Anzeige

Am Puls von Microsoft

Anzeige

Ein Jahr „HomeOffice extrem“: Lerneffekte und Zukunftswünsche

DrWindows

Redaktion
Ein Jahr „HomeOffice extrem“: Lerneffekte und Zukunftswünsche
Home Office - Beispielbild


Seit mittlerweile einem Jahr – sogar schon ein wenig länger – hat uns Corona fest im Griff. Damit verbunden ist eine exorbitante Zunahme der Heimarbeit, auch für mich. Ich gehöre zu den Menschen, die schon vorher oft und gerne im HomeOffice gearbeitet haben, und trotzdem hat sich auch für mich in den vergangenen 12-13 Monaten sehr viel verändert.

An meinen persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen habe ich die Leser von Dr. Windows teilhaben lassen. Im Artikel Plötzlich HomeOffice: Man geht nicht einfach heim und arbeitet habe ich ein paar Erkenntnisse in der Hoffnung niedergeschrieben, sie mögen für die „Neu-Heimarbeitenden“ hier und da hilfreich sein.

Obwohl ich ein großer Fan des HomeOffice bin, musste ich im Lauf der Zeit feststellen, dass es sehr wohl eine schädliche Dosis gibt, die man nicht überschreiten bzw. deren Begleiterscheinungen man kennen und bekämpfen sollte. Das Feedback, welches ich auf den Artikel HomeOffice Koller: Die Gefahr ist real erhalten habe, war überwältigend. Sogar jetzt erreichen mich noch Zuschriften von Leuten, die sich darin wiederfinden.

Seit diesem Beitrag sind wieder ein paar Monate vergangen, an der grundsätzlichen Situation hat sich allerdings nichts geändert. Dennoch haben sich für mich wieder ein paar neue Erkenntnisse und Lerneffekte ergeben, die ich darum wieder mit der Leserschaft teilen möchte. Ich hoffe auf eine angeregte Diskussion in den Kommentaren.

Die „Ich bin ja sowieso zu Hause-Falle“​


Im Artikel „Plötzlich HomeOffice“ hatte ich beschrieben, wie wichtig es ist, sich bei der Heimarbeit selbst zu organisieren, den Tagesablauf zu planen und sich zu überlegen, wie man auch unter erschwerten Bedingungen fokussiert arbeiten kann. Viele dieser Erkenntnisse habe ich für mich selbst umgesetzt, und bedingt durch die lange Zeit, die dieser Zustand nun schon anhält, komme ich grundsätzlich besser zurecht. Übung zahlt sich eben aus.

Ein Problem, mit dem ich allerdings noch kämpfe, habe ich die „Ich bin ja sowieso zu Hause-Falle“ getauft. Das betrifft hauptsächlich private Vorhaben, denn HomeOffice und die Vermischung von Berufs- und Privatleben gehen Hand in Hand. Für Viele war das im letzten Jahr eine neue Erfahrung, auf die sie unterschiedlich reagiert haben.

Ich kenne Menschen, die darunter leiden, ich kenne aber auch Menschen, die vorher eine strikte Trennung von Präsenzarbeit und Heimfreizeit praktizierten und die jetzt feststellen, dass die Vermischung auch Vorteile mit sich bringt. Ein Patentrezept dafür gibt es nicht, die Menschen sind nun mal verschieden.

Ich selbst trenne nichts mehr. Ich habe ein Leben, und in dem kommen sowohl Arbeit als auch Freizeit vor. Mit Uhrzeiten hat das für mich nichts mehr zu tun.

Aber ich schweife ab, zurück zum Thema: Wenn es darum geht, etwas zu planen, sage und denke ich oft „ich bin flexibel, ich bin ja sowieso zu Hause“. Aber auch spontane (meist private) Einfälle werden oft ebenso spontan umgesetzt. Das führt dazu, dass mein Tag manchmal in zu viele separate Ereignisse aufgeteilt wird, mit dem Ergebnis, dass man am Ende des Tages nicht selten das Gefühl bekommt, nichts erledigt zu haben.

Eine echte Lösung habe ich für mich noch nicht gefunden. Eine Idee, die mir durch den Kopf geht, ist die Festlegung von „Schreibtisch-Zeit“. Das heißt, ich plane einen Zeitblock ein, den ich so am Schreibtisch verbringe, als wäre ich im Büro. Jegliche Privatangelegenheiten sind in dieser Zeit tabu, entsprechende Störungen werden nicht zugelassen, und wer etwas von mir will, hat eben Pech. Wäre ich im Büro, dann wäre ich ja auch nicht greifbar.

