Am Puls von Microsoft

Recall: Neue KI-Funktion in Windows 11 wirft Fragen auf – Microsoft liefert Antworten

Recall: Neue KI-Funktion in Windows 11 wirft Fragen auf - Microsoft liefert Antworten

Die wohl spannendste neue KI-Funktion für Windows 11, die Microsoft bei seinem Event am Montag vorgestellt hat, hört auf den Namen “Recall”. Die Möglichkeiten scheinen enorm, reflexartig tauchen allerdings auch Bedenken auf. Microsoft hat hierzu eine FAQ veröffentlicht.

Recall ist, so wurde es beschrieben, eine Art “fotografisches Gedächtnis” für alles, was auf dem PC passiert. Um eine Information wieder abzurufen, muss man sich nicht an das verwendete Programm, die Webseite oder den Kommunikationskanal erinnern. Es genügt, den Copilot zum Beispiel nach dem roten Sofa zu fragen, das man sich neulich angesehen hat.

In der Aufzeichnung des Microsoft-Events gibt es ab Minute 23 eine Demo von Recall.

Es ist also, als würde einem jemand bei der Arbeit am PC permanent über die Schulter schauen und sich alles haarklein notieren. Man muss nicht paranoid sein, um dabei ein mulmiges Gefühl zu bekommen. Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes sind naheliegend und angebracht.

In den FAQ zu Recall schreibt Microsoft, dass die von Recall angelegte Datensammlung auf dem PC abgelegt wird und dort verbleibt, also nicht in die Cloud wandert und auch nicht mit anderen Geräten synchronisiert wird. Microsoft beteuert, diese Daten nicht auszuwerten und insbesondere nicht für personalisierte Werbung zu verwenden.

Standardmäßig verwendet Recall 25 GB Speicherplatz, um die aufgezeichneten Informationen zu speichern, laut Microsoft genügt das für etwa drei Monate. Ältere Snapshots werden gelöscht, wenn das Limit erreicht ist.

Insbesondere bei den Privatkunden hat Microsoft zuletzt durch skrupellosen Umgang mit persönlichen Daten viel Vertrauen verspielt. Wer hunderte Werbetracker in sein E-Mail-Programm integriert, darf sich nicht wundern, wenn Beteuerungen bezüglich Datenschutz und Privatsphäre einfach nicht mehr geglaubt werden.

Aber auch ganz ohne Misstrauen ist es legitim, wenn jemand einfach nicht möchte, dass eine solche Datensammlung angelegt wird. Man kann daher nur hoffen, dass Microsoft einen Schalter integriert, mit dem sich Recall vollständig deaktivieren lässt.

Die FAQ weisen diesbezüglich nur auf Einschränkungen hin, die man vornehmen kann. Hier heißt es:

Sie können das Recall-Symbol auf der Taskleiste verwenden, um die Einstellungen von Recall zu öffnen und auszuwählen, welche Schnappschüsse Recall sammelt und auf Ihrem Gerät speichert. Sie können einschränken, welche Snapshots Recall sammelt. Sie können beispielsweise bestimmte Apps oder Websites auswählen, die in einem unterstützten Browser besucht wurden, um Ihre Schnappschüsse herauszufiltern. Darüber hinaus können Sie Schnappschüsse bei Bedarf über das Symbol “Abrufen” in der Taskleiste anhalten sowie einige oder alle gespeicherten Schnappschüsse löschen.

Beim InPrivate-Browsen mit Edge wird Recall automatisch pausiert, DRM-geschützte Inhalte werden ebenfalls nicht aufgezeichnet. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass durchaus sensible Daten wie Kennwörter in den Schnappschüssen landen können, wenn man etwa eine Webseite besucht, auf der die Passworteingabe unzureichend sicher umgesetzt wurde.

Damit kein falscher Eindruck entsteht: Ich will hier nicht die berüchtigte “German Angst” beschwören. Wenn Recall auch nur annähernd so gut funktioniert, wie es in der Demo gezeigt wurde, ist das Potenzial enorm.

Ich weiß nicht, wie viele Stunden meines Lebens ich schon damit verbracht habe, nach einer Information zu suchen, von der ich ganz sicher wusste, dass ich sie habe – nur eben nicht mehr, wo sie steckt. In nicht wenigen Fällen wurde die Suche frustriert abgebrochen.

Recall kann enorm hilfreich sein und ich werde es ganz sicher ausprobieren. Aber man muss dennoch ganz genau hinschauen und die Erfahrung lehrt, dass es Microsoft schwerfällt, mit Bedenken umzugehen, wenn sie von einer Sache selbst völlig begeistert sind.

Nachtrag: In den FAQ steht außerdem, dass Recall nicht exklusiv an die neuen PCs gebunden ist. Hier heißt es: Auf Geräten, die nicht mit einem Prozessor der Snapdragon X-Serie betrieben werden, ist die Installation eines Windows-Updates erforderlich, um Recall auszuführen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

Anzeige