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Wasser predigen, Wein trinken: Mein Weg zu Windows 11 und dem Herbstputz

Wasser predigen, Wein trinken: Mein Weg zu Windows 11 und dem Herbstputz

Einen Monat vor dem regulären Supportende von Windows 10 war es dann auch bei mir soweit: Nachdem ich mich in den letzten Jahren noch vor dem Sprung gedrückt habe, erfolgte in der vergangenen Woche der Wechsel auf ein mobiles Gerät mit Windows 11. Für den bisherigen Bestandsrechner bedeutet das nicht das Aus, der geht ins ESU-Programm für Consumer. Gleichwohl habe ich die größere Mobilität, obwohl ich erst wenige Tage so intensiv mit Windows 11 arbeite, jetzt schon zu schätzen gelernt.

Wir sprechen hier allerdings nicht nur von einer einfachen Migration, sondern hier ist bedeutend mehr Hirnschmalz reingeflossen. Gegenüber der Art, wie ich bisher mit Windows 10 gearbeitet habe, wollte ich einige Konsequenzen ziehen, wo neben Lehren aus der Vergangenheit, über die wir oft auch hier im Blog berichtet haben, auch meine Angststörung und Eigenarten von Android eine Rolle spielen. Neben dem Wechsel auf Windows 11 selbst wurden daher auch weit über 35 Apps und Dienste ausgetauscht oder angepasst.

Grundzüge und Gedankengänge

Rückblickend ist Windows 10 für mich ein Betriebssystem, was einerseits mit beliebten Vorgängern wie Windows XP und Windows 7 in seiner Stabilität vergleichbar ist, aber für mich gerade im Bezug auf meine Angststörung auch kleine Herausforderungen gebracht hat. Ein Nebeneffekt meiner Agoraphobie mit Panikstörung sind die Gedankenspiralen, die bei mir relativ leicht getriggert werden können, wenn ich Informationsflüsse etwa aus sozialen Medien oder Nachrichten nicht kontrolliere und steuere. Deswegen bin ich mit Funktionen wie den Live Tiles und News & Interests sowie den Benachrichtigungen, ähnlich wie bei Android, immer sehr gezielt umgegangen oder habe sie komplett deaktiviert.

Copilot hat diese Herausforderung nochmal nachgeschärft. Ich bin grundsätzlich nicht gegen den Einsatz von KI, unterscheide aber zwischen einer technische Umsetzung, wie wir sie zum Beispiel in Paint sehen und konkrete Funktionen erfüllt, und der algorithmischen Ebene, wo der Assistent die Nachrichten kuratiert und Empfehlungen ausgibt. Mit dem KI-Einsatz bei MSN hatte Microsoft schon 2020 begonnen, aber auch in Windows 11 über die Windows Widgets ist mittlerweile was im Busch. Was man Windows 11 hier zugute halten muss, ist die Tatsache, dass es die Kontrolle einfacher macht als Windows 10. Das gilt generell bei Copilot-Funktionen wie Recall, aber auch bei sowas wie der Tatsache, dass man die Widgets schlicht und ergreifend ausblenden kann.

Der andere Grund, weswegen mir Windows 11 auf einer mobileren Hardware so wichtig war, liegt tatsächlich in Android. Während ich von der grundsätzlichen Produktivität her bei den Smartphones überhaupt keine Kritikpunkte habe, empfinde ich Googles Plattform trotz der Änderungen, die seit Android 12L zumindest bei einigen Apps eingeflossen sind, immer noch eher als Spielzeug. Selbst wenn sie implementiert wurden, wurde das bei so manchem Entwickler eher lieblos gemacht.

