Windows 10: Einsicht in Telemetrie-Daten für Insider freigeschaltet

Windows 10: Einsicht in Telemetrie-Daten für Insider freigeschaltet

In der letzten Insider Build für Windows 10 tauchten erstmals Hinweise auf, dass Microsoft plant, den Windows 10-Nutzern Einsicht in die Diagnose-Daten zu gewähren, die während der Nutzung von Windows 10 gesammelt werden. Zusammen mit der aktuellen Insider-Build 17083 hat man den „Windows Diagnostic Data Viewer“ – so der offizielle Name dieser neuen Option – nun freigeschaltet.

Diese neue Datenschutz-Funktion ist Microsoft offenbar sehr wichtig, denn es gab sogar eine deutschsprachige Pressmitteilung dazu, was für Insider-Funktionen eine echte Ausnahme ist. Ich mache daher auch eine und veröffentliche diese Mitteilung hier im Volltext, statt sie mit eigenen Worten wiederzugeben. Ihr sollt ja hören, was Microsoft dazu zu sagen hat.

Am 28. Januar 2018 ist Europäischer Datenschutztag – in Erinnerung an die 1981 an diesem Tag unterzeichnete Europäische Datenschutzkonvention. Das nehmen wir zum Anlass, um den Windows-Insidern eine frühe Vorschau auf den Windows Diagnostic Data Viewer zu geben, der mit der nächsten Version von Windows erscheint.

Unsere moderne, vernetzte Welt dreht sich immer schneller: Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) oder Smart Devices werden immer leistungsfähiger und verändern die Art wie wir leben, lernen und arbeiten. Eine Konstante in diesem steten Wandel bleibt aber unsere Verpflichtung, die Privatsphäre der Menschen zu schützen.

Mit dem Windows Diagnostic Data Viewer verfolgen wir das Ziel, die von Windows-Geräten gesammelten Diagnosedaten und ihre Verwendung transparent zu machen und unseren Nutzern eine bessere Kontrolle über diese Daten zu ermöglichen.

Darüber hinaus ermöglicht das Microsoft-Datenschutz-Dashboard, mehr Daten zu sehen und zu verwalten, die mit einem Microsoft-Konto verknüpft sind. Diese Änderungen sind Teil von größeren Verbesserungen, die wir jetzt und in den kommenden Monaten einführen werden.

Im Detail: Windows Diagnostic Data Viewer
Der Windows Diagnostic Data Viewer, der über den Microsoft Store verfügbar sein wird, ermöglicht einen Einblick in Diagnosedaten von Windows-Geräten und bietet dazu die Option, in diesen Daten zu suchen und damit zu arbeiten. Die im Menü des Viewer dargestellten Diagnosedaten umfassen:

  • Allgemeine Daten wie Name und Version des Betriebssystems, Geräte-ID, Geräteklasse oder die Auswahl der Diagnosestufe,
  • Konfigurationen und Eigenschaften etwa für Peripheriegeräte und Netzwerkverbindungen,
  • Produkt- und Servicedaten zu Gerätestatus, Leistung und Zuverlässigkeit sowie zum Konsum von Audio- und Videodateien. (Wichtig: Diese Funktion ist nicht dazu gedacht, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen!)
  • Daten zur Nutzung von Produkten und Dienstleistungen inklusive Informationen über die Nutzung des Geräts, des Betriebssystems und einzelner Dienste.
  • Software-Setup und Inventarisierung inklusive installierte Anwendungen und Installationshistorie sowie Informationen über Geräte-Updates.

Außerdem wird das Datenschutz-Dashboard aufgebohrt und um eine neue Seite zum Aktivitätsverlauf ergänzt. Diese Daten werden sich später auch exportieren und genauer auswerten lassen.

