Microsofts Stellenanzeigen bestätigen Intensivierung der Consumer-Aktivitäten

Microsofts Stellenanzeigen bestätigen Intensivierung der Consumer-Aktivitäten

Es läuft rund für das Unternehmen Microsoft. Umsatz und Gewinn galoppieren ebenso wie der Aktienkurs, der von einem historischen Höchststand zum nächsten eilt. Um 70 Prozent legte die Aktie allein in den letzten zwölf Monaten zu und die Frage ist nicht ob, sondern wann die Schallmauer von 200 Dollar durchbrochen wird.

Es gibt allerdings eine Zielgruppe im Microsoft-Ökosystem, der das ziemlich egal ist und die sich zunehmend von den Redmondern vernachlässigt fühlt. Aus gutem Grund: Die klassischen Endverbraucher waren in den letzten Jahren bei Microsoft maximal geduldet und wurden praktisch vollständig ignoriert.

Gefühlt hängt das für sehr viele Leute mit dem Ende von Windows Phone zusammen, und auch wenn der Bruch hier am deutlichsten wurde, so ist die Ursache noch viel grundsätzlicher: Microsoft hat sich in den letzten Jahren voll und ganz auf seine Kernkompenzen konzentriert, und die liegen nun mal in Business und Produktivität. Das war nie anders.

Ich ging fest davon aus, dass dieser Kurs unumkehrbar ist und es bei Microsoft keine Rückbesinnung auf das Endkundengeschäft mehr geben wird. Als Satya Nadella im letzten Jahr in einem Interview einräumte, dass man die Consumer zu sehr vernachlässigt habe und sich mehr um sie kümmern müsse, habe ich mir davon nicht sehr viel versprochen, ich hielt es für reine Diplomatie.

Es tut sich aber tatsächlich was. Dass der Start einer Consumer-Variante von „Microsoft 365“ unmittelbar bevor steht, ist kein Geheimnis mehr, auch wenn wir aktuell noch nicht wissen, was sich dahinter genau verbirgt. Außerdem offenbart ein Blick in die Stellenanzeigen von Microsoft, dass im Consumer-Bereich wieder verstärkt Personal gesucht wird.

Regelmäßig stöbere ich im Job-Portal von Microsoft und schaue mir an, in welchen Bereichen Leute gesucht werden. So kann man bestimmte Trends schon früh erkennen. Die Stichworte rund um das Thema Consumer lieferten dabei in den letzten Jahren meist nur eine schwache Ausbeute. Aktuell findet man aber fast 200 Stellen die einen unmittelbaren oder zumindest indirekten Bezug dazu haben. Für ein Unternehmen mit fast 150.000 Mitarbeitern ist das natürlich nicht sehr viel, dennoch ist es ein eindeutig positiver Trend.

Gesucht wird Consumer-Personal in fast allen Bereichen, auch das Windows Marketing möchte sich diesbezüglich wieder verstärken. Sehr häufig kommen die „Modern Life Services“ in den Stellenanzeigen vor. Das Thema Sicherheit wird hier wohl eine besondere Rolle spielen, immerhin wird ein Marketing-Chef für „Microsoft 365 Consumer Security“ gesucht.

Rund um das Thema Microsoft 365/Office 365 baut man außerdem Personal auf, dass sich um die Einbindung externer Partner kümmern soll. Ziel ist es dabei, Drittanbieter-Software in das Microsoft 365-Ökosystem zu integrieren und nach Partnern zu suchen, die den Microsoft-Kunden Sonderkonditionen bieten. Für US-Kunden ist ein solches Bonusprogramm bereits gestartet.

Bei meiner Suche bin ich noch über eine Stellenausschreibung von Microsoft Deutschland gestolpert, aus der ich nicht so richtig schlau wurde. Gesucht wird ein „Channel & Partner Marketing Manager, Amazon“ – aus der Beschreibung geht für mich nicht so klar hervor, ob hier eine Intensivierung der Partnerschaft mit Amazon auf dem Plan steht oder ob sich der neue Mitarbeiter einfach nur darum kümmern soll, den Absatz über diesen Vertriebskanal zu fördern.

