ZIP-Bug im Windows 10 Oktober Update wird immer peinlicher

ZIP-Bug im Windows 10 Oktober Update wird immer peinlicher

Microsoft hat mit dem Windows 10 Oktober Update ein Qualitätsproblem, der Rollout wurde wegen möglicher Datenverluste beim Update gestoppt. In den Tagen danach schafften es auch eher kleinere Fehler und Probleme mit Windows 10 in die Schlagzeilen, und in mir stiegen schlimme Befürchtungen auf. Man weiß ja, wie die Medien-Welt funktioniert: Hat man ein Thema gefunden, an dem man sich abarbeiten kann und auf das die Leute zuverlässig aufspringen, dann wird es bis auf den letzten Klick ausgeschlachtet.

Ich ahnte, dass es schwer wird, mich zu positionieren, denn einerseits müssen Probleme natürlich besprochen werden, andererseits sehe ich mich mit den billigen Klick-Jakobs nicht im selben Topf. Wie würde ich es also hinbekommen, sachlich zu bleiben, ohne gleich als der Anwalt Microsofts gesehen zu werden, nur weil ich mich weigere, ordentlich drauf zu hauen?

Inzwischen muss ich leider sagen, dass mir Microsoft diese Entscheidung abgenommen hat. Der am Wochenende aufgekommene ZIP-Bug, die nun bekannt gewordenen Hintergründe und Microsofts Umgang mit dem Fehler haben die obige Überschrift entstehen lassen, die auch ganz prima zu irgendwelchen Revolverblättern passen würde. Aber sie ist nichts anderes als die nüchterne Wahrheit.

Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte: Die in Windows 10 enthaltene ZIP-Funktion hat im Oktober Update einen Bug: Liegen im Zielordner gleichnamige Dateien, dann erscheint keine Abfrage, ob diese überschrieben werden sollen oder nicht – ich hatte berichtet. Die Meldung einzelner User, dass Dateien ohne Nachfrage überschrieben werden, konnte ich nicht nachvollziehen, bei mir wurden die Dateien einfach ohne Nachfrage übersprungen.

Inzwischen hat Microsoft diesen Fehler auch ganz offiziell bestätigt und versichert, dass keine Dateien ungefragt überschrieben werden, sondern dass gleichnamige Dateien beim Entpacken einfach ohne Nachfrage übersprungen werden. Man warnt allerdings davor, Dateien aus einem Archiv per „Ausschneiden“ zu extrahieren, dies könne zur Löschung von Dateien führen, die dann auch nicht über den Papierkorb wiederhergestellt werden können.

Ich hatte am Wochenende im Feedback Hub gesucht und keine Hinweise auf den Fehler gefunden. Es gab sie aber, wie der folgende Tweet von Rafael Rivera zeigt (ich finde die Einträge auch mit Eingabe der exakten Überschrift nicht, sofern der Feedback Hub überhaupt gerade mal zufällig funktioniert, das ist ja derzeit ein reines Glücksspiel).

https://twitter.com/WithinRafael/status/1054233425421299712

Wieder also haben wir es mit einem Fehler im finalen Produkt zu tun, der von den Insidern vorab gemeldet wurde – was uns wieder zu der grundsätzlichen Sinnfrage bezüglich des Insider Programms bringt.

In diesem Fall aber ist die Geschichte noch kurioser: Der Fehler wurde nämlich sehr wohl entdeckt und sogar behoben – allerdings nicht in Version 1809, sondern in den Insider-Builds für das Update 19H1 – dort lässt sich der Fehler nämlich nicht mehr reproduzieren. Ich hatte vor Wochen schon mal die Frage aufgeworfen, welchen Sinn es hat, bereits mit Insider-Builds für das kommende Update zu starten, während das aktuelle Update noch nicht mal komplett fertig ist. Mein Argument war, dass man dann viele Arbeiten doppelt erledigen muss. Ich wäre allerdings nicht auf die Idee gekommen, dass man es einfach vergisst, diese doppelten Arbeiten auch wirklich auszuführen.

Schlimmer noch: Nutzer der produktiven Version dürfen wohl nicht zeitnah auf einen Patch hoffen, diesen stellt Microsoft für „Anfang November“ in Aussicht. Ob der Rollout so lange ausgesetzt bleibt? Man kann es nur hoffen.

Microsoft hat in der Windows-Entwicklung ganz offensichtlich ein fundamentales Problem und überblickt das eigene Chaos nicht mehr, diplomatischer kann man die Lage nicht beschreiben. In ein paar Wochen werden die Fehler beseitigt sein, aber Microsoft wird mehr als ein geglücktes Windows 10 Update benötigen, um den entstandenen Image-Schaden wieder zu reparieren. Egal, was in den kommenden Monaten passiert, die Empfehlung beim Rollout des 19H1-Updates steht schon fest: Die Installation unmittelbar nach der Veröffentlichung ist unter allen Umständen zu verhindern, das ist der einzig seriöse Ratschlag, den man geben kann.

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Über den Autor
Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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