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Surface Duo 2 im Test: Android in seiner vielleicht produktivsten Form

Surface Duo 2 im Test: Android in seiner vielleicht produktivsten Form

Die Vorstellung des ersten Surface Duo war eine echte Überraschung. Im Oktober 2019 präsentierte Microsoft sein Dual Screen Smartphone, das ja eigentlich gar kein Smartphone sein will, der überraschten Öffentlichkeit. Nun liegt die zweite Generation vor, die viele Dinge besser macht und nur noch wenig Schwachpunkte aufweist.

Ich würde sogar so weit gehen und behaupten: Wenn das Einsatz-Szenario passt, dann ist das Surface Duo 2 das derzeit produktivste Android-Gerät. Dazu kommt, dass man mit der zweiten Generation auch durchaus Spaß haben kann. Ein pauschales Urteil zu fällen, ist allerdings unmöglich, denn da ist einerseits der Vorteil der beiden Bildschirme und andererseits die umständliche Handhabung, wenn man das Surface Duo 2 im klassischen Single Screen Betrieb nutzen möchte. Je nachdem, was aufgrund der individuellen Nutzung schwerer wiegt, wird man das Gerät daher als super effektiv und gelegentlich unhandlich beurteilen – oder eben genau umgekehrt.

Bevor wir uns das Surface Duo 2 im Detail anschauen, werfen wir wie üblich einen Blick auf die technischen Daten:

  • CPU: Qualcomm Snapdragon 888
  • RAM: 8 GB
  • Nutzspeicher: 128/256/512 GB
  • Display: 2x 5,8 Zoll, 1.344 x 1.892 Pixel, 90 Hz, max. Helligkeit 800 nits
  • Konnektivität: 5G, NFC, Bluetooth 5.1, WiFi 6
  • SIM: Nano-SIM, eSIM
  • Anschlüsse: 1x USB-C 3.2
  • Biometrie: Fingerabdruck-Scanner im Power-Button
  • Stiftunterstützung: Kompatibel mit Surface Pen (alle verfügbaren Modelle)
  • Audio: Stereo-Lautsprecher, Dual-Mikrofon mit KI-basierter Echo- und Rauschunterdrückung
  • Hauptkamera: Triple-Kamera mit 12/12/16 MP (Weitwinkel, Tele, Ultra-Weitwinkel), LED-Blitz
  • Frontkamera: 12 MP
  • Akku: 4340 mAh
  • Maße: 145,2 x 184,5 x 5,5 mm (geöffnet), 145,2 x 92,1 x 11 mm (geschlossen)
  • Gewicht: 284 Gramm
  • Farben: Silber/Weiß (Verkaufsbezeichnung „Gletscher“), Schwarz („Obsidian“)
  • Preise: 1.599 € (128 GB), 1.699 € (256 GB), 1.899 € (512 GB)

Das erste Surface Duo war schon bei seiner Vorstellung im Oktober 2019 nicht auf der Höhe der Zeit, was die Hardware-Spezifikationen angeht. Als es ein Jahr später auf den Markt kam, galt das logischerweise umso mehr. Das Surface Duo 2 hingegen präsentiert sich mit Spezifikationen, die vollständig „Up to Date“ sind, es unterstützt außerdem 5G und NFC, was der ersten Generation ebenfalls fehlte.

Design, Ausstattung, Haptik

Von den Unzulänglichkeiten bei Hard- und Software abgesehen, war das erste Surface Duo ein echter Hingucker. Das schlichte und doch elegante Design und die einzigartigen Scharniere zogen die Blicke auf sich, noch dazu war es beinahe unfassbar dünn.

Was die reine Optik angeht, büßt das Surface Duo 2 auf den ersten Blick viel von diesem Charme ein. Die Dicke der beiden Gehäusehälften steigt von 4,8 auf 5,5 mm, dazu gesellt sich der unschöne Kamerabuckel – rein optisch ist das Duo 2 ein klarer Rückschritt.

Vollständig aufgeklappt liegen die beiden Hälften des Surface Duo 2 nun nicht mehr aufeinander, allerdings hat Microsoft das Kameramodul leicht angeschrägt, sodass hier zumindest nichts verkantet. Im vollständig aufgeklappten Single Screen Modus stört das durchaus ein wenig, allerdings weit weniger, als ich das befürchtet hatte und man anhand des Fotos vielleicht vermuten würde.

