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Persönliche Zwischenbilanz: Von Diversifizierung und mehr Souveränität

Persönliche Zwischenbilanz: Von Diversifizierung und mehr Souveränität

Betrachtet man Beiträge und Äußerungen, die ich in der jüngeren Vergangenheit verfasst oder getätigt habe, dann dürften Begriffe wie Diversifizierung und Souveränität wohl ganz weit oben auf der Liste stehen. Mittlerweile dürfte es kein Geheimnis mehr sein, dass ich auch wegen Microsoft mit weiten Teilen meiner digitalen Situation hadere und schon länger nach größeren Veränderungen suche, die gleichzeitig auch wegen wesentlichen Weichenstellungen bei mir privat ohnehin zunehmend notwendiger geworden sind.

Nach rund acht Monaten und vielen Gesprächen mit anderen wurden hier tatsächlich zahlreiche Veränderungen bereits umgesetzt oder zumindest in Angriff genommen, sodass ich nun die damals versprochene Zwischenbilanz nachliefern möchte. Teilweise wurde hier tatsächlich an den Grundfesten gerüttelt und komplette Strukturen von Grund auf neu gebaut. Zunächst muss man sich aber nochmal die Anforderungen vor Augen führen, unter denen die neuen Strukturen erdacht wurden.

Die Anforderungen

  • Absoluter Schwerpunkt auf drei tragenden Säulen: Europäische Lösungen, Open Source-Projekte, lokale Infrastruktur
  • Drastische und weitreichende Reduzierung der Abhängigkeit von US-Anbietern, ausdrücklich auch von Microsoft
  • Konzentration auf offene Standards (WebDAV etc.) und Formate (ODF etc.)
  • Verbesserungen bei Sicherheit, Kontrolle und Datensparsamkeit
  • Gezielterer und kontrollierter Einsatz von KI, wo das wirklich sinnvoll ist
  • Berücksichtigung meiner psychischen Erkrankung (Gedankenkreise etc.)
  • Bessere Unterstützung durch echten Support oder zumindest gute Dokumentation für eigenverantwortliche Fehlerbehebung

Bürokratie

In diesem Bereich waren einige Änderungen und Beständigkeiten ohnehin schon festgelegt. Einerseits wird Microsoft hier vor allem wegen dem Fernstudium einen Fuß in der Tür behalten, weil einzelne Anwendungen von Microsoft 365 und Microsoft Edge (oder Google Chrome) in bestimmten Teilbereichen vorgeschrieben werden. Zum anderen werden Elemente des digitalen Staats wie die Bund-ID oder das SH-Digitalkonto hier als Vorhaben über die EGH und die Assistenz fest integriert. Trotzdem geht es auch so zentralen Grundpfeilern aus dem bisherigen Setup nun an den Kragen.

Bei den E-Mails wird der lange aufgeschobene Wechsel zu Posteo im Juni endlich vollzogen, wobei zur Verwaltung mit Thunderbird ein alter Verbündeter zurückkehrt. Damit wird kritische Kommunikation zurück nach Deutschland geholt und erlaubt dank offener Standards, die Posteo verwendet, auch die Migration vom bisher genutzen Kalender. Auch OneDrive wird mit dem aktuellen Maßnahmenpaket faktisch abgewickelt. Durch Unterstützung aus unserem Team zieht hier in naher Zukunft ein NAS ein und ergänzt LocalSend als permanente Lösung zur Datensicherung und -synchronisation. Eine ergänzende Integration von Proton halte ich mir aktuell weiter offen.

Daneben wird das Notiz- und Wissensmanagement vor allem durch einen neuen Dienst überarbeitet. Capacities aus München ist schon seit einiger Zeit im Vorabtest bei mir und kam ursprünglich mit der Idee her, die Quellenverwaltung für Dr. Windows und die Unterstützung im Fernstudium zu verbessern. Das Potenzial ist allerdings deutlich größer. Kleine Änderungen gibt es noch bei den PDF-Dateien. Zum Ordnen ist hier mittlerweile PDF Arranger im Einsatz, während Firefox dank massiver Verbesserungen bei pdf.js durch Mozilla die Aufgaben als PDF-Editor vollständig übernommen hat.

Internet

Dieser Bereich kam vergleichsweise ungeschoren davon und wurde vor allem mit Detailänderungen bedacht. Bei den Browsern werden Edge und Firefox weiterhin von den drei europäischen Vertretern Ecosia Browser, Vivaldi und Waterfox flankiert, wobei Ecosia Browser zuletzt an Brave ausgelagerte Aufgaben übernommen und ihn wieder vollständig ersetzt hat. Gleichzeitig arbeite ich schon länger daran, den Einsatzbereich von Edge zu verkleinern, was auch wieder das Beispiel mit den PDF-Dateien und Firefox zeigt.