Ich wiederhole mich bei jedem Artikel zu diesem Thema: Man kann trefflich darüber streiten, in welchem Umfang ein Hersteller überhaupt Daten über seine Kunden sammeln sollte, eine kritische Grundhaltung (nicht zu verwechseln mit Paranoia) ist hier jederzeit angebracht. Ohne nun aber den Anwalt für Microsoft zu spielen, halte ich fest, dass mir derartige Bemühungen um Transparenz und Kontrolle bisher von keinem anderen Hersteller aufgefallen sind. Das führt zu einer paradoxen Situation – nämlich zu jener, dass Microsoft ganz besonders im Fokus steht – und wehe, man findet etwas, was von den öffentlichen Statements abweicht, dann ist der Skandal sofort perfekt. Andere Unternehmen wie Google gehen da wesentlich rabiater vor, und weil Kritik ohnehin aussichtslos ist, werden sie auch von den Medien in Ruhe gelassen. Fragt doch einfach mal in eurem Bekanntenkreis rum, was sie unter Datenschutz-Aspekten für kritischer halten – Android oder Windows 10.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare
  1. Damit hat Microsoft einen ganz dicken Stein bei mir im Brett.
    Es geht dabei eher um Vertrauen als um völlige Kontrolle.
    Die Bemühungen von Microsoft zeigen einfach, dass ich dort sicherer Sein kann als etwa bei Google. Wobei man Apple auch sehr hohe Standards zugestehen muss.
    Wer für mich das in persona repräsentiert ist Brad Smith. Dem Mann muss man zuhören. Ein großer Mann mit Scharfsinn...
    Kann man damit jetzt die Daten einsehen, welche Lokal erhoben werden, bevor sie übermittelt werden? Oder greift man auf einen Cloud-Datenspeicher zu um die bereits übermittelten Daten einzusehen?
    @Setter
    Sollte sich ganz einfach überprüfen lassen, indem man die Netzverbindung kappt und dann probiert die Diagnosedaten einzusehen. Ich denke mal, dass auch die lokalen Diagnosedaten angezeigt werden. Eben so wie es auch der Zuverlässigkeitsverlauf handhabt, der bei noch nicht gesendeten Daten eine temporäre Kopie bereitstellt, die dann zur genaueren Auswertung auch wegkopiert werden kann.
    Microsoft wird wohl, im Hinblick auf das anstehende DSGVO, nichts anderes übrig bleiben, als diese Schritte zu gehen. Denn ansonsten riskieren sie bei Verstößen empfindliche Geldstrafen seitens der EU.
    So positiv sich das auch lesen mag, sollte man dabei aber nicht außer acht lassen, dass das Sammeln und die Weitergabe von Daten der Benutzer heutzutage ein überaus erträgliches Geschäft ist.
    Vor allem die großen DAX-Unternehmen handeln diesbezüglich sicher nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern meistens nur dann, wenn man sie per Gesetz oder durch öffentlichen Druck dazu zwingt.
    Ich bin aber grundsätzlich auch der Meinung, dass MS mit Einführung von Windows 10, in Bezug auf die Nutzerdaten, mehr Transparenz als in den Vorgängerversionen an den Tag gelegt hat.
    Für mich gilt grundsätzlich, dass sich MS in Bezug auf die Datenerhebung aus reinen Gründen zur Produktverbesserung (bei mir) ruhig bedienen kann.

    Wir zensieren nicht, wir moderieren. Das ist ein großer Unterschied. Abgesehen davon kommt bei dir meistens nur ein wilder Rant nach dem nächsten raus, der dann - Entschuldigung - gefühlt ohne jeglichen Sinn und Verstand irgendwo im Nirvana endet und außer "Alles von Microsoft ist die Büchse der Pandora!" bleibt dann nicht mehr viel hängen.
    Tatsache ist, dass die Sammlung von Telemetriedaten bei Microsoft nicht erst seit Windows 10 und schon gar nicht erst seit Windows 7 so stattfindet (ja, auch Windows 7 hat schon gut zugegriffen). Tatsache ist auch, dass Microsoft schon immer seine Ellenbogen gut ausfahren konnte. Wenn einer neben Google damit keine Probleme hat, dann sind es mit Sicherheit die Jungs in Redmond. Eigentlich solltest du auch wissen, dass es utopisch ist, sämtliche Telemetrie und Cloud zu deaktivieren. Dann darfste nicht mehr ins Internet gehen und solltest sowohl Software als auch PC direkt entsorgen. Sowas wie Mails abrufen gehört streng genommen auch schon zur Cloud. Vielleicht solltest du darüber auch mal nachdenken.
    Und nun bitte back 2 topic...
    "Der Windows Diagnostic Data Viewer, der über den Microsoft Store verfügbar sein wird, "
    Wie lächerlich ist das denn? Ein simpler Logfileviewer wird kaum viel Platz brauchen. Der Wechsel von immer mehr in den Store stört mich zudem generell. Bitte alternativ .appx (o.ä.) bereitstellen für Offlinenutzung/Archivierung.
    Wichtig: Diese Funktion ist nicht dazu gedacht, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen!

    Nicht dazu gedacht, kann/wird aber trotzdem dazu genutzt, oder wie ist das zu verstehen? :lol:angel
    fragt doch einfach mal in eurem Bekanntenkreis rum, was sie unter Datenschutz-Aspekten für kritischer halten – Android oder Windows 10.

