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Samsung Galaxy Book Flex und Galaxy Book Ion im Doppel-Test: Starkes Comeback

Samsung Galaxy Book Flex und Galaxy Book Ion im Doppel-Test: Starkes Comeback

Samsung ist zurück auf dem deutschen Notebook-Markt. Dem Galaxy Book S mit Windows on ARM folgten das Galaxy Book Flex und das Galaxy Book Ion. Ich habe beide Geräte parallel getestet und fand dabei immer mal das eine und dann das andere besser.

Ich habe beim Test von Notebooks oft das Problem, dass ich mir zu Hause nicht genügend Zeit dafür nehme, weil ich im Zweifel dann doch lieber an meinem Desktop-PC sitze. Das Problem gab es bei diesem Doppeltest nicht, denn ich habe die beiden Galaxy Books mit in meinen zweiwöchigen Urlaub genommen, was ja bei mir eher ein temporärer Wohnsitz- und Arbeitsplatzwechsel ist denn ein echter Urlaub. Aber das ist ein anderes Thema und ich beschwere mich nicht, denn es ist ein selbst gewähltes Schicksal.

Beide Galaxy Books gibt es sowohl in 13 als auch in 15 Zoll. Samsung hat mir das Galaxy Book Flex in 15 Zoll und das Ion in 13 Zoll geschickt. Die Geräte sind grundverschieden und haben doch viele Ähnlichkeiten.

Samsung Galaxy Book Ion

Galaxy Book Ion

Das Galaxy Book Ion fällt in die Kategorie „klassisches Clamshell-Notebook“. Es hat keinen Touchscreen, dennoch aber ein Hochglanz-Display mit FullHD-Auflösung. Es sei an dieser Stelle gleich gesagt: Die Bildqualität des QLED-Displays ist überragend, keinesfalls hätte ich auf 1080p getippt, wenn ich die Bildschirmauflösung hätte erraten müssen.

Mit 970 Gramm ist es fantastisch leicht und fühlt sich dennoch robust an, die Haptik der Oberfläche erinnert trotz des geringen Gewichts ein wenig an die des Surface Book, an den Kanten ist es dagegen überall abgerundet, weshalb es sich sehr komfortabel anfasst. Das silberne Gehäuse schimmert je nach Lichteinfall in verschiedenen Farben. Mit anderen Worten: Es ist wirklich schick.

In der Konfiguration mit Core i5-10210U, 8 GB RAM und 256 GB SSD (andere Modelle gibt es nicht) beträgt die UVP 1.363,73 € (1.399 Euro, wenn die Mehrwertsteuersenkung wieder vorbei ist).

Samsung Galaxy Book Ion

Trotz der kompakten Maße und dem geringen Gewicht hat Samsung noch viele Anschlüsse untergebracht: 2xUSB A 3.0, USB-C mit Thunderbolt 3, HDMI, 3,5mm Audio sowie einen microSD-Einschub, der auch UFS-Karten unterstützt. Das 65 Watt starke Netzteil hat einen proprietären Anschluss – wer macht denn sowas noch im Jahr 2020?

Die Akkulaufzeit soll laut Samsung bis zu 22 Stunden betragen, die ich in der Praxis selbstredend nicht annähernd erreicht habe. Der Durchschnittswert von 8-9 Stunden ist dennoch aller Ehren wert, wenn man bedenkt, dass ich das Gerät quasi durchgängig auf hoher bis maximaler Display-Helligkeit verwendet habe. Im Indoor-Einsatz bei mittlerer Helligkeit sollte deutlich mehr drin sein.

Samsung Galaxy Book Ion

Wenn man das Display aufklappt, stellt sich die (zweistufig beleuchtete) Tastatur leicht an, was das Schreiben angenehmer macht. Auf der Tastatur tippt es sich fantastisch, die Oberfläche der Tasten fühlt sich seltsam weich (im Sinne von komfortabel) an. Kennt ihr das Gefühl, dass man auf einer Tastatur deshalb so gerne schreibt, weil sie dabei so angenehm klingt? Wenn ja, ist das Galaxy Book Ion ein heißer Tipp.

Samsung Galaxy Book Ion Tastatur

Soweit zu den spezifischen Eigenheiten des Galaxy Book Ion, kommen wir jetzt zum

Galaxy Book Flex

Das Galaxy Book Flex ist ein 360-Grad-Convertible mit Touchscreen und integriertem Stift. Der S Pen ist exakt das gleiche Stück Hardware, welches auch im Galaxy Note 10 steckt.

