Windows on ARM: Snapdragon 8c und 7c zielen auf die Mittelklasse ab 500 Dollar

Windows on ARM: Snapdragon 8c und 7c zielen auf die Mittelklasse ab 500 Dollar

Auf Hawaii ging gestern der Qualcomm Tech Summit zu Ende. Er brachte mit dem Snapdragon 865 den obligatorischen jährlichen Aufguss für Smartphone-CPUs, mein Interesse galt allerdings hauptsächlich dem dritten Tag.

An diesem hatte Qualcomm im letzten Jahr nämlich den Snapdragon 8cx vorgestellt, die erste ARM-CPU, die speziell für den Einsatz in Windows-PCs konzipiert ist.

Ganz ehrlich: Im Vorfeld hatte ich den Gedanken, dass es das Surface Pro X nach diesem Event in jedem Fall schwer haben würde. Entweder präsentiert Qualcomm überhaupt keine neuen PC-Chips, dann ist Windows on ARM gestorben, oder aber sie präsentieren den Nachfolger des 8cx, dann wird das darauf basierende Surface Pro X direkt zum Auslaufmodell.

Stattdessen hat Qualcomm aber nun gleich zwei neue ARM-Chips für den Einsatz in PCs vorgestellt, die sich unterhalb des 8cx ansiedeln. Damit will man in die Mittelklasse vordringen und Windows on ARM-PCs ab 500 Dollar ermöglichen.

Für die Einstiegs- und Mittelklasse ist der Snapdragon 7c vorgesehen. Er ist in 8nm gefertigt, bietet acht Kerne mit einem Takt von maximal 2,45 Ghz und wird vom Adrena 618 Grafikchip unterstützt. Die damit ausgestatteten PCs arbeiten gewohnt lüfterlos, unterstützen 4k HDR Grafik und haben selbstverständlich LTE an Bord. Qualcomm behauptet in der Ankündigung, entsprechende Geräte böten im Vergleich zu heutigen PCs der Einstiegsklasse 20 Prozent mehr Leistung und die doppelte Akkulaufzeit.

Der zweite vorgestellte Chip ist der Snapdragon 8c. Wie der Name schon sagt, handelt es sich dabei um eine augenscheinlich abgespeckte Version des 8cx. Ich persönlich glaube, dass es sich hier um eine Art „Marketing-Trick“ handelt und der tatsächliche Leistungsunterschied gar nicht so groß ist. Statt den 8cx billiger zu verkaufen und sich den Preispunkt damit nachhaltig zu zerstören, bringt man eine billigere Version.

Der Snapdragon 7c ist eindeutig der spannendere Chip, könnte er doch endlich das bringen, was viele Nutzer seit der Vorstellung von Windows on ARM gefordert haben: Günstige Geräte. Die oben genannten Versprechen bezüglich Leistung und Laufzeit sind sicherlich übertrieben und ohnehin nur mit nativer ARM-Software einlösbar, wir sprechen hier aber über eine Preisklasse, in der es die Nutzer absolut gewohnt sind, Kompromisse zu machen. Die zweifellos vorhandenen Stärken der ARM-Plattform könnten da viel besser zur Geltung kommen, weil die Schwächen im Gegenzug nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Eine Hürde müssen beide neuen Chips nehmen: Es muss sich ein Hersteller finden, der sie verbaut. Der Snapdragon 8cx hat genau einen Abnehmer gefunden, nämlich Microsoft. Der 8cx steckt leicht modifiziert unter dem Namen Microsoft SQ1 im Surface Pro X. Das Samsung Galaxy Book S wurde schon vor dem Start wieder gestrichen und wird nun im kommenden Jahr mit Intel-Prozessor auf den Markt kommen.

Vielleicht finden sich mit dem Snapdragon 7c/8c mehr Hersteller, die bereit sind, einen Versuch mit Windows on ARM zu wagen.

Snapdragon 7c Datenblatt

Snapdragon 8c Datenblatt

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare

  1. Ich hatte da viel Hoffnung das ARM etwas gutes wird. Aber es ist einfach zu teuer. Schwächere Hardware um Geld zu sparen? Kein Grund von Intel zu wechseln. Da hab ich alle Programme ohne Einschränkung. Da warte ich gern paar Sekunden nach dem aufklappen bis das Notebook bereit ist.
    Wäre sehr zu begrüßen, wenn die Hersteller hier Geräte mit Windows 10 ARM 64 Desktop herausbrächten. Preislich bei um die max. 400 € angesiedelt, wäre passend.
    Sage ich schon die ganze Zeit. Als NUC-ähnliche "Schreibmaschine" für typisches Office- Behördengeräte hätten sie es zuerst bringen sollen. Da kann es reifen und es hätten nur wenige gemerkt.
    Warum nicht mal ein PC Stick. Dürfte ja 4K und HDR unterstützen und wäre dementsprechend gut für den TV geeignet.
    Persönlich spricht mich ja vor allem die Laufzeit bei WoA an. Die in einem dünnen Tablet und mit Stiftunterstützung und es ist ein ideales digitales Notizbuch. Andererseits bekommt man das iPad auch immer wieder mal um die 300€.
    Die ComputeSticks sind zwar eine gute Idee, kommen aber nicht gut an. Ob da ein ARM unter 300€ zu realisieren ist? Mit m3 bekommt man die schon unter 300€
    @Stefan:
    Wie du schon sagst: bei Windows on Arm geht es um die stromsparende Laufzeit und eventuell LTE.
    Keine dieser Eigenschaften kommen mir bei einem Computestick besonders sinnvoll vor (insbesondere wenn man ihn in einen Fernseher steckt, über dessen USB-Port er Strom erhält und wo in der Regel WLAN verfügbar is), insbesondere nicht in Anbetracht der massiven Software-Kompatibilitätseinbußen.
    Ich denke mal, ARM mit Snapdragon und Co wird der nächste Trend bei Laptops, er besitzt genau die Eigenschaften, die die Hersteller brauchen. Er ist klein, wird mit Sicherheit im Preis zügig nachgeben, wenn die Massenproduktion erst mal richtig angelaufen ist und hat nur Vorteile... Damit lassen sich dann Laptops sehr elegant und dünn designen, die keinen Lüfter benötigen.
    Solche Laptops werden dann dem Trend, der sich schon im Smartphonebereich etabliert hat, folgen und sich ebenfalls zum Einwegartikel entwickeln. Alle Bauteile fest verlötet, nicht aufrüstbar und nach 2-3 Jahren wegen des defekten Akkus reif für den Müll, da die Geräte komplett verklebt sind und sich praktisch nicht öffnen lassen. Damit ist der Neukauf nach Ablauf der Garantie vorprogrammiert, weil Reparaturversuche völlig unwirtschaftlich sind.
    Der Traum der Industrie... und die Kunden rufen auch noch "Hurra", gelobt sei die geplante Obsoleszenz... wie war da noch mal der alte Werbespruch vom Mediamarkt? Ach ja "Ich bin doch nicht blöd" ...
    Ich denke mal, ARM mit Snapdragon und Co wird der nächste Trend bei Laptops