Es gibt aber nicht nur Planungen, sondern auch schon handfeste Ergebnisse. Mit Lisa Schell hat Microsoft Deutschland seit Kurzem wieder eine eigene PR-Stelle für den Consumer-Bereich. Sie ist schon länger bei Microsoft und war auch auf dem Dr. Windows Community Day im letzten Jahr dabei, einige von euch kennen sie daher schon. Ich habe diese Woche mit ihr gesprochen und sie hat mir versichert, dass sie in diesem Jahr allerhand zu tun haben wird.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Ganz gleich wie das in der Vergangenheit gelaufen ist, freut mich ein Umdenken und der damit verbundene Kurswechsel bei Microsoft. Für die zweite Jahreshälfte habe ich mindestens zwei große Dinger aus Redmond auf dem Zettel stehen. Gerne darf da noch mehr kommen.
    Die klassischen Endverbraucher waren in den letzten Jahren bei Microsoft maximal geduldet und wurden praktisch vollständig ignoriert.

    Sehe ich ehrlich gesagt weniger so. Was ist denn mit dem Insider-Programm? Egal wie das jetzt ausschaut, war das doch genau dafür angedacht: Um Feedback des Endusers zu erhalten, und um daraus Ideen zur Weiterentwicklung zu erhalten. Außerdem gab es wohl kein Betriebssystem von Microsoft zuvor, was so viele neue Features und Änderungen erfahren hat, wie Windows 10.
    Ich weiß, in Zeiten von Social Media und Blogs erwartet jeder dass seine einzelne und subjektive Idee sofort morgen eingebaut wird, aber, so läuft das einfach nicht, wenn man Milliarden Nutzer hat. Ich denke nicht, dass das Problem von Microsoft und Windows 10 ist, dass Microsoft nicht "auf die Nutzer hört", wie das Erfüllen der eigenen Erwartungen heutzutage immer heißt. Vielmehr sehe ich das Problem darin, dass man einfach zu viel will. Jedes halbe Jahr ein großes Update mit zig Änderungen, und man läuft ewig den dann aufkommenden immer neuen Bugs hinterher. Da hat sich Microsoft einfach hoffnungslos übernommen, und, das nennt man Größenwahn, nicht Ignoranz. Für mich liegt da das Problem, und auch darin, dass so gut wie alle Unternehmen heutzutage mega-, über- super-komplexe Software entwickeln, der sie selbst nicht mehr gewachsen sind. Weil es der Endverbraucher auch erwartet, wo wir wieder beim Thema der Erwartungen sind.
    Meiner Meinung nach sollte Microsoft sich, statt jedem Nutzer hinterher zu laufen, auf das konzentrieren, was Windows oder andere Endnutzer-Proukte immer stark gemacht hat. Und, das war keine Mélange, und kein Smoothie aus tausenden von Nutzerwünschen, sondern, eine eigene Vision, wie ihre Software auszusehen hat. Von den Endverbrauchern sind nämlich nur die wenigsten (wenn überhaupt) in der Lage beurteilen zu können, wie ein gutes Betriebssystem auszusehen hat. Warum sollte man also übermäßig auf Laien, die keinen Plan haben, hören, statt sich auf die eigene, reichlich vorhandene Erfahrung zu verlassen. Immerhin sind die seit 30, 40 Jahren der Platzhirsch.
    Microsoft ist in der Vergangenheit durch ein tiefes Tal gegangen und ist heute daraus wieder heraus gekommen. Nicht wenige haben in der Vergangenheit das Ende von Microsoft prophezeit (Siehe Aktienkurs in der Vergangenheit). Erst durch die Stabilisierung der Basis (Business bei Microsoft) kann sich ein Unternehmen wie Microsoft den Luxus erlauben, extravagante Consumer Produkte zu entwickeln. Microsoft ist von seinen Genen kein Consumer-Unternehmen, daher war und ist für Microsoft der Business Bereich an erster Stelle gelegen. Erst wenn dies abgesichert ist, kann sich ein Unternehmen wie Microsoft dem Consumer Bereich widmen. Für mich war und ist diese Entwicklung nachvollziehbar und deshalb für mich auch rein logisch.