Im Zusammenspiel mit dem um 34 auf jetzt 284 Gramm gestiegenen Gewicht wirkt das Surface Duo 2 allerdings nun wesentlich robuster. Beim Duo der ersten Generation hatte ich immer das Bedürfnis, vorsichtig damit umzugehen, ich hatte Schwierigkeiten, Vertrauen zu dem Gerät aufzubauen, weil es fast fragil wirkte – was es vielleicht sogar war, wie uns Berichte über gebrochene Gehäuse rund um den USB-C Anschluss zeigten. Diese Angst hat man nun nicht mehr, auch weil die Scharniere noch einen Tick geschmeidiger laufen als beim Vorgänger.

Außen ist das Surface Duo weiterhin aus Glas, das wirkt nach wie vor schick, ich würde aber zumindest zum Vergleich gerne mal eine Variante mit dem „typischen“ Surface-Gehäuse sehen bzw. fühlen. Außen kommt Corning Gorilla Glas zum Einsatz, die Displays werden von dem noch widerstandsfähigeren Corning Victus geschützt.

Surface Duo zugeklappt

(weil ich das Bild bereits in einem anderen Artikel verwendet hatte und es Irritationen auslöste: Die schwarzen Striche oben, unten und an der Seite sind keine Aussparungen im Gehäuse, sondern Reflektionen).

Zu den Rändern hin sind die Gehäuse und vor allem die beiden Displays nun stärker abgerundet. Die Folgen davon besprechen wir gleich im entsprechenden Abschnitt.

Last but not least: Den Fingerabdruck-Scanner hat Microsoft beim Surface Duo 2 nun in den Power-Button integriert, das ist definitiv eine Verbesserung. Er arbeitet schnell und zuverlässig.

Display(s)

Die Größe der beiden Displays ist beim Surface Duo auf 5,8 Zoll angewachsen (vorher 5,6). Sie bieten eine Auflösung von 1.344 x 1.892 Pixel, zusammengerechnet ergibt sich daraus theoretisch eine Gesamtfläche von 8,3 Zoll mit 2.688 x 1.892 Pixel. Geblieben ist aber der Spalt zwischen den beiden Bildschirmen, der nun zwar kleiner geworden ist und in der Mitte nur noch 67 statt vorher 84 Pixel verschluckt, die stärkere Rundung der Displays macht diesen Gewinn aber wieder zunichte. Das spielt jedoch ohnehin keine Rolle, denn so oder so eignet sich das Surface Duo 2 nach wie vor nicht, um Fotos oder Filme im Tablet-Modus zu schauen oder Dokumente im Querformat zu lesen. Es ist eben ein Dual Display Gerät und kein Foldable.

Die Bildqualität an sich ist überragend. Die Displays unterstützen HDR und bieten eine 100%ige Abdeckung des sRGB Farbraums, dank 90 Hz fühlt sich auch alles immer sehr flüssig an. Leider fehlt eine Option, um die Frequenz auf 60 Hz zu reduzieren und so Energie zu sparen.

Mit einer maximalen Helligkeit von 800 nits bleiben die Inhalte auch im hellen Tageslicht jederzeit gut lesbar.

Die abgerundeten Displays ermöglichen eine Funktion, die Microsoft auf den Namen „Glance Bar“ getauft hat. Nach wie vor besteht beim Surface Duo 2 bauartbedingt das Problem, dass man es bei quasi jeder Gelegenheit aufklappen muss. Die Glance Bar sorgt hier für ein klein wenig Abhilfe, denn sie zeigt eingehende Benachrichtigungen von Teams und Outlook sowie ankommende und verpasste Anrufe an und kann außerdem beim Aufladen den Ladefortschritt signalisieren.

Surface Duo 2 mit Glance Bar

Der Ansatz der Glance Bar ist super und ausbaufähig. Genau das muss aber auch passieren, wenn daraus ein wirklich sinnvolles Feature werden soll. Aktuell gibt es nicht einmal eine API, an die Entwickler mit ihren Apps andocken können, die Glance Bar zeigt also nur an, was Microsoft selbst implementiert. Es ist in dieser Form daher eher ein Gimmick und ein Proof of Concept, das uns zeigt, dass hier etwas Interessantes entstehen könnte.

