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Digitale Souveränität: BSI und BMDS wollen Unabhängigkeit im Bund ausweiten

DrWindows

Redaktion
Digitale Souveränität: BSI und BMDS wollen Unabhängigkeit im Bund ausweiten
von Kevin Kozuszek
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Während der Deutsche Bundestag schon vergangene Woche mit einer neuen Digitalstrategie aufhorchen ließ, wollen das BMDS unter Bundesminister Karsten Wildberger und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auch allgemein im Bund aufs Tempo drücken. Das legt ein aktueller Bericht bei Golem nahe. Neben einer souveränen Cloud rückt derzeit vor allem die kollaborative Zusammenarbeit in den Mittelpunkt.

Arbeitsplatz und Virtualisierung

Das führt dazu, dass die für 2026 geplanten Pilotprojekte mit OpenDesk unvermindert fortgesetzt und bereits gewonnene Erkenntnisse aus Schleswig-Holstein mit berücksichtigt werden. Derzeit werden zunächst 60 Arbeitsplätze testweise umgestellt, im weiteren Jahresverlauf soll die Weiterentwicklung von OpenDesk forciert und weitere Behörden wie das Robert-Koch-Institut umgestellt werden. Zu den ersten US-Diensten, die dabei prioritär abgelöst werden sollen, gehören Microsoft Exchange und Microsoft SharePoint.

Auch beim Thema Virtualisierung, wo VMware von Broadcom die derzeitige Führungsrolle inne hat, werden schrittweise zunächst parallel europäische Alternativen eingeführt. Welche das genau sind, verrät der Bericht nicht, angesichts eingeschränkter Alternativen dürften aber das quelloffene OpenStack und vor allem das aus Österreich stammende Proxmox die wahrscheinlichsten Kandidaten sein.

Souveräne Cloud

Ähnlich wie der Deutsche Bundestag, der die Loslösung von Microsoft zunächst mit einem Zwischenschritt über die SAP-Tochter Delos angehen dürfte, steckt auch das BSI bei der souveränen Cloud in einem Dilemma. Hintergrund ist der Cloud Act, der die Nutzung von AWS und Microsoft Azure im Bund zu einer ziemlich heiklen Angelegenheit macht. Entsprechend geht es auch hier um eine Doppelstrategie.

Eine Zusammenarbeit gibt es bereits mit IONOS aus Rheinland-Pfalz, der zu den größten europäischen Cloudanbietern gehört und im Bund seine Unterstützung zum Schutz kritischer Daten in der öffentlichen Verwaltung weiter ausbauen wird. NextCloud spielt hier eine Teilrolle. Daneben soll auch mit Schwarz Digits demnächst eine vergleichbare Vereinbarung geschlossen werden. Hier dürfte es wie beim Parlament um Stackit gehen, was die Schwarz-Gruppe als vergleichbare Alternative anbietet.

In der Übergangszeit will das BSI mit strengen Auflagen den Zugriff der US-Behörden zumindest erschweren. Anbieter aus den USA werden verpflichtet, Kontrollschichten einzuziehen und gemeinsam mit der Behörde an einer Sicherheitsarchitektur einschließlich Verschlüsselung und externem Schlüsselmanagement zu arbeiten.

Zudem wird mit Amazon daran gearbeitet, die AWS-Infrastruktur im EU-Raum physisch vom globalen Rest abzukoppeln. Die entsprechende Instanz muss nach den Auflagen des BSI zudem von europäischem Personal in Europa betrieben werden. Damit möchte man einerseits ungewollten Datenabfluss in die USA unterbinden, zum anderem soll aber auch die externe Steuerung oder gar Abschaltung der Instanz aus den USA möglichst erschwert werden.

Mängelbeseitigung

Am Ende kann das aber nur eine Übergangslösung sein, weswegen man im BSI an weiteren Schritten arbeitet, um noch vorhandene Mängel zu beseitigen. So sollen einheitliche Standards neben der Sicherheit auch bei der Interoperabilität dafür sorgen, dass eine Cloud bzw. entsprechende Instanz möglichst schnell gewechselt werden kann. Im BSI selbst wurde zudem das Open Source Program Office (OSPO) ins Leben gerufen, um vorhandene Defizite bei der Verwendung solche Software möglichst zeitnah zu beheben.