Mein Testgerät war die 15,6 Zoll Version mit Intel Core i7-1065G, GeForce MX250, 16 GB RAM und 512 GB SSD. In dieser Ausstattung beträgt die UVP 2.046,08 Euro. Das Gewicht fällt mit 1,57 Kg deutlich stattlicher aus.

Samsung Galaxy Book Flex

War ich beim Ion schon fassungslos, wie gut 1080p auf 13 Zoll aussehen können, blieb mir beim 15,6 Zoll großen Galaxy Book Flex endgültig die Spucke weg, weil FullHD auf 15,6 Zoll eben nicht mehr zeitgemäß ist und man hier dennoch nichts vermisst, zumindest nicht beim Arbeiten. Auch hier tut ein QLED-Display seinen Dienst, aber eben mit Multitouch.

USB-A sucht man beim Galaxy Book Flex vergeblich, stattdessen gibt es 3 USB-C Ports, von denen einer als Ladeanschluss und zwei als Thunderbolt 3 Anschluss dienen. 3,5mm Audio gibt es ebenso wie einen UFS/microSD-Reader.

Samsung Galaxy Book Flex

Mein Hauptaugenmerk lag einmal mehr auf der Tastatur, die wirklich ganz nah an die des Surface Book heran kommt, die für mich nach wie vor die weltbeste ist. Der Unterschied ist aber marginal, das riesige Touchpad macht das Eingabe-Gesamtpaket beim Samsung Galaxy Book Flex schließlich sogar besser. Bei der 15,6 Zoll Version gibt es außerdem einen Ziffernblock.

Samsung Galaxy Book Flex Tastatur

Überhaupt ist das Galaxy Book Flex für mich persönlich das bessere Surface Book. Die Betonung liegt auf persönlich, denn aufgrund der ungleichen Bauform der beiden Geräte hinkt ein solcher Vergleich selbstverständlich gewaltig.

Der S Pen tut verlässlich seinen Dienst, unterstützt wie beim Note 20 Gesten und beim Entnehmen aus dem Gehäuse wird das berühmte halbkreisförmige Aktionsmenü eingeblendet. Wer auf ein durchgängiges Erlebnis steht, wird hier bestens bedient, wer dagegen nach einer Möglichkeit sucht, OneNote automatisch starten zu lassen, wenn man den Stift entnimmt, wird enttäuscht. Ich gehöre zur zweiten Gruppe.

Samsung Galaxy Book Flex

Gemeinsamkeiten

Wie schon angedeutet, haben beide Geräte sehr viele Gemeinsamkeiten. So Viele, dass ich mich entschlossen habe, die Reviews zu einem Artikel zusammenzufassen, weil ich mich ansonsten zu oft hätte wiederholen müssen.

Beide Tastaturen sind wie erwähnt erstklassig und in den ersten Tagen habe ich mich unzählige Male umentschieden, welche denn nun die bessere ist. Mal mochte ich das sanfte Dahingleiten auf dem Ion, mal gefiel mir der eher straff geführte Anschlag beim Flex besser, weil er mich so sehr ans Surface Book erinnerte. Ich könnte mit beiden Tastaturen dauerhaft arbeiten, am Ende habe ich mich auf dem Flex aber doch einen Tick wohler gefühlt.

Die Touchpads sind ebenfalls sehr gut, manchmal sogar zu gut. Auf beiden Geräten passiert es vergleichsweise oft, dass man ungewollt Gesten wie Pinch&Zoom ausführt, wenn man eigentlich mit zwei Fingern durch das Dokument blättern will. Mein Tipp an Samsung wäre, die Standard-Empfindlichkeit per Firmware-Update etwas zu reduzieren.

Auf den Fotos oben ist gut zu sehen, dass der Fingerprint-Sensor auf beiden Geräten sehr prominent platziert ist. Auf mich wirkt das ehrlich gesagt ein wenig befremdlich und ich hätte mir eine Integration in den Einschaltknopf gewünscht, beim Galaxy Book S hat Samsung ja schon gezeigt, dass sie das können. Neben der auffälligen Optik muss man sich außerdem an die kleine Shift-Taste gewöhnen, was mir nach ein paar Tagen besser gelang, als ich es erwartet hatte.

