Wegen Teams: Slack reicht Antitrust-Beschwerde gegen Microsoft bei der EU ein

Wegen Teams: Slack reicht Antitrust-Beschwerde gegen Microsoft bei der EU ein

Slack hat in Person seines CEO Stewart Butterfield in den letzten Wochen einige Giftpfeile in Richtung Microsoft verschossen und ihnen unfaire Methoden vorgeworfen, um Teams zu pushen. Die Vorwürfe gingen soweit, dass Butterfield behauptete, Microsoft wolle Slack vernichten. Ich hatte das nicht aufgegriffen, es gehörte für mich eher in die Schublade mit der Aufschrift „Mimimi“.

Nun wird es aber spannend und handfest: Slack hat bei der EU eine Beschwerde eingereicht und fordert deren Wettbewerbshüter dazu auf, gegen Microsoft vorzugehen. Der konkrete Vorwurf: Die Integration von Teams in Office 365 behindert den Wettbewerb und benachteiligt Konkurrenzprodukte wie eben Slack. In der Beschwerde heißt es:

„Microsoft hat die marktbeherrschende Stellung der Office-Suite auf illegale Weise missbraucht, um sein Produkt Teams einzubinden, die Installation auf Millionen von Geräten erzwungen und das Entfernen der Software erschwert sowie die wahren Kosten für die Unternehmen verschleiert.“

Tatsächlich ginge es hier aber um noch mehr, betont Slack, es gehe um die grundsätzliche Philosophie digitaler Ökosysteme, um „Portale gegen Torwächter“.

Weiter heißt es: „Slack wünscht sich fairen Wettbewerb. Wir bitten die EU, die Fakten zu prüfen und geltendes Recht durchzusetzen.“ Das soll möglichst schnell passieren, damit Microsoft aufhört, „seine Macht in einem Markt auf illegale Weise als Hebel zu benutzen, um einen weiteren Markt zu erschließen.“

Geht es nach dem Willen von Slack, dann soll die EU Microsoft dazu zwingen, Teams von Office 365 zu entkoppeln und als separates Produkt mit eigenem Preis zu verkaufen.

Der Ton ist scharf, unter anderem wirft Slack Microsoft vor, dass Teams nichts weiter als eine schamlose Kopie sei. Das Verhalten von Microsoft entspreche alten Mustern, wie man sie aus den Zeiten des Browserkriegs kennt.

Die EU wird nun Untersuchungen aufnehmen und dann entscheiden, ob sie ein Verfahren gegen Microsoft einleitet. Sollte das passieren, wird es in der Tat spannend werden, denn ein Urteil wäre durchaus von grundsätzlicher Bedeutung. Teams ist ja nicht der einzige Dienst, der eng mit Microsoft 365 bzw. Office 365 verknüpft ist. Anbieter von Cloudspeicher wie beispielsweise Dropbox könnten ebenso gut eine Entkopplung von OneDrive verlangen.

Quelle: Financial Times

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare

  1. Das Ergebnis, sofern der Fall es konsequent verfolgt wird, wird richtungsweisend für Microsoft sein.
    Mich persönlich stört es schon lange, das MS seine O365 Suite ungefragt mit Produkten anreichert, die ich als Kunde gar nicht haben will.
    Das wäre soweit sogar noch in Ordnung, wenn die enge Verzahnung der Produkte nicht dafür sorgen würde, das ich mich zwangsläufig mit der Dreingabe auseinandersetzen muss.
    Mich als Nutzer von OneDrive stört es schon länger, dass ich nicht auf Office 365 verzichten kann, ohne draufzuzahlen. Dann lieber an Win10 gebunden.
    Man kann OneDrive ohne Office 365 nutzen ohne etwas aufzuzahlen.
    Wo ist jetzt das Problem?
    Mich als Nutzer von OneDrive stört es schon länger, dass ich nicht auf Office 365 verzichten kann, ohne draufzuzahlen. Dann lieber an Win10 gebunden.

    Naja, musst das Office ja nicht nutzen. Es gibt auch alternative Cloud-Storage-Anbieter. Aber es würde keinen Sinn ergeben keinen Cloud-Storage bei einer Online-Office Variante. Denn das Office aus Microsoft 365 funktioniert auch im Browser. ;)
    Man kann OneDrive ohne Office 365 nutzen ohne etwas aufzuzahlen.
    Wo ist jetzt das Problem?