Das zentrale Kernthema hier ist aber die Kommunikation. Kernziel ist eine deutliche Ausweitung der Verschlüsselung und, soweit es vorhandene Netzwerkeffekte zulassen, die Reduzierung vorhandener Abhängigkeiten. Neben Thunderbird fällt das mit Element vor allem auf einen Anbieter zurück, der wegen einer anderen Sachen ohnehin kommen muss und dank dem Matrix-Protokoll über die Bridges auch noch andere Optionen bietet. Generell bleibt es aber ein schwieriges Thema. Zumindest stehen die theoretischen Chancen aktuell gut, dass ich mit WhatsApp immerhin einen der Messenger demnächst abwickeln kann, wenn alles klappt.

Auch sonst tut sich an der einen oder anderen Stelle etwas. Ecosia ist mittlerweile die flächendeckende Standardsuchmaschine und wird mit Gruble von einer auf SearXNG basierenden Metasuchmaschine flankiert. Auch bei KeePassXC stehen Veränderungen an, wo ich mich einerseits mit der Integration von Passkeys noch beschäftigen muss und wo die Synchronisation der Datenbank, die eh nur im lokalen Netzwerk läuft, mit dem NAS dann nochmal deutlich bequemer wird.

Entwickler

Dieser Bereich wurde besonders mit Blick auf das Fernstudium komplett neu aufgebaut und Microsoft hier wahrscheinlich am Härtesten vom Bannstrahl getroffen. Nimmt man das Windows Terminal einmal aus der Rechnung raus, sind sie de facto komplett rausgeflogen, wobei diesen Schritten hier viele Gespräche u.a. auch teamintern vorausgegangen sind. Zeitgleich habe ich besonders diesen Punkt massiv beschleunigt, weil Microsoft seinen Laden schlicht nicht so im Griff hat, wie es sein sollte. Damit meine ich ausdrücklich nicht (nur) GitHub, sondern ein tatsächliches und seit Monaten grassierendes Sicherheitsproblem.

Der Paketmanager NPM für Node.js gehört seit Jahren zu Microsoft und gibt ihnen genau wie bei .NET eine zentrale Position im Ökosystem: TypeScript ist die Standardsprache, Electron und React Native (gemeinsam mit Meta) werden vorangetrieben und viele JavaScript-Frameworks, darunter zentrale wie Angular und Vue.js, bauen auf Node.js auf. NPM hat seit dem vergangenen Jahr aber ein riesiges Problem mit gefährlichen Supply-Chain-Angriffen, die 2025 alleine im September und November dokumentiert wurden und kürzlich wieder auftraten. Das ist der gleiche Angriffsvektor, den wir vor wenigen Jahren bei Linux in den xz-utils hatten.

Was bei xz damals Fedora und andere Linux-Distributionen heimgesucht hat, bedroht hier letztlich JavaScript-Frameworks aller Art, inklusive Electron und React Native. Nun gibt es diesen Angriffsvektor auch anderswo und kam auch bei Python im Paketmanager PyPI zuletzt vor, aber Webtechnologien sind ein besonderes Pflaster, und hier, soweit das möglich ist, mehr Sicherheit zu schaffen und gleichzeitig die Unabhängigkeit zu stärken, war das Kernziel hinter folgenden Änderungen:

  • Bei den IDEs gab es mittlerweile den vollständigen Wechsel zu JetBrains, nachdem RustRover im Januar in den Vorabtest gegangen ist. Mittlerweile sind Rückkehrer WebStorm und die Neuzugänge CLion und DataGrip nachgerückt, sodass ich im Fernstudium nach Möglichkeit alles in diesem Ökosystem bearbeiten möchte. Visual Studio ist draußen.
  • Bei den Code- und Texteditoren hat der auf Rust basierende Zed das Ruder übernommen. Kate steht wie bisher als Backup bereit. Visual Studio Code und Derivate sind draußen.
  • Bei den kleineren Clients hat Rückkehrer WinSCP für eine größere Flexibilität FileZilla wieder abgelöst, während Bruno zum festen neuen REST-Client gemacht wurde. Gitnuro hat GitHub Desktop als Git-Client ersetzt.
  • Für das Code Hosting will ich im Sinne eines „Backup in Git“ künftig auf Forgejo ausweichen, wie das etwa auch von Codeberg verwendet wird. Damit bin ich auch von den Launen von Plattformen wie GitHub unabhängiger, kann via Gitnuro aber trotzdem andere Plattformen ansprechen, wenn ich das nicht direkt über die Kommandozeile machen will.
  • Hinzu kommen einige kleine Änderungen.