Man könnte natürlich auf das iPad verweisen, aber zum einen wäre das wirtschaftlich für mich kaum realisierbar, weil hier auch in der Eingliederungshilfe nicht nur im Digitalen eine größere Zahl an Ausgaben aktuell eingeplant werden, und zum anderen macht ein Split zwischen einem günstigeren Android-Tablet, was ich dann aber nur für einfache Sachen wie Entertainment oder Surfen nutzen möchte, und einem echten Produktivitätssystem für mich deutlich mehr Sinn. Wenn man Produktivität und ein Betriebssystem in einem Atemzug nennt, weiß ich zumindest für mich sehr genau, wer damit gemeint ist: Windows.

Home Office

Was klassische Büroaufgaben betrifft, standen drei Schwerpunkte bei der Migration im Fokus: Datenmanagement, der Umgang mit PDF-Dateien und die Rückkehr zu Microsoft Office. Abgesehen von den Problemen bei OneDrive, über die wir auch berichtet hatten, liegt ein wesentlicher Grund für die Teilabkehr auch bei Android. Ich möchte Microsoft hier nicht grundsätzlich schlecht reden und diverse Office-Projekte wie OneNote, Teams oder Lens habe ich immer auch mobil gerne genutzt, aber Word, Excel und PowerPoint ohne echte Tastatur oder sogar noch auf dem Smartphone zu nutzen, ist absolut nichts, was mir persönlich Spaß gemacht hat. Dass ich mich aufgrund der damaligen Kontensperrungen und funktionalen Pannen bei OneDrive ohnehin seit Jahren stark zurückhalte, hatte mangels kurzfristiger Alternativen zeitweise auch dafür gesorgt, dass ich bei unproblematischen Sachen zeitweise auf Google-Dienste wie Tasks oder Drive ausgewichen bin, was ich sowieso wieder reduzieren möchte.

In dem Punkt kommt mir meine stark eingeschränkte Mobilität, die ich wegen meiner Angststörung habe, tatsächlich mal entgegen. Konkrete Änderungen beim lokalen Dateimanagement hatte ich ohnehin eingeplant, wo ich mit Files ein mittlerweile altbewährtes Werkzeug einsetze und NanaZip als Archiver aktuell zunächst testweise PeaZip abgelöst hat. Im Zuge dessen wollte ich auch etwa für KeePassXC/DX den Dateiaustausch im lokalen Netzwerk stark ausbauen. Bedauerlicherweise habe ich mir an Syncthing immer die Zähne ausgebissen. Insofern möchte ich das vorerst auf der Protokollebene (Bluetooth, WebDAV) und, wo es nicht synchronisiert werden muss, bei der regulären Datensicherung (mit) regeln. Mittelfristig sollen gehostete Lösungen wie NextCloud oder Immich hinzustoßen, die vollständig unter meiner Kontrolle sind.

Eine Besonderheit machen die PDF-Dateien aus. Unter Windows 10 habe ich noch den Foxit PDF Reader als die am ehesten vertretbare Lösung verwendet, grundsätzlich haben aber alle großen PDF-Reader gemeinsam, dass ich sie nicht sonderlich leiden kann. Ich habe hier schon lange nach einer Ausrede gesucht, um mit Okular meinen bevorzugten Dokumentenbetrachter auch unter Windows verwenden zu können. Letztlich kommt mir hier jetzt entgegen, dass Microsoft bei Edge auf die Technologie von Adobe wechselt und Mozilla beim integrierten PDF-Viewer pdf.js von Firefox in den letzten zwei Jahren weitreichende Verbesserungen vorgenommen hat. Allzu intensiv arbeite ich im Allgemeinen mit PDF-Dateien nicht, sodass Okular und PDF Arranger, was ich schon länger kenne und aktuell unter Windows 11 teste, wohl reichen werden.

Ansonsten gibt es hier nur sehr kleine Änderungen. Die PowerToys sind derzeit testweise zurück, außerdem sind die Aufgabenlisten mittlerweile in die neuen Sticky Notes gewandert, weil ich meine Sachen ohnehin lieber eher ausschreibe, wofür OneNote quasi ideal ist. Das große Fragezeichen ist weiterhin das Thema E-Mail. Das neue Outlook mag ich nicht besonders und mit kommerziellen Alternativen wie emClient werde ich nicht warm. Unter Windows, wo gute Mailclients nicht gerade üppig sind, ist das keine schöne Kombination. Momentan hoffe ich weiterhin, dass ich vielleicht wieder dauerhaft bei Thunderbird im neuen Rapid Release sesshaft werde. So weit sind mein alter Weggefährte und ich aber noch nicht.

