Telegram: Kryptowährung Gram soll bis Ende Oktober kommen

Telegram: Kryptowährung Gram soll bis Ende Oktober kommen

Kryptowährungen werden weltweit immer populärer und finden auch in der klassischen Softwarewelt immer mehr Anklang. Die beiden Browser Brave und Opera setzen für die Zukunft stark hierauf, Facebook bringt mit Libra seine eigene Währung auf den Markt und auch BitTorrent, welches vor einiger Zeit von der Tron Foundation übernommen wurde, arbeitet mittlerweile an weiteren Geschäftsmodellen auf dieser Basis. Auch beim beliebten Messenger Telegram, der bisher rund 300 Millionen Nutzer vorweisen kann und aktuell stark wächst, arbeitet man bereits seit längerer Zeit an der eigenen Kryptowährung Gram – und muss nun bald liefern, sollen bereits gezahlte Investorengelder nicht verfallen.

Erste Ankündigungen zu Gram machte Pavel Durov, der Chef hinter Telegram und Mitbegründer des russischen Netzwerks VKontakte, schon Anfang 2018. Seitdem hat das Unternehmen von über 100 Investoren bisher rund 1,7 Milliarden US-Dollar an Kapital eingesammelt und kann dabei auch einige der größten Risikokapitalgeber des Silicon Valley zu seinen Geldgebern zählen. Bis zum 31. Oktober 2019 muss Telegram allerdings die ersten Chargen seiner digitalen Währung in den Kreislauf bringen, ansonsten hat sich das Unternehmen verpflichtet, die bisherigen Investitionen an die Investoren zurück zu zahlen.

Gram ist als kommende Kryptowährung allerdings nicht unumstritten. Experten äußerten bereits vor längerer Zeit Sicherheitsbedenken und mahnten auch an, dass Gram nicht an eine stabile, reale Währung gekoppelt ist und – ähnlich wie Bitcoin – sehr starken Kursschwankungen unterliegen könnte. Auch in der eigentlichen Crypto-Community zog Telegrams Prestigeprojekt seine Kritiker auf sich. Trotzalledem verfolgen die Entwickler weiter ambitionierte Pläne. Mit dem Telegram Open Network sollen einmal völlig neue Dienste auf Basis einer dezentralen Infrastruktur entstehen und Telegram keine Kontrolle darüber erlauben, wie und wohin Gram innerhalb des Netzwerks fließen. Die dezentrale Infrastruktur soll außerdem garantieren, dass sich kein staatlicher Einfluss aufbauen kann und eventuelle Einschränkungen leicht zu umgehen sind.

Letztlich möchten Pavel Durov und seine Mitarbeiter nicht weniger als eine völlig neue Wirtschaft auf Basis von Kryptowährungen ermöglichen, die mit Waren und Dienstleistungen gesättigt ist. Ob Gram tatsächlich im großen Stil einschlagen wird – oder besser – einschlagen kann, wird sich noch zeigen müssen. Seitdem Facebook mit Libra seinen eigenen Vorstoß gemacht hat, werden schließlich auch Regierungen, Finanzaufsichten und andere Regulierungsbehörden verstärkt auf die Kryptoszene aufmerksam.

Über den Autor
Kevin Kozuszek
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Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden, daneben schlägt mein Herz aber auch für die OpenSource-Welt, wo mein besonderes Interesse der Mozilla Foundation gilt. Wenn ich mich mal nicht mit Technik beschäftige, tauche ich gerne in die japanische Kultur mit all ihren Facetten ab oder widme mich einem meiner zahlreichen anderen Hobbies.

