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Anthropic-Anordnung: EU-Kommission prüft Auswirkungen auf europäische Nutzer – Reaktion wahrscheinlich

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Redaktion
Anthropic-Anordnung: EU-Kommission prüft Auswirkungen auf europäische Nutzer – Reaktion wahrscheinlich
von Kevin Kozuszek
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Die Anordnung zur Sperrung von Anthropics KI-Topmodellen Claude Mythos und Claude Fable 5 vom Wochenende hat nun auch die Europäische Union auf den Plan gerufen. Während ganz aktuell das Europäische Parlament in Straßburg über die Folgen für die Digitale Souveränität und Resilienz in den 27 Mitgliedsstaaten debattiert, prüft die EU-Kommission mittlerweile die praktischen Auswirkungen für europäische Nutzer. Eine direkte Reaktion wird immer wahrscheinlicher.

Darüber berichtet unter anderem das Manager Magazin. Kommissionssprecher Thomas Regnier betonte, dass der Vorfall einmal mehr deutlich mache, warum Europa seine technologische Souveränität dringend und schleunigst stärken muss. Die Kommission wird die Auswirkungen für europäische Nutzer genau prüfen, aber auch wenn die neue Generation hochleistungsfähiger KI-Modelle erhebliche Vorteile bietet, gibt es schlicht auch Risiken etwa bei der Cyberabwehr, weswegen diese neuralgischen Punkte schnellstens angegangen werden sollen.

Ähnliche Warnungen wurden gestern bereits von zahlreichen deutschen Experten sowie Kanadas Premierminister Mark Carney vor dem G7-Gipfel in Frankreich formuliert. Auch die US-Regierung nannte als einen Grund, dass sich chinesische Akteure mit Verbindungen zur Zentralregierung in Peking Zugriff auf Claude Mythos verschafft hätten.

Invest AI-Initiative

Europa verfügt bereits über diverse, relativ leistungsfähige KI-Modelle, die etwa bis zur Mittelklasse reichen und von führenden Unternehmen wie Mistral AI, Black Forest Labs und JetBrains entwickelt werden. Zudem sollen Fusionen mit Unternehmen aus anderen befreundeten Mittelmächten die Aufholjagd beschleunigen, wofür die deutsch-kanadische Kooperation bei Cohere und den deutschen Unternehmen Aleph Alpha und Reliant AI ein Beispiel ist.

Aber auch bei den möglichen Topmodellen wären ohnehin in den kommenden Tagen erste Ankündigungen zu erwarten gewesen, wie die FAZ (Paywall) in einigen Beispielen aufführt. So wird die EU im Rahmen der Invest AI-Initiative insgesamt 200 Milliarden Euro für die Entwicklung eigener KI-Spitzenmodelle mobilisieren – 50 Milliarden Euro kommen von der öffentlichen Hand, weitere 150 Milliarden Euro wollen insgesamt 70 Unternehmen aus ganz Europa hierin investieren.

Vor allem wollen aber die europäischen Forschungseinrichtungen über verschiedene Konsortien massiv in die KI-Entwicklung eingreifen, um den Rückstand zu China und den USA schnellstens zu verkürzen. So wird in Deutschland das SOOFI-Projekt ein halbes dutzend Institutionen der hiesigen KI-Spitzenforschung auf Basis der Industrial AI Cloud der Telekom zusammenbringen, und auch die deutsch-französische Kooperation zwischen verschiedenen Hochschulen soll weiter angekurbelt werden.

Was allen Plänen gemein ist: Die EU will einen anderen Weg gehen und grundsätzlich auf Open Source-Modelle setzen. Einerseits sind diese preiswerter, zum anderen sind Parameter, Trainingsdaten und Architektur öffentlich einsehbar. Damit soll auch das Vertrauen in europäische und damit heimische Technologie insgesamt wieder gestärkt werden.

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Update um 14.49 Uhr: Mittlerweile zieht mit Frankreich ein erster Mitgliedsstaat direkte Konsequenzen. Wie Premierminister Sebastian Lecornu mitteilte, wird man im digitalen Bereich keine neuen strategischen Abhängigkeiten akzeptieren und zunächst 655 Millionen Euro in die heimische KI-Entwicklung stecken. In einem ersten konkreten Schritt wird sich der französische Inlandsgeheimdienst DGSI von den verbliebenen Überresten der Zusammenarbeit mit Palantir so bald wie möglich trennen. Das berichtet die Zeit.
 
Update vom 17. Juni: Wie die New York Post berichtet, hat die US-Regierung die Freigabe betroffener KI-Modelle an die Mitglieder der G7 kategorisch abgelehnt. Damit müssen Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, Kanada und Japan weiterhin auf andere Lösungen oder Alternativen hoffen. Nach aktuellen Aussagen bezeichnete das Weiße Haus die Nutzung durch die G7-Mitglieder als völlig unlogisch, zumal man sich nicht leisten könne, dass Frontier-Modelle Amok laufen.
 
Vielleicht bezeichnet das Weiße Haus auch bald die Benutzung anderer US-Dienste/-Software durch Ausländer als unlogisch und verbietet sie: MS, Google, Meta, Apple, Android, Debit-/Kreditkarten, PayPal, Tesla FSD ...
Es bleibt noch viel zu tun, wenn wir uns loslösen wollen.
 
Update vom 21. Juni: Die Kollegen der ComputerBase haben einen sehr lesenswerten Beitrag veröffentlicht, der sich auch mit den europäischen Abhängigkeiten und dem möglichen verpflichtenden Lizenzregime der US-Regierung für KI-Modelle beschäftigt. Als Empfehlung binden wir ihn hier deswegen mit ein.
 
Update vom 21. Juni: Die Kollegen der ComputerBase haben einen sehr lesenswerten Beitrag veröffentlicht, der sich auch mit den europäischen Abhängigkeiten und dem möglichen verpflichtenden Lizenzregime der US-Regierung für KI-Modelle beschäftigt. Als Empfehlung binden wir ihn hier deswegen mit ein.
Mal als kleine Ergänzung, weil ich den unbestätigten Tobak bewusst (noch) nicht im Blog aufgreifen wollte...

Neben dem möglichen verpflichtenden Lizenzregime, was das bisherige KI-Sicherheitsdekret in richtige Gesetzesform und von Freiwilligkeit zu Verpflichtung bringen würde, munkelt man immer stärker, dass die US-Regierung die Nutzung von US-KI für ausländische Nutzer allgemein stark beschneiden will. Wer die nutzen möchte, müsste für jeden einzelnen Nutzer dann elektronisch die Staatsbürgerschaft bestätigen und an die Sicherheitsbehörden übermitteln. Berichten u.a. Heise und Axios.

Sollte das so kommen, wird das für die Europäer extrem unangenehm. Blieben drei Alternativen:

  1. die beschleunigte Entwicklung eigener europäischer Modelle und die Verbesserung der bestehenden
  2. die Beschränkung bei US-Modellen auf OpenWeight-Familien wie Gemma von Google, Phi von Microsoft oder GPT-OSS von OpenAI, weil deren FOSS-Lizenzen ähnlich wie bei Android und Huawei damals Schutz bieten
  3. im Notfall zusätzlicher Einsatz chinesischer Modelle wie MiniMax, Kimi, GLM oder DeepSeek
 
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