Zwei Monate mit dem Samsung Galaxy Note 10+

Zwei Monate mit dem Samsung Galaxy Note 10+

Smartphone-Reviews sind irgendwie schwierig geworden. Früher war es definitiv leichter, ein neues Modell zu beurteilen, weil man sich an den Fortschritten gegenüber der Vorjahres-Version abarbeiten konnte. Die sind aber bei keinem Hersteller noch der Rede wert, auch wenn uns aufwändig inszenierte Keynotes nach wie vor das Gegenteil erzählen wollen.

Das Samsung Galaxy Note 10+ habe ich seit nunmehr zwei Monaten im Einsatz und ich habe an dieser Stelle schon Einiges darüber geschrieben. Was noch fehlt, ist eine abschließende Gesamt-Beurteilung. Einige Vor- und Nachteile habe ich in vorigen Beiträgen schon ausführlicher behandelt, wenn ihr über dieses Gerät nachdenken solltet, dann empfehle ich deshalb dringend, diese ebenfalls zu lesen.

Die Hardware des Samsung Galaxy Note 10+ ist erwartungsgemäß rundum premium. Man erwartet in dieser Preisklasse die bestmögliche Verarbeitung, und die bekommt man auch. Die Farbe „Aura Glow“ sieht fantastisch aus und schimmert in tollen Effekten. Man müsste Samsung für diese Idee loben, wenn es denn ihre eigene gewesen wäre. Vielleicht hat Samsung aber ja auch den gleichen Chefdesigner wie Huawei.

Das markanteste Merkmal das Note 10+ ist zweifelsfrei das Display. Man kauft sich das Gerät nicht trotz, sondern exakt wegen seiner Größe. Das Display des Note 10+ bietet 6,8 Zoll pures Vergnügen. Die maximale Auflösung beträgt 3.040 mal 1.440 Pixel, werksseitig sind 2.280 mal 1.080 eingestellt. Ich hatte bislang nicht das Bedürfnis, daran etwas zu ändern.

Qualitativ muss man nicht viel Worte verlieren. Das Display des Galaxy Note 10+ ist – und da habe ich nichts anderes erwartet – der beste Smartphone-Bildschirm, der mir bislang untergekommen ist. Das hat mich deshalb nicht überrascht, weil ich auch noch kein Smartphone aus 2019 entdeckt habe, welches mit dem Note 9 mithalten könnte. Das Note 10+ setzt da nochmal ein paar Prozentpunkte drauf und bleibt eine Klasse für sich, das gilt ganz besonders für die Darstellung von Text.

Ich lobe das Display an dieser Stelle so überschwänglich, weil es das Hauptargument für den Kauf des Samsung Galaxy Note 10+ ist. Abgesehen davon natürlich, dass es für Stift-Fans ohnehin die keine andere Option gibt. Der S Pen wäre vermutlich auch der beste Smartphone-Eingabestift, wenn er nicht der einzige wäre. Weil es technisch wohl nicht mehr viel Spielraum für Optimierungen gibt, beschränken sich die Neuerungen beim 2019er S Pen auf neue Gestensteuerungen. Man bewegt den Stift in der Luft von unten nach oben oder zeichnet einen Kreis, um damit Aktionen in Apps auszuführen, die man teils frei definieren kann. Ein nettes Gimmick, mit dem ich ein wenig experimentiert und dann wieder vergessen habe, dass es vorhanden ist. Schade, dass die Kooperation mit Microsoft nicht dazu geführt hat, dass man OneNote-Notizen auch bei gesperrtem Gerät machen kann.

Ich habe am Galaxy Note 10+ eine Menge zu kritisieren, zum Beispiel die Akkulaufzeit. Schon im Beitrag Samsung Galaxy Note 10+ nach einer Woche: Display-Lust und Akku-Frust folgte auf die Freude über das Display der Frust über die Kurzatmigkeit des Note 10+. Obwohl es mit einem großzügigen 4.300 mAh-Akku ausgestattet ist, kann man die Laufzeit nur als enttäuschend bezeichnen.

Gegenüber den geschilderten ersten Eindrücken hat die längere Nutzung und der damit verbundene Lerneffekt der Akku-Optimierung noch etwas Linderung gebracht. Das Gerät morgens um sechs Uhr aus der Ladestation zu nehmen und es den ganzen Tag mehr oder weniger intensiv bis spätabends zu benutzen, ist jedoch definitiv unmöglich. An langen Tagen ist das Mitführen einer Powerbank absolute Pflicht. Da ich mich durchaus als Intensiv-Nutzer bezeichnen kann, würde ich mich daran vielleicht nicht einmal stören, wenn ich durch die Nutzung diverser Huawei-Geräte nicht wüsste, dass es zwei Klassen besser geht.