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Ich finde ja OpenSource gut, finde es auch gut wenn man nun etwas von den Riesen abgeht und versucht Alternativen zu nutzen.
Ich hoffe nur, da ja auch hier verschiedene Anbieter genutzt werden sollen, dass es dann aber auch gleiche Schnittstellen gibt. Nicht, dass wieder alle ihr eigenes Süppchen kochen und dann wieder feststellen, dass Kompatibilität nicht gegeben ist.
Denn das ist, neben dem Gedanken an die Datenhoheit, eines der größten Probleme.
Kaum eine Behörde kann mit einer anderen Behörde Daten austauschen ohne, dass wieder jemand händisch oder gar jn Papierform alles nacharbeiten muss.
Da ja OpenSource, sollte sich die Gefahr eigentlich nicht ergeben. Wer allerdings weiß, wie Behörden Verträge über digitale Produkte mit Firmen abschließen, weiß auch, dass selbst ein "Speichern" oder "Drucken" Button schon eine Sonderbestellung darstellen kann und Geld will man ja immer sparen. Leider alles schon erlebt und danach war es keiner.
 
Wollen sie nun unabhängig sein oder nicht? Mit US-Firmen wird das nichts.


Zum Cloud Act:
"AWS kann also nicht garantieren, im Zweifelsfall keine Daten von z.B. eines deutschen Mittelständlers an US-Behörden weiterzugeben? "

Kevin Miller ist Vice President - Global Data Centres bei Amazon Web Services (AWS):
„Nein, das können wir nicht garantieren. Wir müssen ganz klar sagen, dass wir uns an die gesetzlichen Vorschriften halten werden.
 
Wollen sie nun unabhängig sein oder nicht? Mit US-Firmen wird das nichts.
Wollen sie, aber das geht nur mit einem Zwischenschritt, weil sie ähnlich wie der Bundestag da unheimlich viel verschlafen haben. Der Bundestag geht bis zum Sommer wohl den Zwischenschritt über die SAP-Tochter Delos, ehe es nach derzeitigem Stand schnellstmöglich auf Stackit von der Schwarz-Gruppe als endgültige Lösung gehen soll.

Beim Bund ist das Problem, dass Azure und AWS als Teile der Bundescloud die ganze Zeit schon im Einsatz sind und das BSI hier mit schärferen Auflagen reagiert, weil die bisherigen Kapazitäten von IONOS noch nicht ausreichen, um diesen Wechsel durchzuziehen. IONOS muss weiter aufwachsen und Stackit von der Schwarz-Gruppe soll für einen schnelleren Wechsel zusätzliche Kapazitäten liefern, der durch die Standards für Interoperabilität noch vereinfacht und beschleunigt werden soll.

Nicht falsch verstehen, die Sachen sind dringlich und müssen im Eiltempo kommen. Trotzdem müssen die neuen Strukturen erst neben den bestehenden aufgebaut und durchgetestet werden, damit man die Daten ohne Probleme bei der Handlungsfähigkeit dann rüberziehen und die alten Strukturen abschalten kann. Das ist der normale Vorgang und genau das kommunizieren die Verantwortlichen hier ja auch.
 
Eine Zusammenarbeit gibt es bereits mit IONOS aus Rheinland-Pfalz, der zu den größten europäischen Cloudanbietern gehört und im Bund seine Unterstützung zum Schutz kritischer Daten in der öffentlichen Verwaltung weiter ausbauen wird. NextCloud spielt hier eine Teilrolle. Daneben soll auch mit Schwarz Digits demnächst eine vergleichbare Vereinbarung geschlossen werden.

Das ist jetzt etwas verwirrend. Die Cloud-Technologie von IONOS ist doch aber identisch mit dem HiDrive von Strato. StackIT ist ja doch wohl was eigenständiges. Und wo ist dann die Teilrolle von Nextcloud?
 
Und wo ist dann die Teilrolle von Nextcloud?
Momentan ist das alles noch etwas verwirrend, das muss man zugeben. Für die Österreicher hat IONOS zum Beispiel eine eigene NextCloud entwickelt. In Deutschland schließen Bundestag und BSI/BMDS dafür mit der Schwarz-Gruppe eigene Verträge etwa für Stackit ab, obwohl derzeit OpenDesk auf breiter Front getestet wird und NextCloud sowie Stackit hier neben anderen Modulen wie Collabora Office, Univention Server, Element/Matrix oder Open Xchange sowieso Teil der Suite sind.

Ich glaube, da werden wir einfach abwarten müssen. Vielleicht liegt das auch an der gebotenen Dringlichkeit und dem für deutsch-bürokratische Verhältnisse relativ hohem Tempo, dass sich das BSI und BMDS hier verhaspeln.
 
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