Vor Ort in der Cloud: Zu Besuch im Microsoft Datacenter Irland
Im Großraum Dublin betreibt Microsoft sein ältestes Rechenzentrum außerhalb der USA. Zum ersten Mal überhaupt durften Medienvertreter einen Blick ins Innere der „Cloud-Fabrik“ werfen. Ich war einer davon.
Seit 2009 betreibt Microsoft das Datacenter in Irland. Es war seinerzeit das erste auf europäischem Boden und gehört noch immer zu den größten von inzwischen vielen Cloud-Standorten quer über den Kontinent. Besuch ist dort aufgrund der enormen Sicherheitsvorkehrungen grundsätzlich nicht allzu gerne gesehen, die Presse hat man da vorher noch nie hineingelassen.
Ich gehörte zu einer Gruppe von 20 europäischen Medienvertretern, die an dieser Premiere teilnehmen durften. Der Besuch fand, wie man sich vorstellen kann, unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Fünf Dokumente mussten vorab unterschrieben werden, um zu bestätigen, dass man die Sicherheitsvorschriften sowie Ge- und Verbote zur Kenntnis genommen hat.
Sicherheit geht vor
Begrüßt wurde die Gruppe von Noelle Walsh, Microsoft President Cloud Operations + Innovation. Sie zeichnet für die weltweite Cloud-Infrastruktur von Microsoft verantwortlich. Nach einer erneuten Einweisung, was während der Tour erlaubt und verboten ist, ging es, flankiert von zahllosen Sicherheitskräften, ins „Allerheiligste“. Zuvor fand allerdings noch eine Sicherheitskontrolle statt, wie man sie vom Flughafen kennt. Das wirkte insgesamt schon beinahe übertrieben, aber ich vermute, genau das sollte es auch. Schließlich will man keine Zweifel daran aufkommen lassen, dass es sich hier um einen Hochsicherheitsbereich handelt. Schon gar nicht bei der Presse.
Der direkte Blick in die Cloud: entmystifizierend und beeindruckend zugleich
Da standen wir also vor diesen Maschinen, die Millionen nutzen und sich auf sie verlassen, ohne sie jemals aus der Nähe zu sehen.
Als das Thema Cloud-Computing aufkam, grassierte der Spruch: Es gibt keine Cloud, es ist einfach nur der Computer von jemand anderem. Und so ist das dann auch. Es sind einfach nur Computer, übereinandergestapelt und in einer Reihe aufgestellt.
Bei dem, was man auf den Bildern sieht, handelt es sich um „klassische Server“. Microsoft hostet in Dublin auch KI-Anwendungen auf GPU-Farmen. In diesen Bereich wurden wir allerdings nicht geführt.
Zurück zu „Es sind nur Computer“: Es sind viele. Sehr viele. Unfassbar viele. Der „Mind blowing“-Effekt stellt sich ein, wenn wir der Cloud mal kurz aufs Dach steigen und uns das von oben anschauen. Das folgende Foto zeigt nicht einmal die Hälfte der gesamten Ausmaße. Da ist man dann schon beeindruckt.
Gib mir Energie
Vom Maschinenraum ging es weiter in die Energiezentrale – oder besser gesagt, in eine von vielen. Auch hier gilt: Es sind eigentlich nur Schaltschränke, überwältigt ist man dann aber von der schieren Anzahl.
Die Stromversorgung ist nicht nur im Inneren redundant ausgelegt. Das Datacenter ist von zwei Seiten an das Stromnetz angeschlossen, wovon jede für sich für einen stabilen Betrieb ausreicht. Sollte der Strom dennoch komplett ausfallen, übernehmen Generatoren den Betrieb. Diese laufen, wie man uns mitteilte, nicht mit Diesel, sondern mit einem synthetischen Kraftstoff, der nur einen Bruchteil der Emissionen verursacht. Auch diese Generatoren sind doppelt ausgelegt.
Bis die Generatoren im Ernstfall genug Strom liefern, übernehmen Batterien die Versorgung, von denen wir hier einige sehen:
Und wenn was kaputt geht?
Das grundsätzliche Konzept wurde uns in einem Satz erklärt: „Die Datacenter sind nicht konzipiert, um Fehler zu vermeiden, sondern jederzeit mit ihnen zu rechnen“. Wo so viel Technik in Betrieb ist, geht auch ununterbrochen etwas kaputt. Demzufolge sind nicht nur alle kritischen Komponenten teils mehrfach redundant vorhanden, sondern es gibt auch ein eigenes Reparatur- und Ersatzteilezentrum.
Dort wird übrigens nicht nur ausgetauscht und repariert. Am Ende ihres etwa sechsjährigen Lebenszyklus werden die Server dort fachgerecht zerlegt und mehr als 90 Prozent der Komponenten dem Recycling zugeführt.
Das Prinzip „jederzeit mit Fehlern rechnen“ bedeutet selbstverständlich nicht, dass man im Blindflug unterwegs ist und auf Störungen wartet. Leitstände, die rund um die Uhr an 365 Tagen pro Jahr besetzt sind, überwachen den Betrieb aller kritischen Komponenten. Von den Servern selbst über die Stromversorgung bis zu Kühlsystemen und allem, was sonst noch so wichtig ist.
Es waren überaus spannende Einblicke. Wie eingangs erwähnt, hat dieser Rundgang das Thema Cloud-Computing einerseits greifbarer gemacht. Der Gedanke, dass wir nur einen kleinen Ausschnitt in einem Gebäude von vielen in einem Datacenter von vielen gesehen haben, sprengte dann aber gleichzeitig die Vorstellungskraft.
Ich hoffe, ich konnte die Eindrücke einigermaßen nachfühlbar in Worte fassen.
Disclaimer: Der Besuch im Datacenter erfolgte auf Einladung von Microsoft im Rahmen eines Presse-Events. Die Reise- und Hotelkosten wurden von Microsoft übernommen.
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Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!