Vielleicht werde ich das mal versuchen, allerdings nicht, ohne es vorher mit meiner Frau zu besprechen. Eigentlich will ich das nicht auf diese Art lösen, weil es sich wie ein Rückschritt anfühlt, aber wenn es mich effizienter macht, dann werde ich das zumindest so lange praktizieren, bis ich eine bessere Idee habe.

Tote Tage ohne schlechtes Gewissen akzeptieren​


Der nun folgende Punkt betrifft eher Angestellte als Selbständige. Ich bin ein Zwitter, aber was ich im Folgenden aufschreibe, hat ausschließlich mit meiner Tätigkeit als Angestellter zu tun.

Wer in einem Beruf arbeitet, bei dem die Arbeitsleistung nicht unmittelbar an einem produktiven Output gemessen werden kann, der kennt mit Sicherheit das Problem der „toten Tage“. Jene, an denen man wie oben schon erwähnt dasitzt und denkt „was habe ich heute eigentlich geleistet?“

Ein Handwerker kann auf sein Tagwerk schauen und sieht, was er geschafft hat. Bei einem Systemplaner, Projektmanager oder Softwareentwickler ist das manchmal deutlich schwieriger. Man verbringt den Tag, indem man über ein Problem grübelt, schwierige Gespräche führt oder stundenlang ergebnislos nach einem Fehler sucht. Am Abend stellt man fest, dass man keine oder nur wenige Fortschritte erzielt hat. Frustriert zieht man das Fazit: „Eigentlich habe ich heute gar nichts getan. Es war ein toter Tag.“

Diese Problematik hat nichts mit HomeOffice zu tun, tote Tage habe ich im Büro bereits zur Genüge erlebt. Im HomeOffice haben sie mir aber lange Zeit ein überaus schlechtes Gewissen bereitet.

Bei der Präsenzarbeit erbringt die Zeiterfassung zumindest den Nachweis, dass ich anwesend war und damit dem Unternehmen den vertraglich vereinbarten Anteil meiner Lebenszeit zur Verfügung gestellt habe. Im Homeoffice gibt es aber nichts, was in seinem solchen Fall beweist, dass dieser Tag tatsächlich ein Arbeitstag war. Es ist daher umso wichtiger, sich klarzumachen, dass diese „toten Tage“ dazugehören. Sie sind in manchen Berufen unvermeidlich, sie sind eine oft notwendige Etappe auf dem Weg zum Gesamterfolg. Man muss deshalb kein schlechtes Gewissen haben.

Und wie geht’s weiter?​


Zu Beginn der Pandemie wurde schnell der Begriff der „neuen Normalität“ geboren, in der wir jetzt leben. Dagegen habe ich mich gesträubt, auch weil ich so naiv war zu glauben, die Phase wäre nicht lang genug, um nachhaltige Veränderungen herbeizuführen. Da ein Ende noch nicht absehbar ist, kann ich diesen Punkt streichen, dennoch wehre ich mich noch immer vehement, aus der gegenwärtigen Situation irgendwelche Prognosen herzuleiten.

Viele Dinge, die vor einem Jahr neu und ungewohnt waren, wurden zur Routine. „Normal“ ist hier aber noch gar nichts, dafür ist unser aller Leben nach wie vor zu außergewöhnlich.

Eine Bitkom-Studie ergab Anfang März, dass sich nur 12 Prozent dauerhaftes Arbeiten im HomeOffice vorstellen können, die überwältigende Mehrheit will zurück ins Büro. Ich persönlich glaube, dass der Anteil deutlich höher wäre, wenn die Befragten ein normales Freizeitleben mit entsprechenden sozialen Kontakten hätten. Ich will einfach wieder mehr Zwischenmenschlichkeit erleben, das müssen aber nicht unbedingt meine Kollegen sein (obwohl ich sie alle mag).