    Naja, weil man etwas (dabei) bekommt was man sich selbst nicht kaufen würde. Typisch Microsoft User. ;)
    Was für Blödsinn. Warum darf ein Unternehmen das seit ca. 40 Jahren Unternehmens Software anbietet, seit Portfolio nicht erweitern?
    Das wäre so als ob man Mercedes verbieten würde Elektrofahrzeuge zubauen nur weil Tesla eine ähnliche Dienstleistung anbietet.
    Ich finde es eher schrecklich wie sehr auf Microsoft rumgehackt wird, obwohl das ein wunderbarer Dienst ist, alle wichtigen Dinge gebündelt zu bekommen, aber Google, die ihren PlayServices Mist überall in die Handys zwingen und der Kunde dann kein Onlinebanking nutzen kann, obwohl Onlinebanking überhaupt gar nichts mit Googlediensten zu tun haben sollte.
    Wer also ein (frei verfügbares) Android installiert muss für Banking ein anderes Telefon nutzen.
    95 % aller Kunden bei mir auf Arbeit, bringen deswegen die (aktuellen) Huawei Telefone zurück.
    Da müsste die Wettbewerbsaufsicht einschreiten, und dafür sorgen dass Banken keine (datentechnisch sehr bedenkliche) Drittsoftware vom Werberiesen als Voraussetzung benötigen.
    Das mit dem "Mimimi" beschreibt es sehr gut :-).
    Kann Microsoft nicht einfach die Portokasse aufmachen, den Laden aufkaufen und einstampfen? Dann wäre Ruhe.
    @cplanitzer
    Die Antwort ist etwas sinnfrei.
    Was bekommt denn zu OneDrive in der kostenfreien Version (5GB) dazu?
    OneDrive in der Basisversion (50 GB) hat auch keine Dreingabe.
    Zu O365 gehört standardmässig 1 TB Cloudspeicher dazu.
    Will man ein Office ohne Cloudspeicher, kauft man O2019 oder nutzt LibreOffice.
    Alterrnativ gibt es andere Cloudspeicheranbieter.
    Wo ist nun dein Problem?
    Also das Grundthema verstehe ich schon, aber dann sollte man sich nicht auf Microsoft versteifen, sondern es grundsätzlich klären.
    Wie es schon gesagt wurde, kann es nicht sein, dass bei Androids die Googleapps von vornherein dabei sind und nicht mal deinstallierbar sind.
    Das ist doch im Grunde fast das selbe. Ich muss es nicht nutzen, aber teams muss ich auch nicht nutzen. Im Grunde fällt mir nichts bei Office ein, was ich nutzen muss, obwohl manches vielleicht verdrahtet ist (cloud, onenote usw).
    Als Kunde finde ich es eher attraktiv, wenn das Paket aufgewertet wird (ohne Mehrkosten).
    videostream36
    Das wäre so als ob man Mercedes verbieten würde Elektrofahrzeuge zubauen nur weil Tesla eine ähnliche Dienstleistung anbietet.
    Das Problem von Slack ist nicht, dass Microsoft ein Produkt im selben Bereich anbieten, sondern dass Microsoft-Kunden unfreiwillig zu Teams-Kunden werden - was die Position von Slack auf dem Markt auf unfaire Weise schwächt, da das Unternehmen keine Möglichkeit zu solchen Bundles hat.
    vampire1984
    Also das Grundthema verstehe ich schon, aber dann sollte man sich nicht auf Microsoft versteifen, sondern es grundsätzlich klären.
    Wie es schon gesagt wurde, kann es nicht sein, dass bei Androids die Googleapps von vornherein dabei sind und nicht mal deinstallierbar sind.
    Das ist doch im Grunde fast das selbe. Ich muss es nicht nutzen, aber teams muss ich auch nicht nutzen.
    Gewisse Parallelen mag es geben - aber hier ist das wesentliche Problem, dass das Produkt erhebliche Betriebskosten aufweist, die sich Microsoft eben über die Office 365-Abozahlen reinholt. Slack muss hier wirtschaften, ohne auf gleiche Methoden zurückgreifen zu können.
    Ich verstehe ja, dass Slack neidisch ist, doch objektiv gesehen erwarte ich das ein Office-Paket eine möglichst breite Palette von Anwendungen abdeckt. Da jeder Kunde unterschiedliche Anforderungen hat ist es zwangsläufig so, dass jeder mehr oder weniger nur einen Teil des Paketes nutzt.
    Ich bin auch Abonnent von Microsoft 365. Obwohl ich z.B. PowerPoint nicht nutze käme ich nie auf die Idee zu fordern, dass PP aus dem Paket entfernt werden soll. Für andere ist das sicherlich eine ganz zentrale Anwendung. Wo also liegt das Problem? Aber vielleicht kommt es Slack eher darauf an in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit zu erregen.
    mt03c06
    Wo also liegt das Problem?
    Das Problem liegt darin, dass Microsoft seine marktbeherrschende Stellung ausnutzt - und Slack derartige Vertriebswege nicht nutzen kann.
    Vergleichbar wäre es, wenn Amazon Warsteiner aufkaufen und in seine Prime-Mitgliedschaft jeden Monat 'nen Sixer Freibier reinpacken würde - zahlreiche andere Brauereien hätten enorme Absatzverluste. Und keine Möglichkeit, mit vergleichbaren Methoden zu reagieren.
    Eine immer bessere Verzahnung von Diensten nutzt doch im Grunde jedem Anwender. Abläufe werden effektiver, weniger Störungsanfällig da Übertragungsfehler vermieden werden,... Im Grunde ist der Wunsch die Verzahnung zu verbieten doch nur ein Eingeständnis das man mit seiner Lösung auf dem absteigenden Ast sitzt und das Ende schon kommen sieht. Wenn Slack hier darauf pochen würde das die Schnittstellen die Teams nutzt auch von anderen Drittanbietern genutzt werden dürfte, dann fände ich es für den Anwender allerdings noch besser, denn dann könnte er sich letztendlich aussuchen welche Anwendungen er nutzt um seine Abläufe zu organisieren und zu verbessern.
    @quisel: Mit deinem Argument kann man so ziemlich alles begründen oder auch nicht. Z.B. könnte man auch Argumentieren, dass das gesamte Officepaket nicht mehr angeboten werden darf und alle Komponenten einzeln verkauft werden müssen. Oder das Android keine weiteren Google-Tools mit bringen darf. Oder sogar, dass Volkswagen kein Entertainmentsystem einbauen darf, weil auch andere Autoradios verkaufen wollen. Als letzten Beispiel. Man könnte auch fordern, dass Neuwagen ohne Räder ausgeliefert werden damit andere Anbieter Felgen und Reifen verkaufen können.
    Ich als Kunde bin jedenfalls heilfroh das ich mein Officepaket nicht aus x Programmen zusammenstellen muss.
    Wenn ein Autohersteller in seine Fabrikate ein Navigationssystem serienmäßig einbaut, dann könnte ein Navi-Hersteller ebenfalls Klage einreichen...
    quisel

