Wir basteln uns einen Podcast: Ein Erfahrungsaustausch vom Einsteiger für Einsteiger

Wir basteln uns einen Podcast: Ein Erfahrungsaustausch vom Einsteiger für Einsteiger

Es ist ein neues Jahrzehnt angebrochen, welches turbulenter beginnt als jene, welche ich bereits miterleben durfte. Gerade in der jetzigen Zeit sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern mit persönlichen Vorsätzen diese schwierige Zeit meistern. Uns allen ist bewusst, dass solche Vorsätze zur Selbstentwicklung meist von kurzer Dauer sind. Aus diesem Grund sollte man lieber früher als später mit der Umsetzung und Selbstüberwindung beginnen.

Ich wollte beispielsweise schon immer mal ausprobieren, wie man ohne Kosten einen Podcast produziert, hostet und unter die Leute bringen kann. Also frisch ans Werk: Wir bauen uns heute unseren eigenen, ersten Podcast!

Motivation und Idee

Alle kleinen Projekte haben eine gemeinsam: Egal, ob es um eine App oder um einen Podcast oder worum auch immer geht. Zu allererst braucht man eine Motivation, um eine Idee für das Ganze zu finden.

Bei mir war es die Motivation, trotz meiner Einschränkung durch einen Sprachfehler, mich zu trauen, öffentlich zu reden. Ich habe dies über Jahrzehnte sehr oft vermieden, obwohl ich dies oft gerne tun wollte.

Aus diesem Grund will ich über meinen eigenen Schatten springen, mich aus meiner bequemen Komfortzone rausschälen und genau das ausprobieren, wovor ich sehr lange zurückgeschreckt bin.

Hieraus entstand meine Idee, dass ich meinen vermeintlichen Fehler in ein mehr oder weniger einzigartiges Feature (it’s not a bug, it’s a feature) verwandle. In meinem eigenen Podcast rede ich über das Stottern. Mit Erfahrungen aus erster Hand – beziehungsweise aus erstem Mund.

Somit steht für mein Podcast der Name „La-La-Laber doch“ sowie die Inhalte für die ersten wenigen Episoden fest.

Ein Muss: Keine Einstiegshürden

Wie auch in meinen anderen Beiträgen möchte ich die Einstiegshürden für Interessierte an dem jeweiligen Thema so niedrig wie möglich halten. Somit achte ich auch bei diesem Beitrag darauf, dass keine Kosten anfallen und man so viel wie möglich mit geringem Aufwand und Wissen nachahmen kann. Auf der anderen Seite bedeutet dieses Vorgehen jedoch auch, dass wenn man Gefallen am Podcasten findet und es über das Experimentieren hinaus geht, man eine andere Arbeitsweise an den Tag legen müsste. In diesem Fall tut man dies dann sicherlich gewiss sehr gern.

Des Weiteren beschränken wir uns in diesem Artikel auf Software für Windows 10. Für macOS oder auch für die Produktion mittels iOS würde ich manche Entscheidungen anders treffen.

Hinweis

Die folgenden Inhalte sind kein „So wird’s gemacht“-Guide. Ich will euch lediglich einen möglichen Weg zu eurem ersten Podcast aufzeigen. Vom Einsteiger für Einsteiger sozusagen. Über weitere Tipps und Erfahrungsaustausch würde ich mich in Form von Kommentaren unterhalb dieses Beitrages freuen.

Wichtige Kleinigkeiten

Oft denkt man an die großen Aufgaben, welche im Wege stehen. Derweil sorgen oft die kleinen Tasks für Verzögerungen im Experiment. So sei hier an die in späteren Arbeitsschritten benötigten Grafiken, die Namensfindung oder die Gestaltung eines Logos für den Podcast erinnert, oder dass man bei verwendeten Fremdinhalten für Jingles, Hintergrundgeräusche und Co. penibel auf die Lizenz achten muss, unter welcher die Inhalte veröffentlicht wurden. Auch beim Names des eigenen Podcasts muss darauf geachtet werden, keine unerlaubten Wörter oder Referenzen auf eventuell geschützte Marken zu verwenden.

