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Analyseversuch: Wie läuft das Geschäft mit Xbox-Diensten und Inhalten für Microsoft?

DrWindows

Redaktion
Analyseversuch: Wie läuft das Geschäft mit Xbox-Diensten und Inhalten für Microsoft?
von Martin Geuß
Xbox Titelbild


Wenn über die Xbox gesprochen wird, dann meist über die Verkaufszahlen der gleichnamigen Konsole. Die sind Microsoft aber gar nicht mehr so wichtig, daher wird bei der Präsentation der Quartalszahlen immer nur über die Entwicklung der Umsätze mit Xbox-Diensten und -Inhalten gesprochen.

Details über die Konsolenverkäufe erfährt man nur selten. Anlässlich der Vorstellung der Zahlen für das vierte Quartal des Bilanzjahres 2022 war es mal wieder soweit: Der Umsatz mit Xbox-Konsolen sei um 11 Prozent gesunken, hieß es da. Eine Zahl, die es sogleich in diverse Meldungen schaffte, denn wie gesagt: Bei Xbox denkt man eben nach wie vor zuerst an Hardware.

Was dieses Minus von elf Prozent zu sagen hat, lässt sich schwer einordnen. Die Verfügbarkeit der Xbox Series X hat sich zuletzt stark verbessert, allerdings erst gegen Ende des Berichtszeitraums, trotzdem dürfte „nicht verkauft, weil nicht lieferbar“ nicht mehr der Grund für den Rückgang sein. Die Xbox Series S lief dagegen im letzten Jahr außergewöhnlich gut, vielleicht ist das diesjährige Minus also nur der höheren Nachfrage vom letzten Jahr geschuldet. Für Microsoft bedeutet weniger Umsatz mit den Konsolen jedenfalls geringere Verluste, denn nach wie vor ist das ein Drauflegegeschäft.

Geld verdient wird mit den Diensten und Inhalten, also dem Verkauf von Spielen und den Abonnements von Xbox Live Gold und Xbox Game Pass. Letzterer soll in Zukunft das Zugpferd sein und die finanzielle Basis für Microsofts Gamingsparte bilden. Viele Abonnenten bedeuten hohe und vor allen Dingen planbare Einnahmen für Microsoft und seine zahlreichen Studios.

Absolute Zahlen, die wirklich aussagekräftig wären, liefert Microsoft leider selten. Im Januar konnten wir immerhin vernehmen, dass es jetzt 25 Millionen Abonnenten des Xbox Game Pass gibt. Es dürfte kein Zufall sein, dass man sich ausgerechnet den Januar ausgesucht hat, um diese Zahl zu feiern, denn im Weihnachtsgeschäft wurden viele PCs, Konsolen, Zubehör und Spiele mit Gratis-Monaten für den Game Pass verkauft, die man ganz sicher zu dieser Zahl hinzugerechnet hat. Wie viel harte Dollars Microsoft mit dem Game Pass tatsächlich jeden Monat einstreicht, lässt sich daraus also nicht zuverlässig ableiten.

Wie werden wir also nun irgendwie schlauer, um zu erfahren, wie sich das Geschäft für Microsoft entwickelt?

Dazu habe ich mich eine Stunde im Archiv eingeschlossen und die Quartalsberichte der letzten fünf Geschäftsjahre von Microsoft durchforstet. Mit einer Ausnahme finden sich dort immer Informationen zu den prozentualen Veränderungen der Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Man darf die folgende Liste also nicht einfach von oben nach unten lesen und die Zuwächse addieren, denn die beziehen sich stets auf das gleiche Quartal des Vorjahres. Die Quartalsangaben beziehen sich außerdem auf Microsofts Bilanzjahr, dass vom 1.7. bis 30.6. läuft. Um das Bilanz- ins Kalenderquartal „umzurechnen“, muss man also immer zwei Quartale abziehen. Q1/18 war kalendarisch Q3/17 und so weiter…

Ausreichend verwirrt? Ok, dann los!

2018

  • Q1/18: +21%
  • Q2/18: keine Angabe
  • Q3/18: +24%
  • Q4/18: +36%

2019

  • Q1/19: +36%
  • Q2/19: +31%
  • Q3/19: +12%
  • Q4/19: -3%

2020

  • Q1/20: +/- 0
  • Q2/20: -11%
  • Q3/20: +2%
  • Q4/20: +65%

2021

  • Q1/21: +30%
  • Q2/21: +40%
  • Q3/21: +34%
  • Q4/21: -4%

2022

  • Q1/22: +2%
  • Q2/22: +10%
  • Q3/22: +4%
  • Q4/22: -6%

Warum habe ich mir diese Mühe überhaupt gemacht?

Ich war zunächst beinahe schockiert, als ich im aktuellen Quartalsbericht las, der Umsatz mit Xbox-Diensten und Inhalten sei in Q4 um sechs Prozent gesunken, denn zumindest in meiner Erinnerung hatte ich seit Jahren nur Zuwächse wahrgenommen.

Die Erinnerung trügt, wie die obige Aufstellung zeigt. Q4/20 war ein außergewöhnlich starkes Quartal gewesen, daran konnte man in den beiden Folgejahren einfach nicht mehr anknüpfen. Q4/20 war im Kalender Q2/20, also das erste „Corona-Quartal“, somit ist dieser Ausreißer nach oben leicht zu erklären. Unter diesem Aspekt ist es sogar als Erfolg zu werten, dass man diese Umsätze fast stabil halten konnte.

Ich habe versucht, die obigen Zuwächse und Rückgänge zu mitteln und daraus eine Abschätzung abzuleiten, wie sich Microsofts Umsätze mit Xbox-Diensten und Inhalten in den letzten fünf Jahren insgesamt verändert haben, indem ich zuerst die Veränderung über die jeweiligen Quartale ausgerechnet und daraus einen Mittelwert gebildet habe. Am Ende kam ich auf eine Umsatzsteigerung von 65 Prozent.

Das würden wir alle mit unserem Gehalt auch gerne in fünf Jahren schaffen. Angesichts diverser Zukäufe, die in der Zwischenzeit getätigt wurden, und der Tatsache, dass der Game Pass als neues Produkt eingeführt wurde, ist das dann aber auch nur eine logische Entwicklung.

Insgesamt lässt sich festhalten: Microsofts Gaming-Sparte ist gesund, mit dem Zukauf von Activision Blizzard wird man seine Basis nochmals deutlich verbreitern. Die Zeiten, in denen man Angst haben musste, Microsoft könnte bei der Xbox den Stecker ziehen, sind längst vorbei.


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