    Inwieweit Microsoft sich wieder(?) dem Endkunden zuwendet, kann ich nicht beurteilen. Diese Zeit verbrachte ich im Linux-Quartier. Für mich bleibt der Hauptgrund dieses wirtschaftlichen Erfolgs im Software As A Software-Prinzip. Das ist eine Gelddruckmaschine.
    Db
    Es könnte mir nichts egaler sein.
    Ich habe das Windows Phone geliebt, wurde verarscht und kann über solche Meldungen nur noch den Kopf schütteln.
    Ok, ich sitze gerade vor einem Windows 10 PC aber das ist auch das höchste der Gefühle.
    Da hat sich irgend ein Clown bei Microsoft gerade die Zahlen angeschaut und gesagt, "Hey, im Consumer Bereich könnten wir mal wieder investieren"
    Und in einem Jahr kommt der nächste Clown der wieder alles über den Haufen wirft.
    Danke, nein Danke.
    Was willste machen? In Firmen muss nun einmal wirtschaftlich gedacht werden. Und, wenn etwas nicht zieht, dann bringt es nichts, es auf Gedeih und Verderben weiter mit durch zu ziehen. Das ist auch schlecht für die Kunden, die dann an anderer Stelle, an der es sich eigentlich mehr lohnt, zu kurz kommen.
    @creeper, @chakko:
    Natürlich muss Microsoft rentabel sein (vielleicht der einzige Grund für irgendwie Datenschutz in dessen Cloud). Aber Kontinuität gehört dazu. Hier habe ich Microsoft in keiner guten Erinnerung (das aber heißt nichts). Es ist auch egal, wie gut das Windows Phone tatsächlich war. Es kam zu spät auf den Markt. Viele andere Sachen ebenfalls. Naja, jetzt ist es spannend, wie MS weiterentwickelt wird.
    Sehe ich genauso. Microsoft ist bei vielen Entwicklungen, zumindest im Consumerbereich, in der Neuzeit zu spät gewesen.
    Dennoch kann ich die Entscheidungen verstehen, solche Sachen aufzugeben, wenn sie sich nicht rentieren. Sollen sie lieber Android-Smartphones machen. ;)
    Was sollen die Marketingmanager eigentlich vermarketingen? Werbeplatz in den UWP Apps von Microsoft?
    Vielleicht sollte Microsoft sich erstmal ein paar Produktmanager holen und wenn was fertig ist die Marketingmenschen...
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    Alleine schon die Idee das man einem normalen Menschen Office andrehen kann weil er E-Mail, Termine und Adressbuch braucht ist schon abenteuerlich (ja, die UWP Apps sind geht-gerade-noch-so). Noch verrueckter die Idee das man dies mit einer Tabellenkalkulation und Textverarbeitung aufwerten kann die sich kein Mensch freiwillig antut... (Masochisten greifen eh zu LibreOffice :-)
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    Da sollte Microsoft von Apple lernen: die Profi-Versionen funktional abspecken, von der Bedienung auf Consumer ausrichten und evtl. gleich auch noch umsonst Windows 10 (oder zumindest den Surfaces) beilegen.
    Ja bloede das Microsoft das nicht kann, weder bei Office noch im Audio/Visuellen Bereich wo die ja garnichts haben - die ganzen Third-Parties wuerden Foul schreien. Gleiches gilt fuer Firmen aufkaufen wie Apple das aeusserst erfolgreich gemacht hat. Tatsaechlich sind alle Hersteller der mitgelieferten "Must-Haves" beim Mac im Life-Style-Bereich hinzugekauft worden.
    Den einzigen Ausweg sehen ich darin dann halt App-Store Gutscheine zu bundeln. Evtl. einloesbar nur fuer Office und Life-Style Apps.
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    Kein Wunder das nicht nur die "seltsamen" Windows Lizenzen beliebt sind, sondern auch die von Office 2016. Da stimmt das Preis/Leistungsverhaeltnis wenn man es nur alle Jubeljahre mal braucht.
    @chakko: dann sollte man am besten die ganzen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen schliesen. Da wird zu 90% fuer "die Fuesse" gearbeitet. Aber dennoch kommt keiner auf die Idee solche strategisch wichtigen Abteilungen zu schliessen.