Bevor einer fragt: Wenn es um das AI Coding geht, gibt es aktuell eigentlich eine realistische und wirtschaftlich sowie strukturell machbare Möglichkeit mit Google Antigravity. Diese Kröte möchte ich allerdings ungern schlucken, weil ich meine Abhängigkeit von US-Anbietern reduzieren möchte. Ob ich hier eine Ausnahme mache, weiß ich deswegen noch nicht. Wenn ich sowieso im Schwerpunkt mit JetBrains arbeiten möchte, wäre der Weg über deren KI-Assistentin Junie der ohnehin einfachere.

Künstliche Intelligenz

Dass KI für mich ein sensibles Thema ist und ich hier zwischen der technischen und algorithmischen Ebene unterscheide, habe ich immer wieder mal gesagt, und entsprechend wird es bisher vor allem für gezielte Aufgaben in konkreten Apps wie Firefox und digiKam verwendet. Dieser Punkt wird auch weiter ausgebaut, wo es wirklich sinnvoll ist. Schwieriger ist es bei LLMs und vor allem den Agents.

Generell wäre Copilot der einzige der großen KI-Assistenten, der über Microsoft 365 überhaupt in agentischer Form tiefer in die eigenen Workflows integriert werden könnte. Bei anderen entwickelt es sich in Richtungen, die wirtschaftlich kaum noch darstellbar sind, während rein lokale Varianten mit entsprechender Hardware und vor allem Sicherheitsstrukturen wie einer umfassenden Segmentierung bedacht werden müssen. Dass KI-Agenten dabei immer noch viele Fehler machen und sich wegen verhunzter Trainingsdaten oder ähnlichem verselbstständigen können, kommt noch dazu. Das sind alles Punkte, weswegen die Integration von Agents bei mir schlicht überhaupt keine Priorität hat und ich lieber auf einer Evolution des Status Quo aufbauen wollte.

Momentan ist der Plan, irgendwann in näherer Zukunft den Choice-First-Stack und angeschlossene Technologien von Mozilla.ai nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen und dann erste Schritte in ein modernisiertes und hybrides Setup zu gehen. Mozillas Stack bietet hier vom Start weg relativ viele Möglichkeiten, um eine maximale Kontrolle zu behalten, und eine Lösung von der Stange käme für mich wegen meiner mentalen Gesundheit ohnehin nicht infrage. Schnellschüsse sind also nicht zu erwarten, sondern punktuelle Verbesserungen, wo es sinnvoll und sicher umgesetzt werden kann.

Mentale Gesundheit

Das aktuelle Paket bringt auch einige Veränderungen, die direkt mit meiner Angststörung zusammenhängen und für mehr Ruhe im Digitalen sorgen sollen. In den letzten Wochen wurde die vollständige Umstellung von einem linearen auf einen weitgehend flexiblen Medienkonsum abgeschlossen: Podcasts statt Radio, Mediatheken statt Fernsehen, RSS statt blinder Nachrichtenkonsum. Teilweise greifen hier wieder auch die Lehren aus der Corona-Zeit, wo ich wegen Gedankenkreisen und ähnlichem ähnliche Akutmaßnahmen ergriffen hatte, um das zu regulieren, weil es mir einfach zu viel wurde.

Aber auch abseits davon stehen weitere Veränderungen an, die aber meistens noch in Angriff genommen werden müssen und damit noch nicht ein erledigter Bestandteil dieses Pakets sind. Ähnlich wie unter Android will ich auch unter Windows 11 noch eine Möglichkeit integrieren, die Bildschirmzeiten besser zu berücksichtigen. Diese Maßnahme soll dann bereits bestehende Sachen ergänzen, die ich euch im vergangenen Jahr auch schon bei meiner digitalen Skillsbox teilweise gezeigt hatte. Hier liegt außerdem die dickste Kröte, die ich geschluckt habe: Trotz der Reduzierung von US-Diensten ist Google Street View hier neu eingezogen. Das hat den einfachen Grund, dass wir so trotz meiner stark eingeschränkten Mobilität vergleichsweise einfach trotzdem über Orte draußen sprechen können, die hier dann abgebildet werden.