Ich mache meine Behauptung auch daran fest, dass 38 Prozent der von Bitkom befragten Personen zwar wieder in die Firma wollen, aber dort am liebsten ein Einzelbüro hätten. Man will die Kollegen also schon gerne wiedersehen, bei der Arbeit aber möglichst nicht gestört werden. Dass nur ein Prozent das Großraumbüro bevorzugt, dürfte keine Auswirkung von Corona sein. Wer will schon in einer Wartehallen-Atmosphäre arbeiten.

Das Motto für die nähere Zukunft heißt abwarten, sich mit der Situation arrangieren, auf sich und andere achten. Nicht nur im Beruf, sondern natürlich auch im Privaten. In welcher Form Corona unsere Arbeitswelt tatsächlich nachhaltig verändert hat, werden wir wahrscheinlich erst in ein paar Jahren rückblickend sagen können.


Hinweis: Der Artikel wird möglicherweise nicht vollständig angezeigt, eingebettete Medien sind in dieser Vorschau beispielsweise nicht zu sehen.

Artikel im Blog lesen
 
Anzeige

br403

gehört zum Inventar
Sehr interessant und mir geht es ähnlich. Die Mehrzahl meiner Kollegen habe ich im März 2020 zuletzt in Person gesehen, aber was hilft es. Viel mehr will ich wieder zu unseren Kunden fahren und ihnen vor Ort helfen. Denn nicht alles geht über Teams perfekt. Von daher war schon das Büro vorher bei mir kein Dauerzustand, da war ich auch schon vor Corona nur zwei mal im Monat. Aber an diesen Tagen konnte ich zumindest meine Kollegen in meinem Standort treffen, zum Essen gehen usw. Und das wird aber auch wiederkommen, da bin ich mir ganz sicher.
 

skalar

gehört zum Inventar
Bei mir persönlich und meiner Familie ist die Pandemie spurlos vorbei gegangen. Ich habe bei mir keine negativen Erscheinungen erlebt oder beobachtet. Vielleicht liegt es an meinem Typ, vielleicht auch an meinem Umfeld.
Wie ich bin:
Meine Mitmenschen beschreiben mich als einen sehr analytischen und sehr aktiven Menschen. Das bezieht sich sowohl im Beruf, wie im privaten.
Durch die Aktivität im Beruf und Freizeit habe ich nicht die Möglichkeit depressiv zu werden. Ich mache sehr viel Sport und habe meine Mitmenschen auch dazu beeinflusst.
Sowohl im Beruf, wie in der Freizeit habe ich für mich persönlich eine Zeiteinteilung entwickelt. Diese basiert auf wiederholenden Mustern, wodurch eine Kontinuität und Berechenbarkeit mit der Zeit eintritt.
Das betrifft das Vorgehen im Beruf, beruflicher Vorbereitung, Sport in der Freizeit, aber auch meine Ernährung. Ich bin schon fast ein Gesundheitsapostel!
Dies alles beeinflusst meine Umgebung. Sowohl privat, wie im Beruf, sprechen mich die Mitmenschen auf meine Lebensweise häufig an. Und ich erkenne, diese werden davon beeinflusst. Sie ändern ihre Ernährung, ihre Haltung zu ihrer Gesundheit.
Mein Rat an alle:
Werdet aktiv mit dem Körper und Geist (langsam angehend), ernährt euch gesund und entwickelt ein Zeiteinteilung, welches auf wiederholenden Mustern beruht (Rituale)!
 

Martin

Webmaster
Teammitglied
Durch die Aktivität im Beruf und Freizeit habe ich nicht die Möglichkeit depressiv zu werden.
Ich bin mit dem Begriff "Depression" früher sehr leichtfertig umgegangen, inzwischen nicht mehr. Depression ist eine Krankheit, wie Krebs oder Grippe. Wenn man Pech hat, erwischt es einen. Sorry wenn ich da so reingrätsche, aber wir müssen uns von dem Gedanken befreien, dass Menschen, die an Depressionen leiden, in irgendeiner Weise "selbst schuld" daran wären.
Wie bei allen Krankheiten gibt es selbstverständlich Faktoren, die sich günstig oder ungünstig auswirken können. Ich will da aber jetzt keinen Nebenkriegsschauplatz aufmachen, das hätte eher einen eigenen Thread verdient.
 