    Das gleiche kann man dann also auch Produkte anwenden: sprich man erschliest sich einen Bereich den es vorher so nicht gab (siehe Apple). Das Problem bei Microsoft ist da schlichtweg das die zwar mitlerweile eine Vision fuer Windows haben, neuerdings ja auch einen Experience Manager mit Panos, aber im Endeffekt immer versuchen werden einem das Office Paket anzudrehen.
    Sprich: defakto ist Windows deren Office Platform.
    Koennte man auch als "da wackelt der Schwanz mit dem Hund" ansehen...
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    BTW: Microsoft braucht garnicht auf Consumer zu "hoeren" - Microsoft muss solche nur in die bereits vorhandenen usability Labs setzen und beim scheitern zuschauen...
    Das sollte ja moeglich sein, denn Microsoft testet sogar ein Produkt was ich es garnicht vermutet haette: Visual Studio.
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    Das wirkliche Problem ist aber noch viel tiefgreifender: es ist ja ein strategisches.
    Tatsaechlich ist das MS Office Paket zuhause ein "training for the Job". Deswegen schmerzt Microsoft Google Office Zeugs in den US Schulen ganz besonders.
    Das geschieht Microsoft aber nicht zu unrecht: entweder kanabalisiert man selbst sein Produkt - oder jemand anderes wird es irgendwann tun.
    Und was die Conusmer angeht: die wollen nur noch Consumer sein was die Computer-Experience angeht. Nicht Angestellte-in-Freizeit...
    der Zug ist doch längst abgefahren. Es gibt Smartphones (Android), iPhones, Tablets (iPad) , Playstation und Dinosaurier( Windows PC's), letztere kennen viele nur vom Arbeitsplatz. Jeder scheint doch seine Nische gefunden zu haben und da gutes Geld zu verdienen.
    Na ja, und wer weil es eine Anwendung verlangt noch neen Windows Notebook hat bewegt sich aus Gewohnheit darauf meist in Chrome...
    Miine
    Was sollen die Marketingmanager eigentlich vermarketingen? Werbeplatz in den UWP Apps von Microsoft?
    Vielleicht sollte Microsoft sich erstmal ein paar Produktmanager holen und wenn was fertig ist die Marketingmenschen...
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    Alleine schon die Idee das man einem normalen Menschen Office andrehen kann weil er E-Mail, Termine und Adressbuch braucht ist schon abenteuerlich (ja, die UWP Apps sind geht-gerade-noch-so). Noch verrueckter die Idee das man dies mit einer Tabellenkalkulation und Textverarbeitung aufwerten kann die sich kein Mensch freiwillig antut... (Masochisten greifen eh zu LibreOffice :-)
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    Da sollte Microsoft von Apple lernen: die Profi-Versionen funktional abspecken, von der Bedienung auf Consumer ausrichten und evtl. gleich auch noch umsonst Windows 10 (oder zumindest den Surfaces) beilegen.

    Genau das wird aber doch mehr oder weniger gemacht, mit den Office Online Apps. Da hast du im Grunde genommen genau das, was du gerade beschrieben hast. Problem ist bloß, dass es das ganze bei Google besser und umfangreicher gibt.
    Problem beim Office-Outlook zum Beispiel sehe ich vor allem in der Architektur des Programms. Das Teil ist meiner Auffassung nach gar nicht reif dafür, so umgebaut zu werden, dass man es als einfache und moderne App für jedermann anbieten könnte. Schon allein diese fast antik anmutende Einrichtung der Konten. Und, keine Möglichkeit an die Kontenverwaltung von Windows 10 anzudocken, oder ein einfaches Login über Tokens, oder Berechtigungen durch die Kontenverwaltung der Provider. Das ist, sorry, echt Jahr 2000 Kram. Ich wäre sehr für ein einfaches Outlook, im besten Fall direkt in Windows 10 integriert, statt der Windows 10 Mail App. Aber, gut, der Outlook.com Webmailer ist jetzt auch nicht übel. Aber, halt ein Webmailer, und kein nativ laufendes Programm.
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