Weihnachten ist gerettet: Tante Erna spricht jetzt selbst mit ihrem PC
Rosige Aussichten für tausende Computer-Experten. Sie dürfen sich bei Verwandtschaftsbesuchen zu Weihnachten künftig direkt dem Festessen widmen, ohne vorher die PC-Probleme von Tante Erna und Co. lösen zu müssen. KI macht’s möglich.
Das waren meine ersten Gedanken zu Microsofts Plänen, die Bedienung von Windows mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu vereinfachen. Bis die oben skizzierte Vision Realität ist, vergeht sicher noch einige Zeit, aber die Basis scheint gelegt.
Wer einen Copilot+ PC mit einer leistungsfähigen NPU (Neural Processing Unit) besitzt und die aktuelle Version von Windows 11 verwendet, erhält bereits einen Vorgeschmack auf das, was in Zukunft möglich ist.
Windows-Einstellungen: Suche in natürlicher Sprache
In den Einstellungen von Windows 11 kommt jetzt nämlich ein lokal ausgeführtes KI-Modell zum Einsatz, das innerhalb der Einstellungen die Suche in natürlicher Sprache ermöglicht. Tippt man „Wie stelle ich die Uhrzeit ein?“ in das Suchfeld, werden prompt die passenden Einstellungen dafür angezeigt. Bei Eingabe von „Die Schrift ist zu klein“ gelangt man ebenfalls sofort ans Ziel. Ich habe noch ein paar weitere Anfragen dieser Art ausprobiert und dabei immer das Gewünschte gefunden. Auf einem Windows 11 PC ohne KI-Unterstützung zeigen diese Suchanfragen allesamt keinerlei Ergebnis.
Zugegeben, so richtig „intelligent“ ist das gar nicht, was die KI hier macht. Im Grunde filtert sie nämlich nur die überflüssigen Begriffe aus und konzentriert sich auf die Schlagworte, zu denen in den Einstellungen etwas zu finden ist. Tippt man nur „Uhrzeit“ oder „Text“ in die Suche, erhält man die gleichen, korrekten Ergebnisse.
Jetzt kommen die Agenten
Aber das ist auch alles erst der Anfang. Die nächste Entwicklungsstufe ist bereits gezündet. In der englischsprachigen Vorabversion von Windows 11 testet Microsoft bereits den Einsatz der neuen KI-Agenten. Diese ermöglichen eine interaktive Kommunikation und weisen nicht nur den Weg zu den passenden Windows-Einstellungen. Sie schlagen stattdessen eine Lösung für das umrissene Problem vor und setzen diese auf Wunsch auch direkt um.
Die nächsten Schritte sind bereits absehbar: Koppelt man die Agenten an den Copilot und die Spracheingabe, muss man in Zukunft die PC-Einstellungen erst gar nicht mehr aufrufen. Man sagt einfach, wo es klemmt, und die KI kümmert sich.
Mehr Begeisterung bitte
Ich verstehe, dass diese Aussichten bei manchen Leuten Unbehagen auslösen. Es ist wirklich leicht, vom Thema KI die Nase voll zu haben. Gefühlt vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Anbieter irgendeine revolutionäre Neuigkeit verkündet.
Wenn KI Fähigkeiten ersetzt, ist zudem schnell von Verdummung die Rede. Diese Gefahr ist realistisch, in diesem Fall aber nicht. Die Konfigurationsmöglichkeiten von Windows bis ins kleinste Detail zu kennen, ist eine Kompetenz, die in der Vergangenheit leider notwendig war. Je schneller sie überflüssig wird, desto besser. Warum sollte man so etwas können oder wissen müssen?
Der Fehler steckt doch bereits in der Formulierung: Den PC bedienen. Warum sollte ich etwas bedienen, dessen Zweck es doch eigentlich ist, mir zu dienen?
Keine Angst vor Jobverlust
An alle, die in ihren Familien wegen ihrer PC-Kenntnisse vergöttert werden und jetzt um ihren Status fürchten: Keine Sorge, Eure Spezialkunden schaffen es ganz sicher auch in Zukunft, Probleme zu generieren, die selbst die schlauste KI überfordern. So weit ist die Technik noch lange nicht.
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- Künstliche Intelligenz
Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!



