Surface Pro X 2020 im Test: Ein Jahr voller Fortschritte

Surface Pro X 2020 im Test: Ein Jahr voller Fortschritte

Ab heute ist das neue Surface Pro X im Handel. Das 2020er Modell des Windows on ARM Tablets kommt mit dem Microsoft SQ2 Prozessor und in der klassischen Surface-Farbvariante „Platin“. Ich habe das neue Gerät seit rund zwei Wochen im Einsatz und möchte ein erstes Fazit ziehen: Die Änderungen bei der Hardware sind marginal und die neue Farbe des Gehäuses ist fast schon die gravierendste Änderung. Das Gesamtpaket Windows on ARM ist aber gleichzeitig sehr viel besser geworden.

So lange die 64 Bit Emulation noch nicht verfügbar ist, darf man keine „uneingeschränkte Empfehlung“ aussprechen, nach wie vor muss der Kunde genau wissen, was er kauft, wenn er sich für ein Gerät mit Windows on ARM entscheidet. Die Zeit des Belächelns von Windows on ARM aber ist endgültig vorbei.

Damit habe ich das Fazit vorweggenommen, lasst uns nun über die Details sprechen.

Was kann der „neue“ Microsoft SQ2?

In der ersten Generation des Surface Pro X steckte der Microsoft SQ1, der in Kooperation mit Qualcomm auf Basis des Snapdragon 8cx entwickelt wurde. Inzwischen gibt es die zweite Generation des 8cx, und im Surface Pro X steckt nun der Microsoft SQ2. Alles klar, oder?

So einfach ist es aber gar nicht. Die zweite Generation des 8cx unterstützt 5G und WiFi 6, diese Merkmale fehlen dem Surface Pro X leider weiterhin. Es ist also davon auszugehen, dass der „SQ2“ eine wie auch immer nur leicht modifizierte Version des SQ1 ist. Dazu passt, dass sich Microsoft zu den Details des Prozessors ausschweigt.

Unser Community-Mitglied Tourniquet hat mich freundlicherweise beim Vergleichen unterstützt, er besitzt das Vorjahresmodell mit SQ1 Prozessor. Üblicherweise halte ich nichts von Benchmarks, in diesem Fall war das aber der beste Weg, um objektiv zu ermitteln, wie groß die Unterschiede sind.

Oder besser gesagt: Wie groß die Unterschiede wären, wenn es welche gäbe. Wir haben insgesamt drei verschiedene Benchmarks ausprobiert. Nachfolgend sind jeweils die besten Ergebnisse genannt, es wurden aber selbstverständlich mehrere Durchläufe gemacht und als vereinfachtes Fazit kann man festhalten, dass die Ergebnisse identisch sind.

Surface Pro X 2020 in Platin

Browser-Benchmark Jetstream 2

  • Surface Pro X 2019 mit SQ1: 89.614
  • Surface Pro X 2020 mit SQ2: 90.664

Antutu Benchmark

  • Surface Pro X 2019 mit SQ1: 286.740
  • Surface Pro X 2020 mit SQ2: 286.271

Geekbench 4

  • Surface Pro X 2019 mit SQ1: 3.530 (Single Core), 11.927 (Multi Core)
  • Surface Pro X 2020 mit SQ2: 3.627 (Single Core), 12.042 (Multi Core)

Mehr Leistung scheint der SQ2 auf den ersten Blick also nicht zu bieten. Es hat andere Gründe, warum sich Windows on ARM inzwischen so viel besser anfühlt.

Mehr native Software, bessere Emulation

Was das Surface Pro X zu einer besseren Option macht als noch vor einem Jahr, hat wenig mit dem Gerät selbst zu tun, und das wiederum ist eine gute Nachricht für die Plattform Windows on ARM und alle anderen Geräte, die darauf basieren.

Als das Surface Pro X im letzten Jahr auf den Markt kam, war Microsoft Edge noch nicht final als native ARM-Version verfügbar. Das hat sich inzwischen geändert, auch Microsoft Teams gibt es seit Kurzem als ARM-Variante, was einen fulminanten Unterschied bei der Performance macht.

Selbstverständlich nutze ich nach wie vor viele Programme, die durch die Win32-Emulation müssen. An meinem persönlichen Software-Setup hat sich gegenüber dem letzten Jahr nicht viel geändert, im Wesentlichen nutze ich immer noch die gleichen Programme. Die Emulation funktionierte damals schon recht gut, lediglich SnagIt nahm sich immer mal wieder eine Auszeit oder blieb einfach für mehrere Sekunden stehen. Das passiert jetzt nicht mehr.

Überhaupt sind die Mini-Aussetzer, die ich unter Windows on ARM mit dem Surface Pro X im letzten Jahr immer mal wieder zu verzeichnen hatte, verschwunden. Ob das nun an der Hardware liegt, an Windows oder an einer verwendeten Software, vermag ich nicht zu sagen, aber ich nehme es zufrieden zur Kenntnis.

Selbstverständlich sind wir noch nicht am Ziel. Adobe hat beispielsweise sein Versprechen, native Versionen seiner Kreativ-Software auf Windows on ARM zu bringen, noch immer nicht eingelöst. 64 Bit Windows-Software funktioniert weiterhin nicht, die Emulation soll aber noch in diesem Jahr in den Testbetrieb gehen.

