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Wunschkonzert: Ein Surface für Entwickler

Wunschkonzert: Ein Surface für Entwickler

Der Hochsommer 2022 ist bald Geschichte, die meisten Schüler müssen in den kommenden Wochen wieder zurück in die bis dahin hoffentlich abgekühlten Klassenzimmer und so langsam sollte man sich Gedanken machen, was man sich denn zum weihnachtlichen Fest Ende Dezember so wünscht.

Hintergrund

Grundlage für diesen Wunsch ist, dass mein derzeitiger, letzter verbliebender Windowsrechner nach sechs Jahren sowohl hardwareseitig als auch, durch das ausbleibende Update auf Windows 11, softwareseitig die Grätsche macht, und ich somit auf der Suche ach einem passenden Ersatzgerät bin.

Die Lust, einen Rechner komplett selbst aufzubauen, verblasst jedes Lebensjahr weiter und der Drang nach LED, Acrylglas und Co. am Gehäuse war in diesem Millennium nie wirklich bei mir vorhanden. Aus diesem Grund steht als Ersatz nur ein „Rechner von der Stange“ zur Debatte. Doch so sehr ich die Surface Linie von Microsoft schätze, so wenig schätzt sie die Anforderungen von Entwicklern – zu mindestens die meinen.

Ein Surface für Entwickler

Microsoft ist seit seinem Bestehen im Entwicklerbereich sehr engagiert, dieser Fakt lässt sich weder leugnen noch wegdiskutieren. Mit C# haben sie eine praktisch hauseigene Sprache, mit .NET ein entsprechendes Ökosystem und mit Visual Studio eine ausgewachsene Entwicklungsumgebung, um nur einmal die bekanntesten Namen zu nennen.

Auf der Hardwareseite scheint im Surface Lineup dennoch eher der kreative Bereich mit dem Surface Laptop Studio und dem Surface Studio im Fokus zu stehen.

Kein Laptop!

Für mich als hauptberuflicher, aber auch in der Freizeit aktiver Entwickler, wäre ein Surface, welches sich gezielt an Developer richtet, vor allem eines: Kein Laptop!

Wieso? Mein Arbeitsgerät steht auf meinem Schreibtisch, hat zwei größere Bildschirme angeschlossen und mit meinem Fokus auf die Entwicklung von mobilen Applikationen eine Menge an USB-Kabeln für die unterschiedlichsten Testgeräte. Ein schnelles „abstecken und los“ ist hier weder möglich noch angedacht.

Mit dem Begriff „Desktoprechner“ verbinde ich aber schon lange keine große schwarze Kiste unterhalb des Schreibtisches mehr. Schon allein durch den Umstand, dass in diesem Berufszweig oft höhenverstellbare Schreibtische und damit eine saubere Kabelorganisation gang und gäbe sind macht ein Gehäuse, welches von den Ausmaßen leicht auf die Tischoberfläche passt, mehr Sinn.

Ebenso ist für mich ein Rechner, welcher rein in der Cloud lebt,  wie beispielsweise die Dev Box, zumindest im Jahr 2022 für mich noch keine Alternative, dafür setze ich meinen PC zu vielseitig ein. Außerdem wäre der Gedanke, dass jede Stunde Geld kostet, ein wahrer Stressfaktor, welchen ich in meiner Freizeit eben nicht haben wollen würde. Für Firmen schaut die Argumentationskette eventuell mehr in Richtung „pro Cloud-PC“ aus.

Stummes Mäuschen

Ein Rechner, welcher nur eine Armlänge entfernt ist, zieht jedoch mehr Anforderungen nach sich. Einerseits die Größe. Ideal sollte dieser eine Oberfläche so groß haben wie der Standfuß eines Monitors. Auch spielt bei dieser Platzierung des Arbeitsgerätes die Lautstärke der Lüfter und andere Bauteile sowie deren ausgesendeten Vibrationen eine große Rolle, denn diese sollten nicht existent sein.

ARM oder reich an Intel?

Apple zeigt, dass zumindest zum jetzigen Zeitpunkt auf der ARM-Architektur basierende Chips die Zukunft sind. Schnell, stromsparend, flüsterleise, kraftvoll. Doch persönlich traue ich hier Microsoft und den Entwicklerökosystemen auf der Windowsseite noch zu wenig, um diesen Wunsch zu äußern. Visual Studio for ARM benötigt noch Zeit zum Reifen, der Microsoft Surface Duo Emulator ist nicht für ARM-Maschinen verfügbar und auch sonst ist Windows on ARM noch mehr eine Machbarkeitsstudie als ein ernstzunehmender Konkurrent zu Intel.