    Beides übel in der Standardkonfiguration/-Distribution.
    Apps hat man mehr oder weniger selbst in der Hand was man installiert.
    Bei Android sollte man bzgl. Datenschutz am besten eine Version ohne Google Services nehmen, bei Windows 10 Enterprise (LTSB).
    Prinzipiell sollte ein Betriebssystem und seine Programme in der Grundkonfiguration NUR DIE VOM ANWENDER ZUM VERSAND BESTIMMTEN DATEN VERSENDEN.
    Braucht der Hersteller mehr sollte er sein Programm so umschreiben, dass es in der Grundkonfiguration nicht notwendig ist.
    Auf die damit verbundenen Einschränkungen kann er ja hinweisen und dem Anwender eine Datenpreisgabe in jedem einzelnem Bedarfsfall mit genauer Information über den Versand als Wahlmöglichkeit anbieten was auch automatisiert werden kann.
    Derzeit ist es ein zeitaufwändiges Katz und Mausspiel wo der Anwender detektivisch hinter versteckten Datenlecks hinterherlaufen muss sofern er es überhaupt schafft alle Schlupflöcher abzudichten.
    Sollten Programme dann kostenpflichtig werden dann hätten wir wieder den ehrlichen Zustand bevor Dumpinggoogle durch sein kostenloses Android die Datensitten verdarb.
    ntoskrnl
    Wie lächerlich ist das denn? Ein simpler Logfileviewer wird kaum viel Platz brauchen. Der Wechsel von immer mehr in den Store stört mich zudem generell. Bitte alternativ .appx (o.ä.) bereitstellen für Offlinenutzung/Archivierung.

    Sie hätten es auch auf ihre Homepage stellen können, dann hätte ich so kommentiert: Typisch Microsoft, da bieten sie so ein nützliches Tool an, verstecken es aber gleich auf ihrer unübersichtlichen Homepage. Soll wohl gar nicht gefunden werden, sonst hätten sie es ja in den Store gestellt, wo es jeder Nutzer leicht finden kann. Sowas macht nur, wer etwas zu verbergen hat.
    Du siehst mal wieder: Meckern geht immer, es ist ganz leicht ;).
    ntoskrnl

    Wichtig: Diese Funktion ist nicht dazu gedacht, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen!

    Nicht dazu gedacht, kann/wird aber trotzdem dazu genutzt, oder wie ist das zu verstehen? :lol:angel

    Hm, also ich verstehe das so, dass diese Funktion nicht dazu gedacht ist, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen. Aber das ist halt mal wieder wie bei Microsoft typisch total missverständlich formuliert, so dass man es ja quasi falsch verstehen muss. Sie hätten ja einfach sagen können "Diese Funktion ist nicht dazu gedacht, die Seh- oder Hörgewohnheiten der Benutzer zu erfassen!", dann wäre das eindeutig gewesen.
    Die Aussage ist völlig korrekt, da die Zweckentfremdung nicht ausgeschlossen werden kann. Sie ist "nicht dazu gedacht" bedeutet nichts Anderes wie "entspricht nicht der zweckmäßigen Verwendung"
    Hätten sie geschrieben "kann nicht verwendet werden" würde die Aussage vermutlich nicht der Wahrheit entsprechen.
    Da muss man auch nichts unnötig hineininterpretieren. Das Book ist ja auch nicht dazu gedacht als Schneidunterlage zu dienen könnte dafür dennoch Zweckentfremdet werden.
    @Martin
    Der Viewer muß nicht mehr als ein wenig Text anzeigen. Daher auch mein Hauptkritikpunkt: Warum wird der nicht mitgeliefert?
    Zusätzlich im Store ist ja ok, nur das ausschließliche mißfallt mir ziemlich.
    @ntoskrnl
    Der Diagnostic Data Viewer ermöglicht letztlich nur eine bequeme Einsicht in die Telemetriedaten für den Nutzer - nicht den exklusiven Einblick! Und darin liegt auch der Unterschied. Der interessierte Nutzer kann diese auch jetzt schon einsehen, wenn er das unbedingt möchte.
    Dazu hatte ich an anderer Stelle schon mal angemerkt, dass die Telemetriedaten ohnehin schon einsehbar in %localappdata%\temp, C:\Windows\Temp und in C:\Windows\LiveKernelReports vorliegen. Ausserdem kommen die Speicherdumps aus C:\Windows, C:\Windows\Minidump und die Daten aus C:\ProgramData\Microsoft\Windows\WER zum Tragen.
    Geheime Daten gibt es dabei keine! Denn ausser den Speicherdumps liegen alle anderen Dateien im Xml oder sogar Textformat vor. Von daher ist der Diagnostic Data Viewer eine etwas bequemere Möglichkeit, aber kein Programm, das erst den exklusiven Einblick in die Daten ermöglicht.
    Ich kann die Berichte einsehen, bevor sie versendet werden. Warum schafft das sonst keiner, wenn diese Daten doch einsehbar vorliegen? Mir wachsen ja auch nicht gerade Bäume oder Gras aus der Tasche, von daher müsstet doch auch Ihr in der Lage sein, diese Daten einzusehen, um zu sehen was Windows da versendet. Deshalb unterscheidet Windows doch in C:\ProgramData\Microsoft\Windows\WER sogar zwischen "ReportArchive" und "ReportQueue". Und einsehbar ist das in jedem Fall auch, bevor es gesendet wird!
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