Kevin Kozuszek

Moderator
Teammitglied
Ich hatte da ja im vergangenen Jahr dazu mehrmals hier gebloggt, aber durch meine Agoraphobie als Erkrankung/Schwerbehinderung ist die Situation, die viele Menschen daheim jetzt mal zeitweise erleben müssen/dürfen, für mich in wesentlichen Teilen sowieso gelebter Alltag. Man arbeitet dagegen an, das stimmt schon, aber eine Agoraphobie ist grundsätzlich mit einer Einschränkung im Bewegungsradius verbunden und das kann man, wenn es einmal in voller Stärke da ist, nur extrem langsam wieder mindern.

Durch die Agoraphobie hatte ich aber auch den Vorteil, dass ich schon eine gewisse Organisationsstruktur im Alltag habe. Alleine das hat schon viel aufgefangen und eine Konsequenz für mich war in der Hinsicht auch, dass ich versuche, dieses gesamte Konstrukt, weil ich ja auch viel digital plane, möglichst gut und möglichst umfassend weiterzuentwickeln, damit da auch die bestmögliche Unterstützung im Alltag dabei rauskommt. Gerade in den letzten Monaten hatte ich nochmal mit einigen Ideen experimentiert, die zum Teil jetzt einfließen sollen oder schon umgesetzt worden sind.

Was das Ganze zur Herausforderung macht, ist in meinen Augen ohnehin nicht die Arbeit, sondern die Freizeit. Viele Menschen finden ja aktuell keinen richtigen Zugang zur Entspannung. Ich bin aber insofern besser dran, weil sich für mich hier trotz Lockdown sehr gute Möglichkeiten ergeben. Ich bin halt ein großer Fan von Japan und damit Anime und (zum Teil) Manga, und neben NHK World als entsprechendem Auslandssender gibt es auf Netflix, Crunchyroll und Co. genügend Content in der Richtung, hinzu kommen die Animeradios, -podcasts und entsprechende Kanäle, die ich auf YouTube abonniert habe. Ich bin auch ein Freund von elektronischer Musik (und da besonders Trance) und viele DJs wie Paul van Dyk oder Giuseppe Ottaviani streamen mittlerweile regelmäßig auf Twitch. Dazu kommt eine immer noch große Liste an Games auf Steam & Co., der normale Haushalt und ich habe auch mit anderen Sachen wie den Büchern und dem Schreiben wieder mehr angefangen. Da habe ich auch noch mehr mit vor, aber man hat halt auch nur zwei Hände. Sind auch nur einige Beispiele, sowas wie mehr Sport wäre ja auch mal wieder eine Idee. ;)

Davon abgesehen hat Dr. Windows natürlich auch seine Rolle und ist eine Aufgabe für sich. Rund um große Konferenzen wie der Microsoft Ignite oder der BUILD Conference habe ich ja ohnehin immer genug zu tun, aber auch sonst mache ich ja u.a. die regelmäßigen Artikel zu solchen Themen wie Firefox oder Visual Studio Code, da kommt dann auch eine gewisse Routine rein.
 

Krischan1981

gehört zum Inventar
Guter Artikel, bei mir gibt es kein HomeOffice im Berufsleben. Als Altenpfleger muss ich zugeben das mit Beginn des ersten richtigen Lockdowns auf meiner Demenzstation sogar viel mehr ruhe war. Kein Angehörige und keine "fremd"-Kollegen mehr auf dem Wohnbereich, hat für die Bewohner viel mehr ruhe gebracht. Was nach Ende des Besuchsverbotes auch schlagartig wieder änderte. Das Arbeiten mit den FFP2 Masken ist allerdings wirklich sehr anstrengend, immer wieder drohten Kollegen auch umzukippen. CoVid erreichte meine Einrichtung erst in diesem Jahr was nochmal ordentlich Angst ausgelöst hatte.
Es wurde auch viel versprochen das die Bewohner per Skype/Zoom mit ihren Angehörigen kommunizieren können. Das schwache WLAN wurde ausgebaut, Skypen kann aber bis heute keiner. Ich hoffe das im Gesundheitswesen in zukünftig die Digitalisierung einen Schub bekommt. Noch immer verbringe ich viel zu viel Zeit Dinge auszudrucken durch das Fax zu schicken (ggf. mehrmals wenn es mal wieder nicht durchgegangen ist). Den Ausdruck datenschutzrechtlich zu vernichten und die Faxbestätigung abzuheften.

