Windows 10: Microsoft hat ein internes Kommunikationsproblem

Windows 10: Microsoft hat ein internes Kommunikationsproblem

Am vergangenen Freitag war Sommeranfang. Ein Datum, welches in der Technikwelt keine besondere Bedeutung hat. Es sei denn, jemand hat etwas „für den Frühling“ in Aussicht gestellt. Und der ist ja nun vorbei.

Im Laufe des Frühlings würde man damit beginnen, das Herbst-Update „19H2“ für Windows 10 mit den Insidern zu testen, so hatte es unter anderem Brandon LeBlanc von Microsofts Insider-Team versprochen. Das ist nicht passiert, was einige Kollegen der schreibenden Zunft zu der überaus richtigen Feststellung animierte, dass Microsoft seine Zusage nicht eingehalten hat.

Bei dieser Gelegenheit wurde einmal mehr Microsofts oft sehr unglückliche Art der Kommunikation kritisiert, und LeBlanc goss noch etwas Öl ins Feuer, als er auf Twitter schrieb, Microsofts Definition von Frühling müsse ja nicht unbedingt dem kalendarischen entsprechen – autsch.

Ich hätte ihm zugetraut, dass er das ganz bewusst zynisch formuliert hat, um einen Giftpfeil innerhalb des eigenen Campus zu verschießen, in weiteren Tweets verteidigte er aber das Vorgehen, weigerte sich, von einer „Verzögerung“ zu sprechen und betonte mehrfach: Die Insider-Versionen kommen, wenn man soweit sei.

Es ist durchaus bewundernswert, dass er sich selbst damit auf Twitter zur Zielscheibe macht, wo er selbst doch überhaupt nichts dafür kann. Der Grund, warum er keine besseren Informationen liefern kann, ist nämlich ein ganz einfacher: Er hat selbst keine.

So Mancher erinnert sich vielleicht noch an die Zeit, in der Steven Sinofsky die Windows-Entwicklung leitete. Er schottete seine Abteilung in alle Richtungen ab und kooperierte intern mit keinem anderen Bereich. Am Ende dieser Entwicklung stand Windows 8 und Sinofsky wurde gefeuert.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass derartige Eigenbrötelei in der neuen Unternehmenskultur von Microsoft noch einmal ein Comeback feiern kann, aber was Windows betrifft, sind wir wieder an diesem Punkt angelangt. Seit die Windows-Entwicklung ein Unterpunkt in Scott Guthries großer Cloud- und Plattformwelt ist, kochen die Entwickler dort ihr eigenes Süppchen. Das Insider-Team um Dona Sarkar, welches im Rahmen der Neuorganisation zunächst unter Scott Guthrie platziert wurde, hat man schnell wieder in den Bereich „User Experience“ unter Joe Belfiore abgeschoben.

Das Windows Insider Programm kann dann auch weg schrieb ich im Oktober in einem Kommentar, obwohl ich damals noch nicht wusste, wie konsequent die dort arbeitenden Personen künftig vom Informationsfluss abgeschnitten werden – von einer Mitsprache ganz zu schweigen. Ich weiß aus internen Quellen, dass die Meinungen über das Windows Insider Team zwischen Mitleid und Belustigung schwanken. Die quasi einzig verbliebene Aufgabe dieser Leute ist es, die Blogposts zu den Insider Builds zu schreiben und die Insider bei Laune zu halten, damit weiter fleißig Telemetriedaten fließen, die für das Auffinden von Fehlern während der Entwicklung wichtig sind. Wann eine neue Insider Build erscheint und was drin steckt, erfahren die Leute um Dona Sarkar nicht sehr viel früher als die Insider selbst. Einen Einfluss auf Inhalte und Termine haben sie nicht.

Ich bin gespannt, wie lange sich dieser Zustand noch halten lässt. Für Windows 10 selbst scheint das aktuell gar nicht das Schlechteste zu sein, seit dem Oktober Update geht es qualitativ eindeutig aufwärts. Das Insider Programm aber verliert immer mehr an Wert, denn „Insider-Infos“ hat man von dort nicht mehr zu erwarten. Folgt man den Tweets von Dona Sarkar, scheint sie sich ohnehin längst mit anderen Themen zu beschäftigen, sie drängt es ganz offensichtlich wieder zurück in die Entwickler-Community.

In einer knappen Woche endet das Geschäftsjahr von Microsoft, da werden viele Weichen neu gestellt. Es ist zu hoffen, dass sich dann auch beim Insider Programm etwas tut, in welche Richtung auch immer. Jede Veränderung wäre automatisch eine Verbesserung.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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