Was weiterhin geklärt werden muss, sind technische Hilfsmittel, die auch meine Grenzen nach außen erweitern können. Einerseits wird die Psychotherapie, die wir für mich ins Auge gefasst haben, auch VR-Elemente beinhalten (wenn das klappt und ihr dazu einen Beitrag möchtet, schreibt es gerne in die Kommentare), und dann gibt es zum Beispiel noch die Telepräsenzrobotik, womit Präsenztermine anders gestaltet werden können und ich den Roboter von zu Hause aus steuern könnte. Aufgrund der Kostenfrage, die hier nicht gering ist, ist das aber noch nicht spruchreif.

Und sonst?

Abseits der großen Blöcke brachte das Paket auch kleine Änderungen, die sich keiner konkreten Kategorie zuordnen lassen. Die wären Kürze:

  • VLC hat die Aufgabe als Mediaplayer wieder übernommen und MPC-HC ersetzt. Zusammen mit Screenbox, welcher auch auf libvlc aufbaut, gibt es nun eine einheitliche technische Basis.
  • Vorsichtshalber wurde eine LaTeX-Umgebung mit Texmaker und MiKTeX eingerichtet, weil ich je nach Fernuni noch nicht abschätzen kann, ob das gebraucht wird. Meistens ist die aktuelle Antwort ein „Jein“.
  • Für Dr. Windows wurde die Bildbearbeitung für sehr schnelle Sachen wieder an Paint übertragen, weil ich nicht immer Krita für sowas starten möchte.
  • Mit Wetter-Apps unter Windows 11 wurde nochmal experimentiert, letztlich hat sich FluentWeather aber als beste Wahl erwiesen.
  • Speziell beim Gaming gibt es einige Geschichten, wo ich mit Freunden aus meinem Umfeld zuletzt verstärkt über Retrogaming gesprochen habe und das ergänzende Linux-System, was noch kommen soll und dann auch Steam und andere Möglichkeiten berücksichtigen wird, ist weiter in der Planung.

Gaming ist nebenbei auch ein Beispiel dafür, wo auch aufgrund des aktuellen KI-Wettrüstens neben den anderen Ausgabenprioritäten aktuell nur wenig möglich ist. Retrogaming und das Linux-System sind Low-Budget-Lösungen, die die Xbox Series S und den Game Pass ergänzen, aber keine Abhängigkeiten reduzieren. Ginge ich nach meinem persönlichen Umfeld, wäre die Nintendo Switch 2 eigentlich die logische Konsequenz. Angesichts der Kosten von bald 500,00 €, wenn das wegen der Speicherkrise nicht noch weiter steigt, wäre das auch im Hinblick auf die sonstigen Ausgaben, die prioritär geplant werden, aber nicht darstellbar.

Der Klügere gibt nach

Angesichts des Gesamtumfangs der Änderungen kann man leicht auf den Gedanken kommen, dass dieser Umbruch auch bedeutet, dass ich Microsoft nicht mehr wohlgesonnen bin. Die Antwort ist allerdings komplexer. Grundsätzlich gehört Microsoft weiterhin zu den für mich wichtigen Entwicklern und zahlreiche Sachen wie Office, Xbox und Windows 11 sind weiter hier vertreten. Aber was sich verändert hat und sich noch in ganz zentralen Bereichen schon in absehbarer Zeit zum Positiven verändern wird, ist mein eigenes Leben, und da gibt es Reibungspunkte, mit denen das bisherige Verhältnis zu Microsoft von meiner Seite aus nicht mehr kompatibel ist.

Erste Gedanken an einen solchen Umbruch habe ich gehabt, als Microsoft im vergangenen Sommer vor der französischen Nationalversammlung unter Eid zugegeben hat, dass es europäische Nutzerdaten nicht schützen kann, wie es notwendig wäre. Daran müssen sich die Redmonder messen lassen, und zusätzlich haben wir ja auch unsere eigenen Erfahrungen gemacht, was ich auch bei den Timeouts zuletzt bei mir angedeutet hatte. Jetzt wird eben sichtbar, dass meine Reden von Diversifizierung und dergleichen nicht nur heiße Luft sind. Das Kernanliegen befindet sich aber noch woanders und liegt darin begründet, dass die Digitalisierung auch bei meiner Barrierefreiheit und Teilhabe diese ganz zentrale Rolle spielt.