Im Hobby mache ich für unsere Kirchengemeinde die Internetseite, und Sozial Media und seit Mitte letzten Jahres auch YouTube (CoVid machts möglich). Da kann ich sagen - bin ich ein richtiger HomeOfficer geworden. Erheblich mehr Arbeit und Aufmerksamkeit, um auch ältere Gemeindemitglieder besser einbeziehen zu können. Ich muss sagen das es vor allem schwer war/ist genau zu verstehen was wie visuell umgesetzt werden soll. Das war in persönlichen Gesprächen viel besser, da man auch durch den persönlichen Kontakt besser versteht, wie der gegenüber es meint und wünscht.

Privat kann ich sagen das ich in der ersten Hälfte des CoVod-Jahres, erst durch die Schließung meiner FitX Studios zugelegt habe. In der zweiten Hälfte es nun geschafft habe, mein Gewichtsziel (minus 10 kg) zu erreichen, was auch daran liegt das man ja nicht mal eben ne Pizza essen geht. Die Versuchungen sind nicht mehr so präsent. Dazu habe ich meinen Sport vor allem Joggen drastisch gesteigert (einfach mal Raus) und nutze Zuhause nun Sport-Apps, naja mehr mal weniger. Man richtet sich zunehmend mit der Situation und den Gegebenheiten ein.
 

Eisenherz

kennt sich schon aus
Ich bin mit dem Begriff "Depression" früher sehr leichtfertig umgegangen, inzwischen nicht mehr. Depression ist eine Krankheit, wie Krebs oder Grippe. Wenn man Pech hat, erwischt es einen. Sorry wenn ich da so reingrätsche, aber wir müssen uns von dem Gedanken befreien, dass Menschen, die an Depressionen leiden, in irgendeiner Weise "selbst schuld" daran wären.
Wie bei allen Krankheiten gibt es selbstverständlich Faktoren, die sich günstig oder ungünstig auswirken können. Ich will da aber jetzt keinen Nebenkriegsschauplatz aufmachen, das hätte eher einen eigenen Thread verdient.
Depressionen ist ein sehr schweres Thema, leider geben es Menschen nicht zu, Depressionen zu haben.
 

skalar

gehört zum Inventar
Depression ist eine Krankheit, wie Krebs oder Grippe.
Sehe ich nicht so, dies würde aber zu weit führen es zu erklären!
Ich kann nur auf die Behandlungsmuster von Psychologen verweisen, diese emfehlen Aktivität als zentrale Behandlung gegen Depression. Leider sind wir Menschen sehr unterschiedlich. Manche brauchen psychologische Beratung und wiederum manche machen es aus ihrem Naturell intuitiv richtig.
Die Ursachen für Depressionen sind immer gleich, es wirkt sich nur bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich aus. So entsteht auch dein spezieller Anschein.
 

sim

kennt sich schon aus
Ich denke es geht hier im Forum zu weit, über die psychische Erkrankung zu fachsimpeln.
Wichtig erscheint mir hier nur der Hinweis, dass "depressiv" - wie im Ausgangsposting verwendet - nicht mit einer Depression gleichzusetzen ist. Sog. "depressive Episode" sind weitesgehend normal, d.h. diese erleben auch Menschen, die nicht an einer Depression erkrankt sind. Und um diese depressive Stimmung geht es hier.

Zum Thema "tote Tage":
Martin hat einen wesentlichen Aspekt schon genannt: "Sie sind in manchen Berufen unvermeidlich, sie sind eine oft notwendige Etappe auf dem Weg zum Gesamterfolg."
Hier möchte ich noch etwas ergänzen. Wichtig ist sich bewusst zu machen, dass die meisten toten Tage gar nicht so tot sind. Oft ist es eine einzelne Aktivität, die muss gar nicht lange gedauert haben, die den Tag zu einem erfolgreichen Tag macht, auch wenn 99% des Tages unproduktiv waren.
 