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Kommentare
  1. Jeder will ein Stück vom Kuchen, albern. Dabei ist der Krempel nicht mal sicher insgesamt geschweige überhaupt generell nutzbar. Zahl mal 2,99 Euro in BC, die zeigen dir nen Vogel. Schattenwährungen haben mMn eh nur einen Zweck.
    @.Bernd: Da hast Du aber Glück, daß hier kein Hotspot der Krypowährungs-Jünger ist wie bei Heise. Sonst wärst Du längst virtuell gesteinigt worden für diese Kryptowährungslästerung.
    War wohl nur eine Frage der Zeit bis Facebook Trittbrettfahrer finden würde. Immerhin hat das auch sein Gutes. Diese "Währungen" machen sich alle Konkurrenz und am Ende bleiben wieder die echten Währungen übrig. Ich verstehe sowieso nicht, wieso sich etwas Währung schimpfen darf, dessen Marktkapitalisierung es zum Spekulationsobjekt Nummer eins macht.
    build10240
    War wohl nur eine Frage der Zeit bis Facebook Trittbrettfahrer finden würde. Immerhin hat das auch sein Gutes. Diese "Währungen" machen sich alle Konkurrenz und am Ende bleiben wieder die echten Währungen übrig. Ich verstehe sowieso nicht, wieso sich etwas Währung schimpfen darf, dessen Marktkapitalisierung es zum Spekulationsobjekt Nummer eins macht.

    Mit Facebook hat das aber wenig zu tun, denn einige Ansätze wie Brave gab es schon Jahre vor Libra. Außerdem muss man sauber trennen zwischen den kommerziellen Interessen, die Facebook oder Opera verfolgen, und der eigentlichen Crypto-Community, die den Stein einst ins Rollen gebracht hatte. Letztere ist ja erstmal eine Splittergruppe der klassischen OpenSource-Community, wobei es bei der auch nicht primär alleine um Kryptowährungen geht, sondern vor allem um Kryptographie an sich, Dezentralisierung und vor allem das Umgehen vom staatlichen Einfluss und die Verhinderung von Zensur bzw. Einschränkung der Meinungsfreiheit. Im Zuge dessen wurde ja auch viel eigene Technologie entwickelt, darunter das Netzwerkprotokoll "dat://" oder das dezentrale Dateisystem IPFS. Und wie Thunderbird damals noch nicht abgesichert war, hatte gerade die Crypto-Community ein riesiges Interesse am Mailclient und wollte eine größere Kontrolle. Wurde dann verhindert, indem Thunderbird rechtlich und fiskalisch bei Mozilla geblieben ist.
    Kryptowährungen haben vor allem das Problem, dass sie hochspekulativ und nicht reguliert sind. Das ist völlig egal, ob die Währung nun Ethereum, Bitcoin, Tron, Monero, Gram, Libra, Litecoin, BAT oder Bitcoin Cash heißt: Am Ende geht von ihr ein ähnlich hohes Risiko aus wie damals in der Finanzkrise, wo zuvor oft mit Schrottpapieren gehandelt wurde. Meistens haben sie einfach keinen gesicherten und vor allem stabilen Gegenwert und wenn du dann konkurrierende Communities hast, die zum Beispiel zwischen Bitcoin und Bitcoin Cash damals zueinander inkompatible Hardforks machen, dann wird es erst richtig riskant.
    Offen gesagt: Ich habe grundsätzlich ein Problem damit, Software einzusetzen, die direkt oder indirekt mit Kryptowährungen anbändelt. Bei den Browsern setze ich mittlerweile nur noch auf Chrome, Firefox, Vivaldi und den neuen Microsoft Edge und verzichte neben Brave mittlerweile auch auf Opera, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Wie das sich jetzt mittelfristig bei Telegram verhalten wird, wird die Zeit zeigen müssen.
    Eigentlich total bekloppt wenn jeder mit einer eigenen Währung aufläuft.....und mir will noch nicht ganz einleuchten, wozu ich das benötigen könnte.
    @Kevin:
    Wo siehst du den ein Problem, wenn eine Software mit einer Kryptowährung im Zusammenhang steht?
    I
    So wie es Scripte gibt in Webseiten, um zu schürfen, könnte man solche Routinen auch in Browser einbauen - und Benutzer merkt es nicht. Miner sind verdammt teuer, warum nicht Millionen von Benutzerrechnern missbrauchen?
    Okay, danke.
    Dann sind die "selbstlosen" Zeiten von Telegram wohl bald vorbei...?
    Kann man das irgendwie überprüfen?
    Ace
    @Kevin:
    Wo siehst du den ein Problem, wenn eine Software mit einer Kryptowährung im Zusammenhang steht?
    I

