MSIX: Neues Paketformat erlaubt automatische App-Updates auch ohne Store

MSIX: Neues Paketformat erlaubt automatische App-Updates auch ohne Store

Vor gut einem Jahr hat Microsoft mit MSIX ein neues, containerbasiertes Format für Installationspakete vorgestellt. Mit MSIX lassen sich sowohl klassische Desktop-Anwendungen als auch Universal Apps „verpacken“. Das Format steht unter Open Source, Ziel ist also nicht nur die Vereinheitlichung der Installationsformate wie .exe, .msi oder .appx, sondern auch das Ende proprietärer Setup-Routinen.

Ich hole ein wenig weiter aus, weil wir über MSIX hier noch nicht so oft gesprochen haben, in freier Wildbahn kommt es in der Tat bislang auch fast nicht vor. In Unternehmen wird es aber für die Softwareverteilung bereits rege genutzt, denn MSIX-Pakete lassen sich sehr komfortabel mit System Center Configurations Manager oder Microsoft Intune verteilen.

So langsam beginnt Microsoft nun damit, auch bei den App-Entwicklern die Werbetrommel für MSIX zu rühren. Seit ein paar Monaten gibt es bereits ein „MSIX Packaging Tool“ im Microsoft Store, mit dem sich eine klassische Setup-Routine in ein MSIX-Paket verwandeln lässt. Das kann man dann entweder selbst verteilen oder auch in den Microsoft Store hochladen (über kurz oder lang soll MSIX die Desktop Bridge vollständig ablösen).

MSIX Packaging Tool
MSIX Packaging Tool
Entwickler: Microsoft Corporation
Preis: Kostenlos

Ich beschäftige mich derzeit ein wenig intensiver mit diesem Format und bin dabei kürzlich über ein Detail gestolpert, das mir so noch nicht bekannt war, und welches ich sehr spannend finde: MSIX-Pakete unterstützten automatische App-Updates, und das ganz ohne Store.

Wenn der Entwickler ein MSIX-Paket bereitstellt, kann er eine URL für die Update-Prüfung hinterlegen und definieren, wann nach einer neuen Version Ausschau gehalten werden soll, beispielsweise beim Start oder beim Beenden der App. Dem Nutzer kann grundsätzlich überlassen werden, wann er die neue Version installiert. Sofern es sich um ein kritisches Update z.B. wegen einer Sicherheitslücke handelt, kann das Update aber auch erzwungen werden. Weil bei einer neuen Version ja auch mal etwas schief gehen kann, werden Downgrades ebenfalls unterstützt.

Wenn man die Schwarzseher-Brille auf hat, dann kann man natürlich argumentieren, dass der Store damit einen seiner entscheidenden Vorteile einbüßt und es damit einen Grund weniger für Entwickler gibt, ihr Anwendung in den Store zu stellen. In meiner Bestandsaufnahme bezüglich des Microsoft Store hatte ich das MSIX-Format ja auch als Segen und Fluch zugleich bezeichnet. Unter dem Strich ist es einfach ein Stück mehr Freiheit und Flexibilität für den Entwickler. Wenn sich das MSIX-Format verbreitet, kann das auf Dauer eigentlich nur gut für den Store sein, denn sollte sich ein Entwickler irgendwann entschließen, es mit dem Store zu versuchen, dann muss er nichts weiter tun als sein schon fertiges Paket hochzuladen.