Ein Programmtipp zur Erstellung von grafischen Assets unter Windows 10 ist das in einer kostenfreien Version verfügbare Paint.NET (Store). Bei der Erstellung des Logos sollten die von der jeweiligen Verteilungsplattform geforderten Richtwerte eingehalten werden. So empfiehlt sich, wenn man in das Apple Podcast Verzeichnis aufgenommen werden möchte, eine quadratische Bildgröße von 1.500 Bildpunkten.

Grobe Planung des Inhaltes

Je nachdem, was für eine Art von Podcast man machen möchte, empfiehlt es sich, eine mehr oder weniger grobe Inhaltsangabe für einen selbst als auch für etwaige Shownotes für die Episode anzufertigen.

Microsoft OneNote Podcast Notes

In meinem Fall nutze ich hierfür, wie so oft, Microsoft OneNote mit einer Liste von Stichpunkten, welche ich pro Folge abhandeln möchte. Das kann auch dabei dienlich sein, den „roten Faden“ nicht zu verlieren. Im Nachhinein muss ich feststellen, dieser Faden war bei mir manchmal mehr als nur gerissen. Man lernt eben viel mit der Zeit.

Aufnahme: Hardware

Für den Anfang genügt zur Aufnahme der eigenen Stimme ein gutes Headset, welches man eventuell schon besitzt. Kabellose Headsets können allerdings, auch wenn diese eine wunderbare Klangwiedergabe haben, bei Audioaufnahmen sehr unbefriedigende Ergebnisse liefern. Um dies zu testen, genügt es bereits, mit Windows 10 eigenen App „Sprachrekorder“ Beispielsätze einzusprechen und anschließend abzuhören.

Bei meinem Experiment nutze ich das preiswerte, für mich dennoch völlig ausreichendes Nieren-Kondensator Mikrofon Blue Snowball.

Aufnahme: Software

Unter Windows 10 gibt es eine große Auswahl an Programmen für Audioaufzeichnungen. Der integrierte Sprachrekorder ist allerdings nicht zu empfehlen, da dieser das Dateiformat *.m4a produziert und das Bearbeiten der Aufnahme im Nachgang erschweren könnte.

Ich persönlich verwende das sehr weit verbreitete und kostenfreie OpenSource Programm Audacity. Die Oberfläche mag bei den ersten Gehversuchen etwas verwirren, jedoch gewöhnt man sich an diese recht schnell. Man benötigt nur eine kleine Teilmenge der integrierten Funktionalität, welche man recht schnell zu überblicken lernt. Falls man dennoch Hilfe benötigt, gibt es unter anderem das sehr gut gepflegte und umfangreiche Audacity Wiki. Auch eine deutsches Hilfeforum steht zur Verfügung.

Podcast Audacity auf Windows 10

Mit Audacity könnt ihr nicht nur eure Sprache aufnehmen, sondern auch schneiden und eure Stimme mit anderen Tonspuren wie beispielsweise Hintergrundmusik, Effekten und Intros zusammenbringen.

Des Weiteren ermöglicht euch das Programm , die Lautstärke anzugleichen, sodass euer Podcast nicht einmal zu leise und dann wieder zu laut ist. Ansonsten vermag Audacity noch viel mehr zu leisten, was man davon benötigt und wie tief man sich einzuarbeiten bereit ist, muss jede/r für sich entscheiden.

Für einen Podcast, vor allem dann, wenn nur eine Person beteiligt ist, genügt meiner Meinung nach eine aus allen Spuren resultierende fertige Mono-Version der Aufnahme.

Auphonic – automatisches Nachbearbeiten und Verteilen

Jetzt ist die Podcast Episode geschnitten und eigentlich fertig. Eigentlich – denn etwas Feinschliff tut jeder Audiodatei gut. Hierbei kann der quasi-Standard in der Szene, der österreichische Webdienst Auphonic, weiterhelfen.

