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Neun Monate nach Windows 10 S: Taugt der Microsoft Store als exklusive Software-Quelle?

Neun Monate nach Windows 10 S: Taugt der Microsoft Store als exklusive Software-Quelle?

Vor neun Monaten wurde Windows 10 S offiziell vorgestellt. Und auch wenn es als eigenständige Version schon wieder Geschichte ist und in Zukunft durch einen “S Mode” in allen Windows 10 Editionen abgelöst wird, die Grundsatzfrage bleibt: Kann man mit dem Microsoft Store als alleinige Quelle für Anwendungssoftware leben?

Ich weiß, dass viele Leser bereits an diesem Punkt die Antwort (Nein!) zu kennen glauben, und das ist im Grunde auch in Ordnung. Bevor ich zu einer differenzierten Betrachtung der Frage komme, können wir gerne festhalten, dass der S Mode niemals das freie, vollwertige, nennt-es-wie-ihr-woll-Windows vollständig wird ersetzen können. Das ist zwar Microsofts großer Traum, aber sie wissen sicher selbst, wie die Realität aussieht.

Ich habe mir seinerzeit das Surface Laptop gekauft und es mit Windows 10 S betrieben, weil ich einfach herausfinden wollte, wie gut man mit dem Angebot im Microsoft Store leben und arbeiten kann, im Juni 2017 habe ich dazu einen ersten Erfahrungsbericht veröffentlicht.

Zeit für ein Geständnis: Irgendwann wurde ich doch schwach und bin auf Windows 10 Pro umgestiegen. Anfang Januar aber habe ich das Surface Laptop zurück gesetzt und wieder mit Windows 10 S ausgestattet. Ich wollte ausprobieren, wie sich das Angebot weiterentwickelt hat und wie sich Windows 10 S nun anfühlt. Da wusste ich noch nichts von den bevorstehenden Änderungen, aber wie gesagt, die Fragestellung hat sich ja grundsätzlich nicht geändert.

Folgende Apps habe ich derzeit auf dem Surface Laptop installiert:

  • Microsoft Office
  • Microsoft To-Do
  • Microsoft Sway
  • Microsoft Remote Desktop
  • IrfanView
  • Enpass Passwort Manager
  • ShareX
  • Paint.NET
  • Spotify
  • Telegram
  • Tweetium
  • Zonos
  • Appy Text
  • WhatsApp

Zu weiten Teilen ist das die selbe Software-Auswahl, die ich auch an meinem Desktop-PC nutze – mit ein paar Ausnahmen, auf die ich gerne eingehen möchte.

Screenshots fertige ich üblicherweise mit SnagIt an. ShareX und – für einfache Fälle – das integrierte Snipping Tool sind brauchbare Alternativen, auf die Dauer aber wohl kein Ersatz. Tweetium und WhatsApp sind erst im Verlauf des Versuchs vom Minus- zum Pluspunkt geworden, denn WhatsApp ist erst seit Kurzem verfügbar und Tweetium ist jetzt die einzige Twitter App für Windows 10 S, die das 280-Zeichen-Limit beherrscht. Vorher gab es gar keine, denn die offizielle Twitter-App für Windows 10 ist augenscheinlich eingestellt worden und Tweeten läuft unter Windows 10 S nicht.

Mein Standardprogramm für die Passwort-Verwaltung war immer KeePass, weil ich den Umstieg auf Enpass aber schon lange Zeit im Hinterkopf hatte, habe ich die Gelegenheit genutzt und habe den Wechsel vollzogen, damit hat sich für mich auch diese Lücke geschlossen.

Appy Text teste ich derzeit als Ersatz für Notepad++. Für ein abschließendes Urteil ist es noch zu früh, aber ich denke, dass ich bei Appy Text bleiben werde und das in Zukunft dann auch am Desktop nutze. Es kann deutlich weniger, ist für meine Zwecke aber vollkommen ausreichend.

Knackpunkt ist nach wie vor der Browser. Die Nicht-Verfügbarkeit von Google Chrome im Store ist für viele Nutzer ein K.O.-Kriterium, und auch daran will ich nicht rütteln. Wenn es so ist, dann ist es so. Als Alltagsbrowser für den Hausgebrauch ist Microsoft Edge aber inzwischen absolut brauchbar und ich empfinde es nicht als Einschränkung, ihn nutzen zu müssen.

Natürlich gibt es auch bei mir “dieses eine Programm”, welches es mir unmöglich macht, ausschließlich auf den Store zu setzen, in meinem Fall ist es eine Vereinsverwaltung, für die ich mir nicht einfach eine Alternative suchen kann (vorausgesetzt, es gäbe im Store überhaupt eine, ich habe noch nicht danach gesucht).

Auf der Suche bin ich aktuell noch nach einem guten SSH-Client oder einem mit WinSCP vergleichbaren Programm. Da gibt es im Store ein paar Angebote, mit denen ich mich noch näher befassen werde.

Zusammenfassend kann ich für mich sagen, dass sich die Situation gegenüber Juni 2017 deutlich verbessert hat. Ich könnte im “S Mode” weiterhin nicht ausschließlich arbeiten, aber ich würde mich durchaus trauen, ein paar Tage zu verreisen und nur das Surface Laptop mit Windows 10 S mitzunehmen. Über 90 Prozent meiner täglichen Arbeiten kann ich damit erledigen.

Das ist eine persönliche, subjektive Sichtweise von jemandem, der dieses Modell mag und es gerne erfolgreich sehen möchte, was wiederum nicht heißt, dass ich die anderen Meinungen nicht kenne oder nicht respektiere. Was mich bei den Diskussionen rund um Windows 10 S bzw. den S Mode aber wirklich stört: Oft erklären Blogger, Journalisten oder IT Pros, warum das nicht funktionieren kann, und gehen dabei von sich selbst aus, obwohl sie gar nicht die Zielgruppe sind. Hier würde ich mir wünschen, dass man sich auch mal in andere Szenarien hinein versetzt. Ich jedenfalls kenne einige Leute aus meinem persönlichen Umfeld, die damit bestens bedient wären.

Der Microsoft Store ist keine App-Wüste, das Angebot kann sich inzwischen wirklich sehen lassen, und immer wieder kommen neue Programme hinzu. Allein die Tatsache, beim Start eines Programms nicht mehr mit einem Hinweis auf eine neue Version von der Arbeit abgehalten zu werden, ist für mich Grund genug, wo immer es nur möglich ist auf ein Programm aus dem Store zu setzen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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