Zuletzt bearbeitet:

Kevin Kozuszek

Moderator
Teammitglied
Sehe ich nicht so, dies würde aber zu weit führen es zu erklären!
Ich kann nur auf die Behandlungsmuster von Psychologen verweisen, diese emfehlen Aktivität als zentrale Behandlung gegen Depression. Leider sind wir Menschen sehr unterschiedlich. Manche brauchen psychologische Beratung und wiederum manche machen es aus ihrem Naturell intuitiv richtig.
Die Ursachen für Depressionen sind immer gleich, es wirkt sich nur bei unterschiedlichen Menschen unterschiedlich aus. So entsteht auch dein spezieller Anschein.
Depressionen sind eine der schlimmsten psychischen Erkrankungen, die es überhaupt gibt, und du möchtest es uns also als deine Binsenweisheit verkaufen, dass die Ursachen immer gleich sind und dass es mit psychologischer Beratung, wenn sie es nicht aus ihrem Naturell heraus schaffen, getan ist. Mal abgesehen davon, dass es mich als jemand, der mit der Agoraphobie selbst eine psychische Erkrankung/seelische Behinderung hat, dermaßen ankotzt, wenn andere Menschen die Tabuthemen der mentalen Gesundheit und Depressionen verharmlosen oder runterspielen: Ich gebe dir gerne ein Beispiel aus dem realen Leben.

Meine Agoraphobie begleitet mich jetzt fast 28 Jahre und durch meine Familie und die Therapien, die ich über die Jahre gemacht habe, habe ich auch zahlreiche Menschen mit anderen Erkrankungen wie Asperger, ADHS oder anderen Phobien kennengelernt. Für diese Erfahrungen bin ich bis heute sehr dankbar, weil es mir gezeigt hat, dass ich a) nicht alleine mit solchen Handicaps bin und b) dahinter trotzdem ganz tolle Menschen stehen, wo teilweise damals auch echte Freundschaften entstanden sind. Unter diesen Menschen sind auch einige, die mit echten Depressionen zu tun hatten und zum Teil (manche davon sind leider schon verstorben) immer noch haben. Zwei davon sind aus meinem engsten Familienkreis und eine davon, die mir sehr sehr nahe steht, hat damit immer noch zu tun.

Depressionen sind kein spezieller Anschein, haben höchst unterschiedliche Ursachen und bei den von dir angesprochenen Aktivitäten geht es nicht um irgendeine psychologische Beratung. Das zu sagen ist nicht nur naiv, das ist auch ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die das durchmachen. Wenn du viel Glück hast, gehst du nur für mehrere Monate in eine Tagesklinik und bist in der Nacht und am Wochenende dann zu Hause. In der Regel geht es aber darum, dass die Menschen wirklich in eine stationäre Klinik müssen, damit sie überhaupt erstmal wieder einen Sinn in ihrem Leben sehen. Die Suizidgefahr ist nicht umsonst so hoch und die engmaschige Überwachung, die in der Klinik ja grundsätzlich erfolgt, endet da nicht. Das geht zu Hause genauso weiter und für die Angehörigen ist das eine zusätzliche und teilweise enorme Belastung. Ich darf in dem Punkt den Mund aufmachen, denn einerseits habe ich mit meiner Agoraphobie genug zu tun und zum anderen bin ich weiterhin für diesen besagten Menschen da, weil er mir unheimlich viel bedeutet.

Du hast in einem Punkt recht: Depressionen sind nicht wie Krebs. Weisst du warum? Krebs ist kein Tabuthema. Krebs in seinen verschiedenen Formen ist eine Krankheit, über die mittlerweile relativ offen gesprochen wird. Für Krebs kann man offen über Behandlungsmöglichkeiten sprechen, Selbst das Fernsehen greift das in der Werbung immer wieder auf, wenn über die DKMS, die Darmkrebsvorsorge oder die Mammographie bei Frauen gesprochen wird. Ganz tolle und sehr sehr wichtige Sache.

Menschen, die an psychischen Erkrankungen leiden, haben diesen Luxus oftmals leider nicht. Ich habe selber "nur" eine Agoraphobie und kenne diesen Hürdenlauf aus meiner Vergangenheit auch zur Genüge. Was meinst du, wie das für einen Menschen ist, der an Borderline, Shizophrenie oder eben Depressionen leidet? Weisst du überhaupt, dass diese Menschen im übertragenen Sinne fast schon Pflegefälle werden können, weil sie ihren Alltag in hohem Maße nicht mehr bewältigen können? Natürlich gibt es Möglichkeiten, mit den verschiedenen Krankheiten zu leben (heilen ist immer ein schwieriges Thema) und dagegen anzukämpfen, aber um eine Rechtliche Betreuung kommen viele nicht herum, die Jahre, Jahrzehnte oder sogar ein ganzes Leben dauern kann. Ich weiß, wovon ich rede, ich habe selber eine Rechtliche Betreuung und bekomme Unterstützung, weil ich durch die Agoraphobie schwerbehindert bin und in der starken Form, die meine Krankheit hat, vieles nicht alleine schaffe, auch wenn ich alles in meiner Macht stehende tue und mich anstrenge, wo es geht.