Dieser Dienst wendet auf eure hochgeladene Episode neben einem wirklich intelligenten Audio-Kompressor (Wiki) eine Angleichung der Lautstärke über die ganze Audiodatei an, außerdem filtert es sehr gut Nebengeräusche wie Mikrofonbrummen oder, wie ich merkte, auch unbeabsichtigtes Schmatzen meinerseits heraus.

Für unser Experiment bietet Auphonic eine kostenlose Version des Dienstes an. Hierbei sind 120 Minuten Processing-Time enthalten. Falls man mehr benötigt, kann man ein monatliches Abonnement abschließen, oder man kauft eine Art Prepaid-Guthaben für Processing-Minuten.

Auphonic Podcast Episode Bearbeitungsseite

Auphonic bietet ebenfalls an, die durch den Dienst verbesserte und mit Metadaten angereicherte Audiodatei zu verschiedenen Hostern automatisch zu übertragen. Dies spart dem Podcaster lästige Arbeit, bei welcher man die Datei von Dienst A herunterlädt und bei Dienst B und C oder D wieder hochladen und mit Informationen füttern muss.

Natürlich ist es klug, jeden automatisch befüllten Kanal für die Ausspielung noch einmal gegenzuprüfen, um etwaige Fehler noch vor der Veröffentlichung zu beheben.

In meinem Fall überträgt Auphonic meine Datei zu SoundCloud und zu YouTube. Bei Letzterem wird das Coverbild der Podcast Episode als Standbild angezeigt, so lange die Folge abspielt.

Hoster – Speicherplatz für den Podcast

Damit interessierte Hörer auf den Podcast und dessen Folgen zugreifen können, müssen diese im Web verfügbar sein. Obwohl dies auch mit viel Handarbeit mit Microsoft OneDrive funktionieren könnte, empfehle ich einen Dienst zu nutzen, welcher darauf mehr oder weniger spezialisiert ist. Der ehemals aus Berlin stammende und auf Audiodateien spezialisierte Hoster SoundCloud (Wiki) bietet von vornherein die Unterstützung für Podcasts an. Die kostenlose Version des Dienstes bietet Speicherplatz für drei Stunden Audio. Dies sollte für das Ausprobieren, ob einem das Podcasten Spaß macht, mehr als ausreichen.

Podcast SoundCloud Seite

Neben dem reinen Hosten der Dateien und der Bereitstellung des passenden RSS-Feeds für den Podcast bietet SoundCloud auch unter anderem einen integrierten Player, rudimentäre Statistiken als auch ein „Like“- und Kommentarsystem an.

Ausspielen

Generell ist das Tolle an traditionellen Podcasts, dass diese nun ohne weiteres Zutun über den jeweiligen RSS-Feed des Hosters von potenziellen Hörern abonniert werden können. Kein Mittelsmann, kein Nutzertracking und keine ungewollte Werbung stehen dem Hörgenuss im Wege.

Damit jedoch der Podcast von (mehr) Menschen gefunden werden kann, ist es zu überlegen, ob man diesen beispielsweise bei der Nummer 1, was Verzeichnisse anbelangt, Apple oder auch bei dem etwas umstrittenen Neuling in der Podcast Landschaft Spotify hinterlegen möchte.

Da mein Podcast wie beschrieben ein Experiment ist und man hierbei gerne alles einmal kennen lernen möchte, entschied ich mich für beide Plattformen.

Apple Podcast Connect

Sowohl bei Apple als auch bei Spotify genügt hierfür ein Konto auf der jeweiligen Plattform und ein Link zum RSS-Feed des jeweiligen Hosters. Bei Apple findet anschließend noch eine menschliche Kontrolle statt, daher kann es einige Tage dauern, bis der neue Podcast in das Verzeichnis aufgenommen oder eben abgelehnt wurde. Bei Spotify ist dies in wenigen Stunden erledigt, jedoch scheint es hier keine Kontrolle der Neueinträge in Persona zu geben.

Beide Dienste bieten vor der Einreichung eine Validation des RSS-Feeds an, um dem Neuling die groben Schnitzer in den Metadaten oder generell in der Struktur der Feeds schon vor der Wartezeit aufzuzeigen. Einen unabhängigen Feed-Validator bietet hierfür podba.se an.

