentliche Ankündigung geht hinsichtlich der geplanten Anpassungen nicht ins Detail, es werden beispielsweise keine neuen Preise besprochen, sondern lediglich Verbesserungen zugesagt, die zum 1. Oktober in Kraft treten sollen.

Ich tue mich dementsprechend mit einer Einschätzung schwer. Haben die hier zitierten Personen mehr Informationen, oder fürchten sie aufgrund der unkonkreten Äußerungen lediglich, dass die Änderungen nicht weit genug gehen, und wollen dementsprechend den Druck aufrecht erhalten? In vier Wochen ist Oktober, dann werden wir es erfahren.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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