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Spiele in Teams: Schnapsidee oder teambildende Maßnahme?

Spiele in Teams: Schnapsidee oder teambildende Maßnahme?

Manchmal gibt es Nachrichten, über die macht es viel mehr Spaß zu schreiben, wenn man ein wenig abwartet. Als Microsoft gestern die „Spiele für die Arbeit“ ankündigte, die in Microsoft Teams integriert werden, wusste ich sofort: Das ist eine solche Nachricht.

Zunächst die Fakten: „Spiele für die Arbeit“ ist eine neue App für Teams, die man zu einer Besprechung hinzufügen kann. Die Teilnehmer können dann vier verschiedene Spiele auswählen: Minesweeper, IceBreakers, Solitaire Collection und Wordament. Minesweeper und Solitaire können mit bis zu acht Leuten gleichzeitig gespielt werden, bei IceBreakers und Wordament sind gar bis zu 250 Teilnehmer möglich.

Spiele in Teams

Weil auf die Schnelle niemand zugegen war, habe ich eine Runde Minesweeper mit mir selbst gespielt:

Minesweeper in Teams

Die Idee dahinter ist eine ganz simple: Das gemeinsame Spiel soll den Teamgeist fördern, die Leute auflockern und so letztlich für produktivere Meetings sorgen.

Ich ahnte, wie die Kommentare dazu ausfallen würden: Viele würden das für eine bescheuerte Idee halten, für einen Zeitvertreib bei langweiligen Meetings usw., und ich muss ganz ehrlich zugeben, dass meine allererste Reaktion ebenfalls in diese Richtung ging. Ich musste allerdings nur einige Momente und Erinnerungen aus meinem Arbeitsleben reflektieren, um die Idee gar nicht mehr so blöd zu finden.

Was die Arbeit angeht, will ich auf keine Fall mehr in die Vor-Corona-Zeit zurück. Ich genieße es, den Großteil meiner Arbeit von zu Hause erledigen zu können. Die Nachteile liegen allerdings ebenfalls auf der Hand: Der persönliche Kontakt zu den Kollegen leidet. Das wirkt sich bei dem Team, in dem ich in meinem zweiten Leben abseits von Dr. Windows arbeite, nicht so gravierend aus, denn diese Menschen kenne ich alle schon, zum Teil seit vielen Jahren, da gibt es bereits eine solide menschliche Basis. Ich versuche mir aber manchmal vorzustellen, wie das sein muss, wenn zwei Menschen im gleichen Team arbeiten, sich aber noch nie begegnet sind. Das ist ein Problem, dessen Langzeitwirkung derzeit vielleicht noch unterschätzt wird, ich bin gespannt, wie sich das in den kommenden Jahren entwickelt.

Selbstverständlich ist ein gemeinsames Spielchen in Teams keine Lösung für dieses Problem, aber es kann ein Mittel sein, um die Folgen abzumildern. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich: Man kann noch so lange und gut mit jemandem rein geschäftlich zu tun haben: Ab dem Moment, wo man zum ersten Mal abseits der Arbeit zusammen Spaß hatte, steht die Zusammenarbeit auf einer komplett anderen Basis.

Es gab in meinem früheren Team mal einen externen Kontakt, der bei allen Kollegen gefürchtet war. Er war ein schrecklicher Kauz, aber man musste ihn regelmäßig kontaktieren, weil man seine Expertise benötigte – das wusste er und so verhielt er sich auch bei jedem einzelnen Gespräch. Als man mir von ihm erzählte, sagte ich: „Kein Problem, den übernehme ich in Zukunft“. Bei unserem ersten Telefonat begann ich sofort eine private Unterhaltung, fand heraus, was er in seiner Freizeit gerne tut, und ließ ihn davon erzählen. Fortan freute er sich jedes Mal, wenn ich ihn anrief. Meine damals neuen Kollegen hielten mich für eine Art Voodoo-Magier, dabei war das gar keine Zauberei. Ich hatte lediglich die menschliche Komponente für einen Moment in den Vordergrund gestellt. Unser erstes Gespräch war nicht produktiv, die darauffolgenden dafür umso mehr.

In diese Kategorie fallen für mich auch die „Spiele für die Arbeit“. Ein paar Minuten gemeinsamer Spaß zu Beginn eines Meetings können für den weiteren Verlauf durchaus Wunder wirken.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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