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Reaktionen auf Edge: Freude bei Google und Opera – Mozilla reagiert verschnupft

Reaktionen auf Edge: Freude bei Google und Opera - Mozilla reagiert verschnupft

Gestern hat Microsoft die große Nachricht offiziell gemacht und angekündigt, dass man bei Microsoft Edge von der hauseigenen EdgeHTML-Engine auf die Chromium-Plattform und damit Blink wechseln wird. Entsprechend wurden auch die Reaktionen der anderen Entwickler mit Spannung erwartet, und den Kollegen von VentureBeat gelang es auch, Reaktionen von Mozilla, Opera und Google zu bekommen. Letztere freuen sich auf die Zusammenarbeit mit Microsoft und heißen sie herzlich willkommen.

Chrome ist seit seiner Gründung ein Vorkämpfer des offenen Webs und wir begrüßen Microsoft in der Gemeinschaft der Chromium-Mitwirkenden. Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit Microsoft und der Web-Standards-Community, um das offene Web voranzubringen, die Benutzerauswahl zu unterstützen und ein großartiges Browser-Erlebnis zu bieten.

Auch Opera hat sich in einer Stellungnahme erfreut über den Wechsel von Microsoft geäußert und zog Parallelen zur eigenen Abkehr von der damaligen Engine Presto.

Wir haben festgestellt, dass Microsoft sehr stark in die Fußstapfen von Opera zu treten scheint. Die Umstellung auf Chromium ist Teil einer Strategie, die Opera 2012 erfolgreich umgesetzt hat. Diese Strategie hat sich für Opera als fruchtbar erwiesen, so dass wir uns darauf konzentrieren können, unseren Produkten einzigartige Eigenschaften zu verleihen. Was die Auswirkungen auf das Ökosystem Chromium betrifft, so müssen wir noch sehen, wie es sich entwickeln wird, aber wir hoffen, dass dies ein positiver Schritt für die Zukunft des Webs sein wird.

Während Google und Opera der Ankündigung von Microsoft, die gestern von Joe Belfiore im Windows Blog veröffentlicht wurde, überwiegend positiv begegnen, reagiert Mozilla erwartungsgemäß ziemlich verschnupft. Ein Sprecher sagte dazu:

Dies erhöht die Bedeutung von Mozillas Rolle als einzige unabhängige Wahl. Wir werden nicht zulassen, dass die Implementierung des Webs durch Google die einzige Option ist, die die Verbraucher haben sollten. Deshalb haben wir Firefox überhaupt erst entwickelt und werden immer für ein wirklich offenes Web kämpfen.

Später drückte es Chris Beard, CEO von Mozilla, noch etwas deutlicher aus.

Aus sozialer, staatsbürgerlicher und individueller Sicht auf die Macht ist es schrecklich, die Kontrolle über die grundlegende Online-Infrastruktur an ein einzelnes Unternehmen zu überlassen. Deshalb gibt es Mozilla. Wir konkurrieren mit Google nicht, weil es eine gute Geschäftsmöglichkeit ist. Wir konkurrieren mit Google, weil die Gesundheit des Internets und des Online-Lebens von Wettbewerb und Auswahl abhängt. Sie hängen davon ab, dass die Verbraucher entscheiden können, ob wir etwas Besseres wollen und Maßnahmen ergreifen.

Wird die Entscheidung von Microsoft es für Firefox schwieriger machen, erfolgreich zu sein? Es könnte. Google leistungsfähiger zu machen, ist an vielen Fronten riskant. Und ein großer Teil der Antwort hängt davon ab, was die Webentwickler und Unternehmen, die Dienstleistungen und Websites erstellen, tun. Wenn ein Produkt wie Chromium einen ausreichenden Marktanteil hat, dann wird es für Webentwickler und Unternehmen einfacher, sich zu entscheiden, sich keine Sorgen zu machen, ob ihre Dienste und Websites mit etwas anderem als Chromium funktionieren. Das geschah, als Microsoft Anfang der 2000er Jahre vor der Veröffentlichung von Firefox ein Monopol auf Browser hatte. Und es könnte wieder passieren.

Andere Reaktionen, etwa von Vivaldi, Apple oder Brave, fehlen momentan noch.

Damit man es richtig einordnen kann, muss man sich vor allem eine Sache vor Augen führen. Auch wenn Microsoft Edge sich jetzt irgendwann im kommenden Jahr zur langen Liste der Chromium-Derivate gesellen wird, ändert das im Grunde nichts daran, dass die Dominanz von WebKit in all seinen Facetten schon seit vielen Jahren zementiert ist. Chromium ist mit so klangvollen Namen wie Google Chrome, Opera, Vivaldi, Brave, Maxthon oder Yandex nur die Spitze des Eisbergs, abgesehen davon, dass es unzählige weitere Derivate gibt und auch Clients wie Steam oder Spotify nichts Anderes als abgespeckte Chromium-Browser sind. Hinzu kommt Safari von Apple sowie unzählige kleinere Browser, die kleinere Implementierungen wie Webkit2GTK oder die QtWebEngine nutzen.

Persönlich hätte ich es auch lieber gesehen, wenn Microsoft sich mit Mozilla zusammengetan hätte, aber rein sachlich muss man auch feststellen, dass die Zahl der Browser (und auch generell der Projekte), die noch auf Gecko basieren, seit Jahren immer weiter erodiert. Die wesentlichen Projekte neben Firefox selbst, die weiterhin Gecko auch nach Quantum die Treue halten, sind in der heutigen Zeit der Tor Browser, Cliqz Internet, Comodo IceDragon, Abrowser (gehört zur GNU/Linux-Distribution Trisquel), GNU IceCat, der Telekom-Browser, Waterfox (mit Abstrichen) und SeaMonkey (der allerdings aktuell aufgrund von Infrastrukturwechseln pausiert wurde). Das sind insgesamt 9 Browser, von denen – mit viel Wohlwollen – eigentlich nur zwei, nämlich Firefox und der Tor Browser, noch eine richtige Relevanz haben. Gleichzeitig muss man festhalten, dass zumindest ein Teil der (ehemaligen) Community auch ihren Teil zu dieser Erosion beigetragen hat, indem sie Gecko und die XUL-Plattform forkte und seitdem mit der UXP-Plattform und der Goanna-Engine mittlerweile ihr eigenes Ding durchzieht.

Letztlich ist die Entscheidung von Microsoft schwierig einzuordnen und hat zwei Seiten. Für den Endnutzer ist das unterm Strich eine eher positive Nachricht, weil es bezüglich des Unterbaus von Edge unter Windows mit seiner Insellösung EdgeHTML nur besser werden konnte und Microsoft hier auch abseits seines Browser einiges gewinnt. Gleichzeitig gibt es nun nur noch drei große Engines, von denen zwei – Webkit2 von Apple und Blink von Chromium – entfernt verwandt sind. Mit Gecko als einziger echter unabhängiger Alternative steuert das Web nun also auf eine Art Monokultur zu, wie wir sie seit dem Internet Explorer 6 nicht mehr kannten. Man wird hier also sehen müssen, wie sich die starken Stimmen von Microsoft, Google oder Opera untereinander begegnen und wohin Chromium als Plattform und als dann geltender Quasi-Standard bei den Desktop-Browsern steuern wird.

Hinweis: Die Zitate wurden (mit leichten Anpassungen) mit DeepL übersetzt.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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