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Windows on ARM: Das lange Warten auf Qualcomms großen Wurf

Windows on ARM: Das lange Warten auf Qualcomms großen Wurf

Mit neuen Prozessoren will Qualcomm in höhere Leistungsbereiche vorstoßen und damit aus Windows on ARM eine gleichwertige Alternative zu x86 machen. Die Versprechen wurden in der Vergangenheit immer vollmundiger, die Aussicht auf deren Realisierung rückt indes immer weiter nach hinten.

Im Frühjahr 2021 hat Qualcomm das Startup Nuvia übernommen. Zu deren Gründern gehörten auch diverse ehemalige Apple-Leute, die an der Grundsteinlegung des Apple M1 beteiligt waren, der die unbestrittene Referenz im ARM-Segment ist. Mit dem eingekauften KnowHow wollte Qualcomm bis Ende 2022 eigene CPUs entwickeln, die es mit Apple aufnehmen können, 2023 sollten die ersten Geräte folgen.

Diese Zeitpläne haben sich inzwischen um ein Jahr nach hinten verschoben, außerdem schwebt über dem gesamten Vorhaben das Damoklesschwert einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit ARM. Es geht dabei um die Frage, ob Qualcomm durch die Übernahme von Nuvia auch deren ARM-Lizenzen eingekauft hat. Am Ende geht es hier zwar nur um Geld, die Zeitpläne könnten dadurch aber erneut ins Wanken geraten.

Ein Twitter-Leak (via WindowsCentral) verrät, dass Qualcomms kommender Desktop-Chip mit dem Codenamen Hamoa über 12 Kerne verfügen soll, davon acht Performance- und vier Effizienz-Kerne. Außerdem soll dieser neue Prozessor die Unterstützung für eine diskrete GPU beinhalten, was nochmals eine enorme Leistungssteigerung erahnen lässt. Weiterhin ist vom Jahr 2024 die Rede, in dem entsprechende Geräte auf den Markt kommen sollen.

Wenn über Windows on ARM diskutiert wird, dann dauert es meist nicht lange, bis jemand auf Apples M1 verweist. Das ist einerseits vollkommen nachvollziehbar, andererseits aber auch am Thema vorbei, denn es geht hier nicht um ein Rennen zwischen Microsoft und Apple. Apple setzt exklusiv auf ARM, für Windows ist es eine Option, das ist ein entscheidender Unterschied. Ein „Prestigeerfolg“ wäre dennoch wichtig, um beispielsweise auch die nach wie vor zögerliche Entwicklergemeinde zu animieren, ihre Applikationen für ARM zu optimieren.

Durch die Verspätung bei Qualcomm droht außerdem ein Vakuum zu entstehen. Die Windows-Fähigkeit der Snapdragon-CPUs wurde in Erwartung der neuen Desktop-Chips nicht mehr vorangetrieben, mit der dritten Generation des Snapdragon 8cx dürften die Möglichkeiten vorerst ausgereizt sein, wenn da nicht noch ein Zwischenschritt eingeschoben wird.

Das ist vor allen Dingen deshalb bedauerlich, weil sich abzeichnet, das mit der Gen 3 des 8cx „Alltagstauglichkeit“ erreicht wurde. Ich nutze das Windows Dev Kit nach wie vor für meine alltägliche Arbeit und mein „großer PC“ ist seit Tagen nicht gelaufen. In den kommenden Tagen wird außerdem das Surface Pro 9 5G zum Test bei mir eintreffen und dann wird sich zeigen, ob das ebenso mithalten kann. Windows on ARM könnte leistungsmäßig „angekommen“ sein, aber ob sich damit die Zeit bis 2024 überbrücken lässt?

Ich höre in den entsprechenden Diskussionen außerdem immer wieder Zweifel, wie lange Microsoft denn wohl an Windows on ARM festhalten wird. Nun, ich bin kein Prophet, aber es sollte mich sehr wundern, wenn Microsoft hier den Stecker zieht. Zu groß ist das Potenzial, das in der ARM-Architektur steckt, und wenn sie sich am Ende als ebenbürtige Alternative etabliert, dann wird es letztlich auch egal sein, wie lange es bis dahin gedauert hat. Die Tatsache, dass Windows on ARM seit sechs Jahren existiert, unterstreicht zwar einerseits, dass zu wenig passiert und dass es zu lange dauert, andererseits hat Microsoft damit seine Ausdauer und Geduld mit der Plattform in gewisser Weise bereits bewiesen.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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