    Möglich, stünde aber im Widerspruch zur Entwicklung in dem das Notebook zum Ersatz des klassisches Desktop PC heranreift. Ich denke vielmehr an einer Geräteklasse analog zum Ultrabook.
    Wir werden sehen. Es ist auch gut möglich das WinARM nur eine Epoche zeichnen wird, bis die Vorteile verpufft sind.
    Ich schätze das nächste große Ding wird der klassische x86/64 mit ARM Co-Prozessor der im Leerlauf ein Win am werkeln hält.
    Das mit dem mittleren Preissegment wird allenfalls funktionieren, wenn Microsoft auch da vorlegt.
    Im Moment warten die Hersteller lieber ab, oder ziehen gar zurück (Beispiel Samsung).
    1960tommy
    Ich denke mal, ARM mit Snapdragon und Co wird der nächste Trend bei Laptops

    Wozu? Es existiert bereits die Sparte der CULV - Consumer Ultra-Low-Voltage von Intel.
    Der größte Hinderungsgrund ist das Anpassen der Apps an die neue Prozessorarchitektur, oder sehe ich das falsch?
    Wahrscheinlich werden wir uns in 5 Jahren sowieso nicht mehr darüber unterhalten, denn, auch die normalen Laptop-Prozessoren werden ja immer sparsamer, und gleichzeitig leistungsfähiger. Somit ist fraglich, ob man überhaupt noch ARM braucht.
    Solche Laptops werden dann dem Trend, der sich schon im Smartphonebereich etabliert hat, folgen und sich ebenfalls zum Einwegartikel entwickeln. Alle Bauteile fest verlötet, nicht aufrüstbar und nach 2-3 Jahren wegen des defekten Akkus reif für den Müll, da die Geräte komplett verklebt sind und sich praktisch nicht öffnen lassen. Damit ist der Neukauf nach Ablauf der Garantie vorprogrammiert, weil Reparaturversuche völlig unwirtschaftlich sind.
    Der Traum der Industrie... und die Kunden rufen auch noch "Hurra", gelobt sei die geplante Obsoleszenz... wie war da noch mal der alte Werbespruch vom Mediamarkt? Ach ja "Ich bin doch nicht blöd" ...

    Genau mein Thema, weshalb Smartphones älter 2015 / 2016 für mich kein Thema mehr sind, Stichwort: Wegwerfartikel, Wechselakku.
    Dass da die sonst so emsige EU-Kommission tatenlos bleibt, und keine Gesetze auf den Weg bringt, die dem verschwenderischen Treiben endlich ein Ende setzen ... unbegreiflich ...
    Der größte Hinderungsgrund ist das Anpassen der Apps an die neue Prozessorarchitektur, oder sehe ich das falsch?
    Wahrscheinlich werden wir uns in 5 Jahren sowieso nicht mehr darüber unterhalten, denn, auch die normalen Laptop-Prozessoren werden ja immer sparsamer, und gleichzeitig leistungsfähiger. Somit ist fraglich, ob man überhaupt noch ARM braucht.

    Was ist gegen größere Vielfalt und Auswahl am Markt einzuwenden?
    Nur noch wieder Intel-Monopol, wie lange Zeit? Nein, danke, chakko!
    Viele China-Buden werden das Teil verbauen - keine Frage. Und 500 EUR gabs da auch schon mit Intel... . Problem ist da nur das die Tastaturen halt "nur" das US-Layout haben.
    Abhilfe koennte sein wenn man sich auf ein paar Tabletgroessen einigen wuerde so das TypeCovers austauschbar sind. Dann wuerde es fuer Dritthersteller finanziell moeglich Landesspezifische TypeCovers zu produzieren...
    Spannend wird auch der Bereich der von den Intel NUCs etc. besetzt ist. Da hat man zum einem das Tastaturproblem nicht und in den Kaestchen ist ja so gut wie nichts "drin" . Da erwarte ich richtig richtig guenstige Minimal-DesktopPCs...
    @Unauthorized
    Wer hat gesagt, dass das Teil Surface heißen muss?
    Man sollte schon nicht mehr hineininterpretieren, als da geschrieben steht!
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