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Wenn alles KI ist, ist nichts mehr KI

Wenn alles KI ist, ist nichts mehr KI

Der Hype Train ist in voller Fahrt. Die Technikbranche und insbesondere Microsoft kennen seit Monaten nur noch ein einziges Thema: Künstliche Intelligenz. Es vergeht kein Tag ohne eine neue Ankündigung. Manche fühlen sich davon genervt, andere gar verunsichert oder bedroht. Aber keine Sorge, Du bist nicht allein – und Du kannst ganz entspannt bleiben.

So ziemlich alles, was Du über KI gehört hast, ist richtig. Es eröffnen sich neue, faszinierende und bisher nicht dagewesene Möglichkeiten. Es drohen neue Gefahren – kann man seinen Augen und Ohren noch trauen? KI wird Jobs vernichten, und der Gesetzgeber wird vor viele neue Herausforderungen gestellt, was die Regulierung von Technologie angeht.

Wenn man sich mit all dem auseinandersetzen möchte, darf man sich überfordert fühlen, das ist überhaupt nicht schlimm. Mir geht es kein bisschen anders. Ich schwanke mindestens dreimal täglich zwischen Faszination und Horror, wenn ich über die KI-Zukunft nachdenke.

Es werden viele Vergleiche gezogen, wenn man versucht zu beschreiben, wie sehr der Einsatz von KI die Welt verändern wird. Einige vergleichen es mit der Einführung der grafischen Benutzeroberfläche, andere mit der Entstehung des Internets. Beides ist insofern richtig, als sich durch KI die Art und Weise, wie wir Computer verwenden, komplett verändern wird. Vor allem das Internet-Beispiel ist deshalb so treffend, weil es prima geeignet ist, Ängste zu zerstreuen.

Das Internet hat ebenfalls abertausende Jobs vernichtet, zweifellos aber sehr viel mehr neue geschaffen. Auch hier gab es Gefahren sowie die Notwendigkeit, mit entsprechenden gesetzlichen Vorgaben Leitplanken zu schaffen. Es hat seine Zeit gedauert und es ist nach wie vor ein fortwährender Prozess, aber es hat funktioniert. Hier sind wir, mit all den fantastischen Möglichkeiten, die uns das Internet bietet, und niemand möchte die Zeit mehr zurückdrehen.

Die Übersättigung und Verunsicherung kommen auch daher, dass im Moment irgendwie alles KI ist. Jedes noch so banale Feature wird uns mit diesem Schlagwort verkauft. Es ist eben ein echter Hype, und sicher kennen viele von Euch den Hype-Cycle nach Gartner. Ich habe in der folgenden Grafik mal das grüne Kreuz an eine Stelle gesetzt, von der ich glaube, dass wir uns ungefähr dort befinden.

Es steht uns also noch ein wenig zusätzlicher Wirbel bevor, bevor wir der Hype nachlässt und sich dann so langsam zeigen wird, wo die neue Technologie ihren langfristigen Nutzen entfalten kann.

Gartner Hype Cycle

Bildquelle: Wikipedia

Wir haben die fantastische Gelegenheit, an einer Revolution teilzuhaben, live dabei zu sein, wenn all das entsteht. Das ist natürlich auch anstrengend, weil auf der einen Seite die Marketing-Schreihälse eine Lobpreisung nach der anderen aussenden und auf der anderen Seite jeden Tag jemand anderes glaubt erklären zu müssen, auf welche Weise KI die Menschheit auslöschen wird. Aber da müssen wir jetzt durch.

Junge Menschen benutzen den aktuellen Stand der Technik mit einer Selbstverständlichkeit, als sei es nie anders gewesen. Wie wir an diesen Punkt gekommen sind, interessiert sie nicht. Den gleichen Zustand werden wir beim Thema KI eines Tages erreicht haben. Wenn der PC, das Smartphone oder was immer wir in Zukunft nutzen werden, auf Zuruf Dinge erledigt, dann wird das ebenso “normal” sein wie die Vernetzung von Information in einer Art und Weise, die wir uns vermutlich noch nicht einmal vorstellen können. Mehr noch, wer den Wandel nicht miterlebt hat, wird sich nur schwer ausmalen können, dass es irgendwann einmal anders war.

Niemand wird dann mehr mit lauter Stimme sagen “seht Euch alle meine tolle KI an”, denn es wird alltägliche Technologie sein. Wenn alles KI ist, ist nichts mehr KI.

Und bis es so weit ist, nehmt das alles nicht immer ernst, sondern genießt einfach ein wenig die Show.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 17 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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