    Vergleichbar wäre es, wenn Amazon Warsteiner aufkaufen und in seine Prime-Mitgliedschaft jeden Monat 'nen Sixer Freibier reinpacken würde - zahlreiche andere Brauereien hätten enorme Absatzverluste. Und keine Möglichkeit, mit vergleichbaren Methoden zu reagieren.

    Nein das ist nicht vergleichbar.
    Erstens. Prime ist ein Versandservice kombiniert Video und Audiostreaming. Das paßt erstmal so nicht zusammen. Da könnten die Viedeo- und Audiostreamer auch gegen klagen.
    Die Office-Suite ist ein Colloboration-Tool. Kommunikation gehört da dazu.
    @vampire1984
    Du brauchst Dir ja kein Smartphone mit Android zu kaufen, es gibt ja auch noch iOS oder Telefone ohne Smart.
    Und ich bin da wieder bei meiner Idee. Ich wollte nämlich auch nur ein Office lite.
    Von mir aus 100 GB cloud oder auch gar nicht.
    Word, Excel, Power point.
    Mehr Brauche ich nicht.
    Die Sperrungen schrecken mich mittlerweile so ab, dass ich meinen kompletten Datensatz aus der OneDrive wieder entfernen habe.
    Von daher.
    niclas
    ......Mehr Brauche ich nicht...........
    dann schau dich doch mal nach den alternativen von office um
    ich persönlich benötige office eigentlich hauptsächlich wegen outlook, weil darüber meine ganze planung läuft
    wer NUR briefe schreiben will oder haushaltspläne erstellt
    oder mal ne kleine präsentation erstellen will, findet da genügend Alternativen
    und Cloud anbieter gibt es ja auch genügend
    schon alleine, wenn an T-online kunde ist bekommt man 20 GB
    Ok, einfach zu nem extra Produkt machen, für nen symbolischen 1€/Jahr, fertig. :)
    Slack wird sich ja wohl kaum erdreisten auch noch bestimmen zu wollen, zu welchem Preis die Konkurrenz ihre Produkte anzubieten hat.
    Keine Sau nutzt übrigens nur deshalb Teams, weil es der Installer der Office-Suite irgendwann mal automatisch mit draufgepackt hat. Das als Argument zu nehmen, dass es sich um unlautere Wettbewerbsverzerrung handelt, ist sowas von lächerlich.
    Es entscheidet ja nicht irgendein einzelner Hansel an seinem PC nach dem Motto "Ups, ich hab ja auf einmal Teams auf dem Rechner installiert, das benutzen wir jetzt in Zukunft firmenweit für unsere Meetings!".
    Ich möchte wie bei Google für jeden Dienst zahlen und selbst entscheiden, was mit meinen Daten passiert.
    Solange Google machen kann was sie wollen, sollte man MS in Ruhe lassen. Das Antitrust Verfahren gegen MS hat uns ein Monopol von Google gebracht. Ist das jetzt besser?
    Slack wird eines Tages von Google übernommen und dann hat sich die Antitrust-Beschwerde erledigt.
    dann schau dich doch mal nach den alternativen von office um
    ich persönlich benötige office eigentlich hauptsächlich wegen outlook, weil darüber meine ganze planung läuft
    wer NUR briefe schreiben will oder haushaltspläne erstellt
    oder mal ne kleine präsentation erstellen will, findet da genügend Alternativen
    und Cloud anbieter gibt es ja auch genügend
    schon alleine, wenn an T-online kunde ist bekommt man 20 GB

