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Prognose: Auch Windows 7 überlebt seinen eigenen Tod

Prognose: Auch Windows 7 überlebt seinen eigenen Tod

Am 14. Januar 2020 endet der erweiterte Support für Windows 7. Das Datum ist keine Neuigkeit, es ist schon seit langer Zeit allgemein bekannt. Es klingt noch weit weg, aber es sind nur noch 19 Monate. 588 Tage, um genau zu sein – das klingt gefühlt noch etwas weniger. In 589 Tagen wird Microsoft also damit aufhören, Sicherheitsupdates für Windows 7 bereitzustellen, so wie das im April 2014 bei Windows XP geschehen ist.

Angeregt durch die Diskussion über die letzten Statistiken habe ich mal ein wenig im Archiv gekramt und alte Zahlen gewälzt. Ich wollte wissen, wie sich im Vorfeld des Supportendes die Anteile von Windows XP hin zu Windows 7 verschoben haben. Dabei habe ich schnell festgestellt: Geschichte wiederholt sich. Ohne sich allzu weit aus dem Fenster zu lehnen, lässt sich prognostizieren: Auch Windows 7 wird quicklebendig zu seiner eigenen Beerdigung erscheinen.

Werfen wir einen Blick zurück ins Jahr 2012: Zwei Jahre vor seinem Auslauf ist Windows XP noch das am meisten genutzte Betriebssystem, die beiden Nachfolger Vista und Windows 7 kommen nur gemeinsam auf eine Mehrheit. Im September 2012 – das ist der Zeitpunkt, der mit dem Hier und Jetzt am besten vergleichbar ist, laufen noch fast 38 Prozent aller PCs mit XP (grau hinterlegte Zeile in der untenstehenden Grafik). Das ändert sich in den darauffolgenden Monaten kaum, weshalb ich im Januar 2013 die Prognose aufstelle, dass der Nutzungsanteil von Windows XP zum Supportende noch bei rund 20 Prozent liegen wird. Es sollte sich herausstellen, dass ich damit noch zu optimistisch war: Ende März 2014, zwei Wochen vor dem letzten XP-Patchday, waren noch 27,69 Prozent übrig.

Windows 7 gegen Windows XP

Springen wir in die Gegenwart: Windows 7 kommt aktuell auf nicht ganz 42 Prozent, ist also noch weiter verbreitet, als es XP zu einem vergleichbaren Zeitpunkt war. Die beiden Nachfolger, Windows 8 und Windows 10, erreichen zusammen etwas mehr als 41 Prozent, das ist ebenfalls etwas weniger, als die beiden XP-Nachfolger seinerzeit vorzuweisen hatten. Auffällig hierbei ist, dass sich seit Anfang 2018 nicht mehr viel getan hat. In den letzten 17 Monaten hat Windows 10 nur etwas mehr als zehn Prozentpunkte hinzu gewonnen, Windows 7 hat im selben Zeitraum nur etwas mehr als sechs Prozentpunkte eingebüßt.

Windows 10 vs Windows 7

Prognostiziert man diese Entwicklung in die Zukunft, dann stünde Windows 10 im Januar 2020 bei rund 46 Prozent und Windows 7 bei 34 Prozent. So schlimm wird es wohl nicht kommen, aber wenn man bedenkt, dass Windows 7 im Durchschnitt jeden Monat 2,2 Prozentpunkte verlieren müsste, um pünktlich zu verschwinden, dann weiß man: Das wird nicht passieren. Selbst zu Zeiten des offiziellen Gratisupdates (das inoffiziell ewig gratis bleiben wird) hat es solche Verluste nicht gegeben.

Woran liegt’s?

Der Auslauf von Windows XP ging schief, obwohl die Leute grundsätzlich davon weg wollten. Viele Firmen konnten nicht, weil alte Software nicht kompatibel war. Dieses Problem stellt sich bei Windows 10 zumindest nicht in dieser Dimension. Die meisten PCs und Programme, die mit Windows 7 kompatibel sind, kämen auch mit Windows 10 klar. Trotzdem verläuft der Umstieg derart schleppend.

Das liegt zum Einen daran, dass Windows 7 einfach „zu gut“ ist. Technisch ist es nicht so veraltet, wie es Windows XP damals war. Natürlich bietet Windows 10 viel mehr, vor allen Dingen viel mehr Sicherheitsfeatures speziell für Unternehmen, gleichzeitig verlangt es aber viel kürzere Update-Zyklen. Genau damit haben nicht wenige Firmenkunden ein Problem, und ich könnte wetten: Sobald Microsoft einen Weg gefunden hat, die halbjährlichen Updates zumindest für Unternehmen abzuschaffen, ohne dabei das Konzept von „Windows as a Service“ grundsätzlich in Frage zu stellen, werden sie genau das tun.

Einer Verlängerung des Supports für Windows XP hatte Microsoft ganz früh eine deutliche Absage erteilt, und das war ja wirklich undenkbar. Man hat auch frühzeitig laut für eine Ablösung von XP getrommelt – das weiß ich deshalb so gut, weil ich im Jahr 2012 auf ca. 40 Events für Microsoft als Sprecher aufgetreten bin und intensiv gebrieft wurde, am Ende meines Vortrags intensiv zum Update auf Windows 7 aufzufordern.

Bezüglich Windows 7 ist es dahingehend noch komplett ruhig. Ich halte eine Fristverlängerung lediglich für „etwas weniger undenkbar“, dagegen wetten würde ich allerdings nicht. Wie schon erwähnt, „Windows as a Service“ ist für Microsoft enorm wichtig, besonders in Verbindung mit „Microsoft 365“. Ich möchte nicht gänzlich ausschließen, dass man zu Gunsten eines langfristigen Erfolgs von Microsoft 365 bereit wäre, die Kröte einer Support-Verlängerung für Windows 7 zu schlucken.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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