Dabei geht es dann um Notfallketten und -kontakte, Einkäufe, Schriftverkehr oder kompensatorische Hilfe in der Distanz – allesamt Punkte, wo man bei Microsoft Magenschmerzen bekommt, wenn man über Sachen etwa bei den Microsoft-Konten berichten musste, wie wir das getan haben. Momentan kommt bei mir noch dazu, dass es mir mit meiner Krankheit aktuell nicht besonders gut geht und man das Nebenrauschen auch hier im Projekt gemerkt hat, weil Beiträge oder Posts im Forum schärfer als üblich ausgefallen sind. Microsoft spielt da mit rein, aber hier ist tatsächlich insgesamt mehr los, wo mir mein Körper und in der Folge auch die für mich zuständigen Leute irgendwann die dunkelgelbe Karte gezeigt haben.

Lange Rede, kurzer Sinn: In den vergangenen Monaten sind viele Ideen und Gedanken hier reingeflossen, was die tragenden Säulen sein können und welche Software und Dienste das abbilden können, und nachdem ich teamintern auch einige offene Gespräche u.a. mit Martin hatte, habe ich beschlossen, kurzfristig möglichst viel zugunsten einer schnellen Entlastung in den Rollout zu bringen, wo das schon möglich war. Dafür macht man eben einige Abstriche, etwa dass der Test von Capacities noch nicht abgeschlossen ist oder das Thema KI zurückgestellt wurde, um erstmal ein neues Fundament in zentralen Punkten einzuziehen.

Aber Mozilla!

Einigen von euch dürfte auffallen, dass es bei den Maßnahmen einen Entwickler gibt, der aus den USA stammt und mehr Verantwortung zugeschanzt bekommen hat. Dass ich Mozilla stärker einbinde, ist einerseits eine pragmatische Entscheidung, aber vor allem unterscheidet sich Mountain View in Punkten sehr von dem Elfenbeinpalast, der in Redmond zunehmend undurchdringlicher geworden ist.

Dass man von Mozilla wirklich Hilfe bekommt, wenn ein Problem aufgetreten ist, ist sehr wahrscheinlich. Neben der guten Dokumentation, der Suchmaschine Searchfox und natürlich Bugzilla gibt es direkte Kanäle wie Mozilla Connect, Discourse oder die Matrix-Instanz bei Element. Aber auch sonst sind die Entwickler ziemlich kommunikativ und geben der Community Tools an die Hand, um alleine oder mit ihnen gemeinsam Fehler schneller zu finden. Ein Beispiel davon mit mozregression kann ich euch mal hier zeigen, ab Minute 3.30 zeigt Firefox-Entwickler Mike Conley das.

Der zweite Punkt ist schlicht Kontrolle. Der Killswitch bei den KI-Funktionen von Firefox ist ein typisches Beispiel, und wenn ein Mozilla-Konto mal flöten gehen sollte, ist das zwar ärgerlich, löscht aber nicht möglicherweise eine ganze digitale Existenz aus. Zur Not habe ich dann noch andere Möglichkeiten wie Firefox Backup, um mein Profil und entsprechende Schlüsseldateien zu sichern und zu synchronisieren. Das sind Punkte, wo Mozilla eigentlich immer besonders stark war. Genau das hat Microsoft über lange Zeit vermissen lassen und tut es in vielen Bereichen, wenn wir Windows und XBOX bewusst mal ausklammern, immer noch.

Schlusswort

Microsoft wird hier weiterhin eine gewisse Rolle spielen und meine Verbindung nach Redmond wird so schnell auch nicht abreißen. Das Kapitel der tiefen Microsoft-Integration, welches über sehr viele Jahre mein Setup geprägt hat, ist allerdings definitiv vorbei und abgeschlossen. Das hat einerseits mit Microsoft direkt zu tun, aber vor allem auch damit, wo ich aktuell im Leben stehe und in welche Richtung sich mein Leben in den nächsten Monaten entwickeln wird. Das macht eine neue Architektur und die Neujustierung des Verhältnisses zu Microsoft zu einem zwingenden Punkt.

In den nächsten Wochen und Monaten wird sich noch sehr viel im digitalen Bereich tun und ich gehe momentan davon aus, dass ich irgendwann gegen Jahresende mit allem soweit durch sein werde. Aber insgesamt kann ich mit den bereits getroffenen Entscheidungen schon wieder ruhiger schlafen. Dass das ausgerechnet in meinem Jubiläumsjahr bei uns – am 29. November bin ich 10 Jahre hier im Team – passiert, hat zwar eine gewisse Tragik oder Ironie, ändert aber nichts an der Notwendigkeit.

Fortsetzung folgt, spätestens im Herbst.

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Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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