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Paukenschlag: Entkoppelt Microsoft Teams von Office, um einem Kartellverfahren zu entgehen?

Paukenschlag: Entkoppelt Microsoft Teams von Office, um einem Kartellverfahren zu entgehen?

Microsoft soll angeblich planen, seine Kollaborationslösung Teams von Office beziehungsweise Microsoft 365 zu entkoppeln, um ein Antitrust-Verfahren der EU zu vermeiden. Was genau dahintersteckt, bleibt allerdings vorerst unklar.

Microsoft Teams hat in den vergangenen Jahren einen Siegeszug hingelegt und sich in vielen Unternehmen als Standard für Kommunikation und Zusammenarbeit etabliert. Kritiker glauben, dass dies nur dadurch möglich oder zumindest erheblich begünstigt wurde, dass Microsoft Teams im Rahmen eines Office-Abonnements (Microsoft 365, früher Office 365) ohne Zusatzkosten enthalten ist. Wer Microsoft 365 bucht, bekommt Teams automatisch mit dazu.

Die EU-Kommission beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit dieser Frage, Ausgangspunkt war eine Beschwerde von Slack, die Microsoft vorwarfen, wieder in alte Muster zu verfallen und seine Marktmacht zu missbrauchen. Zuletzt hatte man im Januar gehört, die Eröffnung eines offiziellen Verfahrens gegen Microsoft durch die EU stünde unmittelbar bevor, seither war es allerdings ruhig geblieben.

Wie die Financial Times (Paywall, via Thurrott) schreibt, will es Microsoft dazu nicht kommen lassen und hat seinerseits angeboten, Teams von Office respektive Microsoft 365 zu entkoppeln. Kunden sollen künftig die Wahl haben, ob sie Teams nutzen oder nicht.

Wie dieses Vorhaben technisch umgesetzt werden soll, bleibt unklar, eine Idee habe ich allerdings. Für die Office-Suite wird ein “Click to Run”-Installer verwendet, der alle Komponenten automatisch herunterlädt und installiert. Das beinhaltet auch Teams, eine Möglichkeit zur Abwahl ist nicht gegeben. Die “Entkopplung” könnte also so aussehen, dass man bei der Installation ein Häkchen setzen muss, ob man Teams installieren will oder nicht.

Wenn die EU allerdings ernste Bedenken hat, dann würde es mich sehr überraschen, wenn Microsoft mit einem so simplen Zugeständnis davonkäme. Eine echte Entkopplung wäre es nur, wenn für die Nutzung von Teams im Vergleich zu einem Microsoft 365 Abonnement in jedem Fall Mehrkosten entstünden.

Seit ein paar Monaten gibt es “Teams Premium”, das Zusatzfunktionen gegen Aufpreis bietet, und meine Vermutung war von Anfang an, dass dies nicht nur der Gewinnmaximierung dient, sondern auch taktische Gründe hat, damit Microsoft den Kartellbehörden sagen kann: Seht mal, die Vollversion von Teams kostet doch schon extra.

Aber auch wenn Teams komplett aus Microsoft 365 herausgelöst würde: Die Verzahnung mit allen anderen Office-Komponenten und Microsoft-Diensten ist so eng, dass es für die meisten Unternehmen immer noch die naheliegendste Option wäre.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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