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Schlägt der Elektro-Blitz ein? Der Opel Corsa-E im Test – Teil 1

Schlägt der Elektro-Blitz ein? Der Opel Corsa-E im Test - Teil 1

Viele Leserinnen und Leser haben mir geschrieben und mich darum gebeten, nicht nur teure Autos von Premiummarken wie BMW und MINI zu testen, sondern auch mal Fahrzeuge unter die Lupe zu nehmen, die sich in anderen preislichen Regionen bewegen.

Neben Import-Marken wie Hyundai zählt hierzu auch die deutsche Marke Opel aus Rüsselsheim, Hessen. Freundlicherweise hat mir das Autohaus Kropf in Nürnberg für eine Woche einen aktuellen Opel Corsa zum Testen gestellt, wobei keine Einflussnahme stattgefunden hat. An dieser Stelle schon mal ein herzliches Dankeschön an das Opel Kropf-Team rund um Thimo Theyer für die unkomplizierte Betreuung und das Vertrauen. In zwei Teilen werde ich dem aktuellen Corsa F unter die Haube fühlen und einige Mythen rund um Elektroautos aufklären, da ich mir die vollelektrische Version des Corsa geschnappt habe.

Allgemeines

Der Opel Corsa Elektro basiert auf der seit dem Jahr 2019 in Spanien in der Provinz Saragossa gebauten Generation Corsa F. Im vollelektrischen Kleinwagen sorgt ein 100 kW (umgerechnet 136 PS) starker Elektromotor des deutschen Unternehmens Continental/Vitesco für Vortrieb. Vitesco ist eine ausgegliederte Abteilung des Automobilzulieferers Continental mit Sitz in Regensburg. Aus Kostengründen wird der permanenterregte Synchronelektromotor des Corsa-E im chinesischen Werk von Vitesco gefertigt.

Ebenfalls aus China stammt die Traktionsbatterie. Insgesamt 50 kWh Kapazität bringt der Akku des chinesischen Unternehmens CATL. Ab nächstem Jahr verbessert sich die Ökobilanz, denn ab dann wird das Akkupaket für den Corsa-E aus Thüringen kommen, sodass der Transportweg nach Saragossa kürzer ausfällt und insgesamt weniger CO2 bei der Herstellung der Traktionsbatterie anfallen wird. Direkt in Deutschland im Opel-Entwicklungszentrum Rüsselsheim wurde das Exterieur und Interieur gestaltet sowie die Ausstattungsoptionen mitentwickelt.

Gleich mehrere Freunde und Bekannte bezeichnen den Opel Corsa F als „kleines Raumwunder“. Schließlich kann man als 1,80 Meter große Person noch bequem hinter einem 1,80 Meter großen Fahrer sitzen. Selbst Personen, die über 1,90 Meter messen, finden als Fahrer oder Beifahrer mehr als ausreichend Platz vor, sowohl in Sachen Knie-, als auch Kopffreiheit. Der Kofferraum der Elektro-Version misst knapp 270 Liter, wobei ein Ladekabel unter das Gepäckabteil verstaut werden kann, als Alternative zum mitgelieferten hochwertigen Ladekabel-Koffer. So passen locker mehrere Sporttaschen oder Getränkekisten nebeneinander in den Kofferraum. Zudem fällt das Handschuhfach sehr groß aus, sodass auch hier etwa Getränkeflaschen verstaut werden können. In die vorderen Türtaschen passen etwa 1,5 Liter große Flaschen. Der 4,05 Meter lange Kleinwagen ist also im Inneren ziemlich groß.

Mythos 1: Elektroautos machen keinen Spaß

Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass E-Autos keinen Fahrspaß vermitteln. Wer einmal selbst in einem aktuellen E-Auto gefahren ist, weiß, dass das nicht stimmt. Der Corsa-e macht hier keine Ausnahme. Die Ingenieure aus Rüsselsheim haben extra für die Elektroversion des Corsa F ein eigenes Fahrwerk entwickelt, welches mit dem – im Vergleich zu den konventionell angetriebenen Varianten – höheren Fahrzeuggewicht von knapp 1,5 Tonnen zurechtkommt. Zudem gibt es eine Zuladung von stattlichen 370 Kilogramm. Generell liegt der vollelektrische Corsa satt auf der Straße, was einerseits dem Fahrwerk und andererseits der Positionierung des Akkupakets geschuldet ist. Opel hat sich gemeinsam mit dem französischen PSA-Konzern dazu entschlossen, den Akku in 18 Module aufzuteilen, wobei der kleinere Anteil der Module unter dem Fahrer- und Beifahrersitz steckt und es sich der Rest vom Akkupaket schön unter der kompletten Rückbank gemütlich macht. So gibt es eine ausgeglichene Gewichtsverteilung zwischen den Achsen und die Füße haben – wie etwa beim Porsche Taycan – Fußgaragen und somit mehr Platz als etwa bei einem plan montierten Akkupaket.

