WinGet: Hier kommt der neue Unterbau für den Microsoft Store - hoffentlich

WinGet: Hier kommt der neue Unterbau für den Microsoft Store - hoffentlich

Zur Build hat Microsoft in dieser Woche die erste Vorschauversion des Paketmanager „WinGet“ für Windows 10 vorgestellt, der im Frühjahr 2021 fertiggestellt werden soll. Laut offizieller Beschreibung soll es sich dabei um ein Werkzeug für Entwickler handeln, mit dem man einfach und schnell Programme installieren kann. Nach einem ersten Blick auf WinGet war ich sofort der festen Überzeugung, dass dahinter noch mehr steckt. Und ich wurde sozusagen während der Arbeit an diesem Artikel in meiner Annahme bestärkt.

Wer mit Paketmanagern ein wenig Erfahrung hat, der wird sich mit WinGet schnell zurechtfinden. Er wird via DOS-Kommandozeile oder PowerShell gestartet und ist gut dokumentiert. Für den Einstieg einfach den Befehl winget eingeben, als Antwort erhält man eine Liste verfügbarer Kommandos, danach kann man sich die Bedienung leicht im Selbststudium aneignen.

Obwohl WinGet erst ein paar Tage alt ist, befinden sich schon über 240 Apps im Katalog, darunter zahlreiche populäre Programme wie 7Zip, iTunes, 1Password, KeePass, Dropbox, Microsoft Teams, Microsoft Edge inklusive Beta und Developer Preview, Firefox, Spotify und noch ganz viele mehr.

Der große Vorteil: Man kann sich ein Script bauen, in das man alle für sich wichtigen Programme aufnimmt. Bei einer Neuinstallation des Systems muss man dieses Script dann einfach nur starten, und die Programme werden nach und nach installiert.

Nun wird das viel zitierte „Lieschen Müller“ sicherlich nicht die Kommandozeile bemühen, aber ich dachte mir: Bestimmt wird es Entwickler geben, die eine grafische Oberrfläche dafür bauen. Und just während ich mit der Arbeit an diesem Beitrag beschäftigt war, hat Mehedi Hassan mit „winstall“ den ersten (mir bekannten) grafischen Client für WinGet erschaffen. Einfach alle gewünschten Programme anklicken, und winstall baut das passende Installations-Script zusammen.

Spätestens in Kombination mit einer grafischen Oberfläche ist die Installation der verfügbaren Programme damit schon jetzt komfortabler als über den Windows Store.

Ich bin der festen Überzeugung, dass WinGet in Zukunft eine wichtige Rolle einnehmen wird und nicht weniger als der neue Unterbau des Microsoft Store werden kann. Dafür müssen allerdings noch ein paar Vorraussetzungen geschaffen werden, wie beispielsweise automatische Updates oder eine Sicherheitsüberprüfung, damit keine Schadsoftware eingeschleust wird.

Wenn heute ein Paket in den Store eingeliefert wird, übernimmt Microsoft diese Prüfung. Ich weiß, dass Microsoft an einer zentralen Lösung dafür arbeitet, den Herausgeber einer App als vertrauenswürdig zu kennzeichnen. Ist ein Paket mit diesem Zertifikat signiert, gilt die App als sicher – auch wenn sie nicht über den Store kommt. Heißt aber auch umgekehrt: Solche Programme können in das Store-Listing aufgenommen werden, ohne dass der Hersteller die dafür notwendige Prozedur auf sich nehmen muss.

Für das Problem der automatischen Updates gibt es mit dem neuen Installationspaketformat msix schon heute eine Lösung, damit ist das bereits machbar.

Microsoft wird den Store aller Voraussicht nach nicht noch einmal pushen. Man hat ihn ja schon im letzten Jahr in der Form „degradiert“, dass er nun nicht mehr die exklusive Softwarequelle sein soll, was man ohnehin niemals erreicht hätte. Er ist nun einfach eine von vielen Möglichkeiten, an Software zu kommen. Mit der Integration von WinGet könnte der Store aber so etwas wie einen zweiten Frühling erleben. Auch Konzepte wie der S Modus wären plötzlich interessanter, wenn die via WinGet verfügbaren Pakete ein Whitelisting bekämen, so wie Microsoft schon heute die Installation eigener Anwendungen im S Modus am Store vorbei erlaubt.

Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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Kommentare

  1. "DOS-Kommandozeile"? Wir haben 2020 und Martin schreibt von einer "DOS-Kommandozeile". *heul* ;-)
    DOS ist das zuletzt bei Windows Me irgendwann vor gut zwanzig Jahren gewesen.
    Ein (weiterer) Hauch von Linux... vielleicht müssen die Windows-Nutzer demnächst auch ihre Programme selbst kompilieren. ;)
    Ich hoffe, dass der neue Store von MS so kommt wie im Artikel beschrieben. Dann könnte man endlich per Knopfdruck alle benötigten Anwendungen unter Windows 10 installieren und aktuell halten. Wenn das so kommt ist dieses perfekt. Rechner sauber neu installieren und immer Up to Date halten geht super easy und schnell. Zusätzlich könnten alle Lizenzen gekauft und verwaltet werden über den MS Store. Dieses wäre perfekt. Zusätzlich sollten PWAs im Store gelistet sein, wie auch Windows 10 Treiber. Wird o.g. umgesetzt, glaube ich, wird der MS Store zur Standardquelle für Softwareinstallationen unter Windows 10.
    @steved,
    sehe ich ähnlich. Ich frage mich nur, wozu man dann noch Windows Update braucht, da das auch über den Paketmanager (grafisch über den Store) erledigt werden könnte.
    Eins nach dem Anderem...
    Wo sind denn die bisher vorausgesagten PWAs im Microsoft Store? Hat Microsoft diese vergessen oder habe ich die einfach bisher übersehen?
    Baumg.P
    @steved,
    sehe ich ähnlich. Ich frage mich nur, wozu man dann noch Windows Update braucht, da das auch über den Paketmanager (grafisch über den Store) erledigt werden könnte.

    Der Store nutzt im Hintergrund Windows Update :)
    @br403,
    wenn das so ist, erklär mir bitte, wieso dann Windows Updates nicht über den Store kommen oder App Updates nicht über Windows Update?
    Lieschen Müller lässt fragen: kann ich damit auch Photoshop installieren? Und vielleicht noch WhatsApp? Alles andere interessiert sie nicht.
    Baumg.P
    wenn das so ist, erklär mir bitte, wieso dann Windows Updates nicht über den Store kommen oder App Updates nicht über Windows Update?
    Und die Antwort "Weil's so ist" reicht Dir nicht? Dann wirst Du enttäuscht sein, denn Microsoft macht das so und wird das nicht extra erläutern.
    Ein Paketmanager ist sicherlich sehr hilfreich. Letzten Sonntag habe ich Windows neu installiert. Wenn ich da bereits ein Script gehabt hätte, welche alle unterstützten Programm in einem Rutsch installiert, wäre das super gewesen. An sich wäre die Installation incl. Office, Visual Studio und weiterer Programme in einem halben Tag durch gewesen wenn ich nicht so viele Apps aus dem Microsoft Store über die Jahre ausprobiert hätte. Die sind bei einer Neuinstallation alle wieder eingeblendet. So habe ich vielleicht zwei oder drei Dutzend Apps installiert, ein Dutzend installiert und wieder deinstalliert und mehrere Hundert wieder ausgeblendet. Eine Tortur. Wenn ich endlich alte, nicht genutzte Apps aus "Meine Bibliothek" löschen könnte, wäre der Store für mich auch wieder deutlich attraktiver. So überlege ich mir bei jeder neuen App, ob ich die wirklich ausprobieren will, da ich die bei Nichtgefallen nicht mehr los werde.
    Hmm, hab ich was verpasst? Hier wird gerade so getan, als gibt es unter Windows keine Möglichkeiten Software zu installieren und aktuell zu halten....
    Richtig, die Anwaltskanzelei mit 8 Mitarbeitern wird sich vielleicht keine SCCM Instanz leisten, aber nen Rechner mit dem Image zu betanken gibt's ja auch noch.
    Es ist doch nicht der Installationsvorgang, der aufwendig ist, sondern die nachfolgende Konfiguration/persönlichen Anpassungen.
    Strenge Vorgaben seitens Microsoft zum Pfad von Config Dateien wie unter Linux würde ich mir wünschen.
    Vielleicht hat Lieschen Müller schon länger ninite.com genutzt, um Häkchen bei den gewünschten Programmen zu setzen und dann den passenden "Paketmanager" zur Installation und zum Update zu nutzen?
    Jetzt fehlt nur noch die Möglichkeit, individuelle Windows-Einstellungen zu ex- und importieren. Startmenü, schnelle Aktionen, Taskleiste, Designs, Desktop-Skalierung, WLAN etc.in einem Rutsch wäre da auf der Wunschliste.
    ansorgj
    Lieschen Müller lässt fragen: kann ich damit auch Photoshop installieren? Und vielleicht noch WhatsApp? Alles andere interessiert sie nicht.

    Whatsapp gibt es in der Tat schon im Repository. Photoshop hab ich noch nicht gesehen
    ntoskrnl
    Wo liegen die Pakete?
    Können verschiedene Paketquellen eingtragen werden?

    Im Repository sind die Download Adressen der Hersteller angegeben.
    Bei Whatsapp z.B.
    https://web.whatsapp.com/desktop/windows/release/x64/WhatsAppSetup.exe
    @martin ...schön, aber die Website von "winstall" hat nicht mal ein Impressum oder hab ich es übersehen. Ein Schelm wer....
    @kaputnik33 du hast Recht, das ist normalerweise ein Alarmzeichen. Ich hab nicht drauf geachtet, weil mir der Autor persönlich bekannt ist und ich daher sicher sein kann, dass hier nichts Böses droht.
    Mit chocolaty gibt es dafür schon seit längeren eine Lösung unter Windows. Aber wenns nun von MS offiziell kommt, umso besser
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