Bild & Ton

Im Medienbereich ist vor allem das Thema Audio von einem großen Umbruch betroffen, denn hier haben parallel zu Spotify mit dem Audiotagger MusicBrainz Picard und meinem Audioschnittprogramm Ocenaudio nur zwei vorherige Vertreter tatsächlich überlebt. Oberste Priorität war der Befreiungsschlag von iTunes, wo ich unter Windows 11 nur Apple Music installiert habe, um mir die Musik, die ich dort früher mal gekauft habe, holen zu können. Ansonsten habe ich mit Apple keine Berührungspunkte mehr. Ein guter Teil ist in die regulären Windows-Apps gewandert, wo neben der Medienwiedergabe auch der Audiorekorder wieder im Einsatz ist. Einen separaten Podcast-Client habe ich nicht mehr, hier wurde Grover Podcast einheitlich durch Spotify abgelöst.

Im Bildbereich, von dem ihr bei mir indirekt am meisten mitbekommt, gibt es eine große Änderung, die die Bildverwaltung betrifft. Hier wollte ich vom FastStone Image Viewer wieder auf eine richtige Bildverwaltung umsteigen, weswegen digiKam hier wieder im Dauertest ist. Ansonsten kommen hier mit Werkzeugen wie Krita, Inkscape oder dem Snipping Tool altbewährte Sachen zum Einsatz, auch bei der Videosektion hat sich an der Sammlung mit Programmen wie OBS Studio oder MPC-HC nichts geändert. Dass ich Jellyfin als Medienserver einsetzen werde, um besonders meine Musik im lokalen Netzwerk streamen zu können, ist aber weiterhin möglich.

Browser & Web

Das ist ein Bereich, der kleine Änderungen erfahren hat. Ein zentraler Punkt war, wer der dritte Browser neben Edge und Firefox werden soll, da ich Chrome hier, auch wenn ich vielleicht nicht vollständig auf ihn verzichten kann, ablösen wollte. Nach einigem Hin und Her hat sich Brave hier letztlich gegenüber Vivaldi und dem Ecosia Browser durchgesetzt. Etwas schade finde ich, dass die Integration zusätzlicher Anbieter in die Windows-Suche nicht wirklich vorankommt. Hier bevorzuge ich seit einiger Zeit die deutsche Suchmaschine Ecosia, die hier noch nicht verfügbar ist. Stattdessen wird die nun als Teil vom Setup bei Firefox entsprechend integriert, der bei mir weiterhin zentrale Aufgaben erfüllt, auch wenn er nicht der Standardbrowser ist.

Ansonsten halten sich die Änderungen stark in Grenzen. Bei der Kommunikation gibt es eine kleine Hoffnung, dass die Nutzung von WhatsApp zugunsten von Signal kippen könnte, was ich wegen der Eingliederungshilfe sowieso einsetzen muss und neben Discord der Hauptkanal bei mir ist, das ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Wenig bis keine Bewegung gibt es außerdem beim Gaming. Auf den Systemen sind Steam, der Minecraft Launcher und EA pro forma installiert und ich nutze auch den Game Pass vor allem über die Xbox Series S, aber ansonsten ist hier derzeit nicht viel Entwicklung drin. Was die KI-Assistenz angeht, hat Copilot aktuell weitgehend Sendepause- hier wechseln sich ChatGPT direkt und, was ich eigentlich erreichen möchte, Le Chat des französischen Unternehmens Mistral AI ab.