    Abgesehen davon, dass das Schürfen von Bitcoin und Co. eine riesige Ressourcenverschwendung und Umweltverschmutzung ist, kommt es auch immer darauf an, wie eine Software darauf basiert bzw. daraus entsteht. Brave ist zum Beispiel das unmittelbare Produkt dessen, dass Brendan Eich nach seiner kontroversen Spende damals bei Mozilla gehen musste und kurz danach sein eigenes Unternehmen gründete mit der Spitze, dass der Ansatz von Mozilla bei Firefox viel zu lasch ist. Brave ist an sich ja auch ein OpenSource-Projekt, aber das Unternehmen dahinter ist keine Non-Profit-Organsation wie Mozilla, sondern will ganz normal Geld verdienen. Ähnlich ist das bei BitTorrent, die von der Tron Foundation übernommen wurden, da alle anderen legalen Monetarisierungsversuche im Sande verlaufen sind. Und bei Opera, Facebook oder eben Telegram sind das harte wirtschaftliche Interessen, nicht mehr, nicht weniger.
    Man darf ja eines nicht vergessen: Ursprünglich war Telegram auch eine Non-Profit-Organisation, die mit Mozilla vergleichbar war. Erst hatte sie ihren Sitz in Berlin, irgendwann war sie dann in London registriert. Irgendwann kam Pavel Durov dann auf die Idee, dass man mit Kryptowährungen auch gutes Geld verdienen kann, und seit gut anderthalb Jahren schrauben sie jetzt an ihren ambitionierten Plänen. Mittlerweile sitzen sie überwiegend in Abu Dhabi (oder Dubai?... weiß es gerade nicht genau...) und die Telegram Messenger LLP, die als Non-Profit-Organisation deklariert war, ist seit Anfang des Jahres Geschichte. Insofern siehste daran schon, dass die edlen Motive gewichen sind und es wirklich zunehmend um echte Profite gehen wird.
    Dass ich Opera kein Vertrauen mehr schenke, hat aber nur in zweiter Linie mit ihren Kryptoplänen zu tun. Opera selbst ist technisch immer noch ein guter Browser, aber die neue Eigentümerstruktur (das Opera heute ist ein komplett neues Unternehmen, das eigentliche Opera heißt heute Otello) mit Kunlun und Qihoo 360 an der Spitze ist für mich nicht tragbar, hatte ich auch schon innem Artikel verarbeitet. Du kannst ja mal nach Grindr (betrifft Kunlun aus 2018) und WoSign/Startcom (betrifft Qihoo 360 aus 2016) suchen, was in den Fällen passiert ist und was sich die Töchter da geleistet haben.
    .Bernd
    So wie es Scripte gibt in Webseiten, um zu schürfen, könnte man solche Routinen auch in Browser einbauen - und Benutzer merkt es nicht. Miner sind verdammt teuer, warum nicht Millionen von Benutzerrechnern missbrauchen?

    Was es in der Vergangenheit ja schon gab. In Deutschland weiß ich zum Beispiel, dass die Medienseite Quotenmeter mal eine Zeit lang ein Skript ausgeliefert hat, um Monero (?) zum Ausgleich für sinkende Werbeeinnahmen zu schürfen. Und bei der Software ist µTorrent das allerbeste Beispiel.
    Wobei es auch andere Fälle gab, wo die originalen Entwickler mitmal am Rad drehten. Der Fall, der mir da noch lebhaft in Erinnerung geblieben ist, war vor etlichen Jahren der Orbit Downloader. Eigentlich war das ein normaler Downloadmanager, der in direkter Konkurrenz mit dem JDownloader stand. Irgendwann kamen die Entwickler von Innoshock dann auf die Idee, dass man mit der Software auch ein DDoS-Modul ausliefern könnte, und haben damit dann irgendwann DDoS-Attacken in Asien gefahren. War auch so ein Beispiel, dass selbst eigentlich positive Entwickler irgendwann zu Kriminellen werden können.
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