Da vor allem das Kompilieren stark IO-lastig ist, sind hier Prozessoren mit viel eingebauten Level-2 Cache zu bevorzugen. Also bitte keine Varianten mit Intel Celeron Gold und dergleichen.

Potente SSD, viel Arbeitsspeicher, Grafikkarte ist egal

Hier kann man sich schnell in die Brennnesseln setzen. Dennoch bin ich der Meinung, dass für Entwickler, welche nicht stark in Richtung maschinellem Lernen oder künstlicher Intelligenz gehen, die Grafikleistung des Systems weniger als nur zweitrangig ist. Das eingesparte Budget sollte in schnellen Arbeitsspeicher und in eine potente Speicherlösung fließen.

„Auf die Größe kommt es nicht an“ – auch wenn es allzu oft stimmt, bei der Größe des nichtflüchtigen Speicherns jedoch nicht. Wenn man sich die Größen der Entwicklungsumgebungen, deren Emulatoren und Co. ansieht würde ich nichts mehr unter einem Terabyte nehmen. Doch auch der flüchtige Speicher, der RAM, sollte sich nicht mehr unter 32 GB bewegen. Klar, für rein interpretierte Sprachen wie Python braucht man weniger Kompilierungsleistung, aber dafür eventuell ja Docker und Co.

Anschluss muss sein

Wie bereits erwähnt, ist es je nach der Art des Betätigungsfeldes mehr oder weniger wichtig, ausreichend Anschlüsse am Arbeitsgerät zu haben. Für mich als App- und IoT-Bastler kann es nicht zu viele geben. Hierfür würde ich auch in Kauf nehmen, dass ich nur vollwertige USB-C Buchsen am Rechner habe. Die Adapter-Orgie nimmt mit der Zeit ab und lässt dem Benutzer die Möglichkeit, je nach Wunsch Displays, Microcontroller, Smartphones oder ganz was anderes an das System anzuschließen.

Weiter gehört für mich ein Kopfhöreranschluss, beziehungsweise eine Kombination aus Kopfhörer- und Mikrofonanschluss, genauso wie ein leicht zugänglicher Einschaltknopf (ja ich mein dich, Apple), dazu.

Manches muss man akzeptieren

Machen wir uns nichts vor. Die Zeiten, wo Rechner auch lange nach dem Kauf von einem selbst aufrüstbar oder gar erweiterbar waren, sind lange vorbei. Genauso wie die freie Wahl des Betriebssystems. Somit fällt auch eine sonst umgängliche Anforderung – eine reibungslose Kompatibilität mit Linux – hinten runter, um den Anforderungskatalog wenigstens etwas realistisch zu halten.

Du willst doch nur ein Apple Mac mini von Microsoft“!

Ganz klar – jain! Apple hat gezeigt, was heutzutage möglich ist. Aber auch, wo noch Potential nach oben ist.

Einerseits die Limitierung auf maximal 32 GB Speicher als auch, dass nützliche Funktionen wie Anschlüsse an der Front oder ein SD-Kartenleser überhaupt erst in der zigfach teureren Apple Studio Variante zur Verfügung stehen, waren für mich harte Einschnitte, welche ich von einem Gerät eines anderen Herstellers nicht so einfach schlucken würde.

So muss ich der Behauptung Recht geben: Der Apple Mac mini ist ein fantastisches Gerät, das unter dem Funktionsgeiz von Apple leidet. Ein Microsoft Surface mini mit einer Mischung der Features aus dem Mac mini und dem Mac mini Studio kombiniert mit der Leistungsfähigkeit moderner, für Windows optimierter Hardware wäre für mich ein sofortiger Ersatz für meinen langsam dahinsiechenden Desktop-Rechner.

So oder so: Wünschen darf man ja. Was man bekommt, steht auf einem ganz anderen Zettel.

Über den Autor

Tobias Scholze

Tobias Scholze

Bayrischer Open Source- und Community-Enthusiast, Verfechter des neuen Microsoft und Wandler zwischen den Betriebssystemwelten. #communityrocks Von Herzen ein Nerd mit der festen Überzeugung, dass man gemeinsam und durch den Einsatz von moderner IT die Welt für jeden ein Stückchen besser machen kann.

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