Wie finde ich den passenden NextGen-Fernseher zur NextGen-Konsole? Ein Aufklärungsversuch

Wie finde ich den passenden NextGen-Fernseher zur NextGen-Konsole? Ein Aufklärungsversuch

In weniger als einem Monat erscheinen die neuen Konsolen von Microsoft und Sony. Viele Spieler haben sich eine der Konsolen vorbestellt, und wer zu Hause noch keinen passenden 4K-Fernseher stehen hat, plant möglicherweise eine entsprechende Anschaffung. Nach dem Release der Konsolen Anfang/Mitte November stehen auch schon Black Friday und Cyber Monday sowie das Weihnachtsgeld bevor. Eine gute Gelegenheit also, um in einen schönen neuen Gaming TV zu investieren.

Aber 4K ist nicht gleich 4K, zumindest wenn es darum geht, das Optimum aus eurer neuen Konsole herauszuholen.

Ich selbst habe mir zu Weihnachten 2018 einen Samsung QLED der Q60 Reihe gegönnt, der perfekt geeignet ist, um die Inhalte der Xbox One X dazustellen. Doch in Bezug auf die Xbox Series X sind die Funktionen meines TV schon an ihren Grenzen. Zwar kann mein Fernseher VRR (Variable Refresh Rate aka Freesync), dafür kann er aber nur maximal 100Hz statt der 120Hz, welche die Xbox Series X in 4K maximal bereitstellt.

Jetzt haben wir schon mal die Sache mit der Bildwiederholfrequenz angesprochen.

Damit ihr die vollen 4K bei 120Hz ausnutzen könnt, benötigt ihr außerdem einen HDMI 2.1 Anschluss am TV. Die meisten Geräte der Hersteller ab 2019 haben diesen verbaut, das sollte aber für euch ein Hauptaugenmerk beim Kauf sein.

Der nächste knifflige Punkt ist HDR (High Dynamic Range.) Seit der Xbox One S im Jahr 2016 wissen wir, wieviel schöner Spiele mit HDR sein können, da es die Grafik in Sachen Leuchtkraft und Kontrast verstärkt. Falls ihr noch nicht wisst, welchen Unterschied HDR macht, sei die App „Insects“ empfohlen, die auf der Xbox One verfügbar ist und mit der ihr seamless HDR aktivieren und deaktivieren könnt, um die Unterschiede erfassen zu können:

Insects: Eine Xbox One X Enhanced Erfahrung
Insects: Eine Xbox One X Enhanced Erfahrung
Entwickler: ‪Xbox ATG‬
Preis: Kostenlos

Das Problem ist: HDR ist ein lizenzfreies Open Source Projekt, dass nur grobe beziehungsweise recht missverständliche Spezifikationen aufweist.

In der Werbung lest ihr mittlerweile bei jedem 4K Fernseher HDR. Sollte ein Gerät euer Interesse wecken, geht am besten beim Hersteller auf die Support-Seite und seht euch die genauen Spezifikationen an.

Standard HDR, welches auch die meisten HDR Monitore ausgeben, wenn nicht anders angegeben hat 8 Bit Farbtiefe.

Premium HDR oder besseres HDR, hat die Bezeichnung HDR10 und wie man sich schon denken kann, 10 Bit Farbtiefe. Dieses entspricht auch der Farbtiefe von HLG, einem Konkurrenzformat. Samsung selbst bietet dieses Premium HDR als HDR10+ an.

Seht Ihr irgendwo Monitore oder Fernseher mit Bezeichnungen wie HDR400, HDR600 oder HDR1000, hat das nur bedingt mit HDR zu tun, da diese Zahl die Leuchtkraft, die sogenannte Nits Anzahl, angibt. Hier gilt: Je mehr desto besser bzw. heller.

Jetzt kommen wir zum magischen „Dolby Vision“. Ebenfalls ein HDR Format, aber entwickelt von Dolby und daher im Gegensatz zu HDR und HLG mit Lizenzgebühren verbunden. Man findet es daher meist nur in High End Premiumgeräten.

Doch was ist Dolby Vision, welches die Xbox Series X und S exklusiv unterstützen?

Dolby Vision, wie gesagt auch ein HDR Format, hat im Vergleich zu HDR10 und HLG eine 12 Bit Farbtiefe. Das hört sich auf den ersten Blick nicht nach einem riesigen Unterschied an, ist es aber im Detail. HDR und HLG haben eine Farbtiefe von 1024 Farben. Dolby Vision aber 4096. Also ein großer Sprung in Sachen Bildwiedergabe.

Eine gute Übersicht über die unterschiedlichen Farbräume findet ihr hier.

Kommen wir als Nächstes zu einem Thema, bei dem wieder HDMI-Anschlüsse eine Rolle spielen: Dolby Atmos.