Normalerweise könnte ich hier jetzt noch extrem deutliche Worte wählen, aber ich ich möchte nur noch soviel sagen: Deine Aussagen sind dermaßen naiv, verharmlosend und beschämend, dass du dich mit dem Schwachsinn für jede weitere Äußerung, die irgendwie ernst genommen werden soll, selbst disqualifiziert hast. Für den Mist solltest du normalerweise vor Scham im Boden versinken. Ehrlich. Ich bin selbst ein sehr analytischer und nachdenklicher Mensch, der entsprechend für sich auch Entscheidungen treffen kann, aber wenn ich eines gelernt habe, dann, dass es für mentale Gesundheit und vor allem bei solchen Erkrankungen kein Patentrezept gibt. Natürlich spielen Struktur und entsprechende Techniken eine tragende Rolle, aber nur jemand, der als Psychologe bzw. Psychotherapeut das entsprechende Fachwissen hat oder als Betroffener das Ganze entsprechend gelernt hat, kann da wirklich mitreden.

Speziell zur aktuellen Situation verlinke ich unter dem Text hier nochmal ein Video, was letzte Woche erst auf YouTube veröffentlicht wurde und die Situation für psychisch und seelisch Erkrankte sehr gut beschreibt. Seht es euch ruhig an, aber nur, wenn ihr auch mit Themen wie suizidaler Gefahr usw. umgehen könnt.

 

sbfy

nicht mehr wegzudenken
Ich kann nur auf die Behandlungsmuster von Psychologen verweisen, diese emfehlen Aktivität als zentrale Behandlung gegen Depression.

Ja das stimmt, Bewegung ist ein zentraler Baustein zur Behandlung von Depressionen, aber längst kein Allheilmittel. Ich kenne Personen aus meinem Verwandtenkreis, die trotz viel Bewegung immer wieder Depressionen bekamen. Oft helfen dann nur noch Medikamente. Und überhaupt, was soll man machen, wenn die betroffene Person sich nicht mehr bewegen kann? Meine Mutter hatte einen depressiven Stupor, darunter versteht man eine extreme Form der Depression, bei der sich die Gelenke versteifen, so dass keine oder kaum noch Bewegungen mehr möglich sind. Bei ihr hat sich der Stupor innerhalb weniger Tage gebildet. Das ging so schnell, dass wir nichts dagegen hätten unternehmen können. So musste sie die letzten 3,5 Jahre im Bett verbringen, bis ihre Organe so schwach waren, dass sie schließlich an Herzversagen gestorben ist. Depression ist eine furchtbare Krankheit, die leider dramatische Folgen haben kann.
 

Kevin Kozuszek

Moderator
Teammitglied
Depression ist eine furchtbare Krankheit, die leider dramatische Folgen haben kann.
Eben. Mindestens genauso schlimm ist aber die traurige Tatsache, dass solche Menschen mit dieser oder ähnlichen Krankheiten in der Öffentlichkeit teilweise immer noch stigmatisiert werden und das Thema auch immer noch oft genug in der gesellschaftlichen Tabuzone vor sich hin siecht, wo es eigentlich dringend rausgeholt werden muss. Das Problem ist in dem Fall vor allem, dass es eben eine Gruppe von Erkrankungen (nicht alle psychisch, aber gleich in der Außenwirkung) wie Depressionen, Borderline, Asperger (bzw. Autismus an sich), Tourette, die verschiedenen Phobien, Shizophrenie, ADHS, aber auch einfacheren Sachen wie Legasthenie oder Dyslexie ist, die ist für normale Menschen nicht so greifbar wie Krebs, Multiple Sklerose oder Rheuma. Mir sind in meinem Leben schon oft genug intolerante Vollpfosten über den Weg gelaufen, die dann hohle Phrasen a la "Die stellen sich nur an.", "Die sind halt Matsch in der Birne." oder "Die haben nicht mehr alle Tassen im Schrank." rausposaunen mussten und sich dann anschließend über die entsprechende Resonanz von mir oder anderen Leuten, mit denen ich unterwegs war, gewundert haben. Solche Aussagen sind so dermaßen erbärmlich und armselig, das zeugt nicht nur von fehlender Reife, sondern auch von fehlender Empathie und Rückgrat.

