Wie geht es weiter mit dem Microsoft Store?
Mit der Einführung von Windows Phone 7 im Jahr 2010 eröffnete Microsoft erstmals seinen eigenen App Store. Zwei Jahre später erschien Windows 8, damit setzte der Store zum Sprung auf den Desktop an. Weitere drei Jahre später kam Windows 10 und ab diesem Zeitpunkt versuchte Microsoft den Store als den einen Zugangspunkt für jede Art von Software zu etablieren. Über die Desktop Bridge sollten auch klassische Desktop-Anwendungen den Weg in den Store finden, was tatsächlich bereits in erheblichem Umfang geschehen ist und weiterhin passiert.
In meinem Beitrag Derzeit knapp 70.000 Apps im Microsoft Store hatte ich letzte Woche schon darauf hingewiesen, dass es deutliche Anzeichen dafür gibt, dass Microsoft die Bedeutung des Store neu ausrichtet. Das hat nichts mit dem Ende von Windows 10 Mobile zu tun, dieses Thema ist gedanklich für Microsoft schon lange durch und hat für die derzeitigen Entwicklungen keinerlei Bedeutung mehr.
Der Store wird nicht verschwinden
Meine Andeutung wurde von einigen Nutzern so aufgefasst, dass der Store vor der Schließung stehen könnte. Das wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passieren, es sieht vielmehr so aus, als würde sich Microsoft schlicht und einfach der Realität anpassen. Diese sieht so aus, dass viele Privatanwender den Store ignorieren. Die Wenigsten boykottieren ihn bewusst, aber es ist nun mal so, dass der Großteil der Nutzer von Windows 7 kommt und seine Software mitbringt – ebenso seine Gewohnheiten, wie er diese installiert. Man muss diesen Leuten also erstmal erklären, warum man einen Store braucht.
In Unternehmen geht es noch einen Schritt weiter: Diese haben nämlich die Möglichkeit, den Store zu deaktivieren, und diese Möglichkeit wird rege genutzt. Es gibt zwar den „Microsoft Store for Business“, in dem man die zur Verfügung stehenden Apps exakt reglementieren und den man sogar zur Verteilung eigener Software nutzen kann, aber meist kommt es gar nicht dazu, dass man sich das näher anschaut. Die Migration von Windows 7 auf 10 ist schon anstrengend genug, da tut man sich nicht auch noch neue Baustellen an.
Der Store hat sich insgesamt trotzdem etabliert, viele Nutzer (unter anderem ich) bevorzugen ihn schon alleine deshalb, weil man nicht mehr aktiv nachsehen muss, ob es eine neue Version eines Programms gibt – sie kommt ganz von selbst. Vor allen Dingen kommt der Hinweis darauf nicht im ungünstigsten Moment, nämlich genau dann, wenn man mit dem Programm eigentlich arbeiten möchte.
Microsoft hat fast vier Jahre lang versucht, den Store zu pushen, der erzielte Erfolg steht in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, den man betrieben hat. Dass die Nutzer nicht so richtig darauf anspringen wollen, ist dabei natürlich nur eine Seite der Medaille. Dass der Store bis heute eine technische Großbaustelle mit miserabler Performance ist, war bei diesen Bemühungen ganz sicher nicht hilfreich.
Macht, was ihr wollt
Was den klassischen Desktop-PC angeht, könnte man die neue strategische Bedeutung des Store am besten so umschreiben: Nutzt ihn oder lasst es halt bleiben. Microsoft versucht nicht mehr, Entwickler und Nutzer aktiv in den Store zu treiben. Er ist einer von mehreren Wegen, Software zu installieren – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Was Microsoft fallen lässt, ist also „lediglich“ das Bestreben, welches im ersten Absatz beschrieben ist: Den Store zur heiligen Software-Quelle zu machen, an der niemand vorbei kommt.
MSIX – Segen und Fluch für den Store
Mit dem Windows 10 Oktober Update hat Microsoft ein neues, einheitliches Format für Installationspakete eingeführt, das sowohl für Win32-Applikationen als auch UWPs gilt: MSIX. Version 1809 sollte eigentlich die Mindestvoraussetzung für dieses Paketformat bleiben, weil aber viele Firmen diese Version aus bekannten Gründen überspringen werden, hat man die Kompatibilität mit den Versionen 1803 und 1709 kürzlich nachgerüstet.
MSIX-Pakete können auf vielen Wegen installiert werden: Per System Center Configurations Manager, Microsoft Intune, via PowerShell oder auch ganz klassisch per Doppelklick auf die Datei. MSIX-Pakete können allerdings auch in den Store eingestellt werden (hier bleibt aber Version 1809 das Minimum). Diese universelle Format begünstigt einerseits die Portierung von klassischen Win32-Applikationen in den Microsoft Store, erleichtert andererseits aber auch die Installation an diesem vorbei – auch für Universal Apps. Womit wir wieder beim letzten Absatz sind: Macht doch, was ihr wollt.
Im Grunde passiert beim Store derzeit das, was auch Windows 10 S widerfahren ist: Microsoft ist mit viel Gebrüll losmarschiert und hat sich eine blutige Nase geholt, weil Windows 10 S eben nicht das war, worauf die Windows-Welt gewartet hatte. Nun hat man die Vermarktung eingestellt, lässt den S Modus vor sich hin köcheln und wartet ab, wie sich die Dinge entwickeln. Genau so macht man es nun auch mit dem Microsoft Store. Anders als der S Modus ist der Store allerdings in manchen Situationen wirklich unverzichtbar, und er ist trotz der überschaubaren Akzeptanz inzwischen schlicht zu groß, als dass man ihn einfach schließen könnte.
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- Windows 10
Über den Autor

Martin Geuß
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als 19 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