Performance und Software

Die Performance des ersten Surface Duo war schlecht, das hatte ich in meinem Testbericht seinerzeit deutlich herausgestrichen. Sie war sogar so schlecht, dass dies mit dem veralteten Prozessor allein nicht zu erklären war.

Im Surface Duo 2 steckt ein Snapdragon 888, und nun drehen wir den Spieß um: Die Performance ist so viel besser, dass ich erneut sicher bin: Es liegt nicht nur am Prozessor. Ob die Optimierungen in Android 11 dafür verantwortlich sind, ob Microsoft an der Systemsoftware Verbesserungen vorgenommen hat oder ob es am Ende eine Kombination mehrerer Faktoren ist, spielt keine Rolle, fakt ist jedenfalls: Das Surface Duo 2 ist eine Rakete. Was die Alltagsperformance angeht, steckt es mein Galaxy Z Flip3, in dem der gleiche Prozessor werkelt, ganz locker in die Tasche.

Ebenfalls fast verschwunden sind die zahlreichen Kinderkrankheiten, die beim Surface Duo der ersten Generation noch zu beklagen waren. Die gerätetypischen Gesten wie das Aufspannen einer App über beide Bildschirme oder das Verschieben von einem Bildschirm zum anderen gehen jetzt flüssig von der Hand. In den ersten Reviews aus den USA hatte es diesbezüglich immer noch Kritik gegeben, auch von einer unzuverlässigen Touchbedienung konnte man lesen. In der Tat kam das Surface Duo 2 in genau diesem Zustand bei mir an, aber mit dem ersten Firmware-Update, das wenige Tage nach dem Verkaufsstart in Deutschland ausgerollt wurde, wurden diese Fehler praktisch ausgemerzt.

Das soll nicht heißen, dass es bei der Bedienung keinerlei Probleme gibt. Nach wie vor gilt, dass die Gesten eine gewisse Übung erfordern und diverse Dinge nicht optimal gelöst sind. Die Übersicht der geöffneten Apps aufzurufen, gestaltet sich nach wie vor hakelig, und mehrfach habe ich dabei versehentlich die aktive App ins Aus geschossen.

Der Einstellungsbereich wurde grundlegend überarbeitet und bietet nun Zugriff auf alle gerätetypischen Einstellungen und Funktionen. Als neuer Besitzer eines Surface Duo 2 sollte man sich in aller Ruhe einen Abend Zeit nehmen, um diesen Bereich zu erkunden und mit den Einstellungen zu spielen, hier gibt es viel zu entdecken und zu lernen, wenn man das Gerät optimal ausreizen möchte.

Surface Duo 2 Einstellungen

Eine der Neuerungen ist beispielsweise die Möglichkeit, Apps beim Start automatisch über beide Bildschirme zu strecken. Das ist überall dort sinnvoll, wo die Apps entsprechend optimiert sind. Die Micrsoft-Apps Outlook, Teams, OneDrive oder To Do sind geeignete Kandidaten.

Ich verweise in diesem Zusammenhang gerne auf meinen Artikel Optimierte Apps für das Surface Duo: Eine Übersicht, der nach wie vor aktuell ist. Leider, muss man sagen, denn die Liste ist nicht signifikant länger geworden.

Bei einigen Apps wurde allerdings die bereits vorhandene Unterstützung verbessert. Mit der Kindle App liest man mit dem Surface Duo 2 nun wie in einem Buch, mit hübschen Animationen beim Umblättern.

Mit Gameloft steigt außerdem ein neuer Partner in den Ring. Die Spiele Asphalt 9, Modern Combat 5 und Dungeon Hunter 5 wurden für Dual Screen optimiert, in Asphalt 9 befinden sich beispielsweise die Touch-Bedienelemente sowie die Map auf dem unteren Bildschirm. Das macht Laune.

Asphalt 9 auf dem Surface Duo 2

Beim Fotografieren werden die beiden Bildschirme des Surface Duo 2 ebenfalls clever genutzt. Während der eine Bildschirm die Kamera-App zeigt, ist auf dem anderen das zuletzt aufgenommene Foto in voller Bildschirmgröße zu sehen.

