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Warum das Windows 10 Upgrade vermutlich dauerhaft kostenlos möglich sein wird *Update*

Warum das Windows 10 Upgrade vermutlich dauerhaft kostenlos möglich sein wird *Update*

Der 31.12.2017 war rein theoretisch ein wichtiger Stichtag. Bis zu diesem Datum konnten die Nutzer von so genannten Unterstützungs-Technologien, zum Beispiel Screenreader für Sehbehinderte, kostenlos auf Windows 10 upgraden. Offiziell gibt es nun also keine Möglichkeit mehr, gratis auf Windows 10 umzusteigen. Soweit die Theorie. In der Praxis funktioniert es immer noch, und wie ich schon zu einem früheren Zeitpunkt schrieb, wird das vermutlich auch für immer so bleiben.

Update vom 19.01.18: Das im ersten Abschnitt erwähnte Upgrade wurde nach Veröffentlichung dieses Beitrags bis zum 16. Januar 2018 verlängert und ist nun endgültig ausgelaufen. Alles, was nachfolgend in diesem Artikel beschrieben steht, wurde am 18./19. Januar 2018 nochmals durchgespielt. Um zu verhindern, dass digital aktivierte Systeme „wiedererkannt“ werden, wurden dafür komplett neue virtuelle Maschinen aufgesetzt. Es gilt also weiterhin: Ein Upgrade von Windows 7 oder 8.1 auf Windows 10 mit einem Installations-Medium ist ebenso problemlos möglich wie die Neuinstallation von Windows 10 und die Aktivierung mit einer Seriennummer für Windows 7 oder 8.1.

Zunächst mal die rein technischen Erkenntnisse: Ich habe in den letzten Tagen mehrere virtuelle Maschinen mit Windows 7, Windows 8.1 und Windows 10 aufgesetzt. Für Windows 7 (Ultimate) und 8.1 (Pro) habe ich jeweils reguläre, gültige Seriennummern verwendet. Anschließend habe ich mit einem brandneuen Installations-Image – also Windows 10 Version 1709 (Fall Creators Update) das Upgrade auf Windows 10 gestartet. Wie nicht anders zu erwarten, lief es ohne Probleme durch, und am Ende hatte ich in beiden Fällen ein aktiviertes Windows 10 Pro.

Bei der „nackten“ Installation von Windows 10 habe ich am Anfang jeweils gültige Seriennummern von Windows 8.1, Windows 8.1 Pro, Windows 7 Home sowie Windows 7 Ultimate eingegeben. Auch diese wurden klaglos akzeptiert und am Ende der Installation lachte mich jeweils Windows 10 (Home oder Pro) an – selbstverständlich korrekt aktiviert.

Wir halten also fest: Wer eine gültige Lizenz für Windows 7 oder 8 besitzt, kann nach wie vor ohne Mehrkosten auf Windows 10 umsteigen – entweder per Upgrade oder Neuinstallation.

Warum dieses „Schlupfloch“ offen bleibt

Ich behaupte: Microsoft sind die obigen Umstände bekannt, und sie haben kein Interesse, daran etwas zu ändern. Dass der 1.1.18 keine Änderung bringen wird, war mir im Grunde klar, weil es technisch gar nicht möglich war. Abgewartet habe ich das Datum natürlich dennoch, damit alles dramaturgisch korrekt abläuft.

Kern dieses Problems, das eigentlich keines ist: Die Routine, welche die Gültigkeit einer Seriennummer überprüft, steckt im Windows 10-Setup selbst. Es spielt also keine Rolle, ob man online oder offline ist, die Installations-Routine kann alleine entscheiden, und tut das auch – sowohl beim Upgrade als auch bei einer Neuinstallation. Beim Upgrade wird außerdem überprüft, ob das Ausgangs-System korrekt aktiviert ist – und sobald dies der Fall ist, wird dieser Zustand übernommen.

Es hätte theoretisch sein können, dass im Setup eine Datums-Routine steckt, die nach dem 1.1.18 anschlägt, aber die wäre leicht zu überlisten gewesen.

Was kann in der Zukunft passieren?

Microsoft könnte sich entschließen, in einer späteren Windows-Version die Setup-Routine dahingehend zu ändern, dass sie bei einer Neuinstallation keine Seriennummern von Windows 7 und 8.1 mehr akzeptiert. Auf die älteren Medien hätte das allerdings keinen Einfluss, im schlimmsten Fall müsste man sich also einen älteren Installations-Datenträger besorgen. Darüber hinaus wäre es natürlich durchaus möglich, einem „erschlichenen“ Gratis-Update nachträglich die Aktivierung zu entziehen. Ich bezweifle allerdings, dass dies passieren wird, denn natürlich ist Microsoft ein PC mit Windows 10 allemal lieber als einer mit Windows 7 oder 8.

Abschließend stellt sich die Frage, warum Microsoft denn nicht einfach offiziell verkündet, dass man ohne zeitliches Limit jederzeit kostenlos auf Windows 10 upgraden kann? Der Grund dafür dürfte in der Tatsache liegen, dass es sich bei Microsoft um ein börsennotiertes Unternehmen handelt, welches seinen Aktionären Rechenschaft ablegen muss. Da Windows 10 weiterhin grundsätzlich kostenpflichtig ist, bedeutet jedes kostenlose Upgrade einen rechnerischen Verlust. In seinen offiziellen Geschäftszahlen hat Microsoft in 2016 auch ganz sauber vorgerechnet, was das einjährige Gratis-Update „gekostet“ hat: 6,6 Milliarden US-Dollar. Dieser offiziell „verschenkte“ Umsatz wird virtuell aufgeschlagen und fließt somit auch in die Berechnung von Unternehmens-Steuern ein. Schon allein aus diesem Grund darf es zumindest theoretisch kein Gratis-Upgrade mehr geben.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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