Signature Keyboard: Hochwertiger, stabiler und mit besserem Trackpad

Surface Pro X 2020 Keyboard

Das „Signature Keyboard“ des Surface Pro X gibt es nicht nur in neuen Farben Platin, Eisblau und Mohnrot, es wurde auch technisch weiterentwickelt. Im letzten Jahr habe ich mich noch sehr über das laute Klickgeräusch des Trackpads geärgert, obwohl alle anderen Surface-Geräte bereits ein überarbeitetes, deutlich leiseres Trackpad hatten. Dieses Ärgernis ist ebenso beseitigt wie jenes, dass die Taskleiste bei der Nutzung des Surface Pro X auf dem Schoß teilweise verdeckt wird, weil das Cover am Übergang zum Bildschirm zu weich und wackelig ist. Das waren zwei echte Schwachpunkte der letztjährigen Tastatur, diese sind nun beseitigt.

Last but not least bieten die neuen Signature Keyboards nun auch die Alcantara-Oberfläche, die man vom Surface Pro gewohnt ist, wodurch sie sich erheblich hochwertiger anfühlen als die fast schon billig anmutende Version vom letzten Jahr.

Surface Pro X: In Platin schöner

Farben sind bekanntlich Geschmackssache, mir persönlich gefällt das Surface Pro X in Platin jedenfalls sehr viel besser als in Schwarz. Normalerweise sagt man ja „Schwarz macht schlank“, aber ich würde behaupten, dass die helle Version noch etwas graziler wirkt. Dazu kommt, dass diese Farbvariante deutlich unempfindlicher gegen Staub und Fingerabdrücke ist, die das schwarze Surface regelrecht magnetisch anzieht.

Surface Pro X 2020 in Platin

Fazit

Ich habe den Verdacht, dass der „Microsoft SQ2“ im Surface Pro X im Wesentlichen ein Etikettenschwindel ist, weil Microsoft irgendeine Eigenschaft gebraucht hat, die ein neues Modell rechtfertigt.

Wenn das tatsächlich so ist, dann sei ihnen das direkt wieder verziehen, man möchte ihnen zu diesem Stunt sogar gratulieren. Der „neue“ Prozessor lenkt die Aufmerksamkeit auf ein Gesamtpaket, das in den letzten 12 Monaten einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht hat und nun beinahe in der Mitte der PC-Gesellschaft angekommen ist.

Im letzten Jahr konnte ich oft den Spruch hören „gebt uns dieses Design mit einer Intel CPU, und alles ist gut“, dann möchte ich in diesem Jahr sagen: „gebt uns die 64 Bit Emulation, und alles ist gut“.

Selbstverständlich bleibt das Surface Pro X nach wie vor ein teurer Spaß. Man muss es wollen und es muss zum eigenen Nutzungs-Szenario passen, dann bekommt man für sein Geld eines der zweifellos schönsten Windows-Geräte. Das Beste aber ist: Wer zu einer günstigeren Variante des Surface Pro X und einem der neuen Keyboards greift, der kommt ebenso in den Genuss der beschriebenen Fortschritte.

Technische Daten des Surface Pro X

  • Display: 13 Zoll PixelSense Display, 2.880 x 1.920 Pixel (148 PPI), 3:2, Multi-Touch
  • CPU: Microsoft SQ1 oder SQ2
  • RAM: 8 oder 16 GB
  • Speicher: 128, 256 oder 512 GB SSD (wechselbar)
  • WiFi 5
  • Bluetooth 5.0
  • LTE via NanoSIM oder eSIM
  • Kameras: 5 MP Frontkamera mit Windows Hello, 10 MP Kamera auf der Rückseite
  • Mikrofon: 2 Far Field Microfone
  • Dolby Audio Sound
  • Anschlüsse, 2x USB-C 3.2, 3,5mm Audio, Surface Connect
  • Betriebssystem: Windows 10 Home oder Pro
  • Netzteil: 60 Watt
  • Akkulaufzeit: bis zu 15 Stunden (offizielle Angabe, in der Praxis etwa 10-11 Std.)
  • Maße: 287x208x 7.3 mm
  • Gewicht: 774 Gramm (ohne Tastatur)
  • verfügbare Farben: Schwarz, Platin
  • verfügbar ab: 27. Oktober 2020 (betrifft die neuen Modelle)

Preise und Ausstattungsvarianten:

Für Privatkunden:

  • 16 GB RAM / 256 GB SSD / Microsoft SQ2 / Windows 10 Home: 1.656,17 €
  • 16 GB RAM / 512 GB SSD / Microsoft SQ2 / Windows 10 Home: 1.997,34 €
  • Surface Pro X Signature Type Cover mit Slim Pen in Eisblau, Mohnrot oder Platin: 287,99 €

Für Geschäftskunden:

  • 16 GB RAM / 256 GB SSD / Microsoft SQ2 / Windows 10 Pro: 1.753.,65 €
  • 16 GB RAM / 512 GB SSD / Microsoft SQ2 / Windows 10 Pro: 2.094,82 €
  • Surface Pro X Signature Type Cover mit Slim Pen in Eisblau, Mohnrot oder Platin: 287,99 €

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Disclaimer: Enthält Affiliate Links. Microsoft hat mir das Testgerät leihweise zur Verfügung gestellt. Eine Einflussnahme auf den Test oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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