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Mission impossible: Gesucht werden 1,8 Millionen Windows 7 Migrationen täglich

Mission impossible: Gesucht werden 1,8 Millionen Windows 7 Migrationen täglich

Vom heutigen Tage an gerechnet, sind es noch exakt 441 Tage bis zum 14. Januar 2020. Das ist ein wichtiger Stichtag für alle Nutzer von Windows 7, denn an diesem Datum endet der Support für das dann weit über zehn Jahre alte System. Ich hatte es vor ein paar Monaten schon einmal thematisiert, dass Windows 7 seinen eigenen Tod überleben wird. Inzwischen ergibt sich durch offizielle Zahlen aber ein ziemlich klares Bild, wie dramatisch die Lage wirklich ist.

Alle Zahlen stammen offiziell von Microsoft. Ob es trotzdem korrekt ist, sie zueinander in Relation zu stellen, ist ein anderes Thema, weil Microsoft sich wie jedes andere Unternehmen die Zahlen situationsbezogen „zurecht biegt“ damit sie ins Bild passen. Aber wir haben keine anderen Zahlen und so falsch sind sie vermutlich auch gar nicht.

Laut der kürzlich aktualisierten Webseite „Microsoft in Zahlen“ sind weltweit 1,5 Milliarden Windows-PCs im Einsatz. Die Zahl der Windows 10-Geräte wird offiziell mit 700 Millionen angegeben. Hier fließt dann restlos alles mit rein, von PCs über Xbox, Surface Hub, HoloLens bis zu den letzten Windows Smartphones. Machen wir es uns einfach und ziehen diese Zahl trotzdem komplett von der Summe der PCs ab, dann bleiben 800 Millionen Windows 7 Installationen übrig. Ja, es gibt auch noch Windows XP, Vista und Windows 8, aber da wir oben auch schon die Restmenge unterschlagen haben, passt das ungefähr – es kommt ohnehin selbst auf 50 Millionen hin oder her gar nicht an, wie wir gleich sehen werden.

Damit pünktlich zum 14. Januar 2020 alle Windows 7-Systeme abgelöst sind und durch Windows 10 ersetzt wurden, müssten ab heute jeden Tag 1,8 Millionen PCs umgestellt werden. 1,8 Millionen. Jeden Tag. Auch an Samstagen und Sonntagen.

Zum Vergleich: Bricht man die Summe der PCs, die während des einjährigen Gratis-Updates auf Windows 10 umgestellt wurden, auf eine Tagesmenge herunter, so kommt man auf etwa 800.000 Systeme täglich. Die Anzahl der Umstiege müsste also um mehr als das Doppelte steigen – ohne Gratis-Update und ohne den redseligen Update-Assistenten im Info-Bereich.

Es gibt bekanntermaßen einen großen Unterschied zwischen Geschäfts- und Privatkunden. Im geschäftlichen Umfeld wissen die Kunden, dass der 14. Januar 2020 kommt, und sie wissen ebenfalls, dass sie handeln müssen. Die Meisten wollen das auch, gleichwohl werden wie immer Systeme übrig bleiben, die aus verschiedensten Gründen nicht migriert werden können. Auf die kommt es aber gar nicht an, denn die Windows 7-Schlacht wird am Ende gar nicht bei den Geschäftskunden gewonnen.

Im September sprach Microsoft davon, dass es etwa 200 Millionen geschäftlich genutzte Windows 10 PCs gibt. Im Zuge der Veröffentlichung der letzten Quartalszahlen hieß es, die Hälfte aller kommerziellen Kunden sei umgestiegen.

Von den 1,5 Milliarden Windows-PCs werden demnach also 400 Millionen geschäftlich und 1,1 Milliarden privat genutzt. Unterstellen wir einfach, dass bei den Unternehmen zu hundert Prozent umgestellt wird (was natürlich nicht passiert) – dann bleibt immer noch eine „Restmenge“ von 600 Millionen privaten Windows 7 PCs, die in 441 Tagen keine Sicherheitsupdates mehr erhalten, wenn sie nicht auf Windows 10 umgestellt werden. Das wären dann „nur noch“ 1,35 Millionen pro Tag.

Da im privaten Bereich in aller Regel das Betriebssystem zusammen mit dem PC angeschafft wird, ist der Umstieg in der Mehrzahl der Fälle mit einem Neukauf verbunden. Den werden viele Kunden scheuen, denn selbst fünf Jahre alte PCs laufen ja noch mit brauchbarer Leistung.

Warum erzähle ich euch das alles? Weil es laut werden wird. Microsoft wird schon bald die Marketing-Maschinerie für die Ablösung von Windows 7 anwerfen, vielleicht kommt ja sogar der Update Assistent zurück. Wundern würde es mich nicht, Microsoft wird die Windows 7-Nutzer auf jede nur erdenkliche Art und Weise nerven und zum Umstieg nötigen. Mit den oben genannten Zahlen im Hinterkopf versteht ihr dann auch, warum da so viel Druck aufgebaut werden muss.

Der wird sicherlich auch von den OEMs kommen, denn 600 Millionen mal Windows 7 bedeutet auch potenziell 600 Millionen neue PCs. So viele werden es sicherlich nicht werden, aber es wird im kommenden Jahr einen deutlich größeren Kuchen zu verteilen geben, und von dem wird jeder Hersteller sein Stück abhaben wollen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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