Insgesamt ziehe ich den Hut vor den Fahrwerksentwicklern von Opel. Zumindest die vollelektrische Variante des Corsa F kann vom Fahrverhalten mit dem sportlich ausgelegten Fahrwerk eines MINI 3-Türers mithalten. Es macht einfach viel Spaß, mit dem E-Corsa Kurven zu nehmen. Die Lenkung lässt sich von der Leichtgängigkeit und Empfindlichkeit über den serienmäßigen Drive Mode-Schalter verstellen. Im Normal- und Eco-Modus ist die Lenkung sehr leichtgängig ausgelegt und eignet sich perfekt, um damit in der Stadt herumzukurven, einzuparken etc. Im Sport-Modus hingegen wird die Lenkung spürbar schwergängiger und man muss mehr Kraft aufwenden, um zu lenken.

Neben der Lenkung beeinflussen die Fahrmodi auch noch die Leistung des E-Motors von Continental/Vitesco. So stehen im Eco-Modus nur 82 PS zur Verfügung, die im Stadtverkehr genügen. Im Normal-Modus hingegen gibt es 109 PS und 220 Nm Drehmoment, die für nahezu alle Fahrsituationen ausreichend sind, da die Leistung sofort abrufbar ist. Wenn man im Sport-Modus unterwegs ist, bekommt man 136 PS und 260 Nm. Beim Zwischenspurt von 50 auf 100 km/h drückt es die Passagiere hier schon kräftig in die bequemen Sitze. Das macht einfach Laune! Leider gibt es keine Möglichkeit, eine individuelle Einstellung vorzunehmen und abzuspeichern, also beispielsweise die Lenkung aus dem Normal-Modus und die Leistung aus dem Sport-Modus.

Den Akku während der Fahrt aufladen dank Rekuperation

Neben der puren Fahrfreude gibt es noch zwei verschiedene Rekuperationsmodi, die man unabhängig von den Fahrmodi über den Wählhebel einstellen kann. In der Fahrstufe D ist die Motorbremse wie bei einem Verbrenner ausgelegt. Erst in der Fahrstufe B wirkt die Motorbremse kräftiger. Wenn man den Fuß vom rechten Beschleunigungspedal aka „Gas-Pedal“ nimmt, verzögert der Corsa-e im Modus B stärker, sodass man das Bremspedal fast nur noch braucht, um stehen zu bleiben. Diese Rekuperation genannte Technik hilft dabei, den Akku während der Fahrt teilweise wieder aufzuladen. Leider bietet der Elektro-Corsa keinen weiteren Rekuperationsmodus an, indem man vollständig bis zum Stillstand mittels Rekuperation fahren kann – das sog. One-Pedal-Driving.

Zudem ist es schade, dass es keine verschiedenen „Gänge“ gibt, damit der E-Motor auch bei hohen Geschwindigkeiten mit 120 km/h und mehr effizienter unterwegs ist. Im aktuellen Corsa-e arbeitet der Elektromotor ausschließlich bis 100 km/h stromsparend, bei allen Geschwindigkeiten darüber steigt der Stromverbrauch sehr stark an, sodass Autobahnetappen mit 120 km/h und mehr, häufige Ladestopps erfordern. Wenn man verschiedene Gänge benutzen könnte, dann könnte man den Elektromotor jeweils in einen möglichsten effizienten Bereich schalten, je nachdem, in welchem „Gang“ bzw. Modus man gerade unterwegs ist.

Mythos 2: Elektroautos sind teuer

Viele Interessenten geben an, dass Ihnen E-Autos in der Anschaffung zu teuer im Vergleich mit einem herkömmlich angetriebenen Auto sind. Der Corsa F kostet als Benziner mit einem 3-Zylinder-Turbo-Motor von Peugeot mit 100 PS und 8-Gang-Automatik-Getriebe mindestens 20.310 Euro. Hierbei muss man allerdings noch die Sonderausstattungen Klimaautomatik, Multimedia Radio mit Apple Carplay und Android Auto und 7-Zoll-Fahrerinfo-Display, das Schlüssellose Motorstart-System Keyless und den Drive Mode-Schalter dazu addieren, denn all das ist ohne Aufpreis bei jedem Elektro-Corsa verbaut.

  • Ein Opel Corsa F mit 74 kW-Ottomotor (100 PS) und vergleichbarer Ausstattung wie der Corsa-Elektro kostet mindestens 22.600 Euro (inkl. MwSt.).
  • Der Corsa-Elektro mit 100 kW-Elektromotor (136 PS) kostet mindestens 20.900 Euro (inkl. MwSt. und Umweltprämie). Wenn man die Vollausstattung namens Ultimate wählt, kostet der vollelektrische Opel Corsa-e 26.645 Euro (inkl. MwSt.).

