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Orion: Was Bethesdas Streaming-Technologie für Microsoft bedeuten kann

Orion: Was Bethesdas Streaming-Technologie für Microsoft bedeuten kann

Der Montag brachte aus Sicht von Microsoft noch vor dem Start der Microsoft Ignite einen echten Paukenschlag, als die Redmonder mit der Übernahme von ZeniMax Media eine der größten Übernahmen in der Spielebranche überhaupt verkündeten. Mit der Übernahme, die auch den Publisher Bethesda einschließt, wuchs die Zahl der Xbox Game Studios nicht nur auf gewaltige 23 Stück an, auch große Franchises wie Fallout, The Elder Scrolls und DOOM gehören nun zu Microsoft und werden ebenfalls den Xbox Game Pass nachhaltiger bereichern.

Ein anderer Aspekt, den heute auch die Kollegen von WinFuture aufgegriffen haben und der mir offen gesagt am Montag gar nicht mehr in den Sinn kam, ist Orion, was Bethesda bereits auf seiner Pressekonferenz auf der E3 2019 vorgestellt hat und über das wir an dieser Stelle bereits einmal berichtet haben. Kurz gesagt handelt es sich bei Orion um eine neue Streaming-Technologie von id Software, die bis zu 40 % weniger Bandbreite beanspruchen soll und gleichzeitig bis zu 20% schneller als vergleichbare Ansätze ist. Damit sollen sich auch bei schlechteren Internetverbindungen und ohne große Einbußen Spiele in 4K mit 60 FPS streamen lassen.

Was erstmal banal klingt, schafft für Microsoft alleine im Gaming-Segment gleich an zwei Stellen einen wichtigen Vorteil. Da sich Orion gezielt an Spielerentwickler richtet, können die Redmonder damit ihren eigenen Microsoft Game Stack deutlich aufwerten, und zum anderen kommt Orion als Technologie auch direkt Project xCloud zugute, womit Microsoft sich gegenüber Konkurrenten wie Google Stadia auch einen technischen Vorteil eingekauft haben dürfte. Wir können aber sicherlich davon ausgehen, dass mittelfristig nicht nur Team Xbox von der Technologie profitieren, sondern Microsoft Orion auch in anderen Bereichen des Unternehmens einsetzen wird.

Ein solches Vorgehen kennen wir schon von Mixer. Zwar hat Microsoft den Streamingdienst damals als Ganzes eingekauft, das eigentliche Interesse galt aber der Technologie FTL (Faster than Light) und diese kommt heute noch bei Microsoft Teams und anderen Produkten zum Einsatz, nachdem Mixer im Sommer eingestellt wurde. Es sollte also überraschen, wenn Orion nicht auch in anderen Produkten wie der Microsoft HoloLens zum Einsatz kommt und Microsoft sie auch generell eng mit anderen Projekten wie Microsoft 365 und Microsoft Azure verbindet.

Einen wichtigen Unterschied gibt es zum Vorgehen bei Mixer aber: Während der Streamingdienst damals schon hoffnungslos von YouTube und Twitch abgehängt wurde und die Einstellung eigentlich nur eine Frage der Zeit war, liefert Bethesda im Wesentlichen starke Franchises, die Microsoft und dem Xbox Game Pass auch sehr langfristig weiterhelfen werden. War FTL also noch ein Hauptinteresse, mutet Orion schon eher wie ein netter, aber wichtiger Nebeneffekt an, den Microsoft sehr gerne mitnimmt. Dass es mit Fallout, DOOM oder The Elder Scrolls also bergab geht, müssen die Fans von Bethesda und Microsoft mit Sicherheit nicht befürchten.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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