Development

Der letzte Bereich, wo größere Veränderungen stattfinden, sind die Entwicklertools – zumindest im weiteren Sinne, denn wirklich viel mache ich hier aus Zeitgründen weiterhin nicht. Wichtigste Änderung ist die Abschaffung des Windows Subsystem for Linux, wo ich offen gesagt bei dem Zustand, wo sich auch einzelne Elemente wie WSLg befinden, und dem zunehmenden Fokus auf die Unternehmenskunden keinen großen Sinn mehr sehe, das unter Windows noch weiter zu nutzen. Letztlich ist es ohnehin so, dass ich, wie ich das in einem Beitrag schon mal angedeutet hatte, ein weiteres reguläres Linux-System integrieren möchte, wo ich auch hier dann alle Stärken auf echter Hardware ausschöpfen kann.

Ansonsten geht es vor allem um mehr Flexibilität und passegenauere Werkzeuge. FileZilla hat sich verabschiedet, weil ich mit FTP heute nichts mehr zu tun habe. Außerdem soll der Git-Client ausgewechselt werden, weil ich mich nicht mehr an GitHub tackern und die Sachen etwa über die GitLab Community Edition vielleicht auch selbst hosten möchte. Hier dürfte voraussichtlich Tower demnächst auf GitHub Desktop folgen. Bei den einfachen Texteditoren hat Notepad das zwischenzeitlich unter Windows 10 installierte Notepad Next wieder abgelöst.

Ansonsten kommt es wirklich darauf an, wo ich nochmal ran möchte. Wenn ich die Freizeit finde, spiele ich ab und an immer wieder mal mit der Godot Engine oder dem RPG Maker herum, außerdem spiele ich schon länger mit dem Gedanken, mal wieder bei JetBrains reinzuschnuppern, die in den letzten Monaten zunehmend kostenlose Lizenzen ihrer IDEs freigeben, die ähnlich wie Visual Studio Community funktionieren. Das ist aber noch offen.

Abschluss

Ich kann euch hier insgesamt nur einen groben Überblick darüber geben, was ich parallel zur Migration auch bei den eingesetzten Programmen und Diensten verändert habe, zumal der Prozess in diversen Bereichen weiterhin läuft. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass die Richtung in mehr Open Source, mehr europäische Lösungen und, wenn man Tower mal ausklammert, grundsätzlich auch kostenlosen Möglichkeiten geht, die auch mehr Kontrolle bieten. Das ist nicht perfekt und wird es sicherlich auch nie ganz werden, aber mit dem ersten Schwung dieser Änderungen werden von meiner Seite aus schon mal wichtige Lehren aus meinen Bedürfnissen sowie Ereignissen aus der Vergangenheit gezogen.

Die Idee hinter dem Beitrag war vor allem auch, dass ihr vielleicht die eine oder andere Idee bekommt, was man vielleicht besser machen könnte. In der Vergangenheit hatte ich ja schon Beiträge zu anderen Programmen wie Joplin oder Ruffle geschrieben, die auch ganz gut angenommen wurden. Sowas könnte im kommenden Jahr, wenn hier die neuen Strukturen greifen, tatsächlich auch öfter wieder kommen.

Eine Idee habe ich hier derweil ausdrücklich noch nicht angeschnitten, die direkt mit meiner Angststörung zusammenhängt. Ich denke schon länger darüber nach, ob ich die Triggerregulation mit einer technischen Maßnahme auf Netzwerkebene angehen und Punkte, für die vorher die hosts-Datei verwendet habe, auslagern sollte. Damit meine ich keine Kindersicherung, aber neben Adblocking und das Sperren einzelner Seiten könnte man daraus auch ein schönes Bastelprojekt machen, indem man etwa KI lokal anlernt und verstörende Bilder dann zum Beispiel automatisch verpixelt oder durch ein harmloses ersetzt werden. Ob das so klappt und ob ich das tatsächlich machen soll, weiß ich noch nicht, aber ihr könnt mir ja gerne mal eure Meinung dazu in den Kommentaren lassen.

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Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und Microsoft Edge zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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