Beide Geräte haben eine 720p Webcam für Videokonferenzen, ich kann weder Positives noch Negatives darüber sagen. Den Sound steuert auf beiden Geräten AKG bei. Der Klang ist prima und sehr ausgewogen, die maximale Lautstärke dürfte für meinen Geschmack etwas höher sein. Das war aber wohl eine bewusste Entscheidung, denn auch „am Anschlag“ bleibt der Ton klar und verzerrt nicht.

Ebenfalls in beiden Geräten verfügbar ist „Wireless Power Share“. Man kann ein Qi-fähiges Gerät auf das Touchpad legen und es auf diese Weise aufladen. Im Grunde eine Spielerei, aber wenn man nur ein einziges Mal in die Situation kommt, sein fast leeres Smartphone auf diesem Weg laden zu müssen, denkt man vermutlich „dafür hat es sich gelohnt“.

Sowohl das Galaxy Book Flex als auch das Ion bringen eine lange Liste an Samsung-Apps mit.

Samsung Apps

Ob man die wirklich alle braucht, sei dahingestellt. Seit man Apps aber mit einem Rechtsklick über das Startmenü entfernen kann, bin ich gegenüber diesen Zugaben weniger empfindlich geworden. Die Testinstallation von McAfee sollte sich Samsung aber wirklich sparen, bei dem Preis sollten die Geräte genug Geld in die Kasse bringen, da braucht man keine Provisionen von Drittanbietern mehr.

Ein Highlight ist für mich in jedem Fall die App „Samsung Settings“, mit der viele besondere Features der Galaxy Books konfiguriert werden können. Sie ist im Look&Feel der Settings App von Windows 10 gehalten, was unmittelbar den Wunsch auslöst, die Einstellungen mögen sich dort doch bitte direkt integrieren. Das ist unter Windows 10 im Gegensatz zur alten Systemsteuerung aber nicht mehr möglich.

Im Hinblick auf die Surface App dachte ich aber „seht her, Microsoft: so wird’s gemacht!“

Samsung Settings

Das Beste zum Schluss

Mein absolutes Lieblings-Feature beider Geräte habe ich mir für den Schluss aufbewahrt: Die Displays haben einen Outdoor-Modus, der sich per Funktionstaste aktivieren lässt und der die Helligkeit des Bildschirms auf 600 Nits aufdreht. Die beiden Galaxy Books sind die ersten Laptops überhaupt, mit denen ich im Freien bei Tageslicht arbeiten konnte. Ich sage nicht, dass ich so den ganzen Tag verbringen will, es ist dennoch anstrengend und auf Dauer sicher ungesund für die Augen, aber wenn es sein muss, dann funktioniert es. Die Akkulaufzeit dürfte sich in diesem Modus auf geschätzt vier Stunden reduzieren, genau nachgemessen habe ich das nicht.

In einem anderen Test wurde kritisiert, dass der Outdoor-Modus jedes Mal deaktiviert wird, sobald man das Notebook zuklappt. Ich empfinde es wegen der enormen Auswirkung auf die Laufzeit aber als Vorteil, dass man ihn immer wieder gezielt zuschalten muss.

Fazit

Wie alle anderen Notebooks sind auch das Galaxy Book Flex und Ion nicht für jeden geeignet, schon alleine aufgrund der ambitionierten Preise. Eine Bereicherung für den deutschen Markt sind sie aber in jedem Fall, das Premium-Segment bekommt hier zwei starke Mitstreiter.

Das Galaxy Book Ion würde ich aufgrund seiner Leichtigkeit den Leuten ans Herz legen, die damit sehr oft unterwegs sind. Das Galaxy Book Flex ist ein vielseitiges Gesamtpaket und daher sowohl für den Schreibtisch als auch für die Couch geeignet. Müsste ich heute ein Notebook kaufen, wäre das Flex – dann allerdings in der kleineren 13-Zoll-Version – definitiv ein ganz heißer Kandidat. In der Tat bin ich ja schon lange Zeit auf der Suche, allerdings habe ich keinen Druck, weil ich aufgrund der Corona-Krise ohnehin keine Reisetätigkeit habe.

Disclaimer: Die Geräte wurden mir von Samsung leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Pflicht zur Berichterstattung war damit nicht verbunden.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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