    Ja, das mit Outlook ist halt wirklich eine gute Sache. Darauf möchte ich nicht verzihten
    mh0001
    "Ups, ich hab ja auf einmal Teams auf dem Rechner installiert, das benutzen wir jetzt in Zukunft firmenweit für unsere Meetings!".

    Nein, aber aber andersherum:
    "Wir brauchen eine Lösung für unsere Meetings."
    "Warum nehmen wir nicht einfach MS-Teams? Das ist doch sowieso bei unserem Office-Paket dabei. Für alle anderen gibt es das kostenlos"
    "Stimmt, das ist eine gute Idee. Warum sollten wir also noch Geld für Slack ausgeben"
    Bevor hier gebasht wird, solltet ihr euch vielleicht mal ein wenig mit der Thematik auseinandersetzen. MS Teams, ist selbst wenn man Office 365 hat, noch immer nur ein ödes Chat- und Videochat-Programm. SIP-Telefonie, SharePoint-Integration, Scheduling.. das alles muss über weitere teilweise teure Lizenzkosten reingeholt werden und ohne Azure ist das allss dann auch nur rudimentär.
    Es gibt da kein einfaches "Toll, ist ja mit drin, lass mal nutzen!" Es ist zeit- und kostenintensiv, Teams als komplexes Kollaborations-Tool zu nutzen und hat zudem weiterhin seine Mängel.
    Wer also Teams anstelle von Slack oder Jitsi nutzt, tut das aus gutem Grund und nicht "weil es halt mitinstalliert wird". Bei OneDrive ist es genau das gleiche.. OneDrive for Business ist auch keine kostenlose dreingabe, sondern ein ordentlich zu integrierender Bestandteil.
    Man kann für beide Seiten der Medaille gute Gründe dafür und dagegen finden. Auffällig ist bei den heutigen Digitaldiensten das es fast nur Monopole gibt. MS mit Office, Google mit der Suche und Android, Amazon beim Shopping. Die Liste könnte ich ohne weiteres fortsetzen. Wenn ein StartUp etwas erfolgreich wird, geht es heute kaum noch um dauerhaften Erfolg und Langlebigkeit sowie solides Wachstum. Es geht nur noch den Dienst schnellstmöglich zu einem hohen Preis an einen "großen" zu Verkaufen. Nicht selten wird der Dienst nach einiger Zeit einverleibt oder abgeschaltet. Das die Größe bei den Übernahmen auch oft mies vorgehen ist auch kein Geheimnis. Ím Fall von Slack ist eine Übernahme von MS gescheitert, danach wurde Teams mit aller macht hochgezogen und positioniert.
    Es währe jedoch wünschenswert das mehrere Anbieter nebeneinander existieren können das würde die Preise niedrig halten und das Innovationsdenken fördern.
    Das ist Mimimi, ich habe in meinem Arbeits-Umfeld neben Teams schon mit Skype for Bis. und Go to Meeting zu tun mein Kollegen durften dann noch mit Webex, Zoom und noch ein paar Plattformen Kommunizieren weil die Einladenden ebene immer etwas anders nutzten. Die Palette ist groß. Nur Slack war noch nicht auf der Liste. Die Klage ist meines Erachtens aussichtslos, eine PR Veranstaltung. Da will sich jemand ins Gespräch bringen.
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