Die Beurteilung der Kamera des Surface Duo 2 habe ich in einen eigenen Beitrag ausgelagert, um an dieser Stelle den Rahmen nicht komplett zu sprengen. Siehe dazu hier: Die Kamera des Surface Duo 2: Besser und fast gut genug

Last but not least sei ein Feature erwähnt, das ich mir generell für alle Android-Smartphones wünschen würde: Der Bereich „Fotos“ der OneDrive-App ist auf dem Surface Duo 2 als eigene Verknüpfung auf dem Startbildschirm abgelegt. Das ist zwar nicht ganz die eigene Fotos App, die ich mir von Microsoft für Android wünschen würde, aber definitiv eine Erleichterung.

Akkulaufzeit

Zu den wenigen positiven Überraschungen, die das Surface Duo zu bieten hatte, gehörte die Akkulaufzeit. Die zweite Generation knüpft daran an. Obwohl Displays bekanntermaßen der größte Stromfresser sind und das Surface Duo 2 deren zwei besitzt, überzeugt es mit einer ordentlichen Laufzeit.

Ich kam jederzeit problemlos über den Tag und hatte im schlechtesten Fall am späten Abend noch 12 Prozent Akkukapazität übrig. Die Laufzeit hängt logischerweise immer stark vom persönlichen Nutzungsverhalten ab, zum Vergleich kann ich aber sagen: Mit meinem Galaxy Z Flip3 habe ich bislang noch nicht einen einzigen Tag überstanden, ohne zwischendurch nachladen zu müssen.

Stift

Das Surface Duo 2 ist mit allen Varianten des Surface Pen ab dem Surface Pro 3 kompatibel. Der Surface Slim Pen 2 passt allerdings am besten zu dem Gerät, weil er sich beispielsweise zwischen die beiden Displays klemmen lässt.

Man kann den Surface Slim Pen auch außen magnetisch am Gehäuse andocken, und in Verbindung mit dem separat erhältlichen Cover kann man ihn auch laden.

Man kann den Stift als Bedienhilfe oder eben für die handschriftliche Eingabe verwenden. Innerhalb des Microsoft-Ökosystems sind da selbstverständlich OneNote und das Whiteboard zu nennen, seit einem kürzlichen Update kann man auch mit Outlook handgeschriebene E-Mails verschicken.

Insgesamt ist der Stift kein Killer-Feature für das Surface Duo 2, da ich aber gleichzeitig das Surface Pro 8 im Einsatz hatte, erzeugte der Stift eine Art Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen den beiden Geräten. Genau so soll das auch sein.

Das Fazit

Wie eingangs schon erwähnt, ist das Surface Duo 2 ein Produktivitäts-Booster. Vorausgesetzt, man nutzt die Möglichkeiten der beiden Bildschirme auch voll aus.

Für mich persönlich überwiegen objektiv die Nachteile – ich benötige meistens einfach nur ein Smartphone, und da ist das Duo 2 dann eben zu oft zu umständlich. Trotzdem überkam mich während der Testphase immer mal wieder die Kauflust und eine innere Stimme sagte „nun kauf es halt, du wirst dich schon dran gewöhnen“.

Davon abgehalten hat mich – bis jetzt – der nach wie vor knackige Preis. Das Surface Duo 2 liegt auf dem Niveau des Galaxy Z Fold3, ist also relativ gesehen nicht hoffnungslos überteuert – aber mindestens 1.600 Euro sind dennoch eine ganze Menge Geld.

Blendet man die Entscheidung „kaufen oder nicht kaufen“ aus, so kann man objektiv feststellen, dass das Surface Duo 2 ein Meilenstein auf dem Weg zum perfekten Dual Screen Gerät ist.

Man zieht immer wieder gerne Vergleiche zum Surface Pro, das mit der dritten Generation erwachsen wurde. Während es zwischen dem ersten und zweiten Surface Pro allerdings kaum Unterschiede gab, liegen zwischen dem Surface Duo und dem Duo 2 Welten. Wenn beim Surface Duo 3 noch ein paar Kleinigkeiten verbessert werden, die Kamera nochmals zulegt und man vielleicht noch Platz für drahtloses Laden findet, werde ich wohl nicht mehr dran vorbeikommen.

Disclaimer: Das Testgerät wurde von Microsoft leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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