Windows 10 on ARM vom Wochenende: Benchmarks vs Marketing

Windows 10 on ARM vom Wochenende: Benchmarks vs Marketing

Über Windows 10 on ARM wird in den letzten Wochen und Monaten fleißig diskutiert. Das ist schön, endlich gibt es mal wieder etwas wirklich Neues, über das man sprechen kann, wenn ich mir auch wünschen würde, dass diese Diskussionen etwas differenzierter geführt würden und man sich weniger fragt, was die erste Generation dieser Geräte kann, sondern den Blick eher in die Zukunft richtet. Regelmäßigen Lesern ist meine Meinung zum Thema sicher hinlänglich bekannt, alle anderen erhalten erneut meine Einladung zur Änderung des Blickwinkels.

Natürlich verschlinge ich jeden Info-Schnipsel zu Windows 10 on ARM. Was ich für lesenswert und relevant erachte, kommt in mein persönliches Informationsarchiv. Zwei Dinge, die am Wochenende die Runde machten, gehören allerdings nur bedingt dazu.

Da wäre zum Einen ein äußerst ausführlicher Benchmark, den Techspot durchgeführt hat, hier wurde das HP Envy x2 mit Snapdragon 835 gegen das Chuwi LapBook Air mit Intel Celeron N3450 verglichen. In den allermeisten synthetischen Benchmarks gewinnt der Intel- gegen den Qualcomm-Chip. Das verwundert mich nicht weiter, ich bin mir zudem nicht mal sicher, ob die verwendeten Benchmark-Tools überhaupt schon angepasst wurden, um die ARM-CPUs korrekt zu unterstützen. Sei’s drum, synthetische Benchmarks sind für mich generell unwichtig. Interessant für Leute, die gerne Zahlen vergleichen, Praxisrelevanz haben solche Tests eher selten.

Durchaus interessant wird es jedoch im Bereich der x86-Emulation. Der Autor schreibt, dass  seine „gefühlte Experience“ besser war als die nackten Testergebnisse, er schreibt aber auch, dass die Performance der emulierten Anwendungen generell so schlecht wäre, dass man sie wohl nur selten benutzen wird. Das gibt mir durchaus zu denken, dennoch bleibe ich dabei: Ich werde erst eine Wertung abgeben, wenn ich ausführliche eigene Erfahrungen habe.

Das nativ besser ist als emuliert, sollte nicht verwundern. Dass der Unterschied zwischen Edge (nativ) und Chrome (emuliert) so derart riesig ist, hätte ich allerdings dennoch nicht erwartet:

Benchmark: Windows 10 on ARM

Ob das Rendern eines komplexen Bildes mit Photoshop, welches einen aktuellen Core i7 schon 30 Sekunden beschäftigt, auf einem Celeron N3450 vier Minuten und auf einem Snapdragon 835 eine Viertelstunde dauert, halte ich dagegen schon wieder für weniger interessant, weil es auf der Hand liegt, dass die Geräte für derartige Zwecke generell ungeeignet sind.

In einem Punkt stimme ich mit dem Autor allerdings überein: Leistung ist ein wichtiges Kaufargument, daher werden die ARM-Geräte auf Dauer nur eine Chance haben, wenn sie entweder deutlich an Performance zulegen oder preislich sehr viel attraktiver werden. Die Leistung ist dabei allerdings viel entscheidender, daher wird es weniger darauf ankommen, ob die Emulation weiter optimiert wird, sondern eher darauf, ob die Entwickler in Zukunft ihre Apps verstärkt nativ für Windows on ARM kompilieren. Da, wo das der Fall ist, liegen die Plattformen schon jetzt gleichauf.

Neue Videoclips von Qualcomm

In ein paar neuen Werbe-Clips betont Qualcomm die Vorteile von Windows on ARM, die wir ja allerdings schon kennen: Lange Akkulaufzeit, schnelle Einsatzbereitschaft, wenig Wärmeentwicklung. Ich sehe darin deshalb auch weniger eine „Antwort“ auf die ersten Reviews, sondern einfach nur ganz reguläres Marketing. Darauf gebe ich übrigens ebenso wenig wie auf Benchmarks (via MSPU).

Artikel im Forum diskutieren (39)

Über den Autor
Martin Geuß
  • Martin Geuß auf Facebook
  • Martin Geuß auf Twitter
Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
Nach oben