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Xbox: Zweideutige Botschaft zum Streaming Stick fürs Cloud Gaming

Xbox: Zweideutige Botschaft zum Streaming Stick fürs Cloud Gaming

Cloud Gaming soll in Zukunft kein Zusatzfeature sein, sondern ein eigenständiges Geschäft, das hat Microsoft sehr früh offen kommuniziert. Man will auf jedes Endgerät mit einem Bildschirm, und bei dieser Strategie hat bisher auch ein „Streaming Stick“ eine wichtige Rolle gespielt. Nun hat sich Microsoft zu diesem Gerät geäußert, das Statement lässt allerdings viel Spielraum für Interpretation.

Noch vor knapp drei Wochen war zu lesen, dass Microsoft weiterhin an diesem Stick arbeiten würde, ohne dass dabei allerdings näher auf die Quelle der Information eingegangen wurde. Gegenüber WindowsCentral wurde nun eine Stellungnahme abgegeben, die ich aufgrund ihrer Mehrdeutigkeit im englischen Original-Wortlaut kopiere:

“Our vision for Xbox Cloud Gaming is unwavering, our goal is to enable people to play the games they want, on the devices they want, anywhere they want. As announced last year, we’ve been working on a game-streaming device, codename Keystone, that could be connected to any TV or monitor without the need for a console,

As part of any technical journey, we are constantly evaluating our efforts, reviewing our learnings, and ensuring we are bringing value to our customers. We have made the decision to pivot away from the current iteration of the Keystone device. We will take our learnings and refocus our efforts on a new approach that will allow us to deliver Xbox Cloud Gaming to more players around the world in the future“

Die übersetzte Version:

‎“Unsere Vision für Xbox Cloud Gaming ist unerschütterlich, unser Ziel ist es, es den Menschen zu ermöglichen, die Spiele zu spielen, die sie wollen, auf den Geräten, die sie wollen, überall, wo sie wollen. Wie letztes Jahr angekündigt, haben wir an einem Game-Streaming-Gerät mit dem Codenamen Keystone gearbeitet, das an jeden Fernseher oder Monitor angeschlossen werden kann, ohne dass eine Konsole erforderlich ist.‎

‎Im Rahmen jeder technischen Reise bewerten wir ständig unsere Bemühungen, überprüfen unsere Erkenntnisse und stellen sicher, dass wir unseren Kunden einen Mehrwert bieten. Wir haben die Entscheidung getroffen, uns von der aktuellen Iteration des Keystone-Geräts abzuwenden. Wir werden unsere Erkenntnisse nutzen und unsere Bemühungen auf einen neuen Ansatz konzentrieren, der es uns ermöglicht, Xbox Cloud Gaming in Zukunft mehr Spielern auf der ganzen Welt zur Verfügung zu stellen.“‎

Sozusagen unfreiwillig klingt die übersetzte Fassung sehr viel klarer: Ich interpretiere sie mit „der Streaming Stick ist tot und wird nicht mehr kommen“. Für Microsofts Verhältnisse ist die Ansage sogar ziemlich klar. Wir erinnern uns: Als das Surface Neo gecancelt wurde, sprach man davon, den Markt beobachten und den richtigen Zeitpunkt abwarten zu wollen. Das Ende von Windows Phone war damals als „Neuausrichtung des Smartphone-Geschäfts“ bezeichnet worden.

Alleine schon die Tatsache, dass über ein noch nicht offiziell vorgestelltes Gerät derart offen gesprochen wird, ist ein deutliches Zeichen dafür, dass es gestorben ist. Im Diskussionsthread zum oben verlinkten Artikel von vor drei Wochen schrieb ich:

„Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass es für diesen Stick (und alle weiteren) in Zukunft noch ein großen Markt gibt. Als einzig echtes Szenario fällt mir dafür nur ein, dass ich eine Xbox habe und auf Geschäftsreise im Hotelzimmer zocken will.
Wenn man mit dem Cloud Streaming neue Kunden erreichen möchte, dann muss das von Haus aus auf dem Fernseher drauf sein.“

Mutmaßlich sieht man das bei Microsoft inzwischen ganz genau so.

Über den Autor

Martin Geuß

Martin Geuß

Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zuhause. Seit 15 Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!

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