Wir ihr wisst, wird bei den Series S|X Modellen auf den optischen Ausgang verzichtet. Das hat Auswirkungen für Nutzer von Headsets mit Basis-Stationen, aber auch für Nutzer von Soundbars. Sofern Ihr keinen extra Verstärker nutzt, sondern per HDMI direkt an den Fernseher anschließen wollt, benötigt euer TV HDMI 2.1 oder aber HDMI 2.0a mit der Unterstützung HDMI eARC oder HDMI CEC.

Hier gibt es die gute Nachricht, dass viele TVs von 2018 oder 2019 zwar kein HDMI 2.1 beherrschen, aber mittlerweile per Firmware Update eARC Unterstützung erhalten haben.

Konfus?

Kann ich gut verstehen, so ging es mir vor meinem TV-Kauf, den ich aufgrund der vielen unterschiedlichen Angaben und Werte immer wieder hinauszögerte, ebenfalls.

Die entscheidende Frage ist wie immer: Was möchte ich und wieviel bin ich bereit auszugeben?

Dabei ist Vieles, ähnlich wie bei Konsolen, auch eine Glaubensfrage.

Samsung ist zum Beispiel seit zig Jahren Display Partner für die Xbox und Ausrüster bei allen Events, sei es E3 oder Gamescom. Nach der Einführung der Xbox One X im Jahr 2017 war deshalb mein Samsung Q60 die logische Wahl. Der große Wermutstropfen: Die Samsung QLEDs können kein Dolby Vision.

Ihr bekommt HDR10+ und QuantumHDR, das wesentlich besser ist als HDR10, mit Dolby Vision kann es aber nicht ganz mithalten. Sollte das euch nicht abhalten, so gibt es Samsung Q70 Modelle aus diesem Jahr schon für unter 1000 €, die euch die 4K mit 120Hz bieten. Die Modelle der Reihen Q80 und Q90 bieten euch eine höhere Pixeldichte, daher knackigeres Bild und noch bessere HDR Leuchtwerte.

Samsung TV Modellpalette
Die Samsung QLEDs der 60er und 70er Reihe lassen sich leicht optisch mit den nicht QLEDS verwechseln. Die QLEDs haben gebürstetes Aluminium Finish, die Mittelklasse ein matt-schwarzes Finish.

Eine Übersicht aller aktuellen Samsung QLED Geräte findet ihr auf der Samsung-Homepage.

Wollt ihr einen Fernseher, der Dolby Vision unterstützt, könnt Ihr einen Blick auf die aktuellen Modelle von LG werfen.
LGs sind die eierlegenden Wollmilchsäue bei der Unterstützung von Formaten, doch sind deren Einstiegsmodelle, die LG OLED CX Reihe, wesentlich hochpreisiger. Sie starten bei 1.500€ und höher.

LG OLED Modellpalette
Die LG OLED der CX Reihe haben einen breiten Standfuß, während Mittelklassemodelle zwei einzelne Standfüße haben.

Auch hier sei euch für weitere Informationen ein Blick auf die LG Homepage ans Herz gelegt.

Neben Samsung und LG bietet sich noch Sony an, die eine ähnliche Ausstattung bieten wie LG, aber preislich mit ihrer 2020er Reihe XH90 genau zwischen die beiden Konkurrenten fallen. Einziger Wermutstropfen hier ist, dass die XH90 mit HDMI 2.1 theoretisch 4K/120Hz können SOLLTEN, dieses aber erst nach Start der PS5 per Firmware Update nachgerüstet wird.Sony XH90
Der Sony XH90 – Infos beim Hersteller.

Viele andere TV-Hersteller verwenden heutzutage LG Panels. Hier ist mein Tipp, genau hinzuschauen, ob der Preis über oder unter 1.000€ liegt. Das ist ein Indiz dafür, ob ein OLED- oder LCD-Display verwendet wird. Aus den Datenblättern sollte das immer eindeutig hervorgehen.

Die Wahl eines passenden Fernsehers oder Monitors für die Xbox Series S fällt deutlich einfacher. Die Series S unterstützt 4K Upscaling, was für die meisten Standard 4K TVs ausreicht. Will man die Series S vielleicht als Zweitgerät für das Schlafzimmer oder Kinderzimmer mit kleinerem Display oder zum Streamen über PC, empfiehlt sich ein Monitor mit 1080p und 144Hz.

Zertifizierte HDR Monitore findet ihr hier.

Ich hoffe, mein kleiner Überblick hilft euch ein wenig dabei, euch im Dschungel der Fernseher zurechtzufinden.

Welches Gerät habt ihr zurzeit – und plant ihr eine Neuanschaffung?

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Daniel Heithorn
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Microsoft-Padawan seit MS-DOS 5.0 und Windows 3.1 | Überzeugter Surface, Office 365 und Xbox One X User | Xbox FanFest süchtig | RIP Windows Phone & Microsoft Band 2
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