Beim Elektro-Corsa habe ich bereits die Förderprämie in Höhe von 9.000 Euro abgezogen, die in Deutschland für E-Autos bis 40.000 Euro netto Listenpreis (ohne Sonderausstattung und ohne MwSt.) noch bis zum Jahr 2025 gewährt wird. Bei den Kosten geht es jedoch nicht nur um den Anschaffungspreis, auch die laufenden Kosten müssen berücksichtigt werden.

  • Der Opel Corsa F 1.2 Turbo-Benziner mit 100 PS und Automatikgetriebe verbraucht – laut Besitzern bei Spritmonitor.de – im Durchschnitt 6,0 Liter / 100 km und stößt somit um die 145 Gramm CO2/km aus. Eine Tankfüllung mit 44 Litern Super-E10 kostet so (bei 1,42 Euro pro Liter) 62,48 Euro. Mit 44 Litern Sprit kommt der Corsa F 1.2 Turbo-Benziner mehr als 700 Kilometer weit.
  • Der vollelektrische Opel Corsa-e mit 100kW/136 PS Elektromotor verbraucht im Stadt- und Überlandverkehr (mit max. 100 km/h) knapp 14,5 kWh/100 km. An einer langsamen AC-Ladesäule zahlt man so für eine komplette Füllung des Akkus 19,50 Euro (inkl. Ladeverluste bei 0,39 Euro/kWh) oder an einer DC-Schnellladesäule 24,50 Euro (inkl. Ladeverluste bei 0,49 Euro/kWh).

Neben den laufenden Kosten gibt es noch einen dritten Kostenpunkt, der in die „Total cost of ownership“, also in die Gesamtkosten eines Autos einfließt. Hierbei geht es um fixe Kosten, wie die jährlich zu zahlende Versicherung und die Service-Kosten. Opel selbst bietet hierzu auch einen Betriebskostenrechner an und hat die durchschnittlichen Servicekosten in Opel-Fachwerkstätten aufgelistet.

  • Versicherungskosten pro Jahr:
    • Der Opel Corsa F 1.2 mit 74kW/100 PS hat die Versicherungs-Typklassen Haftpflicht 14 von 25, Teilkasko 16 von 33 und Vollkasko 20 (Stand: Mai 2021; HSN: 1889/TSN: ABU).
    • Der vollelektrische Opel Corsa-e hat die Typklassen Haftpflicht 14 (von 25), Teilkasko 15 (von 33) und Vollkasko 19 von 34 (Stand: Mai 2021; HSN: 1889/TSN: ABX).
  • Servicekosten für den anfallenden Service in der Opel-Fachwerkstatt:
    • Beim Opel Corsa F mit Verbrennungsmotor kostet die jährliche Inspektion mindestens 350 Euro. Alle 50.000 Kilometer ist ein sogenannter „großer Service“ fällig, bei dem z.B. Zündkerzen getauscht werden und der dadurch schon mal 500 Euro und mehr kosten kann.
    • Der vollelektrische Opel Corsa-e hingegen hat nur einen Service-Typ, welcher inklusive Arbeitsstunden durchschnittlich 275 Euro in einer Opel-Werkstatt in Deutschland kostet. Die Elektroversion des Opel Corsa muss nur alle 25.000 Kilometer oder alle 2 Jahre zum Service in die Opel-Werkstatt.

Wer sich für den Testwagen oder einen anderen neuen Opel interessiert, kann sich gerne jederzeit per E-Mail oder telefonisch an das Autohaus Kropf wenden. Die aktuellen Angebote sind hier zu finden. Falls Interesse etwa an einem individuell kalkulierten Angebot besteht, so meldet Euch bitte bei Herrn Thimo Theyer und nennt dabei den DrWindows-Blog. Wer nicht in Nürnberg und Umgebung wohnt, kann sich trotzdem beim Autohaus Kropf melden, da eine Lieferung in ganz Deutschland angeboten wird.

Im zweiten Teil des Connected e-Roadtrips kümmere ich mich um die Reichweite im Alltag, die verbaute Ladetechnik sowie digitale Services rund um den Elektro-Corsa.

Über den Autor

Claus Ludewig

Claus Ludewig

Ich bin mit Windows 98 aufgewachsen und habe seitdem jede Windows- und Office-Version genutzt. Zum Entspannen dient die Xbox. Neben der engen Verbundenheit zu Microsoft-Produkten, schaue ich auch gerne mal über den Tellerrand hinaus in die weite Welt. Ich interessiere mich für alles, was vier Räder hat. In diesem Sinne nehme ich Euch gerne zu einer Spritztour mit.

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