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Zen Browser: Eine gute Wahl zum konzentrierten Arbeiten?

Zen Browser: Eine gute Wahl zum konzentrierten Arbeiten?

Möchte man sich unter Windows heute einen neuen Webbrowser anschauen, steht man vor einer grundlegenden Frage. Nachdem sich der Markt bei den Engines konsolidiert hat und mit Gecko und Chromium nur noch zwei größere Plattformen unter Windows existieren, müssen sich die einzelnen Projekte schon in ihren zugrunde liegenden Konzepten unterscheiden, um einen Test zu rechtfertigen. Vor einer ähnlichen Situation stand ich nun auch wieder, als ich nach einer sinnvollen Ergänzung zu Edge und Firefox gesucht habe.

Der Kandidat, der es mir in den vergangenen Monaten besonders angetan hatte, war der Zen Browser. Hierbei handelt es sich um ein Derivat von Firefox, welches dem Rapid Release folgt und damit im Durchschnitt alle vier Wochen die Plattform aktualisiert. Vor allem bei seiner Oberfläche geht das Projekt aber andere Wege. Deswegen wollte ich meine ersten Eindrücke einmal mit euch teilen.

Hintergrund

Die Integration von Zen hatte bei mir tatsächlich einen längeren Vorlauf, ohne hier schon zu sehr einem Beitrag vorzugreifen, der sich für die Tage zwischen den Jahren bereits in Arbeit befindet. Die Kurzform lautet: Ich hatte schon länger die Idee, einen Teil meiner Arbeitsweise so zu überarbeiten, dass er sich minimalistisch auf das Wesentliche konzentriert und ich so Ablenkungen vorbeuge. Ein früheres Beispiel, was ich euch im anderen Zusammenhang schon mal gegeben hatte, war Word mit seiner Fokusansicht, die ich gerne zum ablenkungsfreien Schreiben verwende.

Zen geht bei den Browsern genau diesen Weg, indem er drei verschiedene Ansichten bietet. Die minimalste Ansicht, die ihr auch im Titelbild erkennen könnt, blendet fast alles aus und die Elemente zum Minimieren, Maximieren und Schließen werden nur beim Hovern über die Titelleiste sichtbar. Bei der maximalen Variante entspricht Zen ungefähr der Ansicht von Firefox mit vertikalen Tabs, dazwischen gibt es auch noch eine mittlere Variation. Diese Aufmachung dürfte einige an den Arc Browser erinnern, allerdings liegt hier auch ein Punkt, der mir ebenfalls besonders wichtig war.

Der Faktor Gecko

Wenn es um Ideen geht, die solche speziellen Ansätze betreffen, ist Gecko gegenüber Chromium immer noch die bessere Plattform. Ein schlagendes Argument liegt nicht zuletzt darin, dass Mozilla das von Google abgekündigte Manifest V2 weiterhin parallel unterstützen wird und damit auch mächtigere Extensions möglich bleiben. Das erlaubt es mir, dass zum Beispiel die reguläre Variante von uBlock Origin weiter zu benutzen und im Einzelfall das Verhalten von Seiten zu beeinflussen.

Wobei dieser Split ehrlicherweise nicht durch Zen verursacht wurde. Momentan gibt es eine grundsätzliche Überlegung, sich für solch spezielleren Geschichten auf die Gecko-Familie zu konzentrieren. Wenn man von Vivaldi einmal absieht, der aber auch ganz speziell für die Poweruser mit höheren Ansprüchen entwickelt wird und entsprechende Funktionen intern mitbringt, bietet Chromium hier eigentlich keine Vertreter, die nennenswerte Vorteile bieten. Ein Ersatz für Edge als Standardbrowser wird ohnehin nicht erwogen.

Zen Mods

Unter der Haube ist Zen ein klassisches Firefox-Derivat und bestehende Firefox-Nutzer werden auch die vom Original bekannten Funktionen im Wesentlichen schnell finden, auch wenn die Entwickler von Zen diese für die eigenen Zusätze entsprechend erweitert hat. Die Stärken liegen ansonsten vor allem bei der Anpassbarkeit. Neben eigenen Zusatzfunktionen wie dem Color Picker oder den Spaces, die in etwa den Tabgruppen entsprechen, gehören nicht zuletzt auch die Zen Mods dazu.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es knapp 80 dieser von der Community beigesteuerten Erweiterungen, mit denen sich der Browser weiter anpassen lässt. Inwieweit dieser Mehrwert tatsächlich generiert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Schlusswort

Grundsätzlich wird Zen das etablierte Duo aus Edge und Firefox, was ich für meine alltäglichen Aufgaben verwende, nicht verdrängen oder einen von ihnen in dieser Rolle ersetzen. Das war auch nicht die Intention hinter meinem Testlauf. Gleichwohl sehe ich ihn mittlerweile als sinnvolle Ergänzung in meinem Arsenal, auch wenn man Anwendungszweck sicherlich speziellerer Natur ist und nur ab und an zum Einsatz kommt.

Zen selbst ist ein Community-Projekt und steht für Windows, Mac und Linux zur Verfügung. Das schließt portable Versionen (inkl. AppImages für Linux) ebenso ein wie eine Version für Windows on ARM.

Über den Autor

Kevin Kozuszek

Kevin Kozuszek

Seit 1999 bin ich Microsoft eng verbunden und habe in diesem Ökosystem meine digitale Heimat gefunden. Bei Dr. Windows halte ich euch seit November 2016 über alle Neuigkeiten auf dem Laufenden, die Microsoft bei seinen Open Source-Projekten und den Entwicklerthemen zu berichten hat. Beiträge über Mozilla, Europas Digitalwirtschaft und inklusive Informatik runden meinen Bereich ab.

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