Zögerliche Entwickler: Google Stadia kämpft mit dem Windows Phone Syndrom

Zögerliche Entwickler: Google Stadia kämpft mit dem Windows Phone Syndrom

Google hat große Mühe, die Entwickler für seine neue Spieleplattform Stadia zu begeistern. Die Gründe kommen einem nur allzu bekannt vor, wenn man mit der Geschichte von Windows Phone vertraut ist. Auch bei Stadia zeigt sich: Mit Geld alleine wird das Problem nicht zu lösen sein.

Das Magazin Businessinsider hat sich vor allen Dingen bei den Indie-Entwicklern umgehört und von diesen verschiedene Bedenken gehört, warum sie sich derzeit mit der Unterstützung von Google Stadia noch zurück halten.

„Google bezahlt zu wenig“ ist eines der Argumente. Die Indie-Entwickler wünschen sich also, dass Google ihnen mehr als nur Incentives bietet, damit sie bei Stadia mitmachen. Hier lässt sich eine prima Parallele zu Windows Phone ziehen: Da hat Microsoft nämlich auch versucht, die Entwickler mit Geld zu überzeugen. Genutzt hat es nichts, im Gegenteil: Sobald der Geldhahn zugedreht wird, ist die erkaufte Unterstützung wieder weg. Daher tut Google meiner Meinung nach gut daran, es mit den finanziellen Anreizen nicht zu übertreiben. Wenn dieses Fass erst mal offen ist, bekommt man es nur ganz schwer wieder zu.

Ein weiterer Punkt, der die Entwickler zögern lässt, ist mangelndes Zutrauen in Googles Durchhaltevermögen. Zu oft hat Google in der Vergangenheit neue Produkte an den Start gestellt, um sie nach relativ kurzer Zeit wieder einzustampfen. Auch das kennen wir von Microsoft, obwohl das keine echte Parallele zu Windows Phone ist. Dieser Ruf haftet Microsoft bei seinen Fans ja erst exakt seit dessen Einstellung an.

„Wenn man sich denn auf eine langfristige Beziehung zu Google verlassen könnte“ wird ein Entwickler zitiert. „Mit Blick auf ihre Geschichte weiß ich ja nicht einmal, ob sie in einem Jahr noch an Stadia arbeiten werden. Das wäre nicht außergewöhnlich, es würde zu ihnen passen.“

Ein anderer Entwickler macht den Unterschied zwischen Vertrauen und Zutrauen deutlich: „Wenn es jemand schaffen kann, dann Google. Aber sie sind in der Vergangenheit auch schon oft gescheitert.“

Das eigentliche Dilemma fasst ein Entwickler in einem Satz zusammen: „Am Ende des Tages steht die eine Frage: Warum sollte ich das tun?“. Ein Kollege drückt es etwas ausführlicher aus: „Es gibt Plattformen, auf denen willst du vertreten sein, weil sie ein großes Publikum haben und du dieses Publikum erreichen willst.“

Das ist das eigentliche Kernproblem und hier lässt sich in der Tat wieder eine Parallele zu Windows Phone ziehen: Google kommt mit Stadia als Newcomer in einen Markt, auf dem die Felle verteilt sind. Wer bei Stadia als Kunde einsteigt, geht damit gewissermaßen auch eine Wette ein, dass der Dienst funktioniert, man zahlt Google in gewisser Weise einen Vorschuss.

Aus dem Teufelskreis „keine Spiele bedeutet keine Kunden bedeutet keine neuen Spiele“ muss Google erstmal ausbrechen. Dafür werden sie viel Geld benötigen, aber sie müssen es sinnvoll einsetzen. Außerdem brauchen sie einen längeren Atem, als viele Beobachter ihnen zutrauen.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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