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VelocityOne Flight für Microsoft Flight Simulator ausprobiert

VelocityOne Flight für Microsoft Flight Simulator ausprobiert

Bitte anschnallen, Tische hochklappen und die Sitze aufrecht stellen, wir heben in wenigen Augenblicken ab.

Lange Zeit habe ich den Microsoft Flight Simulator mit dem Xbox-Controller und der Tastatur gespielt, denn nach Erscheinen des Spiels waren sämtliche HOTAS-Steuerungen vergriffen und auch das im letzten Jahr vorgestellte VelocityOne Flight war lange Zeit nicht zu bekommen. Nun hat mir Turtle Beach ein Review-Exemplar zur Verfügung gestellt.

Die Flugsteuerung wurde – wenig überraschend – mit besonderem Augenmerk auf den Microsoft Flight Simulator entwickelt und speziell darauf abgestimmt. Die VelocityOne Flight ist sowohl mit der Xbox als auch mit dem PC kompatibel. Grundsätzlich hebe ich lieber auf der Xbox Series X ab, weil die opulente Grafik auf dem großen Fernseher sehr viel besser zur Geltung kommt, aus Platzgründen musste dieser Test aber am Schreibtisch stattfinden.

Diesbezüglich hatte ich Bedenken, ob die Klemmvorrichtung, mit der die Steuerung befestigt wird, ausreichend flexibel ist, denn ich habe einen Echtholz-Schreibtisch mit einer etwas mehr als sechs Zentimeter dicken Tischplatte. Glücklicherweise war diese Sorge unbegründet, viel Platz war allerdings nicht mehr. Für einen solchen Fall hat Turtle Beach allerdings vorgesorgt und liefert Antirutsch-Pads mit, die man verwenden kann, falls man die Klemmbefestigung nicht nutzen kann oder will. Mit diesen steht das Gerät auf glatten Untergründen ebenfalls stabil.

Die VelocityOne Flight besteht aus zwei Teilen, dem Flugruder und der Schubregler-Einheit. Dieser werden ineinandergesteckt, was aber keine Pflicht ist. Die Verbindung ist rein mechanisch, die Signale fließen über ein USB-C Kabel. Grundsätzlich kann man die beiden Komponenten also auch getrennt voneinander aufstellen. Eine Pedaleinheit gibt es bei dieser Steuerung nicht.

VelocityOne Flight

Die Verbindung zwischen Steuerung und PC oder Konsole erfolgt ebenfalls über ein USB-Kabel. An der linken Seite befindet sich außerdem noch ein 3,5mm Klinkenanschluss für ein Headset.

Anschließen und Losfliegen können mit der VelocityOne Flight vermutlich nur erfahrene Piloten. Grundsätzlich ist erst einmal Lernen angesagt, denn die Bedeutung und Funktion der zahlreichen Buttons, Sticks und Schubregler will verinnerlicht werden, wenn man in die Luft kommen, dort bleiben und wieder sicher zurückkehren möchte.

Zu diesem Zweck liegt ein Poster bei, welches die Zuweisung der Buttons in den jeweiligen Profilen erläutert. Was man auf dem folgenden Bild ebenfalls sehen kann sind die zahlreichen Sticker, mit denen eine individuelle Konfiguration unterstützt wird. Die insgesamt zehn Funktionsknöpfe lassen sich so mit der zugewiesenen Funktion beschriften, dann muss man sie nicht mehr auswendig lernen.

VelocityOne Flight Übersichtsposter

Erschwert wird das Erlernen der Funktionen durch den ärgerlichen Umstand, dass die Standardbelegungen der Buttons auf dem Poster teilweise falsch sind.

Damit leider nicht genug: Im Microsoft Flight Simulator wird eine Illustration der Steuerung gezeigt, die Bezeichnungen der Tasten stimmen aber nicht mit denen überein, die im Optionsmenü für die Steuerung erscheinen, da steht dann z.B. einfach nur „Joystick Taste 1“. Ohne das obige Poster kommt man also nicht weit. Letztendlich habe ich mich zu der Option „Learning bei Doing“ entschlossen und nach 1-2 Stunden war ich dann auch mit allen gängigen Funktionen vertraut.

Tastenbelegung des Velocity Flight One im Microsoft Flight Simulator

Bevor wir mit dem VelocityOne Flight aber nun abheben, noch ein paar allgemeine Worte zur Hardware. Mit Ausnahme der mechanischen Hebel besteht alles an diesem Gerät aus Kunststoff. Es wirkt dennoch nicht unbedingt billig, für den aufgerufenen Preis von 349,99 Euro darf man aber vielleicht doch ein wenig mehr Wertanmutung erwarten. Alles funktioniert, wie es soll, nichts wackelt oder klappert, das ist also eher eine Frage des berühmten „Gesamterlebnisses“.

Das Ruder verfügt zwar über ein Display, dieses zeigt aber lediglich Flugzeit sowie die Zeit am Abflug- und Zielort an, ansonsten zeigt es das Menü für die Einstellungen, über das man beispielsweise die Farbe und Helligkeit der Beleuchtung regeln kann. An dieser Stelle wurde Potenzial verschenkt, wobei selbstverständlich die Frage ist, inwieweit das Spiel überhaupt weitere Möglichkeiten bietet, Informationen zu visualisieren.

VelocityOne Flight

Auf dem obigen Bild macht sich eine Boeing 747 auf dem Fughafen von Kapstadt zum Abflug bereit. Mit diesen großen Vögeln im Microsoft Flight Simulator abzuheben, ist immer wieder ein besonderes Erlebnis.

Ich habe keinen Vergleich zu anderen HOTAS-Steuerungen, wie bereits erwähnt war ich bisher immer nur mit Controller und Maus/Tastatur unterwegs. „Wie kann man nur“, höre ich die Enthusiasten verständlicherweise sagen, und das frage ich mich jetzt auch. Mit einem solchen System zu fliegen, macht so unvergleichlich mehr Spaß und es funktioniert vor allen Dingen auch sehr viel besser.

Sei es die eigentliche Steuerung, die Schubregelung, Trimmung oder was auch sonst – das fühlt sich einfach alles sehr viel „echter“ an. Die Maus sollte aber dennoch immer in Reichweite bleiben, denn zumindest in den Cockpits der großen Flugzeuge gibt es so viele Knöpfe, dass auch die zahlreich vorhandenen Buttons nicht ausreichen, um sie alle mit den entsprechenden Funktionen zu verknüpfen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die VelocityOne Flight eine prima Ergänzung zum Microsoft Flight Simulator ist. Ob die Steuerung den Preis von rund 350 Euro wert ist, das ist vermutlich mal wieder eher eine emotionale denn eine rationale Entscheidung. Wenn man dieses „Spielzeug“ unbedingt haben will, dann greift man eben zu.

Dadurch, dass man nur ein einziges USB-Kabel für die Verbindung mit dem PC oder der Xbox benötigt, ist das Gerät schnell einsatzbereit und auch schnell wieder abgebaut. Xbox Wireless wäre selbstverständlich eine sinnvolle Ergänzung gewesen, im Wohnzimmer könnte das mitgelieferte, etwa zwei Meter lange Kabel erstens im Weg und zweitens zu kurz sein.

Disclaimer: Das hier besprochene Produkt wurde uns vom Hersteller kostenlos überlassen. Eine Einflussnahme auf den Testbericht oder eine Verpflichtung zur Veröffentlichung gab es nicht.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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