Dieses Fazit gilt im übertragenen Sinne auch für die Kamera. Sie ist zweifellos sehr gut, laut DxOMark ist sie sogar besser als die des Huawei P30 Pro. Unter rein technischen Gesichtspunkten mag das zutreffen, und in meinen ersten Eindrücken hatte ich geschrieben, dass die Fotos des Note 10+ durchaus näher an der Realität liegen als die des P30 Pro. Nach ein paar hundert Aufnahmen muss ich nun aber dennoch festhalten, dass sich vor allen Dingen in schwierigen Situationen erhebliche Unterschiede zeigen, und da fällt das Note 10+ immer weit hinter das P30 Pro zurück. Aufnahmen bei schwachem Licht sind bei Samsung grundsätzlich immer stark verrauscht, bei Dunkelheit ein scharfes Foto aus der Hand aufzunehmen, ist praktisch unmöglich.

Ich habe hier eine kleine Galerie an Beispielaufnahmen zusammengestellt. Ihr könnt aber auch in meinen Artikeln der letzten beiden Monate stöbern. Praktisch alle Fotos, die ihr dort findet, zum Beispiel von der IFA oder dem Surface Event in New York, wurden mit dem Galaxy Note 10+ aufgenommen. Ich war zu keinem Zeitpunkt frustriert über die Kamera, sie hat immer ihren Job gemacht. Aber herausragend ist sie nun mal nicht.

Das größte Ärgernis des Note 10+ ist der im Display integrierte Fingerabdruck-Scanner. Ich finde es nach wie vor bedauerlich, dass man nur um der Innovation willen solche Lösungen in den Markt drückt, obwohl sie erheblich schlechter funktionieren. Huawei hat damit begonnen, deren Fingerabdruck-Scanner im Display ist wenigstens nur deutlich langsamer als ein Hardware-Sensor.

Beim Note 10+ ist die Fingerabdruck-Erkennung nicht nur entsetzlich langsam (das kann auch mal zwei Sekunden dauern), sondern darüber hinaus auch noch äußerst unzuverlässig. Natürlich habe ich meine Finger mehrfach neu registriert, es hat keine Änderung gebracht. Samsung montiert ab Werk eine Schutzfolie auf das Display, was sehr lobenswert ist, ich vermutete aber, dass diese für die wirklich miserable Leistung des Fingerabdruck-Scanners verantwortlich ist. Da die Folie durch ein Missgeschick meinerseits schon nach ein paar Tagen schwer beschädigt wurde, habe ich sie abgezogen und mit „nacktem“ Display getestet, das hat aber leider keinen Unterschied gemacht.

Kommen wir zu dem Punkt, der das Note 10+ für mich besonders interessant gemacht hat und der vielleicht auch für die Leser dieser Seite ein besonderes Gewicht hat: Samsung und Microsoft haben beim Note 10+ kooperiert und wollen in Zukunft noch weitere Funktionen realisieren, die für ein optimales Zusammenspiel von Windows-PC und Samsung-Smartphone sorgen. An erster Stelle ist da natürlich die App „Ihr Smartphone“ zu nennen, die mit Samsung-Geräten so gut funktioniert wie mit keiner anderen Marke. Anfangs war die Anbindung exklusiv für das Note 10 verfügbar, inzwischen hat das Galaxy S10 gleichgezogen.

Im Beitrag Ist das Samsung Galaxy Note 10 das beste Smartphone für Microsoft-Nutzer? bin ich bereits der Frage nachgegangen, ob das Note 10 für Microsoft-Fans besonders interessant ist. Die Antwortet lautet immer noch ja, wenn man auf den S Pen und dessen Zusatzfeatures verzichten kann, bekommt man die gleiche Integration mit dem S10 inzwischen aber deutlich günstiger. Die versprochene Integration von OneDrive in die Samsung-Fotogalerie lässt indes immer noch auf sich warten.

Unter dem Strich ist das Note 10+ ein prima Smartphone. Der S Pen macht es einzigartig, insofern fällt ein Vergleich mit anderen Smartphones schwer. Wenn man den Stift benötigt bzw. haben will, dann gibt es nur dieses eine Gerät. Benötigt man ihn nicht, dann gibt es nur wenig Gründe, deutlich mehr Geld für das Note 10+ zu bezahlen. Einer dieser Gründe ist aber definitiv das riesige und unvergleichlich gute Display.

Die Mängel wie die kurze Akkulaufzeit und der nahezu unbrauchbare Fingerabdruck-Scanner dürfen keinesfalls unerwähnt bleiben und sind eines Geräts dieser Preisklasse absolut unwürdig. Dass ich das Note 10+ trotzdem seit zwei Monaten als „Primärwaffe“ im Einsatz habe, zeigt aber auch, dass es am Ende des Tages keine KO-Kriterien für mich sind. Dennoch werde ich wegen der Laufzeit und der viel besseren Kamera jetzt erst mal wieder zum P30 Pro zurück kehren.

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Martin Geuß
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Ich bin Martin Geuß, und wie unschwer zu erkennen ist, fühle ich mich in der Windows-Welt zu Hause. Seit mehr als zwölf Jahren lasse ich die Welt an dem teilhaben, was mir zu Windows und anderen Microsoft-Produkten durch den Kopf geht, und manchmal ist das sogar interessant. Das wichtigste Motto meiner Arbeit lautet: Von mir - für Euch!
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