Store hin oder her: MSIX ist ein fortschrittliches Format mit diversen Vorteilen wie zum Beispiel einer garantiert rückstandsfreien Deinstallation. Je schneller es sich etabliert, umso besser – ganz gleich auf welchen Wegen.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als elf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Ich habe jetzt auch einen direkten Draht zu dem Mitarbeiter, der MSIX federführend betreut. Fragen versuche ich gerne mit ihm zu klären.
    Danke für die Info! Klingt sehr interessant für mich und endlich wieder einmal eine der besseren Ideen von
    Microsoft :-)!
    Das scheint das "gleiche" zu sein, wie bei ClickOnce für WPF Applikationen. Dort konnte man auch schon seit ewig eine Update-URI angeben und vor oder nach Programmausführung automatisch prüfen lassen - oder sogar ziemlich komfortabel per API aus dem Programm heraus. Auf jeden Fall ein wichtiges und nützliches Feature.
    An der Stelle wäre interessant für mich, ob es eine "Upgrademöglichkeit" für ClickOnce-Distribution gibt? Und vermutlich wird das erst mit Visual Studio 2019 als "click once" - wenn überhaupt - unterstützt (es ist halt mit einem Klick super einfach, ein Update auf den Weg zu bringen)?
    Mal davon abgesehen das ich kein Fan automatischer Updates bin ist das natürlich recht interessant.
    Allerdings Frage ich mich warum ein App Entwickler noch den Store nutzen sollte wenn sich das etabliert hat?
    Ich glaube nicht daß ein Entwickler freiwillig und unnötig Geld durch die App Store Gebühren verlieren möchte wenn man die Apps auch ohne Store zu Kunden bringen kann.
    Für mich eher ein weiteres Zeichen das MS mit dem Store nicht wirklich für die Zukunft plant.
    Die Rückstandsfreie Deinstallation hört sich gut an, denn die meisten (eigentlich alle) Programme hinterlassen ja immer irgendwas.
    Wenn das so funktioniert wäre das ein guter Ansatz für weniger Datenmüll und eine schlankere Installation.
    Dazu wäre ja gut, wenn die Programme auch abgeschottet vom System (in einer Sandbox) laufen würden. Wäre dann für die Sicherheit nicht schlecht. :hallo
    Klingt gut, aber wirkt für mich eher wie Nordlicht schon schreibt nach Vorbereitungen für ein Scheitern des Stores. Wobei man es auch Nachbereitung nennen könnte, denn nach dem W10M Ende siecht der eh nur vor sich hin und das wird wenn es nach MS geht anscheinend auch so bleiben.
    Aha, das ist dann "ClickOnce" für den Store - oder kann man die Pakete auch von einer URL installieren?
    Also heißt das, dass die Exe nu wirklich bald sterben kann? Das MS den ollen Ballast dann irgendwann entfernen könnte?
    Ich habe das gerade mal mit meiner App ausprobiert. Es hat sicherlich etwa eine Stunde gedauert, aber jetzt geht alles und sieht super einfach aus. Ich bin entzückt.
    Das heißt über automatische und erzwungene Updates kann man sich Schadsoftware einfangen, wenn die Updatequelle infiziert ist, ohne dass man es ggf. merkt?
    @Xlix
    Unterstützt nur virtualisierte Installationen, daher für manches untauglich.
    Zwangsupdates gehen gar nicht.
    @Mucho
    Im Worst Case, ja. Vermutlich Zertifikat erforderlich.
    Hallo @Martin,
    vielen Dank für diesen Artikel. Ich habe mich schon öfter gefragt, was eigentlich aus .msix geworden ist. Ich persönlich bin leider "in der freien Wildbahn" noch auf keine .msix-Software gestoßen.
    Kennst du zufällig (oder sonst jemand hier) .msix-Software? Ich würde einfach gerne mal den Installationsprozess etc. ausprobieren.
    VG :)
    @Nordlicht2112
    Im Grunde gibt es nur den Vorteil, dass Microsoft sich um die Verteilung kümmert und um die Lagerung, auch ist das ein zentraler Anlaufpunkt. Natürlich muss so ein Store angenommen werden, was bis jetzt noch nicht der Fall ist, darum sollte Microsoft nicht versuchen, die Leute zu zwingen, den Store zu nutzen.
    Bei Continuum klappte auch nicht solcher Zwang, als sie Windows8-Apps ausgeschlossen hatten, um die Leute zu bewegen, Windows10-Apps zu entwickeln. Ich denke, einen ähnlichen Widerstand würde es geben bei diesem Format, wenn es nur über den Store verteilt werden könnte; unter Widerstand soll hier auch verstanden werden einfache Gleichgültigkeit der neuen Möglichkeit gegenüber.
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