Ihr merkt das ja selbst sicherlich auch an mir. Eine Agoraphobie mit Panikstörung ist eine ziemlich starke psychische Krankheit und eine seelische Behinderung, wenn sie wirklich ihre volle Stärke zeigt. Trotzdem rede ich ganz normal mit euch und schreibe auch ganz normal meine Beiträge hier, ich bin also nicht irgendwie Gaga im Oberstübchen. Wenn ihr nicht mit mir unterwegs wärt und wir dann in eine Situation kommen, wo mein Körper und damit die Agoraphobie reagieren, dann würdet ihr wahrscheinlich gar nicht merken, dass ich sowas habe. Genau das ist aber Fluch und Segen in einem. Einerseits möchte ich auch so normal wie möglich leben und nicht über meine Phobie, sondern über meine Persönlichkeit, meinen Charakter und meine Talente etc. definiert werden. Gleichzeitig gehe ich aber schon immer offen mit dieser Krankheit um, wo andere dann aber wieder Schwierigkeiten mit dem Verständnis haben, weil sie diese Krankheit eben nur in bestimmten Situationen wirklich zeigt. Ich finde das auch immer dumm, wenn ich Menschen sehe, die jemanden, der sich nur etwas unwohl fühlt, dann direkt wieder mit "Na, haste wieder Platzangst?" anschnauzen. Sicherlich werden Klaustrophobie (Raumangst) und Agoraphobie (die richtige Platzangst, aber eigentlich die Angst vor weiten Flächen, großen Menschenmassen u.ä.) oft verwechselt, aber eine echte Agoraphobie, die neben der sozialen Phobie und der generalisierten Angststörung mit zu den stärksten ihres Schlages gehört, wünsche ich niemandem.

Ich bin persönlich auch noch eine sehr introvertierte Persönlichkeit, die viel nachdenkt und auch Zeit für sich braucht, um wieder Kraft zu tanken. Aber in all den Jahren mit meiner Behinderung/Krankheit habe ich mit der Zeit und durch die Hilfe von Psychologen und mir wichtigen und nahestehenden Menschen auch gelernt, dass nicht nur ein offener Umgang und eine Struktur im Alltag wichtig ist, sondern dass man auch ein hohes Maß an Selbstfürsorge betreiben muss, man darauf achten muss, welche Menschen man wirklich in seinem Umfeld haben möchte, und dass Hobbies und Aktivitäten, die einem wirklich Spaß machen und einen voranbringen, unheimlich wichtig sein können. Deswegen nehme ich mir solch intolerantes Geschwurbel und Geraffel heute auch nicht mehr zu Herzen, sondern konzentriere mich auf die Sachen und die Menschen, die mir wichtig sind. Alles andere ist Zeitverschwendung und vergebene Mühe.
 

Alice

Moderatorin
Teammitglied
Ich denke es geht hier im Forum zu weit, über die psychische Erkrankung zu fachsimpeln.

@sim
@all
Es stimmt, das Forum Dr. Windows ist nicht der ideale Ort, um darüber zu sprechen. Es geht auch nicht um das Fachsimpeln an sich wie bei einem Hobby egal welcher Art.

Auf den Punkt gebracht, einfach als Mensch angenommen und akzeptiert zu werden, mehr nicht.
Ich zähle ebenfalls zum Kreis der Betroffenen, welche mit einer oder mehreren gesundheitlichen Einschränkung/en ihren Alltag bewältigen müssen, so gut es möglich ist.
Ich betrachte meine Erkrankung als Teil meines Lebens und deshalb ist es für mich persönlich nicht zwingend notwendig, ständig darüber sprechen zu müssen. Das entscheidet eh jede/r für sich allein, wie damit umgegangen wird.

Der Austausch und die Hilfestellung untereinander, egal ob gesund oder nicht und unabhängig vom Thema, sollte im Vordergrund stehen.

Alles andere ist bereits von @Martin und @Kevin Kozuszek offen und schonungslos zur Sprache gebracht worden in den jeweiligen Posts. Dem ist nichts hinzuzufügen von meiner Seite.
 
Anzeige
Oben