Warten und sich freuen

Schlussendlich heißt es nur noch Warten, bis der eigene Podcast auf allen ausgewählten Plattformen zu finden ist. Schließlich kann man sich nun darüber freuen, einen eigenen Podcast zu besitzen und eine Idee von Anfang bis Ende durchgezogen zu haben.

Anchor – der bequeme goldene Käfig

Wem diese Schritte alle zu viel oder zu komplex sind und trotzdem Lust hat, einen Podcast zu erstellen, der kann sich auch anchor.fm ansehen. Dieser kürzlich von Spotify übernommene Dienst bietet alles aus einer Hand. Von der Aufnahme über Bearbeitung und Hintergrundmusik hin zur Verteilung an die üblichen Abspielplattformen bietet Anchor alle Funktionen innerhalb einer gut gestalteten App.

Allerdings hat man hier keine Chance, beispielsweise seinen eigenen Apple Podcast Account zu verwenden oder Podcasts außerhalb der von Anchor vorgegebenen Wege zu verteilen.

Dies ist wie so Vieles pure Geschmacksache. Ich persönlich bin gern Herr über die von mir erstellten Medien und nutze somit diesen Dienst nicht.

Eines sollte man nicht vergessen

Eines sollte man beim Experimentieren mit Podcasts nicht vergessen. Man stellt Inhalte öffentlich ins Internet, welche von jedermann angehört werden können. Leider ist das moderne weltweite Netz nicht nur angefüllt mit wohlwollenden Menschen, sondern es treiben sich auch Trolle herum, welche sich einen Spaß daraus machen, die Leistungen anderer herabzuwürdigen. Falls dies passiert: Freut euch! Jemand hat euren Podcast gefunden und sich extra ein Trolling überlegt!

Spotify Podcast Seite

Des Weiteren vergesst bitte nicht: Es soll euch Spaß machen. Dass bei eurem Podcast das nächste Fest & Flauschig herauskommt, ist ziemlich unwahrscheinlich. Deswegen zieht es durch, weil es euch Spaß und Freude bringt, sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen.

Frage an die Community

Wovon würde euer Podcast handeln? Was wäre das Thema, über das ihr schon immer mal gerne in der Öffentlichkeit sprechen würdet? Habt ihr Tipps für Neulinge oder andere hilfreiche Ideen? Lasst uns in den Kommentaren darüber austauschen und gemeinsam jedem ermöglichen, kreativ tätig zu werden.

Über den Autor
Tobias Scholze
  • Tobias Scholze auf Facebook
  • Tobias Scholze auf Twitter
  • E-Mail an Tobias Scholze
Bayrischer Open Source- und Community-Enthusiast, Verfechter des neuen Microsoft und Wandler zwischen den Betriebssystemwelten. #communityrocks Von Herzen ein Nerd mit der festen Überzeugung, dass man gemeinsam und durch den Einsatz von moderner IT die Welt für jeden ein Stückchen besser machen kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.



Kommentare

  1. @Tobias Scholze, was die Motivation angeht, hab ich ein ähnliches Problem wie du, also einen kleinen Sprachfehler.
    Mein Podcast würde entweder über
    Computerspiele
    Betriebssysteme
    oder über (schwer zu erklären das letzte Thema, deswegen mit Spruch) ,,Charakter ist wichtiger als Aussehen"
    Hi Tobias. Ich hab jetzt zwar noch nicht alle Podcasts von dir angehört, aber ich finde es super was du machst und dass du es machst! Ich finde, du hast auch eine sehr angenehme Stimme zum zuhören. Bitte bleib dabei und mach weiter (solange du Spaß und Freude daran hast)
    Ich starte mal im "Besserwisser-Modus":
    Das ist falsch. Das neue Jahrzehnt beginnt am 1. Januar 2021
    Ist aber nicht so wichtig.
    Danke Baum und Leope für eure warmen Worte :)
    Ernst, joa, es klingt einfach besser - und 2020 hat irgendwas für sich als Zahl.
Nach oben